Das 35. deutsch-französische Festival PERSPECTIVES vom 24. Mai bis zum 2. Juni 2012 in Saarbrücken und Moselle

Ein facettenreiches Programm zeitgenössischer Bühnenkunst. PERSPECTIVES, bei seiner Gründung vor 35 Jahren als Festival des französischen Theaters in Deutschland konzipiert, hat sich 2002 zum deutsch-französischen Festival der Bühnenkunst weiterentwickelt. Deutsch-französisch ist nicht nur das Programm, sondern auch die Finanzierung. Der Wille der drei Festivalträger, die Landeshauptstadt Saarbrücken, das Saarland und der Conseil Général du Département de la Moselle, gemeinsam ein grenzüberschreitendes Projekt auf den Weg zu bringen, hat zur Entstehung dieses Festivals geführt.

Namhafte Regisseure und Choreographen werden nach Saarbrücken und Moselle kommen, um Stücke in den Kategorien Tanz, Theater, Straßentheater und Zirkus vorzustellen. So Victoria Chaplin und Jean-Baptiste Thierrée, die mit ihrem international bekannten Zirkus Le Cirque Invisible das Festival eröffnen werden. Ein Erlebnis für Klein und Groß!

Mit Cendrillon vom französischen Regisseuren und Theaterautoren Joël Pommerat werden die Zuschauer in die poetische Welt der Märchen entführt. Die Aschenputtel-Inszenierung basiert auf einer spannenden Neufassung des Originals der Gebrüder Grimm und Charles Perrault. Das Männerduo Patrice Thibaud und Philippe Leygnac glänzt durch sein wortloses Komikstück Cocorico und Pierre Rigal ist dieses Jahr mit seinem unkonventionellen innovativen Stück micro vertreten. micro ist als Rockkonzert inszeniert, das Tanz, Theater und Livemusik geschickt miteinander vermengt. Aktuelle Kontroversen werden gleich von mehreren Inszenierungen aufgegriffen: Das Dokumentartheater Herr Dağacar und die goldene Tektonik des Mülls von Rimini Protokoll bringt Müllsammler aus Istanbul auf die Bühne, Christiane Kühl und Chris Kondek behandeln die allgegenwärtige Macht des Geldes in Money – It came from outer space, ArabQueen von Nicole Oder handelt von einer jungen Muslima gefangen zwischen den Erwartungen zweier Kulturkreise. Und in Jérusalem plomb durci nimmt uns Ruth Rosenthal auf eine Reise durch die heutige Realität Israels.

Aus dem Programm:

Festivaleröffnung mit Le Cirque Invisible

Das Festival wird mit dem international bekannten Le Cirque Invisible von Jean-Baptiste Thierrée und Victoria Chaplin am 24. Mai eröffnet. Dort verwandeln sich die verrücktesten Kostüme in Fabelwesen; Fische und Paradiesvögel sowie eine quicklebendige Gänseschar bevölkern die Bühne, aus Kuchenformen erklingt Musik, seltsame Drahtvehikel fahren durch die Gegend, bevor sie zu Flugzeugen werden...

Im Cirque Invisible wechseln sich Victoria Chaplin und Jean-Baptiste Thierrée ab: Chaplin als Meisterin der komplexen Verwandlungen und als grazile (Drahtseil-)Tänzerin, Thierrée in seiner Rolle als charmanter Magier mit vielseitigem Humor und gewollt unbeholfenen Nummern. Ein Zirkus für die ganze Familie!

Regisseure und gegenwärtige gesellschaftliche Kontroversen:

Zum einen wird das Regiekollektiv Rimini Protokoll, weltweit bekannt für seine dokumentarischen Theaterarbeiten, mit Herr Dağacar und die goldene Tektonik des Mülls dabei sein. Mit ihrer spezifischen Art, die Realität auf die Bühne zu holen, gelten Helgard Haug, Stefan Kaegi und Daniel Wetzel als Trendsetter in der Theaterwelt: sie bauen ihre Inszenierungen um die Lebensgeschichten so genannter Experten des Alltags. In Herr Dağacar bringen sie Müllsammler aus Istanbul auf die Bühne.

Bei Cendrillon, einem Stück des französischen Regisseurs und Theaterautoren Joël Pommerat, tauchen die Zuschauer ein in die Geschichte dieses poetisch erzählten Märchens. Die Aschenputtel-Inszenierung basiert auf einer spannenden Neufassung des Originals der Gebrüder Grimm und von Charles Perrault. Pommerats ausschließlich auf eigenen Texten basierende Inszenierung behandelt zeitgenössische soziale Themen, metaphysische Fragen sowie Fantastisches.

Das Männerduo Patrice Thibaud und Philippe Leygnac glänzt durch sein heiteres Komikstück Cocorico, das mit einer Reihe französischer Klischees spielt. In Cocorico wird uns eine Melange aus Situationskomik, Sketchen, Slapstick und Schattenspielen präsentiert. Mit dieser wortlosen Inszenierung würdigt das mimische Duo auf amüsante Art und Weise den Stummfilm.

Aktuelle Kontroversen werden gleich von mehreren Inszenierungen aufgegriffen: Christiane Kühl und Chris Kondek behandeln die allgegenwärtige Macht des Geldes in Money – It came from outer space. Mit ihrer Video-Theater-Performance beweisen sie: Geld ist kein neutrales Werkzeug - es ist ein gigantischer lebender Organismus auf dem Weg zur nächsten Stufe der Evolution.

