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BREGENZER FESTSPIELE: BÜHNE FREI FÜR TOSCA

Der grüne Rasenteppich der ZDFarena war bereits am Montagmorgen verschwunden, und damit hieß es diese Woche im wahrsten Sinn "Bühne frei für Tosca" (Vorstellungen ab 23. juli 2008). Seitdem sind am Bodensee wieder täglich Pucciniklänge zu vernehmen. Bei den Proben gefragt sind derzeit vor allem die neuen Besetzungen der verschiedenen Hauptpartien, darunter zahlreiche Festspielbekannte.

Als neue "Tosca" wird die Kanadierin Catherine Naglestad zu sehen sein, die bereits 2004 in der Oper im Festspielhaus Der Protagonist/Royal Palace in Bregenz gastierte. Auch der Italiener Carlo Barricelli hat bereits Festspielerfahrung – allerdings nicht auf der See- sondern auf der Schneebühne: Dort sang er im Jänner 2007 bei „Tosca im Schnee“ in Lech am Arlberg den „Cavaradossi“.

 

Scott Hendricks aus San Antonio, Texas, in diesem Jahr einer der "Scarpias", hat bereits als "Conte di Luna" in Verdis Troubadour 2005 und 2006 Seebühnenerfahrung gesammelt. Außerdem war er 2006 in der Uraufführung von Debussys Der Untergang des Hauses Usher als "Roderick Usher" zu sehen. Roberto Gionfriddo aus Italien vertauscht als "Spoletta" hingegen erstmals das Bregenzer Kornmarkttheater, wo er 2004 in Der Kuhhandel und im vergangenen Sommer in Paul Bunyan zu sehen war, mit der Bühne im Bodensee.

 

Die Oper "Tosca"

 

Ein Maler und ein Polizeichef, Erzfeinde aus politisch entgegen gesetzten Lagern, entdecken, dass sie dieselbe Frau begehren. Eine klassische Dreiecksgeschichte aus Grausamkeit und Lust, Leidenschaft und Eifersucht, Misstrauen und Besitzanspruch zu Zeiten eines diktatorischen Überwachungsstaates: Vier Festspielwochen begeisterte spektakuläre Tosca-Inszenierung von Regisseur Philipp Himmelmann und Set Designer Johannes Leiacker 2007 Besucher aus aller Welt, und auch im kommenden Sommer wird die Oper auf der Seebühne zu sehen sein. Premiere der Wiederaufnahme von Tosca ist am 23. Juli 2008.

 

"Wer hier keine Gänsehaut bekommt, der liebt die Oper nicht"

Das von einem riesigen Auge dominierte Bühnenbild zog Publikum und Kritiker gleichermaßen in seinen Bann: "Ein Opernspektakel von musikalischer und darstellerischer Intensität", las man etwa in der Wiener Tageszeitung "Kurier". Für den Mannheimer Morgen war vor allem das "Te Deum", die Schlüsselszene des ersten Akts, ein "Opernhochamt der Superlative": "Wer hier keine Gänsehaut bekommt, der liebt die Oper nicht. Diesen Moment wird keiner der 7.000 Zuschauer je vergessen." Das neue Soundsystem BOA ("Bregenz Open Acoustics") konnte mit einem unter freiem Himmel noch nie dagewesenen Raumklang ebenfalls überzeugen: "Erstmals ist auf der Seebühne der Klang genauso spektakulär wie die Szene. Tosca ist die theatralischste und intensivste Produktion der vergangenen Bregenzer Spielzeiten", befand der Münchner Merkur.

 

Drei starke Charaktere – und ein legendärer Sprung

Puccinis berühmtes Drama ist seit seiner Uraufführung am 14. Januar 1900 aus gutem Grund zum Bühnenklassiker avanciert: Tosca vereint in sich die Faszination eines nervenzerreißenden Thrillers, einer fesselnden Dreiecksgeschichte und eines legendären Verrats. Im Zentrum der Oper stehen drei Menschen im politischen Geschehen zwischen Absolutismus und revolutionärem Aufbegehren: die gefeierte Sängerin Floria Tosca, der Maler und Revolutionär Mario Cavaradossi und Scarpia, der berüchtigte Polizeichef von Rom. Drei starke Charaktere – ein jeder rücksichtslos im Glauben an die eigene Sache, sei das nun die Kunst, die Liebe oder die Politik.

