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«Amphitryon», Lustspiel von Heinrich von Kleist nach Molière im Theater Basel

Premiere Do, 11. Januar 2018 um 19.30 Uhr im Schauspielhaus

Was passiert, wenn man plötzlich seinem Doppelgänger Auge in Auge gegenübersteht und dieser einem die Identität abspricht? Sosias, der Diener des thebanischen Feldherrn Amphitryon, reagiert auf diese Begebenheit mit selbstbewusstem Pragmatismus. Er ist sich seiner selbst sicher, obwohl ihm der Unbekannte mit Prügel droht: «Dein Stock kann machen, dass ich nicht bin. Doch nicht, dass ich nicht Ich bin, weil ich bin.» Weniger selbstbewusst reagiert der Feldherr Amphitryon, als er siegreich von der Schlacht gegen die Athener heimkehrt und von seiner Gattin Alkmene vernehmen muss, dass sie die vergangene Nacht vermeintlich zusammen verbracht haben.

Die Eheleute geraten in eine tiefe Vertrauenskrise, die für Amphitryon in einer Identitätskrise kulminiert. Angezettelt hat dieses komische und zugleich tragische Verwirrspiel niemand Geringerer als der Göttervater und Verwandlungskünstler Jupiter. Als Amphitryon-Double begibt er sich in Begleitung von Merkur – in der Gestalt von Sosias – vom Olymp auf die Erde, um deren Ehefrauen Alkmene und Charis während ihrer Abwesenheit zu verführen. Eine göttliche Täuschung mit fatalen Folgen, die nicht nur die Beziehungen ordentlich durcheinanderbringt, sondern auch die Realität. Wie schneidet der Mensch im Vergleich zu einem Gott wohl ab?

Der junge Heinrich von Kleist ahnte früher als andere, dass der Unterschied zwischen Schein und Sein schwer zu erkennen ist. Seine Zeitgenossen waren von dieser Botschaft überfordert, und so kam seine Neubearbeitung von Molières gleichnamiger Gesellschaftskomödie – die wiederum auf einer antiken Komödie von Plautus basiert – erst über neunzig Jahre nach ihrer Erstveröffentlichung 1899 in Berlin zur Uraufführung.

Heute, in Zeiten, in denen «alternative Fakten» und Facebook ganz eigene Realitäten erzeugen und «Götter» von den Medien und Hackern geschaffen werden, erhält Kleists Versdrama neuen Interpretationsspielraum. Hausregisseurin Julia Hölscher inte­ressiert, wer oder was gegenwärtige Weltbilder modelliert und wodurch die Selbstgewissheit ins Wanken gerät: «Was passiert, wenn man feststellen muss, dass die inneren Bilder nicht mit den äusseren übereinstimmen? Welche Konsequenzen hat es für die Identität, wenn die Sinne getäuscht werden? Oder wie Kleist in einem Brief spekulierte: Was wäre, wenn alle Mensch statt Augen grüne Gläser hätten? Wir könnten die Dinge niemals so sehen, wie sie wirklich sind."
 

  • Inszenierung Julia Hölscher
  • Bühne Paul Zoller
  • Kostüme Janina Brinkmann
  • Musik Martin Gantenbein
  • Licht Cornelius Hunziker
  • Dramaturgie Sabrina Hofer


Mit

  • Jupiter Urs Peter Halter
  • Merkur Mario Fuchs
  • Amphitryon, thebanischer Feldherr Florian von Manteuffel
  • Sosias, Diener des Amphitryon Nicola Mastroberardino
  • Alkmene, Gattin des Amphitryon Pia Händler
  • Charis, Gemahlin des Sosias Leonie Merlin Young


Das Bild zeigt Heinrich von Kleist


 
 

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