ArabQueen von Nicole Oder handelt von einer jungen Muslima, gefangen zwischen den Erwartungen zweier Kulturkreise: soll sie, wie ihre Schwester, der Tradition folgen oder sich von ihrer Familie emanzipieren? Für kurze Augenblicke legt Mariam das Korsett der familiären Konventionen ab und lernt mit ihrer Freundin Lena im Berliner Nachtleben den Geschmack von Freiheit kennen. Sie begibt sich damit in das Minenfeld eines aussichtslosen Kampfes um die Bestimmung über ihre Person.

In Jérusalem plomb durci von Winter Family nimmt uns Ruth Rosenthal auf eine Reise durch die heutige Realität Israels. Wir erleben eine ganz persönliche Begegnung mit ihrer Heimat und einen Einblick in die israelische Gesellschaft: deren Alltag, deren Ängste, die den Alltag beherrschen, die Flucht nach vorn. Für Jérusalem plomb durci erhielt Winter Family beim Festival Impatience im Juni 2011 in Paris den Preis für das „beste Theaterstück“.

Weitere Attraktionen: Tanz!

Die Sparte Tanz ist dieses Jahr vertreten durch eine unvergleichliche Aufführung von Le Sacre du printemps, choreographiert von Jean-Claude Gallotta. Schon als Schuljunge hört Gallotta von Igor Strawinsky, von den Ballets Russes, von Nijinski und dem Skandal bei der Uraufführung des Sacre du Printemps. Die machtvolle Musik reißt ihn sofort mit und eröffnet ihm bis dahin verbotene Horizonte: die Sinnlichkeit, wild (zuckende) Körper... In Gallottas Sacre führen uns die Tänzer einen einzigen intensiven Kraftakt vor: schnell, triebhaft, berauschend.

Der Tänzer und Choreograph Josef Nadj wird das Publikum mit seinem unkonventionellen, alle Sinne betörenden Stück Les Corbeaux in seinen Bann ziehen. Der im ehemaligen Jugoslawien geborene und in Frankreich arbeitende Choreograph Nadj wird bereits seit vielen Jahren zu den bedeutendsten Festivals eingeladen, wie dem Festival d’Avignon, dem Tanzfestival von Cannes oder der Biennale von Venedig, und seine Arbeiten wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Für Les Corbeaux arbeitet Nadj mit dem Saxophonisten und Multi-Instrumentalisten Akosh Szelevényi zusammen.

Sowohl Le Sacre du printemps als auch Les Corbeaux werden ihre Deutschlandpremiere auf dem Festival feiern.

Pierre Rigals micro ist als Rockkonzert choreographiert, das Tanz, Livemusik und Theater geschickt miteinander verbindet. Seine innovative Performance besticht sowohl durch ihre Kraft als auch durch ihre Poesie. Für micro arbeitet er mit drei Musikern von Moon Pallas und der Tänzerin Mélanie Chartreux zusammen. Der Athlet und Tänzer Rigal lässt die Performer eine spielerische, romantische, aber teils auch beängstigende und wütende Musik komponieren. Mit seinem erfolgreichen Solo PRESS war er bereits letztes Jahr beim Festival PERSPECTIVES zu Gast.

Zirkus-Highlights

Neben Le Cirque Invisible werden gleich drei weitere Zirkus-Highlights beim diesjährigen Festival zu bewundern sein: Face Nord von der Compagnie Un loup pour l’homme, Par le boudu von Gacon Bonaventure und Chloé Moglia mit Rhizikon.

Die Compagnie Un loup pour l’homme entstand aus dem Zusammentreffen von zwei Akrobaten, Alexandre Fray und Frédéric Arsenault. Beiden geht es vor allem um die starke Beziehung zwischen zwei Männern. Un loup pour l’homme hat auf Grund seines Erfolges ein neues Stück entwickelt und das Duo zum Quartett erweitert. Mit einer Mischung aus akrobatischen und sportlichen Gesten formen die Akrobaten prekäre menschliche Gerüste und Skulpturen. Ein faszinierendes Stück über die Begegnung mit dem Anderen und das Wirken von Gruppendynamik: Ein Erlebnis für die ganze Familie!

Absolut empfehlenswert ist der clowneske Monolog Par le boudu. Le Boudu ist wirklich atypisch, mehr eine Art Schwarz- als Weißclown. Er ist einsam, traurig, schmutzig, betrunken und böse. Böse wie ein mädchenfressender Unhold. Eher nicht die Art Clown, dem man kleine Kinder aussetzen will. Obwohl …er schreibt Gedichte, fährt Rollschuh und betrachtet Sonnenuntergänge. Dieser Unhold ist eigentlich nicht gruselig und blutdürstig, sondern ein gutherziger Mensch. Er ist ungeschickt, ein Tölpel, vom Leben gebeutelt: zweifellos ist es das, was uns so fesselt. Mit seinem wütenden Humor entlockt er uns oftmals Lachen, aber auch die widersprüchlichsten Gefühle.

Chloé Moglia ist Absolventin der bekannten Zirkusschule École Nationale Supérieure des Arts du Cirque in Châlons-en-Champagne. Dort hat sie sich auf Luftakrobatik spezialisiert. Sie begann, sich mit philosophischen Fragen in Bezug auf ihre Trapezkunst auseinanderzusetzen: Woher kommt die Lust am Risiko, an der Gefahr, an der körperlichen Extremsituation? Was fasziniert den Zuschauer an der akrobatischen Darbietung? Aus diesen Fragestellungen heraus entstand ihr abenteuerliches Stück Rhizikon, das im Rahmen des Festivals erstmalig in Deutschland gezeigt wird.

Neben allen Vorstellungen wartet ein großes Angebot an Konzerten verschiedener französischer Musikgruppen im Festivalclub auf Sie!

Das ausführliche Festivalprogramm finden Sie unter:

www.festival-perspectives.de

Der diesjährige Kartenvorverkauf beginnt am 21. April !

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