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"Der Fliegende Holländer" von Richard Wagner in Meiningen

Premiere 9. Februar 2007, um 19.30 Uhr im Großen Haus des Meininger Theaters.

Ein schrecklicher Fluch treibt den Fliegenden Holländer unruhig auf den Weltmeeren herum. Alle sieben Jahre bekommt er die Chance, seinem furchtbaren Schicksal eine Wendung zu geben.

 

Er muss eine Frau finden, die ihn bedingungslos liebt. Dann und nur dann kann er sein Seelenheil finden. Die stille, nachdenkliche Senta könnte diese Frau sein

 
Die Geschichte des Fliegenden Holländers beruht auf einer Erzählung von Heinrich Heine (Reisebilder aus Norderney und Memoiren des Herrn von Schnabelewopsky). Dort ist von einem Kapitän die Rede, der sich gegen Gott versündigt hat und zur Strafe auf den sieben Weltmeeren umherirren muss, ohne jemals sterben zu können. Alle sieben Jahre darf er sich an Land begeben, um eine Frau zu finden, die ihm bis in den Tod treu bleibt. Würde ihm das gelingen, so wäre er von dem schrecklichen Fluch befreit.

 
Angeregt wurde Wagner zu der Oper auf seiner Überfahrt von Riga nach London, die sehr unruhig gewesen sein soll. Und auch Wilhelm Hauffs „Gespensterschiff“ hat den großen Komponisten zu seinem bemerkenswerten Werk inspiriert. Die Figur des Erik erfand Wagner aus dramaturgischen Gründen dazu. Nach mehreren vergeblichen Versuchen, die Oper ans Theater zu bringen, wurde sie schließlich in Dresden am 2. Januar 1843 uraufgeführt. Über 20 Jahre später änderte Wagner noch einmal den Schluss der Ouvertüre ebenso wie den Schluss des 3. Aufzuges und baute das sogenannte Erlösungsmotiv in die Oper mit ein. In Meiningen wird „Der Fliegende Holländer“ ohne Pause, aber mit dem Erlösungsmotiv am Ende der Oper gespielt.

 
Regisseur Gottfried Pilz sieht in der Gestalt des Holländers den „ewigen Juden“ und „Ahasver“ vereint. Die Überlieferung erzählt, dass Ahasver Jesus auf seinem Kreuzgang eine Ruhepause auf seiner Türschwelle verweigert hat und er deshalb zur Strafe zu ewiger Wanderschaft verdammt worden war. Den weiblichen Gegenpart verkörpert die Figur der Senta. Sie zeigt Züge von Kundry auf, die ebenfalls durch eine Verspottung Christi zum ewigen Leben auf Erden gezwungen wird. So werden die beiden Hauptfiguren des Fliegenden Holländers mit Gestalten verglichen, die niemals sterben können bzw. dürfen. 

 
Wagners Senta ist kein Opfer, das sich hingibt, um einen Mann zu retten. Nein, sie entscheidet sich ganz bewusst für den Fliegenden Holländer und damit auch für den Fluch, der ihn umtreibt. Sie ist die erste Frauenfigur bei Wagner, die den Mann, den sie liebt und verehrt, durch ihren Tod erlöst. Der Holländer hingegen ist geprägt von Zweifeln und Zwiespalt. Zwar hofft er alle sieben Jahre wieder, dass sein schreckliches Schicksal endlich ein Ende findet, doch weiß er im Grunde, dass dies unmöglich ist und er unbarmherzig in sein schattenhaftes Dasein zurückgestoßen wird.

 
So ergänzen sich Senta und der Holländer auf gewisse Weise und bilden schließlich wieder ein Ganzes. Dadurch wird auch der Erlösungsgedanke plausibel. Der Holländer nimmt Sentas letzte Worte „Preis deinen Engel und sein Gebot, hier steh ich treu dir bis zum Tod“ durchaus wörtlich. Beide verstehen diesen Satz als gegenseitiges Gelübde, wodurch dann auch eine Erlösung möglich wird, die nicht erst im Jenseits stattfinden muss.

 

 

Musikalische Leitung    GMD Alan Buribayev
Regie                                       Gottfried Pilz
Bühnenbild und Kostüme         Gottfried Pilz
Chöre                                      Sierd Quarré

 
Mit: Ute Dähne, Elizabeth Hagedorn/Bettine Kampp; Erdem Baydar/KS Wilhelm Eyberg von Wertenegg, Joel Montero, Dominik Nekel/Jörn E. Werner, Hans-Georg Priese
Chor, Extrachor und Meininger Hofkapelle

 

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