Der Blick hinter die Bühne

"Mephisto" nach Klaus Mann im Düsseldorfer Schauspielhaus

Kategorien: SchauspielKritiken

copyright: Sebastian Hoppe

Vom Zuschauerraum aus erblickt man auf der Bühne den Garderobenraum einer Theaterbühne. Im Hintergrund öffnet sich ein roter Samtvorhang und gibt den Blick - auf eine Theaterbühne frei. Ein Dreifachszenengedanke. Alle kleinen Eifersüchteleien, Intrigen, Bewunderungen und Beurteilungen spielen sich auf dem Hintergrund ab, der für den Zuschauer des Schauspiels "Mephisto" zum Vordergrund wird. Thema sind aber nicht die Eitelkeiten des Theaterbetriebes. Sondern der beispiellose Aufstieg eines Schauspielers zum Regisseur und Intendanten im dritten Reich.

Moritz Führmann spielt Heinrich Höfgen, der schmeichelt und verführt, der zum Opportunisten um der Karriere willen wird. Der Mephisto aus Goethes Faust wird zu seiner Paraderolle. Allein Kunst und Politik lassen sich nicht so einfach trennen. Höfgen sieht, welch einem System er sich angedient hat, wie viele seine früheren Kollegen emigrierten oder ermordet wurden. Sein Gewissen versucht er zu beruhigen durch Klein- und Schönreden, durch Hilfemaßnahmen solange er selbst dadurch nicht gefährdet wird. Seine Rechtfertigungsversuche scheinen ihn jedoch selbst nicht ganz zu überzeugen.

Klaus Mann hat seinen Roman "Mephisto" 1936 im Exil geschrieben. Um Persönlichkeits-rechte zu schützen stand er unter Druckverbot in der Bundesrepublik Deutschland, bis 1981 erstmals eine Taschenbuchausgabe erscheinen konnte. Klaus Mann hat vehement bestritten, dass es sich bei "Mephisto" um einen Schlüsselroman handle. Er wolle nicht die Geschichte eines bestimmten Menschen erzählen, sondern einen Typus darstellen. Nichtsdestotrotz sind die Anlehnungen an illustre Persönlichkeiten aus Kunst und Politik der 1930er Jahre nur allzu offensichtlich. Sicherlich ging es Klaus Mann nicht nur darum, seinen Ex-Schwager Gustav Gründgens zu diffamieren, dennoch hat ihm dessen Charakter und beispielloser beruflicher Aufstieg als exemplarisches Vorbild für den Hendrik Höfgen seines Romans gedient, zumal Gründgens' berühmteste Rolle der Mephisto in Goethes "Faust" war. Für dieses Verfahren hat Heinrich Böll in der Vorbemerkung seines Romans "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" die schöne Formulierung gefunden, dass "Ähnlichkeiten weder beabsichtigt noch zufällig, sondern unvermeidlich" seien.

Um die Lebensstationen Heinrich Höfgens zu schildern, lässt Thomas Schulte-Michels Conférenciers auftreten, die quasi die Rolle des Erzählers im Roman übernehmen, die also erläutern und ergänzen, was auf der Bühne nicht dargestellt wird. Das wirkt besonders am Anfang des Stückes arg hölzern. Dann aber nehmen die Charaktere des Stückes den Zuschauer in ihren Bann. Moritz Führmann spielt Henrik Höfgen überzeugend und lebendig. Beeindruckend auch Dirk Ossig, Sven Walser, Andreas Weissert, Anna Beetz, Louisa Stroux, Maya Alban-Zapata, Hanna Werth und Katharina Lütten, die jeweils mehrere unterschiedliche Charaktere darzustellen hatten und das mit Hingabe schafften.

Das Publikum zeigte sich überaus beindruckt.

Mit

Hendrik Höfgen / Mephisto – Moritz Führmann

Otto Ulrichs / Theophil Marder / Conférencier – Dirk Ossig

Hans Miklas / Dr. Ihrig / Schüler / Conférencier – Sven Walser

Oskar H. Kroge / Geheimrat Bruckner / Der Professor / Cäsar von Muck / Pelz – Andreas Weißert

Juliette Martens / Conférencier / Schwarzer Schwan – Maya Alban-Zapata

Nicoletta von Niebuhr / Rahel Mohrenwitz / Conférencier – Anna Beetz

Angelika Siebert / Conférencier – Katharina Lütten

Dora Martin / Lotte Lindenthal / Conférencier – Louisa Stroux

Barbara Bruckner / Hedda von Herzfeld / Conférencier / Schwarzer Schwan – Hanna Werth

Regie und Bühnenfassung – Thomas Schulte-Michels

Kostüme – Tanja Liebermann

Musik – Danny Exnar

Dramaturgie – Barbara Noth

Licht – Jean-Mario Bessière

Premiere: 05. September 2015

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