Carl Orff-Stiftung zeichnet den Intendanten des Staatstheaters Darmstadt, John Dew, mit dem Carl Orff-Preis 2012 aus.

Mit der Verleihung des Carl Orff-Preises an den Musiktheater-Regisseur John Dew, Intendant des Staatstheaters Darmstadt, würdigt die Stiftung dessen langjährige Auseinandersetzung mit den Musikdramen Carl Orffs.
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John Dew hat in seiner Intendanz am Staatstheater Darmstadt nicht nur die beiden Griechendramen „Antigonae“ und „Oedipus der Tyrann“ inszeniert, sondern sich auch mit den Märchenstücken „Die Kluge“ und „Der Mond“ auseinandergesetzt. Seine Inszenierung von „Gisei“, die zugleich die Uraufführung dieses Jugendwerkes von Carl Orff war, hat den Blick auf die Ursprünge seines kompositorischen Schaffens frei gelegt und diese in unmittelbare Beziehung zu seinem letzten Bühnenwerk „De temporum fine comoedia“ gesetzt. Kaum ein anderer Regisseur hat sich in dieser künstlerischen Bandbreite und Qualität in den zurückliegenden Jahren Carl Orff gewidmet.

John Dew, geboren 1944 auf Kuba, wuchs in New York auf und studierte dort Kunstgeschichte und Bühnenbild. Im Rahmen der Meisterklassen Friedelind Wagners kam er 1966 nach Bayreuth. 1967 hospitierte er bei Walter Felsenstein an der Komischen Oper Berlin. Am Stadttheater Ulm führte er 1973 bei Igor Strawinskys Der Wüstling (The Rake's Progress) erstmals Regie. Überregionale Aufmerksamkeit erlangten zuerst seine Wagner-Inszenierungen am Theater Krefeld/Mönchengladbach (Tristan und Isolde 1978, Die Meistersinger von Nürnberg 1980 und Der Ring des Nibelungen 1981 bis 1985).

Von 1982 bis 1995 war Dew Oberspielleiter der Oper am Stadttheater Bielefeld. Dort prägte er mit dem Intendanten Heiner Bruns und dem Dramaturgen Alexander Gruber die „Bielefelder Dramaturgie”, die sich der Wiederentdeckung von Opern verschrieb, die durch die nationalsozialistische Kulturpolitik aus dem Bewusstsein verdrängt worden waren. Spektakuläre Neudeutungen auch von Opern des Kernrepertoires sowie Ur- und Erstaufführungen zeitgenössischer Werke kamen hinzu.

Mit der Inszenierung von Giacomo Meyerbeers Die Hugenotten an der Deutschen Oper Berlin gelang Dew der Sprung an die großen Opernhäuser. Es folgten Arbeiten unter anderem für Hamburg, Leipzig, Zürich, die Wiener Staatsoper, Royal Opera Covent Garden, Opéra Comique Paris, Houston Grand Opera, Operan Göteborg und das Teatro Real Madrid. Von 1995 bis 2001 leitete Dew als Generalintendant das Theater Dortmund. Als Schwerpunkt seiner Arbeit widmete er sich dort vergessenen Werken des französischen Repertoires des 19. und 20. Jahrhunderts.

Seit der Spielzeit 2004 | 2005 ist er Intendant des Staatstheaters Darmstadt und widmet dem Werk von Carl Orff eine eigene Reihe, in der bereits die ersten beiden 2006 inszenierten Oedipus der Tyrann und Antigonae weithin Aufmerksamkeit erregten und einhelliges Lob der Kritik erhielten. In der Spielzeit 2007|2008 setzte Dew seine Beschäftigung mit den Werken Orffs fort und brachte dessen Märchenoper Die Kluge auf die Bühne. Es folgte der bisherige Höhepunkt im Jahr 2010 mit der posthumen Uraufführung von Orffs erstem Musiktheaterstück Gisei – Das Opfer, als Doppelabend inszeniert und gegenübergestellt mit Orffs letztem Bühnenwerk De temporum fine comoedia.

Vorstand und Kuratorium der Carl Orff-Stiftung in Dießen am Ammersee haben im Jahr 2008 beschlossen, einen Preis zu verleihen, der an das künstlerische und pädagogische Schaffen Carl Orffs (1895-1982) erinnert. Der Preis ist nach Carl Orff benannt und wird an Persönlichkeiten verliehen, die sich in herausragender Weise um das künstlerische Werk und das musikpädagogische Schaffen des Komponisten verdient gemacht haben. Der Carl Orff-Preis wird in der Regel in einem zweijährigen Turnus verliehen und ist mit 10.000,- € dotiert.

Der Carl Orff-Preis soll deutlich machen, dass Carl Orff nicht nur der Schöpfer der CARMINA BURANA ist, sondern zu den bedeutendsten Musikdramatikern des 20. Jahrhunderts zählt. Der Komponist ist auch mit dem seit Mitte der 20-iger Jahre entwickelten Orff-Schulwerk, der Erziehung des Menschen, insbesondere des Kindes, zur Musik und zu eigenem künstlerischen Tun, zum Wegbereiter für musikalische und kulturelle Bildung geworden.

Der Carl Orff-Preis wird an Persönlichkeiten verliehen, deren Beschäftigung mit dem Werk und Schaffen von Carl Orff außergewöhnlich, Maßstäbe setzend und einzigartig ist und zeigt, wie aktuell Orff nach wie vor ist. So hat die Carl Orff-Stiftung den Carl Orff-Preis im Jahre 2009 zum ersten Mal an den Altphilologen und Musikwissenschaftler Dr. Werner Thomas (1910-2011) verliehen, dessen wissenschaftliches Wirken über mehr als fünf Jahrzehnte zu großen Teilen Carl Orff gewidmet war, mit dem ihn auch eine intensive Freundschaft verband.

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