Mit Wehmut

"An Evening with Judy" von Raimund Hoghe im Tanzhaus NRW in Düsseldorf

Kategorien: OperKritiken

c Rosa Frank

Ein schwarzer Rollkoffer, allein, mitten auf dem weißen Tanzboden der leegeräumten Bühne. Dazu erklingen Songs von Judy Garland, mit der Patina und dem so unnachahmlichen Orchester-Sound der Nachkriegsära. Als das Fernsehen noch neu war, als man nach Glamour hungerte, als der Krieg gerade vorüber war, aber noch in tiefen Verletzungen nachhallte.

Im kleinen Schwarzen und Stilettos erinnert sich Raimund Hoghe in seinem Stück "An Evening with Judy" im Tanzhaus NRW mit wenigen Requisiten, die er im Laufe des Abends aus dem Koffer holt, an den amerikanischen Star Judy Garland. Wie das Leitmotiv ihres Lebens erklingt immer wieder "Somewhere over the Rainbow", das Lied mit dem sie als Dorothy in dem Musicalfilm "The Wizard of Oz" 1939 berühmt wurde. Durch ihre Songs, Interviews und akustische Filmausschnitte lässt er ihr Leben Revue passieren. "Stormy Weather", "Falling in love again, "Das Urteil von Nürnberg". Sie erzählt vom nächtlichen Kochen bei Schlaflosigkeit und wie sie die Katze wegstößt, die dabei stört. Mit Witz schildert sie vom Desaster eines Besuchs bei einem teuren Pariser Coiffeur, dessen Hochfrisur schon bald zusammenfällt und sie wie Ms Neandertal aussehen lässt. Und immer wieder erklingen Lieder voll Wehmut und Sehnsucht nach etwas Unbestimmtem. Hoghe schreitet dazu die Bühne ab, die Zeit verrinnt. Mit einfachen Gesten kommentiert er das Bühnengebaren der Diva. Die Brüche ihres Lebens werden dabei präsent, nicht nur durch das, was sie sagt und singt, sondern auch durch die Stimmung, die Raimund Hoghe zu kreieren versteht. Zu den schnelleren, fröhlicheren Songs tanzt Takashi Uueno quirlig mit schwebender Leichtigkeit.

"An Evening with Judy" ist nicht nur der Blick auf ein von Drogen gezeichnetes Leben, den frühen durch eine Überdosis hervorgerufenen Tod mit 47 Jahren, sondern eine stille, melancholisch gestimmte, unsentimentale Hommage an einen großen Star.

Konzept, Choreografie, Tanz, Ausstattung: Raimund Hoghe

Künstlerische Mitarbeit: Luca Giacomo Schulte

Gäste: Takashi Ueno (Tanz), Luca Giacomo Schulte

Licht: Raimund Hoghe, Arno Truschinski

Ton: Frank Strätker, Fotos: Rosa Frank, Luca Giacomo Schulte.

Eine Produktion von Raimund Hoghe & Schulte GbR (Düsseldorf) / Cie VENTO (Paris), koproduziert durch das tanzhaus nrw, Theater im Pumpenhaus Münster, Théâtre Garonne Toulouse. Gefördert durch das Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes NRW, die Landeshauptstadt Düsseldorf und La Ménagerie de Verre Paris dans le cadre de Studiolab.

In Düsseldorf 1., 7. und 8. März 2014

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