Bezaubernd schön

L’ELISIR D’AMORE von Gaetano Donizetti in der Deutschen Oper am Rhein

FOTO: Hans Jörg Michel

Unerwiderte Liebe ist zum Verzweifeln! Das erfährt auch Nemorino, der die schöne und reiche Adina anschwärmt. Als der Sergeant Belcore ebenfalls um Adina wirbt, als sogar eine baldige Hochzeit anvisiert wird, ist Nemorino gezwungen, zu handeln. Da kommt der Scharlatan Dulcamare wie gerufen. Angeregt durch Adinas Erzählung von Tristan und Isolde bittet Nemorino ihn um einen Liebestrank. Dulcamare verkauft ihm einen Bordeaux zu überteuertem Preis. Dass dieser jedoch über den erwarteten Placebo-Effekt hinaus Nemorino plötzlich zum umschwärmten Frauenliebling macht, hätte er nicht zu träumen gewagt. Nur ist dieser durchschlagende Erfolg ganz allein der Nachricht von einer großen Erbschaft zu verdanken.

Von der idyllischen Landidylle hat Joan Anton Rechi in seiner Inszenierung den Schauplatz in einen Festsaal verlegt, in dem eine illustre Gesellschaft die Hochzeit der hochschwangeren Gianetta feiert. Das ist sicherlich auch ganz im Sinn des Düsseldorfer Publikums, das mit einer Partylocation mehr anzufangen weiß als mit einem Acker. Folgerichtig tritt Adina hier als Brautjungfer, Nemorino als Kellner auf. Dulcamara fungiert als verführerischer, etwas freakiger Barkeeper, der statt eines Zaubertranks bunte Cocktails mixt und diese als Wundermittel vertreibt, ganz auf die enthemmende Wirkung des Alkohols vertrauend oder zur Not auf seine baldige Abreise. Die Rivalität zwischen Nemorino und Belcore darf sich dann auch in einer Tortenschlacht enthemmen. Zwischendurch kündigen sich erste Wehen bei Gianetta an, und der ganze Frauenchor hechelt Unterstützung. Nemorinos Erbschaft bleibt nicht lange geheim, sondern wird sofort auf Twitter ausgeplaudert.

Aber Rechi kitzelt nicht nur die heitere Seite der Oper einfallsreich heraus, sondern setzt auch die eher melancholischen Partien gekonnt in Szene. So gelingt es auch Ovidiu Purcel den Nemorino facettenreich darzustellen. Selbstbewusst und kokett überzeugt Anett Fritsch als Adina, ebenso wie Bogdan Baciu als Aufschneider Belcore. Günes Gürle darf als Dulcamara eine überaus geschmeidige Show abziehen. Eine schwungvolle, gekonnte Inszenierung, die gute Laune macht, auch sängerisch ungemein überzeugt und daher wahre Begeisterungsstürme auslöste.

Unvergesslich wird sicherlich auch das bezaubernde Bühnenbild bleiben: ein Himmel voller Gläser, die wunderbare Lichteffekte erzeugten und sich im Lauf des Abends in einen Gläserwald verwandelten.

L’ELISIR D’AMORE von Gaetano Donizetti

Opera comica in zwei Akten

Libretto von Felice Romani nach Eugène Scribes „Le philtre“

Musikalische Leitung: Patrick Francis Chestnut

Inszenierung: Joan Anton Rechi

Bühne: Alfons Flores

Kostüme: Sebastian Ellrich

Chorleitung: Christoph Kurig

Licht: Volker Weinhart

Dramaturgie: Bernhard F. Loges

Adina: Anett Fritsch

Nemorino: Ovidiu Purcel

Belcore: Bogdan Baciu

Dulcamara: Günes Gürle

Giannetta: Luiza Fatyol

Chor: Chor der Deutschen Oper am Rhein

Orchester: Düsseldorfer Symphoniker

Premiere Freitag, 30. Januar 2015, um 19.30 Uhr.

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