DER SPIELER von SERGEJ PROKOFJEW in der Wiener Staatsoper

Premiere Mittwoch, 4. Oktober 2017, 19.00 Uhr. ------ Basierend auf Dostojewskis 1867 erschienenem autobiografisch getöntem Roman Der Spieler schuf Prokofjew während der Zeit des 1. Weltkrieges eine vieraktige Oper mit soghafter Musik, in der er mit analytischem Blick und im prägnanten Stil Geld und Liebe, Spielsucht und Verzweiflung, reiche Großmütter und arme Generäle durchdeklinierte.
23484

Auch den Text zum Werk lieferte Prokofjew selbst, zum Teil wortwörtlich aus Dostojewskis Roman übernommen. Er gliederte die Handlung – wie in der literarischen Vorlage spielt die Oper im fiktiven Ort Roulettenburg, wo sich ins Trudeln geratene Figuren tummeln, die allesamt nach Geld, Glückspiel und Zuneigung gieren – in vier Akte und legte ein besonderes Augenmerk auf den Deklamationsstil und die sehr durchdachte Orchestrierung der Oper.

Das Werk wurde aufgrund der politischen Verhältnisse allerdings erst über zehn Jahre nach seiner Fertigstellung uraufgeführt: 1929 in Brüssel und in französischer Sprache.

Musikalisch geleitet wird die Neuproduktion von Simone Young. Sie dirigierte an der Wiener Staatsoper seit ihrem Debüt 1993 mit La Bohème bisher insgesamt 30 Werke, darunter die Premieren von Osud / Le villi, La Juive und des Ballettabends Das Lied von der Erde, mehrere Wiederaufnahmen bzw. musikalische Neueinstudierungen und zahlreiche Repertoireabende.

Die international erfolgreiche österreichische Regisseurin Karoline Gruber präsentiert mit Der Spieler ihre zweite Arbeit für das Haus am Ring, wo sie schon 2005 für die Inszenierung von Le villi (unter dem Dirigat von Simone Young) verantwortlich zeichnete.

Für die Neuproduktion schufen Bühnenbildner Roy Spahn und Kostümdesignerin Mechthild Seipel eine Welt rund um ein Ringel-Spiel. Dramaturg Alexander Meier-Dörzenbach erläutert: „In Prokofjews ebenso wie in Dostojewskis Spieler geht es nicht um Rot/Schwarz beim Roulette, sondern um das Aushebeln verlässlicher Kategorien auf der Drehscheibe des Lebens; die ins Extrem gesteigerten Affekte lassen Polaritäten bis zur Gleichheit ähnlich werden: Liebe und Hass, Reinheit und Laster, Glück und Unglück, Glaube und Unglaube, Verlust und Gewinn – eine verlässliche Dichotomie scheint aufgehoben wie bei einem Reiter auf dem Karussellpferdchen, der im Kreise drehend galoppiert und sich eben doch nicht fortbewegt – es ist die strukturelle Gleichheit von »Rot« und »Schwarz«, die hier im Vordergrund steht – so wie Polina und Alexej sich aus Liebe hassen und aus Hass lieben.“ Alle Figuren in dieser Produktion „treibt die Erwartung an und um, dass morgen alles zum guten Ende kommen wird – unabhängig davon, wie durchschaubar diese Illusion oder wie weit hergeholt die Hoffnung eigentlich ist …“.

Der Spieler bildet den Auftakt zum diesjährigen Premierenreigen an der Wiener Staatsoper. Es ist die erste Eigenproduktion von Sergej Prokofjews Oper im Haus am Ring, wo diese bisher nur zwei Mal erklang: Als Gastspiel des Nationaltheaters Belgrad im Jahr 1964.

OPER IN VIER AKTEN UND SECHS BILDERN

TEXT: SERGEJ PROKOFJEW NACH FJODOR M. DOSTOJEWSKI

Dirigentin: Simone Young

Regie: Karoline Gruber

Bühne: Roy Spahn °

Kostüme: Mechthild Seipel °

Licht: Ulrich Schneider °

Choreographie: Stella Zannou °

Dramaturgie: Alexander Meier-Dörzenbach °

General a. D. Dmitry Ulyanov °

Polina Elena Guseva °

Alexej Misha Didyk

Babulenka Linda Watson

Marquis Thomas Ebenstein

Blanche Elena Maximova

Mr. Astley Morten Frank Larsen

Fürst Nilsky Pavel Kolgatin

Baron Wurmerhelm Marcus Pelz

Potapitsch Clemens Unterreiner

Casino-Direktor Alexandru Moisiuc

Erster Croupier: Vladimir Potansky | Zweiter Croupier: Raoni Hübner de Barros

Dicker Engländer: Slavis Besedin | Großer Engländer: Christian Pursell

Bunte Dame: Regine Hangler | Blasse Dame: Ileana Tonca

Dame comme ci comme ça: Alexandra Yangel^ | Verehrungswürdige Dame: Sabine Kogler

Verdächtige Alte: Viktoria Schwindsackl | Hitziger Spieler: Leonardo Navarro#

Krankhafter Spieler: Santiago Sánchez | Buckliger Spieler: Wolfram Igor Derntl

Erfolgloser Spieler: Manuel Walser | Alter Spieler: Marcus Pelz

6 Spieler: Alejandro Pizarro-Enriquez, Wataru Sano, Martin Müller, Franz Gruber, Konrad Huber, Dominik Rieger

Orchester der Wiener Staatsoper

° Debüt an der Wiener Staatsoper | Alle Solistinnen und Solisten geben ihr Rollendebüt an der Wiener Staatsoper.

Reprisen: 7.Δ, 10., 14., 17., 20. Oktober 2017 (Δ WIENER STAATSOPER live at home)

Die Vorstellung am 7. Oktober 2017 wird live auf Radio Ö1 übertragen.

Weitere Artikel