Wie gemalt

"Le Nozze di Figaro" von W.A. Mozart in der Deutschen Oper am Rhein

Kategorien: OperKritiken

FOTO Hans Jörg Michel

In 200 Jahren hat die Welt sich ziemlich gewandelt und von der politische Brisanz des Stoffes der "Nozze di Figaro" in Mozarts Oper nach der Komödie von Beaumarchais ist nichts mehr übrig geblieben. Die Standesschranken und die Allmacht des Adels ist verschwunden und mit ihr das jus primae noctis (das Recht des adligen Herrn auf die erste Liebesnacht seiner weiblichen Untergebenen). Eine Inszenierung kann daher vermehrt den Focus auf die Liebesverwicklungen, die Ausflüchte und damit einhergehenden Missverständnisse, die Eifersucht, die Lust und Begierde legen, also kurz gesagt auf die komödiantischen Elemente.

Michael Hampe hat für die Deutsche Oper am Rhein "Le Nozze di Figaro" eher klassisch und zurückhaltend inszeniert, müde Scherze und Commedia dell Arte-Elemente finden sich nicht. Stattdessen greifen leider die Figuren, und hier besonders Anjara Bartz als Marcellina, mitunter auf gefühlsunterstreichende Gestik zurück, wie man sie aus lange zurückliegender Theaterpraxis kennt und heutzutage eigentlich nur noch als parodistisches Element anzuerkennen geneigt ist. Da große Emotionen fehlen, ergeben sich zuweilen Schwierigkeiten, den Figuren ihre Leidenschaften abzunehmen.

Im ersten Akt kommen die Sänger stimmlich nicht gegen das Orchester an. David Jerusalem als Figaro bleibt auch im Verlauf des Abends blässlich und wirkt eher wie eine Nebenfigur. Dominiert wird das Geschehen eindeutig von Anett Fritsch als Susanna und Sylvia Hamvasi, die als Gräfin Almaviva überzeugt. Wenn die Gräfin zu Beginn des zweiten Aktes hingegossen auf dem Bett liegt und von links durch die großen Salonfenster mildes Morgenlicht fällt, hat das schon malerische Qualitäten. Überhaupt ist die Lichtführung von Manfred Voss in der ganzen Inszenierung überaus eindrucksvoll. Iryna Vakula als Cherubino ist mehr Engelchen als Teufelchen. Daniel Djambazian ist hervorrgand als scheinbar einfältiger Gärtner Antonio. Luiza Fatyol als Barbarina entspricht überzeugend den Rollenerwartungen

Fazit: eine klassische, etwas zu brave Inszenierung, die ruhig etwas mehr Spannung und Pep vertragen könnte.

Wolfgang Amadeus Mozart

LE NOZZE DI FIGARO

Opera buffa in vier Akten KV 492

Libretto von Lorenzo da Ponte

Musikalische Leitung: Christoph Altstaedt

Inszenierung :Michael Hampe

Bühne und Kostüme: German Droghetti

Licht: Manfred Voss

Chorleitung: Gerhard Michalski

Choreografie: Michal Matys

Graf Almaviva: Richard Šveda

Gräfin Almaviva: Sylvia Hamvasi

Susanna: Anett Fritsch

Figaro: David Jerusalem

Cherubino: Iryna Vakula

Marcellina: Anjara Bartz

Basilio: Bruce Rankin

Don Curzio: Luis Fernando Piedra

Bartolo: Sami Luttinen

Antonio: Daniel Djambazian

Barbarina: Luiza Fatyol

Brautjungfer: Sibylle Eichhorn

Chor: Chor der Deutschen Oper am Rhein

Orchester: Düsseldorfer Symphoniker

Premiere 01.02.2014 - Opernhaus Düsseldorf

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