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"Die Zofen" von Jean Genet im Rheinischen Landestheater Neuss

Premiere Mi, 7.3.07, 20.00h, Studio.

 

Jean Genet (1910-1986) war ein prominenter, von der französischen Intellektuellen-Elite geschätzter, zeitweise verrufener französischer Schriftsteller, Vorreiter des Absurden Theaters und später politischer Aktivist für die Sache der Palästinenser.

 

 

Der öffentlichen Fürsorge als Säugling übergeben, war er von früh an in seinem Leben Vagabund, Strichjunge und Dieb und verbrachte den Großteil seiner Jugend im Gefängnis. Er schrieb Romane, Theaterstücke, Gedichte und Essays. In seinen Werken beschreibt er eine Unterwelt von männlichen Prostituierten, Zuhältern, Sträflingen, Dieben und sozial Ausgegrenzten.


In den „Zofen“ planen die Schwestern Claire und Solange den Mord an der Gnädigen Frau, ihrer Arbeitgeberin und Herrin. Sie haben den Gnädigen Herren durch einen anonymen Brief eines Verbrechens beschuldigt und ihn so ins Gefängnis gebracht. Doch eine verplappert sich und die Gnädige Frau lässt den vergifteten Tee stehen, um zu ihrem Mann zu eilen, der gerade entlassen wurde. Nun sind die beiden alleine, nachdem ihr Verrat offen zu Tage getreten ist. Die beiden spielen das Rollenspiel ihrer Unterdrückung und Fremdbestimmtheit nach; diese ritualisierten Spiele sprechen von Abhängigkeit, Liebe, Hass und Demütigung. Genet hat immer einmal vom Gespenst des Mordes gesprochen, das er in der Gesellschaft auftauchen lässt, wenn er von den Grenzgängern schreibt. Er will, dass die „schöne Geste“ des Verbrechens den Mörder und den Mörderdichter zu öffentlichem Ruhm führt. Die moralische Ablehnung dieser Grenzüberschreitung durch die Mehrheitsgesellschaft ist für ihn der größte Lohn.

 

In den Zofen liefert Genet ein gutes Beispiel für die Parallelität von Sein und Schein, Imaginärem und Realität. Um diese auf die Spitze zu treiben forderte er, dass sämtliche Rollen in den Zofen von Männern gespielt werden sollten. „Zwar kann eine Schauspielerin spielen, dass sie Solange ist: aber die Irrealisierung wäre nicht radikal, weil sie ja nicht zu spielen brauchte, dass sie eine Frau ist.“


Regie führt Dominik Günther, der mit dieser Produktion zum ersten Mal am Rheinischen Landestheater arbeitet. In der Spielzeit 2005/2006 hat er zuletzt am Thalia Theater in Hamburg inszeniert („kick & rush“ und „Das Wunder von St. Georg“ von Peer Paul Gustavsson) und ein Jugendprojekt durchgeführt („I wanna be a star“ Projekt für den Thalia Treffpunkt). Für „Die Zofen“ arbeitet er mit einem reinen Männerensemble und hat sich ein außergewöhnliches Konzept ausgewählt.

 
Weitere Vorstellungen:

Mi, 14.3.07, 20.00h, Studio

Di, 20.3.07, 20.00h, Studio

Sa, 21.4.07, 20.00h, Studio

So, 29.4.07, 20.00h. Studio

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