It's partytime

"Der Menschenfeind" von Molière in einer Fassung von Botho Strauß am Düsseldorfer Schauspielhaus

Kategorien: SchauspielKritiken

Célimène führt ein offenes Haus, in dem ewig Party zu sein scheint. Champagner fließt en masse, es wird gelästert, es werden kleine Gehässigkeiten ausgetauscht. Célimène flirtet mit jedem, sie will sich nicht festlegen. Ausgerechnet in sie hat sich der bis zur Unhöflichkeit aufrichtige, aus Idealismus starrköpfige Alceste verliebt, dem menschliche Eitelkeiten zuwider sind und der keiner Heuchelei fähig ist. Damit ist er ein Außenseiter, der sich durch seinen Hang zur unbedingten Aufrichtigkeit schnell aus scheinbaren Freunden Feinde macht, die ihn dann vor Gericht zerren. Einen Rechtsanwalt, der ihn verteidigen könnte, lehnt er aber ab, weil er den Richter nicht beeinflussen möchte und so geht er denn auch davon aus, dass er den Prozess verlieren wird. Trotz seines miesepetrigen Auftretens ist Alceste beliebt und begehrt, weil man sich bei ihm seiner Gefühle sicher sein kann. Er aber nimmt das gar nicht so richtig wahr. Derweil löst Célimène einen Skandal aus, als ein Brief von ihr auftaucht, in dem sie ihre Verehrer verspottet. Empört zieht man sich von ihr zurück. Alceste bietet ihr an, sich mit ihm aus der Gesellschaft in die Einsamkeit zurückzuziehen, das lehnt die aufmerksamkeitshungrige Célimène aber ab.

Franziska Steiof hat sich in ihrer Inszenierung für das Düsseldorfer Schauspielhaus an der Schickimickiszene orientiert, in der man ständig nur um sich selbst kreist, und in der das Shoppen in edlen Modehäusern zum Lebensinhalt wird. Dafür hat Maria-Alice Bahra die adäquaten Kostüme und Jan Alexander Schroeder das passende Bühnenbild entworfen, eine Drehbühne mit Fadenvorhängen. Unfähig ihre Gefühle auszudrücken. greifen die Schauspieler mitunter zum Mikrofon und trällern einen Popsong. Klaus Mages unterstützt sie dabei akustisch.

In Steiofs Inszenierung ist Alceste (Guntram Brattia) eher der Melancholiker als der grantelnde Menschenfeind. Janina Sachau überzeugt als schmetterlingshafte Célimène. Der Inszenierung hätte etwas mehr Galligkeit und Schwung jedoch gut getan und so vielleicht auch meine Nachbarin davon abgehalten, ihre Textnachrichten auf dem Handy zu lesen.

Inszenierung: Franziska Steiof

Bühne: Jan Alexander Schroeder

Kostüme: Maria-Alice Bahra

Darsteller: Guntram Brattia, Thiemo Schwarz, Janina Sachau, Katharina Abt, Michael Schütz, Kathleen Morgeneyer, René Schubert, Daniel Graf

Musik: Klaus Mages

Premiere 15. März 2008

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