Zwischen Himmel und Erde

"b23" in der Deutschen Oper am Rhein

Kategorien: OperKritiken

FOTO © Gert Weigelt

Auf einer Galerie im Bühnenhintergrund sind Kleiderpuppen mit kostbaren Krinolinen-kostümen drapiert. Sie sind das einzige Requisit für eine ansonsten leere Bühne in Martin Schläpfers neuestem choreographischen Werk zu Mozarts "Symphonie in G-Moll". Mit eleganter Wehmut erzählt Schläpfer von Paarbeziehungen und hauptsächlich vom Tanz in einer vergangenen Welt. Er kontrastiert die Hofgesellschaft mit dem fast kolboldhaften Auftreten des einfachen, barfüßigen Volkes. Wie in seinen anderen Stücken bedient er sich eines neoklassisches Ausdrucksrepertoires, bedient sich hier auch eines individualisierten Synchronismus. Die Musik wird nicht vertanzt, sondern einfühlsam interpretiert. So gelingt ihm eine mit Grazie gepaarte Leichtigkeit. Dieses Mal allerdings vom Corps de ballet nicht ganz mit der gewohnten Präzision getanzt.

In starkem Kontrast dazu steht das zweite Stück des Abends "… Adónde vas, Siguiriya?" von Brigitta Luisa Merki, die den Flamenco mit Hilfe des Musik- und Tanzensembles Flamencos en route und Tänzern des Opernensembles neu interpretiert. Ausgehend von einem Gedicht Federico Gracía Lorcas folgt sie den Spuren des Mädchens Siguiriya, das zugleich den Namen eines Flamenco-Gesanges trägt. Ein expressiver Rhythmus, Klatschen und Stampfen, ein heiserer Gesang sind die Merkmale des Flamenco, mit dem leidenschaftliche Gefühle stolz ausgedrückt werden. In "… Adónde vas, Siguiriya?" reichert Merki das gewohnte Vokabular mit klassischen Ballettelementen an und gibt auch ruhigeren, melancholischen Momenten Raum. Ein Capriccio voll Emotion und Poesie.

Einen Rettich, ganz weiß, mit Glück von einer gewissen Schärfe, in dunkler Erde wachsend, würde man kaum mit Johannes Brahms Violinkonzert in Verbindung bringen. Mats Ek tut das, indem er sein Stück mit "Rättika" betitelt. Schon der Beginn ist ungewöhnlich: die Tänzer und Tänzerinnen rollen wie eine große Woge über den Bühnenboden, das wirkt durch die Kostüme mit ausgestellten Rockteilen kreiselartig. Die dynamisch fließende Choreographie zaubert ein Gefühl von Leichtigkeit und schwebender Verliebtheit. Und zu Beginn des zweiten Satzes haben dann auch schwebende Rettiche und hängende Plastiktüten, durch Lichteffekte von bizarrer Schönheit, ihren Soloauftritt. Anders als bei E.T.A. Hoffmann, bei dem das Romantische auch abgründige, surreale Seiten hat, kommt hier eher das Skurrile zum Tragen. Zum Schluss sind die Tänzer verschwunden und Rettichgrün sprießt aus dem Boden.

Ein abwechslungsreicher, inspirierender Abend. Nicht nur die Balletkompagnie, sondern auch die Düsseldorfer Symphoniker unter der Leitung von Marc Piollet und der Solo-Violonist Marc Bouchkov wurden enthusiastisch gefeiert.

SYMPHONIE G-MOLL (Uraufführung) von Martin Schläpfer

MUSIK g-Moll-Sinfonie KV 550 von Wolfgang Amadeus Mozart

Choreographie: Martin Schläpfer

Musikalische Leitung: Marc Piollet

Bühne und Kostüm: Florian Etti

Licht: Thomas Diek

Tänzerinnen: Sachika Abe, Doris Becker, Sabrina Delafield, Feline van Dijken, Nathalie Guth, Alexandra Inculet, Christine Jaroszewski, Yuko Kato, So-Yeon Kim, Helen Clare Kinney, Anne Marchand, Aryanne Raymundo, Claudine Schoch, Virginia Segarra Vidal, Elisabeta Stanculescu, Julie Thirault, Irene Vaqueiro

Tänzer: Rashaen Arts, Andriy Boyetskyy, Jackson Carroll, Odsuren Dagva, Filipe Frederico, Philip Handschin, Richard Jones, Alban Pinet, Boris Randzio

Orchester: Düsseldorfer Symphoniker

… ADÓNDE VAS, SIGUIRIYA?

CAPRICHO FLAMENCO (Uraufführung) von Brigitta Luisa Merki

MUSIK Musikensemble Flamencos en route

Eine Kooperation zwischen Flamencos en route und dem Ballett am Rhein Düsseldorf Duisburg

Choreographie und Bühne: Brigitta Luisa Merki

Kostüme: Carmen Perez Mateos

Licht: Thomas Diek

Ton: Markus Luginbühl

Tanzcompagnie Flamencos en route: Carmen Angulo, Carmen Iglesias, Raquel Lamadrid, Eloy Aguilar, Alvise Carbone, Ricardo Moro

Musikensemble Flamencos en route: Emilia Amper, Rocio Soto, Fredrik Gille, Juan Gomez, Pascual de Lorca

Tänzerinnen: Camille Andriot, Mariana Dias, Marlúcia do Amaral

Tänzer: Alexandre Simões, Marcos Menha, Paul Calderone

RÄTTIKA (Deutsche Erstaufführung) von Mats Ek

MUSIK Konzert für Violine und Orchester D-Dur op. 77 von Johannes Brahms

Choreographie: Mats Ek

Musikalische Leitung: Marc Piollet

Bühne und Kostüme: Mylla Ek

Licht: Erik Berglund

Choreographische Einstudierung: Ana Laguna, Eva Säfström

Solo-Violine: Marc Bouchkov

Tänzerinnen: Ann-Kathrin Adam, Camille Andriot, Doris Becker, Wun Sze Chan, Mariana Dias, Sonia Dvorak, Yuko Kato, Louisa Rachedi

Tänzer: Paul Calderone, Martin Chaix, Michael Foster, Marquet K. Lee, Sonny Locsin, Marcos Menha, Bruno Narnhammer, Alban Pinet, Alexandre Simões

Orchester: Düsseldorfer Symphoniker

Premiere am 14. März 2015, um 19.30 Uhr im Opernhaus Düsseldorf

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