CARL MARIA VON WEBERS" DER FREISCHÜTZ" in der Wiener Staatsoper

Premiere Montag, 11. Juni 2018, 19:00 Uhr

Inhaltsangabe von Carl-Maria von Weber: Ein alter fürstlicher Förster will seinem braven Jägerburschen Max seine Tochter und Dienst geben, und der Fürst ist es zufrieden, nur besteht ein altes Gesetz, dass jeder einen schweren Probeschuss ausführen muss. Ein anderer boshafter liederlicher Jägersbursche, Caspar, hat auch ein Auge auf das Mädel, ist aber dem Teufel halb und halb ergeben.
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Max, sonst ein trefflicher Schütze, fehlt in der letzten Zeit vor dem Probeschusse alles, ist in Verzweiflung darüber und wird endlich dadurch von Caspar dahin verführt, sogenannte Freikugeln zu gießen, wovon sechs unfehlbar treffen, dafür aber die siebte dem Teufel gehört. Diese soll das arme Mädchen treffen, dadurch Max zur Verzweiflung und Selbstmord geleitet werden. Der Himmel beschließt es aber anders. Beim Probeschuss fällt zwar Agathe, aber auch Caspar, und zwar wirklich als Opfer des Satans, erstere nur aus Schrecken – warum, ist im Stück entwickelt. Das Ganze schließt freudig.

Mit dieser Neuinszenierung ist Carl Maria von Webers 1821 in Berlin uraufgeführte „romantische Oper in drei Aufzügen“ nach 19 Jahren wieder im Haus am Ring zu erleben. Schon wenige Monate nach der Eröffnung der Hofoper – am 1. Jänner 1870 – wurde das Werk zum ersten Mal im Haus am Ring gezeigt. Es folgten weitere acht Neuproduktionen (davon eine im Volksoperngebäude) bis zur bisher jüngsten Neuinszenierung 1995 in einer Regie von Alfred Kirchner und unter der musikalischen Leitung von Leopold Hager. Der Freischütz wurde im Haus am Ring bisher insgesamt 477 Mal in zehn unterschiedlichen Produktionen gezeigt, zuletzt stand die Oper im April 1999 auf dem Staatsopernspielplan.

Musikalisch geleitet wird die nun anstehende Neuproduktion von Tomáš Netopil: Der tschechische Dirigent, Generalmusikdirektor des Aalto Theaters und der Philharmonie Essen, debütierte 2014 mit Rusalka im Haus am Ring und leitete bisher weiters auch Vorstellungen von Das schlaue Füchslein, Così fan tutte und Kátja Kabanová. Er dirigiert Der Freischütz erstmals komplett und will in seiner Interpretation die ursprüngliche Form der Oper zeigen, wie er im Gespräch mit Oliver Láng für das Staatsopernmagazin Prolog betont: „Den Freischütz möchte ich am liebsten nicht aus dem interpretieren, was die nachfolgenden Generationen aus ihm gemacht haben, sondern aus seiner Zeit heraus. Mit anderen Worten: Mich interessiert die Weber’sche Romantik, die „klassische“ Romantik und nicht die späteren Steigerungsstufen.“ Das Musikalisch-Romantische im Freischütz definiert der Dirigent so: „Ich denke, es ist die große Kraft der Kontraste – das hat in der damaligen Zeit gewirkt und ist bis heute ungemein wirkungsvoll. Melodie, Rhythmik, Harmonik, die Effekte: Hier verwendet Weber starke Gegensätze. Dazu kommt eine Freiheit in den melodischen Linien. Auch der Einsatz von Volksmusik-Klängen spielt in diese Richtung: Dadurch wird das Menschliche unterstrichen, aber auch das romantische Sujet unterstützt.“

Der deutsche Regisseur Christian Räth brachte an der Wiener Staatsoper bisher Macbeth heraus. Er nähert sich der Freischütz-Partitur – wie Dramaturg Andreas Láng im Staatsopernmagazin „Prolog“ erläutert – und dem ihr innewohnenden Wechselspiel aus Schönheit und Abgründen, indem er den männlichen Protagonisten Max in ein neues Umfeld stellt respektive sein Betätigungsfeld erweitert. Dieser ist bei Räth nicht bloß Jäger, sondern zuvorderst Künstler, genauer Komponist. Damit gliedert Christian Räth die Freischütz-Handlung in eine Denk- und Erzähltradition ein, nach der geniale Künstler ihre kreative Schöpfungskraft aus dunklen, verbotenen Quellen speisen. Max’ wohl psychologisch motiviertes Nicht-schießen-können wird auf diese Weise als Inspirationsblockade gelesen, die ihn am Beginn einerseits daran hindert, seien Oper zu vollenden und ihn andererseits in Tagträume ausweichen lässt, die seinen von ihm erhofften Ruhm und Erfolg antizipieren. Die Fallhöhe, die sich dadurch zu Max’ Realität auftut, wird entsprechend größer und macht ihn anfällig, zu neuen, bisher unbeschrittenen Wegen verführt zu werden: Was ihm der geheimnisvoll-bedrohliche Caspar dann allerdings einflüstert, Inspirationen nämlich, denen sich Max bis dahin aus moralischen und gesellschaftlichen Gründen nicht zu ergeben getraut hat, könnten, so Christian Räth, durchaus aus ihm selber stammen.

Das Publikum erlebt somit auf der Bühne Max’ Innenschau, den Freischütz gewissermaßen aus seiner Perspektive – Realität und Visionen wechseln einander ab, überlappen sich und sind zum Teil bewusst nicht voneinander zu trennen. Die ihn umgebenden Charaktere erscheinen folglich auch als Projektionsfläche des um die Schaffenskraft ringenden Komponisten. Diese Neuproduktion zeigt also ein Künstlerdrama, in der sich der Protagonist entscheiden muss, zwischen seiner Verantwortung gegenüber der Wahrheit seines Schöpfertums und der Verantwortung gegenüber seinen ihn umgebenden und liebenden Nächsten.

Alle Solistinnen und Solisten geben in der Premiere ihr
Staatsopern-Rollendebüt:

ROMANTISCHE OPER IN DREI AUFZÜGEN
TEXT: JOHANN FRIEDRICH KIND

Dirigent: Tomáš Netopil
Regie: Christian Räth
Ausstattung: Gary McCann
Licht: Thomas Hase°
Video: Nina Dunn
Choreographie: Vesna Orlic
Chorleitung: Thomas Lang

Ottokar Adrian Eröd
Cuno Clemens Unterreiner
Agathe Camilla Nylund
Ännchen Daniela Fally
Caspar Alan Held
Max Andreas Schager
Samiel Hans Peter Kammerer
Ein Eremit Albert Dohmen
Kilian Gabriel Bermúdez
Orchester der Wiener Staatsoper
Bühnenorchester der Wiener Staatsoper
Chor der Wiener Staatsoper
Komparserie der Wiener Staatsoper
° Debüt an der Wiener Staatsoper | Alle Solistinnen und Solisten geben ihr Rollendebüt an der Wiener Staatsoper.
Sonntag, 3. Juni 2018, 11.00 Uhr: Einführungsmatinee mit Mitwirkenden der Premiere

Reprisen: 14., 17., 20., 25., 28. Juni 2018

Die Vorstellung am 14. Juni 2018 wird ab 22.30 Uhr live-zeitversetzt auf ORF 2 ausgestrahlt.
Radio Ö1 (+ EBU) strahlt Der Freischütz am 16. Juni ab 19.30 Uhr aus, aufgenommen am 11. und 14. Juni an der Wiener Staatsoper.

Bild: Carl Maria von Weber

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