Drei starke Stücke im Schauspiel Hannover

1. GEÄCHTET VON AYAD AKHTAR, PREMIERE 07.12.17, 19:30 UHR, SCHAUSPIELHAUS ----- 2. CHAOSTAGE – DER AUSVERKAUF GEHT WEITER! RECHERCHE VON ULRIKE GÜNTHER, PREMIERE 09.12.17, 20:00 UHR, CUMBERLAND ----- 3. RUF DER WILDNIS VON SOEREN VOIMA NACH JACK LONDON, PREMIERE 08.12.17, 19:30 UHR, BALLHOF EINS, AB 12

1. GEÄCHTET
VON AYAD AKHTAR - »JEDE RELIGION HAT IHRE MACKEN.
« Amir Kapoor hat fast alles geschafft. Er ist südasiatischer Herkunft und arbeitet als Wirtschaftsanwalt für eine renommierte jüdische Kanzlei in New York. Amir genießt den Wohlstand und die gesellschaftliche Stellung, die ihm sein gutbezahlter Job ermöglicht. Jetzt steht der nächste, alles entscheidende Karrieresprung an. Gemeinsam mit seiner Frau, der Künstlerin Emily, veranstaltet er eine Dinnerparty in ihrem Loft in Manhattans Upper East Side. Geladen sind Amirs afroamerikanische Anwaltskollegin Jory und ihr Mann Isaac, der als Kurator am New Yorker Whitney Museum arbeitet. Eine Konstellation, wie sie normaler nicht sein könnte, wenn das Stück vor dem 11. September 2001 spielen würde. Doch die Anschläge auf das World Trade Center haben das Selbstverständnis einer ganzen Nation ins Wanken gebracht.

Für Amir, den assimilierten Moslem, spielt Religion eigentlich keine Rolle, für seine weiße christliche Frau, die in ihrer Malerei die islamische Kultur für sich entdeckt hat, dafür umso mehr. Sie setzt große Hoffnungen in das Zusammentreffen mit dem Kurator Isaac. Das Dinner lässt sich für alle gut an, bis ein Gespräch über Religion, bei dem Amir mit der Fragilität seines eigenen Selbstbildes konfrontiert wird, eskaliert. Ayad Akhtar zeigt in seinem Stück, wie brüchig das Fundament der Aufklärung, auf dem wir so fest zu stehen meinen, angesichts von Populismus, Xenophobie, Rassismus und Terrorismus in Wahrheit ist.
 

  • REGIE Sascha Hawemann
  • BÜHNE Alexander Wolf
  • KOSTÜME Ines Burisch
  • DRAMATURGIE Johannes Kirsten
     
  • MIT Johanna Bantzer, Sarah Franke, Henning Hartmann, Hagen Oechel, Jonas Steglich


2. CHAOSTAGE – DER AUSVERKAUF GEHT WEITER!
RECHERCHE VON ULRIKE GÜNTHER - »ENTDECKEN SIE IHR WAHRES GEISTIGES POTENZIAL! MAKE PUNK A THREAT AGAIN!«
Mit diesen und anderen Parolen zogen junge Punks und »Kids von der Straße« während der Chaostage in den 1980er und 1990er Jahren durch Hannover. Anlass des Aufstands: eine von der Polizei geführte Kartei, in welcher Punks und andere »Andersdenkende« namentlich vermerkt und bei Kontrollen gezielt angesteuert wurden. Dieser Kartei galt es den Garaus zu machen. Mit diversen fantasievollen Aktionen wollte man Polizei und Staat austricksen. Die Chaostage gingen in die Geschichte (der Stadt) ein. Sie entwickelten sich über die Jahre von einer reinen Demonstrationsveranstaltung zu einem bis dato unbekannten innerstädtischen Gewaltexzess.

Der Aufstand aber wurde gezähmt, die Chaos-Orte in Hannover in eine »living culture«-Städtetour integriert. Punk is dead. Die laute, unübersehbare Revolte von damals nimmt Regisseurin Ulrike Günther in ihrem neuen Projekt als Absprungrampe, um Wider- und Aufstandsbewegungen heutzutage unter die Lupe zu nehmen. Der Stücktext entsteht auf der Basis von Interviews mit den damals an der Revolte Beteiligten, aus dem Nachzeichnen von persönlichen Biografien und historischem Material. Ist Punk wirklich tot?
 

  • REGIE Ulrike Günther
  • BÜHNE Andreas Alexander Straßer
  • KOSTÜME Annika Lohmann
  • LIVEMUSIK Tim Golla
  • DRAMATURGIE Sarah Lorenz
     
  • MIT Maximilian Grünewald, Janko Kahle, Wolf List, Anke Stedingk
     

3. RUF DER WILDNIS
VON SOEREN VOIMA NACH JACK LONDON - »KEIN HAUS KEIN HUND HÄLT IHN ZURÜCK ER FOLGT DEM RUF WIRD WAS ER NIEMALS WAR WIRD WOLF.«
Ahnungslos lebt Buck, Lieblingshund eines angesehenen Richters im sonnigen Kalifornien. Ein paradiesisches Leben zwischen Swimmingpool und Kamin. Bis er entführt wird, weiß er nichts von Arbeit, von Hunger oder Gewalt. Als Schlittenhund in die Eiswüste Kanadas verkauft, muss er erfahren, dass hinter der kultivierten Fassade der heimatlichen Ranch ein gnadenloser Überlebenskampf tobt. Zivilisation gibt es nur für die happy few, zu denen er plötzlich nicht mehr gehört. Am Ende verlässt der als Schlittenhund malträtierte Buck die Menschenwelt und folgt den Wölfen in die Natur. Jack Londons 1903 erschienener Abenteuerroman Ruf der Wildnis gilt als eines seiner besten Werke. Der Roman, in dem Jack London die eigenen Erfahrungen vom Klondike-River verarbeitet, ist eine furiose Parabel auf das Kapital und eine Welt im Goldrausch – und ist zugleich ein eindrucksvolles Plädoyer für Menschlichkeit und Nächstenliebe.
 

  • REGIE Clara Weyde
  • BÜHNE Katharina Philipp
  • KOSTÜME Clemens Leander
  • MUSIKALISCHE LEITUNG UND LIVEMUSIK Thomas Leboeg
  • DRAMATURGIE Rania Mleihi
     
  • MIT Philippe Goos, Mathias Max Herrmann, Antonia Eleonore Hölzel, Mareike Sedl, Sebastian Weiss

Weitere Artikel