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Gottfried Greiffenhagens Stück über die Comedian Harmonists im Nationaltheater Weimar

Kategorien: SchauspielKritiken

Diese Produktion ist ein Dauerbrenner. Sie steht seit sieben Jahren auf dem Spielplan des Weimarer Nationaltheaters und entzückt ein vollbesetztes Haus, wann immer sie gezeigt wird. Und das, obwohl die legendären Comedian Harmonists kürzlich in einem Spielfilm und vorher in einem Dokumentarfilm von Eberhard Fechner plus Buch verewigt wurden. Sie sind und bleiben ein großartiges Thema. Denn einerseits haben ihre zeitlos eleganten, locker-flockigen Gesangsnummern bis heute einen herrlichen Unterhaltungswert. Andererseits ist ihr Schicksal typisch für einen Erfolgsrausch in den goldenen Zwanzigern des letzten Jahrhunderts sowie einen brutalen Einbruch im Wahnsinn des Hitlerreichs.

Fünf junge, brotlose Sänger und ein Pianist taten sich 1928 zusammen und entwickelten in zäher Arbeit ihren ganz eigenen Stil, der sich an der amerikanischen Unterhaltungsmusik orientierte, vor allem an den "Revellers", deren Sound sie mit fast androgyner Leichtfüssigkeit und feiner Ironie für die deutsche Szene fruchtbar machten. Nach einer mühsamen Anfangsphase erlebten die "Comedian Harmonists", wie sie sich nannten, einen beispiellosen Aufstieg. Ihre Nummern wurden immer besser und origineller, überall waren sie begehrt und beliebt, in Deutschland und zunehmend auch im Ausland. Ein langer, toller, gemeinsamer Karriereweg wäre ihnen beschieden gewesen - wenn sich nicht nach Hitlers Machtergreifung 1933 nach und nach alles geändert hätte.

Erstens wurden bald nur noch deutschtümelnde Musiker und deutschnamige Formationen geduldet - und zweitens waren von den sechs Comedian Harmonists drei Juden. Das Ende der Gemeinschaft war vorprogrammiert Sie trennten sich, die jüdischen Musiker gingen ins Ausland, bildeten mit neuen Kollegen ein neues Ensemble und traten in vielen Ländern als "Comedy Harmonists" auf. Die drei anderen blieben in Deutschland und jubilierten mit "arischem" Zuwachs als "Meistersextett" weiter.

Auch diese Nachfolgegruppen waren erfolgreich, bis beide fast zeitgleich ab 1941 zerfielen. Aber das ändert nichts daran, dass der Bruch der ursprünglichen Comedian Harmonists eine trostlose und unschöne Geschichte ist, in der sich die finstere Zeit des Nationalsozialismus auf ihre Weise spiegelt.

Gottfried Greiffenhagens Stück endet mit der traurigen Trennung der Comedian Harmonists, deren Aufstieg und Zusammenwirken es auf sensible und intelligente Weise nachzeichnet. Die Haupt-Akteure sind fünf Sänger und ein Pianist, die während des ganzen Abends auch sehr ausdauernd die schönsten Gesangsnummern der Comedian Harmonists zum Besten geben. Die Spielszenen sind knapp genug, um die Musiker schauspielerisch nicht zu überfordern, und bedeutsam genug, um die Geschichte lebendig zu machen.

Die Weimarer Aufführung ist ein wahrer Leckerbissen. In der musikalischen Einrichtung von Franz Wittenbrink und der subtilen Inszenierung von Franz Märki agieren die Jungs so gekonnt und diszipliniert, dass es eine Freude ist. Die Lieder erstrahlen in heiterer, wie selbstverständlicher Genauigkeit - man glaubt die echten Comedian Harmonists zu erleben - und auch die Spielszenen sind durchaus gelungen.

Ein kollektives Lob für die Musiker-Darsteller, als da sind Markus Seidensticker, Marko Kürsten, Dirk Sobe, Uwe Stickert, Oliver Luhn und Andreas Kindschuh.

Der Schauspieler Christoph Heckel gefiel in verschiedenen Rollen, die für den Fortgang der Handlung unverzichtbar sind.

Premiere am 17. Oktober 1998 im Nationaltheater Weimar. Erscheint immer wieder im Programm.