Ein glänzendens Parkett

"La Traviata"von Giuseppe Verdi in der Deutschen Oper am Rhein

Kategorien: OperKritiken

FOTO: Hans Jörg Michel

Illusionistische Räume sucht man in dieser Inszenierung der "La Traviata" von Andreas Homoki vergebens. Die Bühne, eine spiegelnde, leicht schräg abfallende, glatte Fläche: sie symbolisiert das glänzende Parkett, auf dem Violetta sich bewegt, dient als Metapher für den trügerischen Schein. Zwar lebt sie ein luxuriöses Leben, unterhält einen Salon, in dem sich tout Paris trifft, aber gesellschaftliche Anerkennung wird ihr als Kurtisane keineswegs zuteil. Dann trifft sie die Liebe ihres Lebens. Als Alfredo und Violetta sich ihre Liebe gestehen, sprießen weiße Blumen aus dem Boden. Die Kostüme, in schwarz und weiß gehalten, strahlen Eleganz aus. Andreas Homoki vermeidet sinnliche Schwülstigkeit und setzt in seiner Inszenierung auf kühle Sachlichkeit. Jede Bewegung scheint durch choreographiert, was bei den Chorauftritten am auffälligsten ist. Emotionale Ausbrüche werden ebenfalls eher zurückhaltend gehandhabt. Auch die Karnevalsszene ist kein fröhlicher Mummenschanz, sondern eher ein Totentanz. Es ist nicht die pure Lebenslust, der Rausch eines freien ungebundenen Lebens, die Champagnerseligkeit, sondern ein Leben des Verzichts, von dem Homoki in seiner Inszenierung erzählt. Violetta ist die lebenskluge, beherrschte Frau, die sehr wohl um die Konventionen weiß, an ihnen zugrunde geht, aber ihre Würde bewahrt.

An diesem Abend versagte in der ersten Hälfte leider die Bühnentechnik, was insbesondere die Lichtgestaltung beeinträchtigte. Andrej Dunaev als Alfredo Germont hatte gesundheitliche Probleme und konnte nur anfangs singen, so dass ein junger Kollege, Evgenij Nagovitcyn, schon bald den stimmlichen Part übernehmen musste, während Dunaev weiter agierte. Herausragend waren Jacquelyn Wagner als Violetta und Boris Statsenko als Giorgio Germont. Dass das Team sich von diesen Beeinträchtigungen nicht beeinflussen ließ und die Aufführung zu einem guten Ende führte, dankte das Publikum mit enthusiastischem Beifall.

"La Traviata" Oper in drei Akten von Giuseppe Verdi

Libretto von Francesco Maria Piave nach dem Roman „Die Kameliendame“ von Alexandre Dumas (Sohn)

Musikalische Leitung: Jonathan Darlington

Inszenierung: Andreas Homoki

Bühne: Frank Philipp Schlößmann

Kostüme: Gabriele Jaenecke

Licht: Volker Weinhart

Chorleitung: Christoph Kurig

Violetta Valéry: Jacquelyn Wagner

Flora Bervoix: Sarah Ferede

Annin: Hagar Sharvit

Alfredo Germont: Andrej Dunaev

Giorgio Germont: Boris Statsenko

Gastone: Cornel Frey

Barone Douphol: Bogdan Baciu

Marchese d' Obigny: Lukasz Konieczny

Dottore Grenvil: David Jerusalem

Giuseppe: Ingmar Klusmann

Diener/Kommissionär: Thomas Ulrich Lässig

Orchester: Düsseldorfer Symphoniker

Chor: Chor der Deutschen Oper am Rhein

Premieren

08.10.2013 - Theater Duisburg

22.02.2014 - Opernhaus Düsseldorf

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