 

Auslöser des tragischen Geschehens, das in Exekution, Mord und Selbstmord endet, ist die Eifersucht. Als politische Waffe eingesetzt, entfaltet sie ihre zerstörerische Kraft umso gnadenloser: "Vissi d'arte, vissi d'amore" – "lch lebte für die Kunst, ich lebte für die Liebe", so beginnt die berühmte Arie der Sängerin Floria Tosca, einer Frau, die sich nie um Politik gekümmert hat, und nun dennoch von ihr eingeholt wird, als ihr Geliebter Cavaradossi in die Hände von Polizeichef Scarpia gerät.

 

Scarpia verfolgt Cavaradossi, weil dieser dem ehemaligen Konsul der römischen Republik, Angelotti, zur Flucht verholfen hat. Er foltert ihn in Gegenwart von Tosca. Als Tosca seine Schreie nicht mehr ertragen kann, verrät sie Scarpia das Versteck Angelottis. Cavaradossi wird zum Tode verurteilt. Scarpia verspricht Tosca jedoch, ihren Geliebten nur zum Schein erschießen zu lassen und dem Paar die heimliche Flucht zu ermöglichen, wenn sie sich ihm hingäbe. Zu Scarpias Überraschung wird Tosca jedoch im Angesicht von Folter und Zwang zur Rächerin ihrer eigenen Überzeugung: Die Arie "Vissi d'arte, vissi d'amore" ist ihr Bekenntnis, bevor sie den Polizeichef ersticht und damit den Tyrannenmord begeht, den keiner bisher wagte. Cavaradossi wird entgegen Scarpias vermeintlichem Versprechen hingerichtet. Tosca springt von der Engelsburg in den Tod.

 

Verschlingende Leidenschaften

"Tosca ist ein emotionaler Thriller – eine packende Geschichte, angetrieben von Puccinis äußerst dynamischer Orchestermusik", erklärt Intendant David Pountney. "Puccini ist ein Meister der Melodie und des Gefühls", so Pountney weiter, "ein jeder der drei Protagonisten dieser Oper ist von einer alles verschlingenden Leidenschaft erfasst: Tosca von der Liebe, Scarpia von der Macht und Cavaradossi vom Streben nach Freiheit. Der leidenschaftlichen, zerbrechlichen Künstlerin Tosca stellt Puccini den zynischen und grausamen Polizeichef Scarpia gegenüber. Das Ergebnis ist eine Tragödie, deren herzergreifende Momente es mit jedem Hollywood-Blockbuster aufnehmen können. Genau diese Dinge machen Tosca zu einem idealen Werk für die Bregenzer Seebühne: Die Macht der Emotionen und die Kraft von Puccinis Musik, die den persönlichen Schicksalen der Protagonisten epische Dimensionen verleiht."

 

Musikalische Leitung: Ulf Schirmer

Inszenierung: Philipp Himmelmann

Bühne: Johannes Leiacker

Kostüme: Jorge Jara

Licht: Davy Cunningham

Chorleitung: Anna Szostak

Einstudierung Bregenzer Festspielchor: Markus Landerer

Video Design: Evita Galanou, Ueli Nüesch, Thomas Wollenberger

Klangeffektproduktion: Ulf Schirmer

Akustik: Wolfgang Fritz

 

Wiener Symphoniker

Sängerensemble der Stadt Katowice - "Camerata Silesia"

Bregenzer Festspielchor

 

u.a. mit:

Floria Tosca:

Karine Babayan, Catherine Naglestad, Tatjana Serjan

Mario Cavaradossi:

Carlo Barricelli, Andrew Richards, Héctor Sandoval

Baron Scarpia:

Scott Hendricks, Claudio Otelli, Peter Sidhom

Cesare Angelotti:

Sebastian Soules, David Stout

Spoletta:

Hubert Francis, Roberto Gionfriddo

Der Mesner/Kerkermeister:

Richard Angas, Martin Winkler

Sciarrone:

Martin Busen, Adrian Clark

 

Weitere Vorstellungen 25. 26. 27. und 30. Juli - 21.15 Uhr

1. 2. 3. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 14. 16. 17. 20. 21. 22. und 23. August - 21.00 Uhr

 

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BREGENZ OPEN ACOUSTICS - BOA:

SOUNDEINSTELLUNGEN MIT ULF SCHIRMER

Das neue Soundsystem BOA ("Bregenz Open Acoustics") konnte im vergangenen Sommer mit einem unter freiem Himmel noch nie dagewesenen Raumklang überzeugen: "Erstmals ist auf der Seebühne der Klang genauso spektakulär wie die Szene. Tosca ist die theatralischste und intensivste Produktion der vergangenen Bregenzer Spielzeiten", befand etwa der Münchner Merkur.

