Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
Deutschsprachige Erstaufführung: "Zwei nette kleine Damen auf dem Weg nach Norden" von Pierre Notte im Staatstheater KarlsruheDeutschsprachige Erstaufführung: "Zwei nette kleine Damen auf dem Weg nach...Deutschsprachige...

Deutschsprachige Erstaufführung: "Zwei nette kleine Damen auf dem Weg nach Norden" von Pierre Notte im Staatstheater Karlsruhe

Premiere: 23. Dezember 2009, 20.00 Uhr | INSEL

 

Sie wollten nur ein paar Stunden Auszeit vom Krankenbett ihrer Mutter - nur etwas abschalten. Jetzt sitzen sie im Theater, wo sie der Alltag prompt wieder einholt: denn gespielt wird ein Krankenhausstück von Harold Pinter.

 

Der Streit in der Theaterloge ist vorprogrammiert. Bernadette findet das Stück abturnend, Annette ist zu Tränen gerührt. Mitten im Clinch passiert es: die 97-jährige Mutter von Bernadette und Annette stirbt. Jetzt beginnt für die nicht mehr ganz taufrischen Schwestern eine Reise mit unbekanntem Ziel. Sie beschließen die Asche der Mutter im Grab ihres Vaters beizusetzen. Doch der Vater ist schon lange tot und die Schwestern haben nur bruchstückhafte Erinnerungen an sein Grab, das sie irgendwo im Norden Frankreichs vermuten.

Bei den unterschiedlichen Schwestern, deren Eigenarten und Marotten über die Jahre gereift sind, stehen Zank und Rechthaberei auf der Tagesordnung. Aber in schwierigen Situationen werden sie zu eingeschworenen Komplizen.

 

Kurzerhand wird die Asche der Mutter in einer Keksdose untergebracht und die Schwestern machen sich von Paris aus auf den Weg gegen Norden. Als sie am Zielbahnhof kein Taxi auffinden, entschließen sie sich, den Bus zu nehmen. Aber der Fahrer fehlt. Ohne Umstände setzt sich Annette hinter das viel zu große und ungelenke Steuer. Ein waghalsiges Unterfangen beginnt, denn Annette ist keine geübte Fahrerin - die Schwestern streifen 27 Autos auf ihrer verwegenen Busfahrt. Auf ihrer Reise von Friedhof zu Friedhof geraten sie ins Visier der Justiz, sie manövrieren sich mit gespielten Ohnmachten und hysterischen Anfällen durch jede Krise, rauchen, trinken und landen in einer Karaoke-Bar, kurz: sie lassen den Alltag hinter sich, fühlen sich jung und rebellisch. Die Reise in die Vergangenheit wird gleichzeitig eine Reise in die Zukunft, denn die beiden älteren Damen entdecken das Leben noch einmal neu.

 

Die Komödie erzählt mit bissigem Humor von den Schwierigkeiten des Älterwerdens, von ungelebten Träumen und dem Tod. Aber es geht um mehr als um die blanken Tatsachen des Alters. Die unkonventionelle Familienzusammenführung gerät zu einer abenteuerlichen Expedition, auf welchem sich die beiden eigenwilligen und schrulligen Schwestern weder zur Vernunft bringen, noch in ihrem Elan bremsen lassen. Der turbulente Roadtrip der etwas anderen Art sprudelt vor Situationskomik und ist nicht zuletzt eine Hommage an die Lebensfreude, denn wenn die Schwestern gar nicht weiter wissen, versuchen sie sich mit einem Chanson wieder Mut zu machen.

 

Für die szenische Lesung seines Stücks „Zwei nette kleine Damen auf dem Weg nach Norden“ hat Pierre Notte am 28. Juni 2009 den Publikumspreis der Deutsch-Französischen Autorentage in Karlsruhe erhalten (gestiftet von dem Karlsruher Veranstaltungsmagazin "INKARegio" und der Straßburger Internetplattform "transversalles.com").

„Ihre von trockenem Humor, schlagfertigen Dialogen und geschrammten Autos gespickte Odyssee am Steuer eines gekaperten Autobusses wurde von Ursula Grossenbacher und Lisa Schlegel so hinreißend umgesetzt, dass Schauspieldirektor Knut Weber eine „richtige“ Inszenierung in genau dieser Besetzung ankündigte“, so die BNN im Juni 2009. Nun ist es so weit und die beiden abgedrehten und skurrilen Heldinnen gehen on stage.

 

Deux petites dames vers le Nord

Eine Komödie (zeitweilig gesungen)

Deutsch von Dorothea Renckhoff und Fedora Wesseler

 

Inszenierung und Bühne: Matthias Bauerkamp |│

Kostümberatung: Ursina Zürcher │| Musik: N.N.

 

Mit: Ursula Grossenbacher (Bernadette), Lisa Schlegel (Annette)

 

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 17 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

„GESCHÖPFE“ von Ben J. Riepe im Tanzhaus NRW in Düsseldorf

Auf der dunklen Bühne stehen Bäume und Sträucher in Kübeln, die als erstes von einem Performer verrückt werden. An der rechten Bühnenseite finden sich aufgehäuft Körperteile von Schaufensterpuppen,…

Von: Dagmar Kurtz

Ein stilles Solo

Ein Wesen in silbern schimmerndem, folienartigem Gewand, der ganze Körper von Kopf bis Fuß verhüllt, bewegt sich aus dem Dunkel auf die Bühne. Es herrscht Stille und das Wesen erkundet langsam, fast…

Von: Dagmar Kurtz

"A First Date, Episode 1" in der Deutschen Oper am Rhein

Ein bisschen aufregend ist es schon: das erste Date. Vorfreude und Unsicherheit mischen sich mit unspezifischen Erwartungen. Wird es gut ablaufen? Folgen Erleichterung oder Enttäuschung?  

Von: Dagmar Kurtz

Liebesbande

Hinter tropischen Blumen befindet sich ein luxuriöses Anwesen mit Stahlträgern in offener Bauweise im Stil von Mies van der Rohes Barcelona Pavillon. Die Einrichtung ist im angesagten Midcentury…

Von: Dagmar Kurtz

Ein Hauch von Sehnsucht

Raimund Hoghes letztes Stück „Lettere amoroso“ handelte von Flucht und den sehnsuchtsvollen Briefen, die die Geflohenen schrieben. So weckt das Wort „Vietnam“ im Titel des neuen Stückes "Postcards…

Von: Dagmar Kurtz

Alle Kritiken anzeigen

folgen Sie uns auf

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