Ein Feuerwerk an Ideen

"Die Zauberflöte" von Wolfgang Amadeus Mozart in der Deutschen Oper am Rhein

FOTO: Hans Jörg Michel

"1927", so nennen Suzanne Andrade und Paul Barritt ihre Performancegruppe, die jetzt zusammen mit Barrie Kosky in einer Kooperation mit der Komischen Oper in Berlin und der Deutschen Oper am Rhein Mozarts "Zauberflöte" neu inszeniert hat. Der Name ist zugleich Programm, denn es finden sich zahlreiche Referenzen auf den Stummfilm der 1920er Jahre. So erinnert Pamina an Louise Brooks, Tamino an Buster Keaton, Monastatos an Nosferatu. Die drei Damen tragen elegante Kostüme aus dieser Zeit, benehmen sich aber weniger elegant und werden daher als Schwatz, Klatsch und Tratsch betitelt. Papagena tritt gar als Nummerngirl auf. Papageno ist ein melancholischer Clown, Sarastro eher ein Fabrikdirektor und die Königin der Nacht eine unheilvolle Spinnenfrau. Die Figuren der Zauberflöte agieren hier nicht auf der Bühne, sondern mit den auf eine Bühnenwand projizierten Animationen, für die nicht nur auf die Ästhetik der Stummfilms zurückgegriffen wird, sondern auch auf Comics und Zeichentrickfilme, - einige Sequenzen erinnern etwa an Lotte Reinigers Silhouettenfilm "Papageno" von 1935. Die Rezitative werden nicht gesungen, sondern als Zwischentitel im Schriftstil der Stummfilme eingeblendet und von Klaviermusik begleitet.

Suzanne Andrade und Barrie Kosky entfachen ein Feuerwerk an Ideen und erzählen die Zauberflöte als ein komisches Märchen, das den Zuschauer erheitert, zugleich ist die Bilderflut überwältigend und lenkt den Blick allzu sehr auf die Projektionen. Trotz des Einfallsreichtums bleibt das Geschehen seltsam zweidimensional, vielleicht weil sich der Überraschungseffekt schnell erschöpft und es den Charakteren aufgrund der Stilisierung an charakterlicher Tiefe mangelt, der Schwerpunkt mehr auf der Liebesgeschichte als auf dem mysteriösen Initiationsritus zu scheinen liegt. Wenn auch die Animationen alle Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen vermochten, so war doch auch die gesangliche Leistung des Teams auf höchstem Niveau. Überwältigend sang Christina Poulitsi als Königin der Nacht, ebenso wie Heidi Elisabeth Meier als Pamina und Ovidiu Purcel als Tamino.

Das Publikum zeigte sich begeistert von der phantasievollen, unbedingt sehenswerten Inszenierung, die einen völlig neuen Interpretationsansatz wagte.

DIE ZAUBERFLÖTE von Wolfgang Amadeus Mozart

Oper in zwei Akten

Libretto von Emanuel Schikaneder

Eine Produktion der Komischen Oper Berlin in Zusammenarbeit mit der Deutschen Oper am Rhein

Musikalische Leitung: Marc Piollet

Inszenierung: Barrie Kosky, Suzanne Andrade

Animationen: Paul Barritt

Konzeption: Barrie Kosky, Paul Barritt, Suzanne Andrade

Bühne und Kostüme: Esther Bialas

Licht: Diego Leetz

Chorleitung: Gerhard Michalski

Dramaturgie: Ulrich Lenz

Sarastro: Torben Jürgens

Tamino: Ovidiu Purcel

Die Königin der Nacht: Christina Poulitsi

Pamina: Heidi Elisabeth Meier

1. Dame: Romana Noack

2. Dame: Annika Kaschenz

3. Dame: Ramona Zaharia

Papageno: Bogdan Baciu

Papagena: Anna Tsartsidze

Monostatos: Florian Simson

1. geharnischter Man: Bruce Rankin

2. geharnischter Mann: Lukasz Konieczny

Chor: Chor der Deutschen Oper am Rhein

Orchester: Düsseldorfer Symphoniker

Premiere: Freitag, 13. September 2014, 19.30 Uhr – Opernhaus Düsseldorf

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