 

Um den Klang für die zweite Saison von Tosca weiter zu verbessern, arbeitet die Akustikabteilung der Bregenzer Festspiele seit dieser Woche bereits gemeinsam mit Dirigent Ulf Schirmer an den Einstellungen der Tonanlage. Perfektioniert wird nicht nur der Klang der Sänger und des Orchesters, sondern auch der diversen Klangeffekte, die speziell für Tosca entwickelt und aufgenommen wurden.

 

ZWISCHENBILANZ CROSSCULTURE:

ERFOLG FÜR CC WORKSHOPS

Bereits zum zweiten Mal gab es in diesem Jahr die crossculture workshops mit der Berliner Gruppe Opernöffner: In zweieinhalb Stunden "knacken" hier Schüler und Jugendliche die Oper Tosca - verstehen Zusammenhänge und erkennen, was die einzelnen Figuren bewegt. "Die Resonanz auf die cc workshops ist sehr gut", freut sich crossculture-Verantwortliche Dorothée Schaeffer. "Bis jetzt haben bereits 15 Schülergruppen aus ganz Vorarlberg und dem angrenzenden Deutschland die Workshops besucht."

 

Robert Weidensdorfer, crossculture-Mitarbeiter und Workshop-Leiter, erklärt die Methode des "Opernöffner": "Die Kinder und Jugendlichen können bei den Workshops die Rollen des Stücks selbst erfahren: Sie bekommen Rollenkarten, die sie lesen, dann suchen sie sich eine Verkleidung aus, die zu ihrer Rolle passt. So können sie die Rolle ausprobieren: Wie bewegt sich diese Person, wie spricht sie, wie agiert sie? Zum Schluss werden dann die wichtigsten Szenen der Oper von der Gruppe gespielt. Toll ist es, wenn die Kinder dann eine Aufführung besuchen und 'ihre' Figur im Stück wiederentdecken."

 

ZWEI WOCHEN CROSSCULTURE TOTAL:

FEST DES KINDES UND CC WEEK

Nach den Workshops stehen in den kommenden Wochen zwei weitere zentrale Programmpunkte von crossculture bevor: Das Fest des Kindes und die cc week.

 

FEDEKI: Hier können sich die Jüngsten kreativ austoben: Unter dem diesjährigen Motto "Fedekis magischer Baum" werden sich ab kommenden Montag 180 Kinder von 6 bis 11 Jahren eine Woche lang in der Volksschule Weidach auf spielerische Art und Weise der Bühne zu nähern.

 

Termin: 7. – 12. Juli, jeweils ca. 9.00 bis 15.00 Uhr, Volksschule Weidach

Teilnahmegebühr: EURO 35 / CHF 60

 

CC WEEK: Eine Woche lang treffen sich von 14. bis 19. Juli 2008 14 bis 26 Jährige, die in Band- oder Tanzworkshops ein Programm entwickeln, das bei der crossculture night uraufgeführt wird. Für die Bandworkshops (Gesang, Gitarre, Klavier, Bass, Schlagzeug) sind noch wenige Plätze frei!

 

Geprobt wird im Shed 8 (Schöller2Welten). Am Donnerstag, 17. Juli, findet eine offene Jam-Session statt, bei welcher Freunde, Bekannte, Verwandte, etc. dabei sein können. Am Samstag, 19. Juli, folgt der Auftritt am Vorplatz der Bregenzer Festspiele bei der crossculture night.

 

Termin: 14. bis 19. Juli – 10.00 bis 17.00 Uhr

Teilnahmegebühr: EURO 40/CHF 69

Ort: Shed8

Open Jam Session: 17. Juli – ab 19.00 Uhr

Auftritt crossculture night: 19. Juli ab 17.00 Uhr

 

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