"Bluthochzeit", lyrische Tragödie von Federico García Lorca, Theater und Philharmonie Thüringen Gera

Premiere: Sa. 19. September 2015 · 19:30 Uhr · Bühne am Park Gera. ----- In seinem Stück Die Bluthochzeit zeichnet Lorca (1898-1936) das Bild einer archaischen Gesellschaft, die abseits der modernen Städte an ihren Traditionen festhält. Im Zentrum der Geschichte stehen zwei starke Frauenfiguren, die mit den gesellschaftlichen Konventionen kämpfen und an ihrer eigenen Vergangenheit zu zerbrechen drohen:
19221

Zum einen ist dies die Mutter. Vor Jahren hat sie in einer Blutfehde mit der Familie Félix ihren Ehemann und einen ihrer Söhne verloren. Seit dem hütet sie ihren zweiten und letzten Sohn und hätte ihn am liebsten immer um sich. Doch der Sohn ist verlobt und möchte bald heiraten. Zum anderen ist da die Braut, die Verlobte des Sohnes der Mutter. Sie liebt ihren Bräutigam aufrichtig. Doch sie war schon einmal verlobt – mit Leonardo Félix aus der Familie, mit der einst die Mutter eine so erbitterte Blutsfeindschaft austrug. Leonardo ist inzwischen zwar mit der Cousine der Braut verlobt, aber ganz loslassen kann das Paar dennoch nicht voneinander. Und so kommt es, wie es kommen muss: Auf der Hochzeit flieht Leonardo mit der Braut und das Schicksal nimmt seinen Lauf.

Die Inszenierung entführt in die flirrende Hitze einer südeuropäischen Vorstadt: In den Zimmern eines Mietshauses spielen sich die ersten Szenen ab, um dann ihren Höhepunkt in der großen Hochzeit auf dem Vorplatz zu erreichen. Die Szenerie eröffnet den Blick in spartanisch eingerichtete Wohnungen einfacher Leute, die ein schlichtes, arbeitsames Leben führen und in der Musik und im Gesang zueinanderfinden. Die bunten Kostüme unterstützen den schlichten, mediterranen Charakter der Szenerie, lösen die Vorlage aus ihrer Zeit der 1930er Jahre Spaniens ab und schaffen eine aktuelle Spielsituation, die in kein spezifisches Jahrzehnt verortet werden kann. Angereichert wird die Inszenierung mit griechischen Vertonungen der lyrischen Passagen aus Lorcas Stück, die aus einer legendären Inszenierung der 1940er Jahre stammen und in Griechenland beinahe so bekannt sind wie Volkslieder.

Regie führt Akillas Karazissis. Der Grieche arbeitet seit 1985 als Schauspieler und Regisseur u.a. am Nationaltheater Athen, am Theater des Südens Athen und Theseum Ensemble Athen und war darüber hinaus in New York und Zürich tätig. In Deutschland spielte er an zahlreichen Häusern, so in Jena, Hildesheim und Heidelberg. An der Schauspielschule des griechischen Nationaltheaters und im Athener Konservatorium war er zudem mehrere Jahre als Schauspieldozent tätig. Für die gemeinsame Stückentwicklung „Stalin“ mit Michael Marmarinos erhielt das Regieteam 2008 den ersten Preis beim Festival „Politik im Freien Theater“. Karazissis lebt in Athen.

Übersetzt aus dem Spanischen von Rudolf Wittkopf

Bühne, Kostüme: Marianne Hollenstein · Musikalische Leitung: Olav Kröger ·

In den Rollen: Bräutigam: Henning Bäcker · Mutter des Bräutigam: Anne Diemer · Leonardo: Ouelgo Téné · Mutter des Leonardo: Rachelle R. E. Ouedraogo · Frau des Leonardo: Katerina Papandreou· Braut: Chara-Mata Ginnatou · Vater der Braut/ Mond: Philipp Reinheimer · Nachbarin/ Magd/ Bettlerin: Mechthild Scrobanita · Paco: Olav Kröger · Hochzeitsgast/ Holzfäller: Yasin Baig · mit 12köpfigen Mitspielerensemble als Hochzeitsgäste

Weitere Vorstellungen: 27. Sept. 19.30 Uhr, am 15. Okt. 19.30 Uhr mit Audiodeskription für Sehbehinderte zum „Tag des weißen Stocks“

in Kooperation mit dem Blinden- u. Sehschwachenverband Thüringen e. V.

Altenburger Premiere am 13. Febr. 2016 im Heizhaus

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