Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
„Amphitryon“ von Kleist in Graz „Amphitryon“ von Kleist in Graz „Amphitryon“ von Kleist...

„Amphitryon“ von Kleist in Graz

Premiere am 12. Mai 2006, 19.30 Uhr.

 

„Amphitryon“ ist eine der philosophischsten und schönsten Komödien, die Heinrich von Kleist nach den Vorbildern Plautus und Moliere im Jahre 1806 schrieb: sie handelt von verwirrten Menschen und auf Erden wandelnden Göttern.

 

 

 

Wie im Traum erlebt Alkmene - nach monatelanger und entbehrungsreicher Trennung - eine leidenschaftliche Nacht mit ihrem Ehemann Amphitryon. Der Traum wandelt sich jedoch zum Albtraum. Denn nicht Alkmenes Ehemann hat sie in jener Nacht beglückt, sondern Jupiter ist ihr erschienen, täuschend echt in der Gestalt Amphitryons. Während sie am nächsten Morgen noch ganz den Gedanken an ihren sinnlichen Gatten nachhängt, behauptet Amphitryon, dass er eben erst aus der Schlacht zurückgekehrt sei und demzufolge die vergangene Nacht auf keinen Fall mit seiner Frau verbracht habe. Daraus folgt: es muss wohl ein anderer mit ihr im Bett gewesen sein! Alkmene fühlt sich zutiefst verraten, Amphitryon betrogen. Stress statt Wiedersehensfreude, Liebesqual statt Liebesglück. Wer belügt nun wen? Oder sagen gar beide die Wahrheit?

Es ist eine merkwürdig verrätselte Welt der Spiegelungen und Projektionen, in der sich die Kleist´schen Figuren verlieren. In einem grausamen, bedrohlichen Spiel, das die Götter mit den Menschen treiben und sie zum Betrug und Verrat verführen, werden sie sich selber fremd und zum Rätsel. Oder finden sie durch die Verunsicherung ihrer Gewissheiten und durch das Infragestellen der eigenen Identität am Ende doch zu sich selbst?

Martin Oelbermann konzentriert seine Inszenierung - neben der komisch-tragischen Ehebruch- Geschichte mit mythologischen Wurzeln - auf das moderne Seelendrama mit seinen Identitätskrisen, brüchigen Gewissheiten und heillosen Liebesverwirrungen. Oelbermann inszenierte in dieser Spielzeit am Hamburger Schauspielhaus „gehen-bleiben“, am Wiener

Volkstheater „Stadt ohne Juden“ und am Schauspielhaus Graz „Komödie im Dunkeln“.

 

Inszenierung Martin Oelbermann

Bühne & Kostüme Sabine Kohlstedt

Musik Hans-Peter Gerriets

Mit Katja Hirsch (Alkmene)

Julia Kreusch (Charis)

Martin Bretschneider (Amphitryon)

Daniel Doujenis (Merkur)

Thomas Kornack (Jupiter)

Johannes Lang (Sosias)

 

 

Tickets

T 0316 8000, F 0316 8008-1565

E tickets@theater-graz.com I www.theater-graz.com

 

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 10 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

Liebesbande

Hinter tropischen Blumen befindet sich ein luxuriöses Anwesen mit Stahlträgern in offener Bauweise im Stil von Mies van der Rohes Barcelona Pavillon. Die Einrichtung ist im angesagten Midcentury…

Von: Dagmar Kurtz

Ein Hauch von Sehnsucht

Raimund Hoghes letztes Stück „Lettere amoroso“ handelte von Flucht und den sehnsuchtsvollen Briefen, die die Geflohenen schrieben. So weckt das Wort „Vietnam“ im Titel des neuen Stückes "Postcards…

Von: Dagmar Kurtz

Liebe in Zeiten des Krieges

In Großbritannien findet ein Bürgerkrieg statt: die Puritaner unter Oliver Cromwell kämpfen gegen die katholischen Royalisten. Das private Glück ist in Gefahr.  

Von: Dagmar Kurtz

Der Überfall

Gerade ist man noch fröhlich herumgehopst, da, eine heftige Attacke, und schon streckt es einen nieder. Ein Virus oder ein Bakterium hat seinen Weg in den Körper gefunden. Nun werden alle Kräfte…

Wir müssen‘s wohl leiden

Wie die ursprünglichen revolutionären Ansprüche nach Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, die die Abschaffung der Sklaverei, die Gleichberechtigung der Frauen, die Entmachtung des Adels beinhaltet,…

Von: Dagmar Kurtz

Alle Kritiken anzeigen

Folgen Sie uns auf:

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