Politisches Theaterprojekt: "Kongo Tribunal" wird zur Institution - Start in Berlin

- bereits 100.000 Euro gesammelt!

Die Kampagne "Schaffen wir zwei, drei, viele Kongo Tribunale" in der Akademie der Künste (Berlin) in Anwesenheit des Untersuchungsleiters Sylvestre Bisimwa, des Jurymitglieds Wolfgang Kaleck, des Regisseurs Milo Rau und des Produzenten Arne Birkenstock offiziell gestartet. Mit der Kampagne führen Fruitmarket, IIPM und Langfilm gemeinsam mit einer Gruppe von kongolesischen und europäischen Juristen, Menschenrechtsaktivisten und Journalisten den mit dem „Kongo Tribunal“ begonnenen Kampf gegen die Straflosigkeit in der Demokratischen Republik Kongo weiter. Als erstes internationales Kunstprojekt überhaupt soll aus dem "Kongo Tribunal" in den kommenden Monaten eine juristische Institution werden, die im Ostkongo mit einer Reihe von lokalen zivilgesellschaftlichen Tribunalen die Massen- und Wirtschaftsverbrechen in der Region aufarbeitet.
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Um die geplanten Tribunale finanziell, inhaltlich, organisatorisch und logistisch unterstützen zu können, sammelt der gemeinnützige Verein DOCTIVISM Spendengelder. Unterstützt wird das Projekt u. a. auch von der Schweizer Bundesrätin für Justiz, Simonetta Sommaruga und dem Deutschen Bundesrichter Dr. Nikolaus Berger.

Bisher sind schon über 100.000 von den insgesamt benötigten 350.000 Euro Spendengeldern eingegangen. In einer ersten Pilotphase wurden 2000 DVDs produziert, um die Bevölkerung in der Demokratischen Republik Kongo über das Projekt zu informieren. Ziel ist es, fünf weitere Tribunale im Ostkongo zu realisieren und diese umfangreich zu dokumentieren. Einen detaillierten Ablaufplan der Kampagne „Schaffen wir zwei, drei, viele Kongo Tribunale“ finden Sie am Ende dieser Presseinformation.

„Wenn die Institutionen dieser Welt ihren drängendsten Aufgaben nicht mehr nachkommen, muss man eben neue Institutionen schaffen. Raus Projekt, die Welt zu retten, mutet größenwahnsinnig an. Aber wir leben in Zeiten, die diesen Wahnsinn und diese Art der Kunst bitter nötig haben.“ (‚Süddeutsche Zeitung’ anlässlich des Kinostarts des „Kongo Tribunals“)

"Das Ziel ist, dass nach dem Vorbild des Films weitere Tribunale entstehen und dass aus all diesen Tribunalen eine Institution, eine Rechtsform wird und die Straflosigkeit im Kongo endlich ein Ende findet." (Milo Rau, Regisseur „Das Kongo Tribunal“)

2015 initiierte Milo Rau mit dem „Kongo Tribunal“ das gemäß The Guardian "ambitionierteste politische Theaterprojekt aller Zeiten". Milo Rau hatte damit in der Tradition von Jean-Paul Sartres und Bertrand Russells "Vietnam Tribunal" in Bukavu (Ostkongo) und in Berlin mehr als 60 Zeugen und Experten des wohl blutigsten Wirtschaftskriegs unserer Zeit versammelt. Anhand von drei konkreten Fällen untersuchten Rau und sein Team um die Anwälte Sylvestre Bisimwa und Jean-Louis Gilissen die Ursachen des Elends, das den Kongo seit Jahrzehnten lähmt. Der daraus entstandene, gleichnamige Dokumentarfilm, der bei seiner Weltpremiere beim Locarno Filmfestival 2017 vom Publikum und der Presse gleichmaßen gefeiert wurde, gewann den Zürcher Filmpreis, wurde mit einer „Lobenden Erwähnung“ von der Internationalen Jury bei DokLeipzig ausgezeichnet und ist in zwei Kategorien für den Schweizer Filmpreis nominiert. Seit dem Kinostart im Herbst 2017 tourt der Film erfolgreich durch Europa und wurde u.a. auf dem IFF Rotterdam 2018, den Solothurner Filmtagen 2018, der Berlinale 2018 und dem CPH:DOX gezeigt. Weitere Informationen unter: www.the-congo-tribunal.com.

