"Volpone" von Ben Jonson im Staatstheater Wiesaden
Premiere: Sonntag, 8. November 2009, 19.30 Uhr, Kleines Haus In der Übersetzung von Stefan Zweig / Fassung von Sabrina Zwach „Volpone“, so heißt der Fuchs auf Italienisch. Und tatsächlich fehlt es dem Titelhelden der bekanntesten Komödie von Ben Jonson nicht an List und Tücke.
Gemeinsam mit seinem Diener Mücke plant er eine Abzocke, die so einfach wie genial ist.
Er setzt darauf, dass seine Mitbürger in der Stadt Venedig nicht weniger habgierig sind als er selbst. Deshalb lässt er Mücke das Gerücht verbreiten, er sei todsterbenskrank – und prompt kommen sie angeschwirrt, die Erbschleicher und Gierschlünde, und belagern den Fuchs in der Hoffnung, sein letztes Stündlein sei bald gekommen. Jedem verspricht der Fuchs, ihn großzügig in seinem Testament zu bedenken. Das lässt er sich gut bezahlen. Die Rechnung geht auf. Fuchs und Mücke amüsieren sich prächtig über die Dummheit ihrer Mitwelt – bis der Wind sich dreht und die Sache auffliegt.
„Volpone, or The Fox“ wurde 1605 im Londoner Globe-Theatre uraufgeführt. Ben Jonson (1572-1637) gilt neben Shakespeare als der bedeutendste Dramatiker der Epoche. Bevor er Schauspieler und Dramatiker wurde, schlug sich er als Maurer und Soldat durch. Mehrmals saß der als cholerisch bekannte Jonson in Kerkerhaft – unter anderem, weil er einen Schauspieler im Duell getötet hatte. Ob er der Todesstrafe entging, weil er als Spitzel der Regierung arbeitete, ist umstritten. Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte er gelähmt nach einem Schlaganfall.
In „Volpone“ greift Jonson die Fabel vom schlauen Fuchs auf, der sich tot stellt, um Aasfresser anzulocken, die dann eine leichte Beute für ihn sind. Regisseur Herbert Fritsch und Kostümbildnerin Victoria Behr haben sich für die Wiesbadener Inszenierung von der italienischen Commedia dell’Arte inspirieren lassen. Die Tiernamen der Figuren werden beim Wort genommen und beflügeln ein hochtheatralisches Schau-Spiel, das inzwischen zum Markenzeichen für Herbert Fritschs Inszenierungen geworden ist.
Herbert Fritsch war als Theaterschauspieler des hochkarätigen Volksbühnen-Ensembles unter der Leitung von Frank Castorf bekannt, bevor er sich verstärkt der Regie zuwandte. Mittlerweile ist er als Regisseur und als Bühnenbildner hoch begehrt, weil er in seinen Arbei-ten ganz auf die Spielfreude der Schauspieler baut und einen wahren Theater- Furor entfacht. Er inszenierte an der Volksbühne, am Luzerner Theater, am Neuen Theater Halle, bereits mehrfach am Theater in Oberhausen und in Oslo. Außerdem ist Fritsch Performer, Videokünstler, Fotograf und Zeichner und rief 2000 das intermediale Kunstprojekt ‚hamlet_X’ ins Leben. 2009 erhielt Herbert Fritsch für seine Inszenierungen von Molières ‚Tartuffe‘ und Joe Ortons ‚Beute‘ den Oberhausener Theaterpreis. Die Dramaturgin Sabrina Zwach, die im Auftrag des S.Fischer-Verlages eine Neufassung der Übersetzung von Stefan Zweig besorgte, hat bereits in mehreren Projekten mit Herbert Fritsch zusammengearbeitet.
Inszenierung, Bühne und Video Herbert Fritsch
Kostüme Victoria Behr
Musik Ingo Günther
Dramaturgie Dagmar Bormann
Mit: Rainer Kühn (Herr Fuchs), Wolfgang Böhm (Mücke), Sebastian Muskalla (Herr Geier, Notar), Franz Nagler (Herr Rabe, ein alter Adeliger), Jörg Zirnstein (Herr Krähe, Kaufmann), Florian Thunemann (Leo, Beamter, Sohn des Raben), Eva-Maria Damasko (Celia Krähe), Monika Kroll (Canina, eine Nutte), Michael Birnbaum (Der Richter, der Oberste der Sbirren)
Weitere Vorstellungen:
Do 13.11, 19.30 Uhr im Kleinen Haus
