Wahnsinnstod

"Lucia di Lammermoor" von Gaetano Donizetti in der Deutschen Oper am Rhein

Foto: Hans Jörg Michel

Aus Liebe und Intrige wurde schon manch schönes Bühnenstück gestrickt. Bei Donizettis "Lucia di Lammermoor" kommt noch der Wahnsinn hinzu. Lucia liebt Edgardo, den Erzfeind ihrer Familie, und verlobt sich heimlich mit ihm kurz bevor er nach Frankreich fährt. Lucias Bruder Enrico drängt sie aus politischen Gründen zu einer Heirat mit Arturo, wogegen sie sich zunächst zu wehren versucht. Als aber ein gefälschter Brief Edgardos scheinbare Untreue bezeugt, willigt sie schließlich in die verhasste Hochzeit ein. Kaum ist der Ehevertrag unterschrieben, taucht plötzlich Edgardo auf und bezichtigt sie nun seinerseits der Untreue. Lucia ist tief erschüttert, Enrico fordert Edgardo zum Duell auf. In der Hochzeitsnacht ermordet Lucia den ungeliebten Ehemann und verfällt in Wahnsinn. Als Edgardo davon hört, will er zu ihr eilen, doch dann erfährt er, dass sie gestorben ist und gibt sich verzweifelt selbst den Tod.

Die Deutsche Oper am Rhein zeigt zurzeit eine Wiederaufnahme einer inzwischen 12 Jahre alten Inszenierung von Christof Loy. Mit kleinen Details setzt er interpretatorische Akzente. Charakterzüge werden in der Kleidung angedeutet; so ist die anfangs unbedachte Lucia schulmädchenhaft gekleidet, während ihre bedachte Vertraute Alisa eher einer Gouvernante ähnelt. Der Intrigant Normanno ist verkrüppelt und soll wohl damit eine Motivierung für sein hinterhältiges Gebaren liefern. Statt des legendären Brunnens steht auf der Bühne ein simpler Wasserhahn, wie man ihn auf Friedhöfen zum Befüllen der Gießkannen vorfindet. Der Quell des Lebens wird zum Symbol des Todes, wenn sich das Wasser - wie schon in einer Vision Lucias angekündigt - blutrot färbt. Und natürlich bietet die ausge¬lassene Hochzeitsfeier Anlass, sie im Hintergrund zu einem orgiastischen Fest ausufern zu lassen.

Eindrucksvoll gestaltete Adela Zaharia die Titelpartie der Lucia: von dem anfangs noch schüchternem Mädchen, das schon bald von düsteren Vorahnungen heimgesucht wird, zur verliebten Frau im Dilemma zwischen Liebe und Pflicht, bis sie, verraten und gequält, dem zunehmenden Druck nicht mehr gewachsen ist und im Wahnsinn zerbricht. Gefeiert wurde daher Zaharia nicht zuletzt für die grandios gesungene berühmte Wahnsinns-Koloraturarie, doch auch für ihre gesamte Darbietung. Ihr ebenbürtig war Georgy Vasiliev als Edgardo, der sich in einem bezaubernden Winterbild den Todesstoß versetzt. Ebenso konnten Bogdan Talo? in der Rolle als Geistlicher Raimondo und sein Gegenpart Hubert Walawski als intriganter Normanno sowie Bogdan Baciu als Enrico und Bruce Rankin als Arturo überzeugen.

Zu dem musikalisch erfreulichen Abend trugen die Düsseldorfer Symphoniker unter der Leitung von Enrico Dovico und der Chor der Deutschen Oper am Rhein nicht unerheblich bei, so dass diese großartige Ensembleleistung am Ende mit enthusiastischem Beifall belohnt wurde..

Musikalische Leitung: Enrico Dovico

Inszenierung: Christof Loy

Bühne und Kostüme: Herbert Murauer

Chorleitung: Christoph Kurig

Spielleitung: Esther Mertel

Lucia: Adela Zaharia

Edgardo: Georgy Vasiliev

Enrico: Bogdan Baciu

Arturo: Bruce Rankin

Raimondo: Bogdan Talos

Alisa: Annika Kaschenz

Normanno: Hubert Walawski

Chor der Deutschen Oper am Rhein

Düsseldorfer Symphoniker

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