Von den fast 1.000 bezeugten Fällen konnten 2015 in Bukavu und Berlin jedoch nur drei in ihrer ganzen Ausdehnung verhandelt werden. Nach wie vor fordern die Opfer von Massenverbrechen und die Zivilgesellschaft in den Provinzen Nord- und Südkivu Gerechtigkeit und ein unabhängiges und unparteiisches Gericht, das in der Lage ist, die Regeln und Grundsätze des Rechts auf ein faires Verfahren anzuwenden. Im kommenden Jahr wollen die international renommierten Juristen Jean-Louis Gilissen, Strafverteidiger und Opfervertreter beim Internationalen Strafgerichtshof und Präsident des „Kongo Tribunals“, und Sylvestre Bisimwa, kongolesischer Menschenrechtsanwalt und Untersuchungsführer des „Kongo Tribunals“, eine kontinuierliche zivilgesellschaftliche juristische Aufarbeitung von Menschenrechtsverletzungen auf lokaler Ebene etablieren. Unterstützt werden sie dabei von weiteren Juristen sowie Politikern, Journalisten und Künstlern, neben dem Team des „Kongo Tribunals“ u. a. den Journalisten Solange Lusiku („Le Souverain“) und Colette Braeckman („Le Soir“), der Schweizer Justizministerin Simonetta Sommaruga, dem deutschen Bundesrichter Nikolaus Berger oder den Soziologen Harald Welzer und Jean Ziegler – eine vollständige, ständig aktualisierte Liste finden unter www.doctivism.org.

Mit der Initiative „Schaffen wir zwei, drei, viele Kongo Tribunale“ werden mehrere Tribunale (geplant sind zunächst fünf) an den Schauplätzen von vergangenen Massen- und Wirtschaftsverbrechen im Ostkongo eingerichtet, um glaubwürdige Beweise für die Verbrechen zu sammeln und eine Anklage gegen die Täter zu fordern. Damit die Opfer des Bürgerkriegs im Ostkongo eine Stimme erhalten und die Wahrheit über vergangene Verbrechen gehört werden können, sind wir auf Ihre Unterstützung angewiesen!

Pressestimmen & Testimonials „Das Kongo Tribunal“

„Das Projekt ist von unschätzbarem Wert für unser Land.“ Denis Mukwege, Alternativer Nobelpreise, Leiter des Panzi-Hospitals (Bukavu)

„Ich unterstütze die Kongo Tribunale, weil sie dazu beitragen können, dass die Menschen dort verlorene Hoffnung auf Gerechtigkeit wiedergewinnen. Die Kongo Tribunale können in den Bürgerkriegsregionen den zivilgesellschaftlichen Aufbruch zur Ächtung der Menschenrechtsverletzungen stärken.“ Dr. Nikolaus Berger, Richter am Bundesgerichtshof (D)

„Ein wichtiges, notwendiges und militantes Werk.“ Begründung der Jury DokLeipzig für die „Lobende Erwähnung“

„Der Filmemacher adelt das Kino und macht, was die Realität nicht kann.“ Begründung der Jury für den „Zürcher Filmpreis“

"Und bei all den Schrecken, die im Film gezeigt werden, ist es mir wichtig, die Hoffnung nicht aus den Augen zu verlieren. Denn wenn das 'Kongo Tribunal' eines bewiesen hat, dann dass die Wahrheit gefunden werden kann, egal wie kompliziert die Zusammenhänge sind. Und Gerechtigkeit ist möglich, hier und jetzt. Wir müssen sie nur herstellen." Milo Rau, Regisseur „Das Kongo Tribunal“ (CH)

"70 Prozent der Menschen, die von extremer Armut betroffen sind, leben in Staaten, die reich an Rohstoffen sind. Das muss uns zu denken geben. Denn es hat auch etwas mit uns zu tun und mit den Unternehmen, die in diesen Staaten Geschäfte machen. Für sie darf es keine rechtsfreien Räume geben. Ein Tribunal, wie jenes von Milo Rau im Kongo, kann den Opfern eine Stimme geben. Das ist wichtig. Denn es ist ein erster Schritt gegen die Straflosigkeit.“ Simonetta Sommaruga, Bundesrätin für Justiz (CH)

„Das Martyrium des kongolesischen Volkes will nicht enden. Ausländische Konzerne plündern das Land seit mehr als 50 Jahren. Der Staat ist von Korruption, Willkür und Nepotismus zerfressen. Das Kongo Tribunal erfüllt eine historisch unschätzbare Rolle: Es schafft erstmals Transparenz und Gerechtigkeit im größten Wirtschaftskrieg unserer Zeit - und stärkt den bewundernswerten Widerstand des kongolesischen Volkes.“ Jean Ziegler, Mitglied des Beratenden Ausschuss des Menschenrechtsrats der UN (CH)

„Diese politische Bombe riss Minister von ihren Sesseln.“ Wiener Zeitung"Wo Politik versagt, hilft nur die Kunst.“ DIE ZEIT

