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Deutschsprachige Erstaufführung: REIZ UND SCHMERZ von Bruce Norris

Premiere am 19. September um 19.30 Uhr im Kleinen Haus des Staatstheaters Mainz

 

Ein fremd wirkender Mann, Hadid, beweint den Tod seiner Frau. Daneben sitzt etwas hilflos im perfekt durchgestylten Apartment Hausmann Clay mit seiner Karrieregattin Kelly.

Was aber will Hadid hier? Eigentlich hat das Paar ja zur traditionellen Thanksgiving-Feier geladen. Und die Familie ist gekommen: Clays leicht altersverwirrte Mutter mit „multikulturellen Interessen“, sein zynischer Bruder Cash, ein Schönheitschirurg, mit einer blutjungen osteuropäischen Freundin. Die allerdings hegt, der Landessprache selbst kaum mächtig, schon mehr denn gesunde Vorurteile gegen „immigrierte Schmarotzer“ und stört auch sonst ein wenig die tolerante Gesamtatmosphäre ...

 

Was unbedingt zeitgeistig und nur ein bisschen abgründig, wie eine Komödie von Woody Allen, beginnt, entwickelt sich zu einer zünftigen Familienschlacht mit ungeahnten Folgen. Immer mehr und immer tiefgreifender scheint dabei unter dem charmanten Glanz hoch polierter Fassaden die indiskrete Amoralität der Bourgeoisie durch. Im Rückblick wird auch das demonstrative Verständnis der Familie für Hadids Trauer Teil einer sozial-liberalen Selbststilisierung ohne moralische Basis.

 

Der amerikanische Autor Bruce Norris, Jahrgang 1960, entwickelt aus seinen genauen Beobachtungen des alltäglichen Wahnsinns eine ätzend luzide Diagnose westlicher Doppelmoral.

 

Matthias Fontheim, in Krefeld geboren, studierte an der Schauspielakademie Zürich. Seit Anfang der 1980er Jahre erarbeitete er zahlreiche Inszenierungen u. a. an den Theatern in Freiburg, Darmstadt, Krefeld / Mönchengladbach, Kiel, Kassel, Essen, Hamburg und Zürich. Festengagements führten ihn als Regisseur und Leitungsmitglied an die Staatsschauspiele Hannover und München. Zur Saison 2000 / 2001 übernahm er die Intendanz des Schauspielhauses Graz, wo er u. a. für seine Inszenierung von „Das weite Land“ für den Österreichischen Theaterpreis Nestroy 2003 nominiert wurde. Seit 2006 / 2007 ist er Intendant des Staatstheaters Mainz. Hier führte er bereits Regie bei Strauss’ „Rosenkavalier“, „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ von Brecht / Weill, „Motortown“ und „Christmas“ von Simon Stephens, „Onkel Wanja“ von Anton Tschechow und „Ein Mond für die Beladenen“ von Eugene O’Neill.

 

Inszenierung Matthias Fontheim

 

Nächste Vorstellungen am 21. und 28. September sowie am 5., und 21. Oktober.

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