"Das Land des Lächelns", Operette von Franz Lehár, Theater Erfurt

Premiere: Sa, 10. Oktober 2015, 19.30 Uhr, Großes Haus. -----Lisa, Tochter des Grafen Lichtenfels, verliebt sich bei einem Fest in einem Wiener Salon in den chinesischen Prinzen Sou-Chong. Als dieser ihre Liebe erwidert, folgt sie ihm nach China und beideleben dort zunächst glücklich.
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Doch dann wird der Prinz von seinem Onkel aufgefordert, vier Mandschu-Mädchen zu heiraten, wie ein alter Brauch es verlangt. Als er dieser Tradition folgt, stürzt er Lisa in tiefe Verzweiflung. Beide Kulturen scheinen trotz ihrer Liebe unvereinbar. Lisa plant daraufhin gemeinsam mit dem früheren Verehrer Gustl, der ihr nach China nachgereist ist, die Flucht. Als der Plan auffliegt, erkennt Sou-Chong, dass er Lisa nicht halten kann.

Die romantisch tragische Operette von Franz Lehár wurde ein Welterfolg und gilt als eines der

meistgespielten Werke der sogenannten silbernen Operettenära. Komponiert zu Beginn der 1920er Jahre, ging die Uraufführung 1923 zunächst unter dem Titel Die gelbe Jacke mit wenig Erfolg in Wien über die Bühne. Sechs Jahre später hob sich am Berliner Metropol-Theater der Vorhang zur gefeierten Premiere der überarbeiteten Fassung unter dem neuen Titel Das Land des Lächelns. Maßgeblichen

Anteil am nachhaltigen Erfolg der zweiten Uraufführung hatte der Tenor Richard Tauber, dessen Interpretation der berühmtesten Melodien dieser Operette („Dein ist mein ganzes Herz“ oder

„Immer nur lächeln“) bis heute Maßstäbe gesetzt hat.

Franz Lehár gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der Operette des 20. Jahrhunderts. Er wurde am 30. April 1870 in Komárom/Slowakei geboren. Als Sohn eines Militärkapellmeisters, übersiedelte er oft mit seiner Familie von Garnison zu Garnison und wuchs so in einer Atmosphäre von Militär- und Zigeunermusik auf. Sein musikalisches Talent verhalf ihm schon im Alter von zwölf Jahren ans Prager Konservatorium, wo er Geige studierte, u. a. bei Antonín Dvorák, der ihn auch zum Komponieren ermuntert haben soll. Nach seinem Abschluss als Orchestermusiker, spielte er zunächst in der Kapelle seines Vaters bevor er selbst Militärkapellmeister wurde. Als jüngster seines Standes der ganzen Monarchie war er in der ungarischen Ostslowakei und dann als Marinekapellmeister in Pula tätig, bevor er sich in seiner Wahlheimat Wien niederließ. Seinen ersten großen Erfolg feierte er mit dem Walzer „Gold und Silber“, den er für eine Redoute der Fürstin Pauline von Metternich in Wien komponierte. Nach einem Versuch als Opernkomponist widmete sich Lehár ab1902 dem Operettengeschäft, und dieses sollte ihn schließlich weltweit bekannt machen. Die Uraufführung von Die lustige Witwe 1905 am Theater an der Wien war ein so großer Erfolg, dass innerhalb kurzer Zeit Tausende Aufführungen dieses Werk zur erfolgreichsten Operette aller Zeiten machte.

Lehár verstand es, typische Wiener Musik mit einem slawischen Lokalkolorit zu verbinden. Er brachte in den klassischen Operettenstil Elemente der zeitgenössischen Unterhaltungs- und Volksmusik ein, und so gingen zahlreiche Melodien aus seiner Hand als unsterbliche Evergreens in die Musikgeschichte ein. Allein die Arie „Dein ist mein ganzes Herz“ aus Das Land des Lächelns wurde in über 100 Sprachen übersetzt. Der früh einsetzende Erfolg seiner Operetten ermöglichte es ihm, sich ausschließlich der Komposition und dem Dirigieren seiner Werke zu widmen. Aus seiner Feder stammen auch Der Graf von Luxemburg, Paganini, Der Zarewitsch, Friederike, Eva, Fraquita, Schön ist die Welt oder Giuditta. Die meisten komponierte er übrigens in der Kurstadt Bad Ischgl, dessen Ehrenbürger er 1948 wurde und wo seine Villa samt Nachlass heute als Museum an den großen Operettenmeister erinnert.

In der Regie von Erfurts Generalintendant Guy Montavon war Lehárs Meisteroperette bereits im Mai

dieses Jahres im „Land des Lächelns“ an der Opera Hong Kong zu erleben. Nach Koproduktionen mit Opernhäusern in ganz Europa, in Toronto und Südafrika öffnet diese erneute Zusammenarbeit des Theaters Erfurt mit einer internationalen Bühne erstmals das Tor in den Fernen Osten. Die stürmisch

bejubelte Inszenierung ist nun in Erfurt zu erleben. Für die prachtvolle Ausstattung zeichnet die chinesische Bühnen- und Kostümbildnerin Hsiu-Chin Tsai verantwortlich, die in Erfurt bereits die Bühne zu Puccinis Märchenoper Turandot im Rahmen der DomStufen-Festspiele 2013 gestaltet hat. In der Rolle des zunächst umworbenen, später einsam zurückbleibenden Prinzen Sou-Chong sind alternierend der koreanische Tenor Won Whi Choi, der diese Partie bereits in der Premierenproduktion in Hongkong gesungen hat, zu erleben sowie der österreichische Tenor Thomas Paul. Beide geben damit ihre Debüts als neue Ensemblemitglieder des Theaters Erfurt.

Text nach Viktor Léon von Ludwig Herzer und Fritz Löhner

UA Wien 1929

In deutscher Sprache

Koproduktion mit der Opera Hong Kong

Musikalische Leitung Samuel Bächli

Inszenierung Guy Montavon

Ausstattung Hsiu-Chin Tsai

Mit

Ilia Papandreou / Jomante Šležaite (Lisa)

Won Whi Choi/Thomas Paul (Sou-Chong)

Lin Lin Fan / Ina Yoshikawa (Mi)

Ks. Jörg Rathmann (Graf Gustav)

Gregor Loebel (Tschang)

Heiko Mauchel (Graf Ferdinand)

Manuel Meyer (General)

Katharina Walz (Tante)

Wolfgang Kaiser (Diener)

Weitere Aufführungen:

So, 18.10. | Fr, 23.10. | Mi, 28.10. | So, 01.11. | So, 08.11. | Fr, 20.11. |

Sa, 12.12.2015 | Sa, 12.03. | Fr, 15.04.2016

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