"die unverheiratete" von Ewald Palmetshofer im Theater Bremen

Premiere am Samstag, 28. April 2018 um 20 Uhr im Kleinen Haus.

Eine wahre Begebenheit: Im April 1945 wird ein Soldat wenige Tage vor Kriegsende als Deserteur hingerichtet. Einige Monate später – nach dem Ende der Nazi-Diktatur – wird die Frau, die ihn angezeigt hatte, der Denunziation für schuldig befunden und zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt.

Ewald Palmetshofer verknüpft die historischen Fakten in seinem 2015 mit dem Mülheimer Dramatikerpreis ausgezeichneten Drama „die unverheiratete“ mit der Gegenwart und erzählt von der alt gewordenen Täterin, ihrer Tochter und ihrer Enkelin als zeitgenössischem Elektra-Stoff. Im Krankenhaus, in das ‚die Alte‘ nach einem Sturz eingeliefert wurde, überlagern sich in ihrem Bewusstsein Vergangenheit und Gegenwart, dringt lange Jahre Verdrängtes wieder an die Oberfläche.

Personifiziert im Chor der „hundsmäuligen Schwestern“ melden sich – Rache fordernden Erinnyen gleich – die Stimmen der Vergangenheit zurück, konfrontieren ‚die Alte‘ mit ihrer Tat, die als blinder Fleck in die Gegenwart hineinreicht und auf diese Weise die Biografien der Tochter und der Enkelin prägt. Die altgewordene Täterin erkennt ihre Schuld bis heute nicht an, beruft sich darauf, sich seinerzeit gesetzeskonform verhalten und nicht gewusst zu haben, dass ihr Handeln die Exekution des Soldaten nach sich ziehen würde.

Wie geben sich Schuld und Verantwortung über Generationen durch Schweigen und Verdrängung weiter? Dieser Frage geht Regisseurin Nina Mattenklotz in ihrer aktuellen Produktion am Theater Bremen nach. „die unverheiratete“ von Ewald Palmetshofer ist – nach der Uraufführung von Thomas Melles „Ännie“ (2016)  – ihre zweite Inszenierung eines zeitgenössischen Dramatikers für das Kleine Haus und nach „Pippi Langstrumpf“ und „Pünktchen und Anton“ die vierte Arbeit für das Theater Bremen.

Nina Mattenklotz studierte Medienkultur, Neuere Deutsche, Literatur und Psychologie an der Universität Hamburg sowie Regie an der Theaterakademie Hamburg. Ihre während des Studiums erarbeiteten Inszenierungen wurden zum Körber Studio Junge Regie sowie zum Heidelberger Stückemarkt eingeladen. 2008 wurde sie mit dem Doctores-Völschau-Preis für Nachwuchsregie ausgezeichnet. Nina Mattenklotz inszeniert u. a. am Schauspielhaus Wien, am Schauspielhaus Graz und am Luzerner Theater. Am Theater Bremen war zuletzt ihre Uraufführung von Thomas Melles „Ännie“ zu sehen.

Regie:                                      Nina Mattenklotz
Bühne:                                    Johanna Pfau
Kostüme:                                 Lena Hiebel
Komposition:                           Carsten Meyer
Musikalische Leitung:              Romy Camerun
Dramaturgie:                           Meike Schmitz

Mit:                                         
Annemaaike Bakker, Karin Enzler, Gina Haller, Charlotte Kleinschmidt, Emilie Kleinschmidt, Irene Kleinschmidt, Josefine Kröll, Iris Minich, Gabriele Möller-Lukasz, Stephanie Schadeweg

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