Vom Licht zum Schatten

b.28 mit "Esplanade" von Paul Taylor, "Tenebre" (Uraufführung) von Hubert Essakow, "Different Dialogues" (Uraufführung) von Nils Christe in der Deutschen Oper am Rhein

Kategorien: OperKritiken

© Gert Weigelt

Heiter und beschwingt beginnt der dreiteilige b28-Ballettabend mit Paul Taylors "Esplanade", in dem Alltagsbewegungen tänzerisch umgesetzt werden. An unbeschwerte Kinderspiele erinnert das Hüpfen, Rennen, Springen, Laufen, Rutschen, Ringelreihen, das mit ungeheurer Leichtigkeit und Lockerheit zu Bachscher Musik getanzt wird. Das einfache Bewegungsvokabular wird in unzähligen Variationen wiederholt und sprüht nur so vor Lebenslust. Diese spiegelt sich auch in den in Orangetönen gehaltenen Kostümen, die auf der schwarzen Bühne besonders gut zur Geltung kommen.

Nach diesem Klassiker des Modern Dance gelangte "Tenebre" von Hubert Essakow zur Musik von Bryce Dessner zur Uraufführung. Geheimnisvoll rot beleuchtet bewegt sich ein nicht zu definierendes Menschenknäuel im Dunkel. Erst allmählich richten sich die Tänzer auf, lösen sich vom Boden. Der Bühnenboden ist mikrofoniert, so dass partienweise die Tanzschritte hörbar werden. Es ist die Dunkelheit, die die Sinne schärft. Essakow erzählt die Geschichte einer Frau und ihrer Bindung an einen Partner aus unterschiedlichen Perspektiven, als eine Reise durch die Nacht zum Licht. Das Dunkle, Untergründige, Unbewusste, Unterbewusste wird assoziiert, ein Spiel mit dem Faszinosum von Licht und Schatten. Symbolisch setzt sich auch das Bühnenbild durch die mit Schlieren versehenen Leinwände dazu in Bezug. Geheimnisvoll, atmosphärisch dicht und perfekt vorgeführt, kann der Zuschauer sich dem hypnotischen Sog nicht entziehen.

Ebenso überzeugend ist der dritte Teil, ebenfalls eine Uraufführung. In "Different Dialogues" erforscht Nils Christe die verschiedenen Formen des Dialoges: der Auseinandersetzung mit einem Gegenüber, mit mehreren, bis hin zur Gleichschaltung in einer Gruppe und dem damit einhergehenden Verlust der Individualität. Es sind Dialoge, die Harmonie, Streit, Widerspruch zeigen, aber sich auch im Konsens auflösen können. In einem nie abreißenden Fluss der Bewegungen, geht es von einer schnellen Folge von Pas de Deux' über Dreierkonstellationen bis hin zu Gruppenformationen. Dazu die Kontinuität der minimalistischen Musik von Philipp Glass, die im Hintergrund ein eigenständiges, sich wiederholendes Grundmuster bildet. Das Bühnenbild nimmt die Dialogformen auf, wenn beispielsweise die tiefhängenden, gleichmäßig formierten Glasleuchten auf ein gleichförmiges Tänzerarrangement treffen. Zum Schluss löst sich alles in einer wunderbar wabernden Nebelwolkenlandschaft auf.

Martins Schläpfers Ballettkompanie zeigte sich an diesem Abend in wohl kaum zu überbietender Hochform. Dazu drei grandiose Stücke, die Zuschauer waren überwältig und bekundeten ihre Begeisterung in enthusiastischem Beifall auch für die Düsseldorfer Symphoniker mit ihren Solisten Franziska Früh, Egor Grechishnikov und Ralf Buchkremer, die unter der Leitung von Aziz Shokhakimov agierten. Ein Ballettabend der Extraklasse!

"Esplanade" von Paul Taylor

MUSIK Konzert für Violine, Streicher und Continuo E-Dur BWV 1042 sowie Largo und Allegro aus dem Konzert für zwei Violinen, Streicher und Continuo d-Moll BWV 1043 von Johann Sebastian Bach

Choreographie: Paul Taylor

Musikalische Leitung: Aziz Shokhakimov

Kostüme: John Rawlings

Licht: Jennifer Tipton

Choreographische Einstudierung: Richard Chen See

Violine: Franziska Früh / Egor Grechishnikov

Tänzerin: Camille Andriot, Doris Becker, Wun Sze Chan, Yuko Kato, Asuka Morgenstern, Elisabeta Stanculescu

Tänzer: Vincent Hoffman, Bruno Narnhammer, Alexandre Simões

Düsseldorfer Symphoniker

"Tenebre" (Uraufführung) von Hubert Essakow

MUSIK „Tenebre“ für Streichorchester und „Delphica“ für Viola solo von Bryce Dessner

Choreographie: Hubert Essakow

Musikalische Leitung: Aziz Shokhakimov

Bühne und Kostüme: Merle Hensel

Licht: Mark Doubleday

Sound Design: Gareth Mitchell

Viola: Ralf Buchkremer

Tänzerin: Ann-Kathrin Adam, Marlúcia do Amaral, Camille Andriot, Doris Becker, Wun Sze Chan, Feline van Dijken, Sonia Dvorak, Nathalie Guth, Yuko Kato, So-Yeon Kim, Norma Magalhães, Anne Marchand, Louisa Rachedi, Virginia Segarra Vidal, Elisabeta Stanculescu

Tänzer: Brice Asnar, Rashaen Arts, Odsuren Dagva, Philip Handschin, Vincent Hoffman, Michael Foster, Filipe Frederico, Richard Jones, Sonny Locsin, Marcos Menha, Bruno Narnhammer, Chidozie Nzerem, Friedrich Pohl, Boris Randzio, Eric White

Düsseldorfer Symphoniker

"Different Dialogues" (Uraufführung) von Nils Christe

MUSIK 2., 3. und 4. Satz aus der Sinfonie Nr. 3 sowie 2. Satz aus dem Konzert für Violine und Orchester von Philip Glass

Choreographie: Nils Christe

Musikalische Leitung: Aziz Shokhakimov

Bühne: Thomas Rupert

Kostüme und choreographische Assistenz: Annegien Sneep

Licht: Remko van Wely

Solo-Violine: Franziska Früh

Tänzerin: Ann-Kathrin Adam, Marlúcia do Amaral, Camille Andriot, Doris Becker, Wun Sze Chan, Feline van Dijken, Nathalie Guth, Alexandra Inculet, So-Yeon Kim, Anne Marchand, Louisa Rachedi, Virginia Segarra Vidal, Julie Thirault

Tänzer: Rashaen Arts, Andriy Boyetskyy, Odsuren Dagva, Michael Foster, Filipe Frederico, Sonny Locsin, Marcos Menha, Tomoaki Nakanome, Bruno Narnhammer, Chidozie Nzerem, Friedrich Pohl, Alexandre Simões, Eric White

Düsseldorfer Symphoniker

Premiere 29.05.2016 im Opernhaus Düsseldorf

So 03.07.

18.30 - 20.45 Uhr

Do 07.07.

19.30 - 21.45 Uhr

So 10.07.

15.00 - 17.15 Uhr

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