DIE HEILIGE JOHANNA DER SCHLACHTHÖFE von Bertolt Brecht im Theater Bonn

Premiere 22 Sep 2017, 19:30 H, Kammerspiele. ----- Ein blutiger Krieg ist unter Chicagos Fleischfabrikanten in Gange: Mit Insiderinformationen und Skrupellosigkeit manipuliert der Fleischerkönig Pierpont Mauler den Markt und treibt seine Konkurrenten in den Ruin, um sich selbst die Fleischerkrone aufs Haupt zu setzen.
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Die Fabriken stehen still und die ausgebeuteten Arbeiter rütteln als eigentliche Verlierer dieses Machtkampfes hungernd an den geschlossenen Fabriktoren. Mitten in der aufgeheizten Stimmung der drohenden Massenarbeitslosigkeit versucht Johanna Dark als Soldatin der Heilsarmee „Schwarze Strohhüte“ mit heißer Suppe und warmen Worten einen Hoffnungsschimmer in die Tristesse der Notleidenden zu bringen. Schnell muss sie einsehen, dass die Ausgebeuteten wenig empfänglich für die tröstenden Worte Gottes sind. Johanna beschließt, die Umstände von sozialer Ungerechtigkeit und Unterdrückung nicht fraglos zu akzeptieren. Sie macht sich auf die Suche nach den Ursachen des Elends und stößt auf Mauler als den führenden Vertreter des Großkapitals. Der mit allen Wassern gewaschene Mauler zeigt sich gerührt von Johannas Uneigennützigkeit und lässt sich – allzu bereitwillig – auf ihre Forderungen ein. Doch die Verwicklungen der ökonomischen Gesetze sind komplex, die Interessenlage undurchschaubar und schlussendlich macht sich Johanna unwissentlich zum Handlager des kapitalistischen Systems.

Mit schmerzlicher Aktualität legt Brecht durch das Scheitern seiner modernen Jeanne-d'Arc-Figur die Aussichtslosigkeit von Idealismus und sozialen Kompromissen im Kampf gegen Geschäftemacherei offen. Was helfen gute Absichten und fromme Worte, wenn die eigenen Taten am Ende nur zum Erhalt des Systems beitragen? Auch heute, fast 90 Jahre nach Entstehen des Werkes, hat diese Frage nichts von ihrer Brisanz eingebüßt. Nur dass in unserer globalisierten Arbeitswelt die Schauplätze der Lohnsklaverei längst aus dem Blickfeld der nimmersatten Konsumenten gerückt sind.

Laura Linnenbaum arbeitet als Regisseurin u.a. in Dresden, Frankfurt und Saarbrücken. Nach SPIELTRIEB und ROMEO UND JULIA ist Brechts Klassiker der Kapitalismuskritik ihre dritte Arbeit am THEATER BONN.

Regie: Laura Linnenbaum

Bühne: Valentin Baumeister

Kostüme: David Gonter

Musik: Jonas Englert

Licht Sirko: Lamprecht

Dramaturgie: Johanna Vater

Regieassistenz: Emanuel Tandler / Anaïs Durand-Mauptit (bis 15.7.)

Ausstattungsassistenz: Maria Strauch

Inspizienz: Hans-Jürgen Schmidt

Soufflage: Angelika Schmidt

Besetzung

Johanna Dark, Leutnant der Schwarzen Strohhüte - Maike Jüttendonk

Pierpont Mauler, Fleischerkönig - Wilhelm Eilers

Graham, Fleischfabrikant - Lydia Stäubli

Cridle, Fleischfabrikant / Mulberry, ein Hauswirt - Matthias Breitenbach

Lennox, Fleischfabrikant / Frau Luckerniddle / Gloomb, ein Arbeiter - Daniel Gawlowski

Slift, ein Makler - Philipp Basener

Paulus Snyder, Major der Schwarzen Strohhüte - Alois Reinhardt

Alle: Chor der Arbeiter, Packherren, Aufkäufer, Viehzüchter, Makler, Spekulanten

26 Sep 19:30 H

30 Sep 19:30 H

06 Okt 19:30 H

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