Deutschsprachige Erstaufführung: Lars Norén, "Überwintern", Theater Oberhausen

Premiere 13.11.2015, 19:30 h, Malersaal. ----- Eigentlich ist das schwedische Wort Vinterförvaring – das ist der Originaltitel von Lars Noréns Drama Überwintern – ein ganz harmloses Wort. In Stockholm ist es wohl für jeden Einwohner der vierzehn Inseln der Stadt, die zu einem Drittel aus Wasser besteht, nicht sehr ungewöhnlich, sich um das Überwintern seines Bootes zu sorgen.
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„Promarina vinter för varing med fullt ansvar för din båt“, verspricht im Internet eine der zahllosen Hafen-Firmen. Ein gesichertes Überstehen des Winters.

In Lars Noréns Drama gibt es dagegen kein gesichertes Überwintern mehr. Der Winter dieses Familiendramas: Erik hat sich umgebracht. „Der Sarg gleitet in einen brennenden Ofen.“ Und dann: die Hinterbliebenen. Mit ihnen beginnt die Geschichte. Es sind fünf Personen, die sich jetzt zusammenfinden, um zu reden. Fünf Personen suchen nach einem Toten. Wie können wir Eriks Tod verstehen? Warum? Und sie alle suchen damit auch sich selber, um sich wieder als Familie zusammenfinden zu können. Denn, so herzlos das klingt: Das Leben geht ja weiter.

Aufarbeitung des Lebens. Angesichts eines Toten. Das ist Überwintern. Seine Mutter ist da, natürlich, und ihr neuer Mann. Und seine Schwester. Und seine Ex-Frau. Und Tomas, ein Freund aus Schulzeiten. Sie alle suchen nach Erklärungen für Eriks Selbstmord. Es gibt keine. Schon immer sei er zu sensibel gewesen, habe am Ende gelebt wie ein Asket, abgeschottet von der Welt, so sehr, dass sein Tod drei Wochen unentdeckt blieb. „Er hat einfach dichtgemacht. Wir konnten nie was zusammen machen. Er war am liebsten allein.“ Ist nicht bereits das der

wirkliche Tod?

„Es ist schwierig zu leben, wenn man erkannt hat, dass es nichts gibt, was einen verändern kann.“ Das ist ein großer Satz. Aber das ist ein Irrtum. Es gibt nämlich, bei aller Not, ein Überwintern, an dessen Ende ein Wort steht, das Lars Norén selbstverständlich verschweigt, um es uns zu denken zu geben. Dieses Wort heißt: Frühling.

Nach Atmen von Duncan Macmillan in der Spielzeit 2014/15 realisiert der junge Regisseur Bastian Kabuth mit Überwintern ein psychologisches Kammerspiel von einem der bedeutendsten und meist gespielten zeitgenössischen Dramatiker Skandinaviens.

Mit

Angela Falkenhan

Laura Angelina Palacios

Anja Schweitzer

Moritz Peschke

Hartmut Stanke

Eike Weinreich

Regie

Bastian Kabuth

Bühne

Maria Eberhardt

Kostüme

Isabell Reisinger

Dramaturgie

Tilman Raabke

Theaterpädagogik

Anke Weingarte

FR, 20.11.2015 19:30 Uhr

SO, 29.11.2015 18:00 Uhr

MI, 16.12.2015 19:30 Uhr

DI, 29.12.2015 19:30 Uhr

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