"Zum ersten Mal in der Geschichte wird hier die Frage nach der Verantwortung für die Verbrechen gestellt" taz – die tageszeitung

Weiterer Ablauf

Zehn Screenings und Workshops des Dokumentarfilms „Das Kongo Tribunal“ zur Sensibilisierung der Bevölkerung
In einem ersten Schritt wird der Dokumentarfilm zum ersten Kongo Tribunal an zehn Orten in den Provinzen in Süd- und in Nordkivu aufgeführt, um die Bevölkerung zu informieren, an der juristischen Aufarbeitung interessierte Menschen und Organisationen zu identifizieren und sie über diese Form der symbolischen Rechtsprechung aufzuklären.

2000 Leitfäden für Betroffene
Um Zeugen, Opfer und Täter auf ihre Aussage vorzubereiten, wird ausführliches Informationsmaterial benötigt, das sie eingehend über die Modalitäten und die Risiken einer Aussage aufklärt. Dazu soll auch der Film „Das Kongo Tribunal“ eingesetzt werden. DVDs und Broschüren werden hergestellt und in lokale Sprachen wie Suaheli oder Lingala übersetzt werden.

Anhörungen im Rahmen von fünf lokalen, zivilgesellschaftlichen Tribunalen
An fünf der zehn eingeführten Orte im Süd- und im Nordkivu werden schließlich Tribunalverhandlungen stattfinden. Zu jeder dieser Verhandlungen gibt es vor Ort ausführliche Anhörungen aller beteiligten Konfliktparteien.

Teilnahme von 6-8 internationalen Juristen
Die Befragungen der Zeugen werden von 3-4 afrikanischen Juristen geführt, die von 3-4 hochrangigen Juristen aus Europa bzw. Nordamerika unterstützt werden.

20 unabhängige Teilnehmer und Beobachter
Die Jury der Tribunale wird durch eine Reihe von unabhängigen nationalen und internationalen Menschenrechtsexperten, Journalisten, Wissenschaftlern und Politikern besetzt. Ihre Aufgabe ist es zum Abschluss der Anhörungen Beobachtungen, Analysen und Empfehlungen zu formulieren.

Dolmetscher für fünf Tribunale
Die Vernehmungen, Aussagen und Ergebnisse während der 5 Tribunale werden aus den Landessprachen Suaheli und Lingala ins Englische, Französische und Deutsche übertragen und die Aussagen der Experten zurück in die Landessprachen.

Psychologische und ärztliche Unterstützung vor Ort
Während der Tribunale und der Filmvorführungen sind ein Psychologe und ein Arzt vor Ort notwendig, um teilnehmende Betroffene und die Zuschauer sachgerecht seelsorgerisch und medizinisch zu betreuen.

Personal und Bewachung der 15 Veranstaltungen
Für die Organisation, Durchführung und Sicherung der fünf Tribunale und zehn Filmvorführungen wird unabhängiges Personal vor Ort benötigt. Das Zeugenschutzprogramm und die Sicherung vor Ort sollen durch die kongolesische Polizei und die MONUSCO unterstützt werden.

Filmische Dokumentation und Online-Archiv in fünf Sprachen
Die Nachhaltigkeit des Projekts wird dadurch gesichert, dass die Aussagen und Ergebnisse der Tribunale gefilmt und weltweit öffentlich zugänglich gemacht werden. Dazu wird eine Website und Online-Dokumentation in fünf Sprachen notwendig: Englisch, Französisch, Deutsch, Suaheli und Lingala.

DOCTIVISM e.V. wurde initiiert von:
Dr. Peter Bach, Anwalt I Eva-Maria Bertschy, Dramaturgin I Arne Birkenstock, Regisseur & Produzent I Sylvestre Bisimwa, Anwalt I Stefan Bläske, Dramaturg I Uli Gaulke, Regisseur I Jean-Louis Gilissen, Strafverteidiger und Opfervertreter beim Internationalen Strafgerichtshof Den Haag I Martin Hegel, Kulturmanager I Sebastian Lemke, Regisseur & Produzent I Milo Rau, Theatermacher I Moritz „mo.“ Sauer, Autor I Anja Theismann, Medienkünstlerin I Olivier Zobrist, Produzent
Medienpartner: taz – die tageszeitung

DOCTIVISM e.V. i.Gr. +49 221 887 55 14, mail@doctivism.org
c/o Fruitmarket Kultur und Medien GmbH, Maastrichter Straße 45, 50672 Köln

Spendenkonto:
DOCTIVISM e.V.
Sparkasse KölnBonn
IBAN: DE 62 3705 0198 1934 2033 55
BIC: COLSDE33XXX

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