European Balcony Project Europaweite Ausrufung der Europäischen Republik

Am 10. November 2018 um 16 Uhr wird europaweit von (Theater-)Balkonen und an öffentlichen Plätzen in mehr als 20 verschiedenen Sprachen die Europäische Republik in einer partizipativen Kunstintervention ausgerufen.

Dazu wird ein Manifest, das in Ton und Stil an die Republikausrufungen von 1918 erinnert, theatralisch verlesen und zur Diskussion gestellt.
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An der Aktion nehmen über 150 europäische Kulturinstitutionen und Bürgergruppen teil, darunter das Nationaltheater Gent (NTGent), das Thalia Theater Hamburg, das Burgtheater Wien sowie das Royal Conservatoire of Scotland und die Stadsschouwburg Amsterdam. Zahlreiche Personen des öffentlichen Lebens unterstützen das Projekt, u.a. Milo Rau, Elfriede Jelinek, Étienne Balibar, Carolin Emcke, Srećko Horvat und Dubravka Ugrešić.

Ziel des Projekts ist es, die Öffentlichkeit für die Idee einer gesamteuropäischen Demokratie und Staatlichkeit zu sensibilisieren, die für eine europäische Gemeinwohlsicherung sorgt, entsprechend des Mottos: Ein Markt – eine Währung – eine Demokratie! Mit dieser Aktion soll auch im Kontext der Europawahlen 2019 die Dringlichkeit hervorgehoben werden, das europäische Einigungsprojekt zu vollenden, das 1992 mit dem Maastricht Vertrag über eine „Ever Closer Union“ auf den Weg gebracht wurde. Das europäische Motto der "Einheit in Vielfalt" soll sich durch die europaweite Teilnahme zahlreicher Theater, Künstler*nnen und Bürger*nnen im zivilen Raum verwirklichen. Zugleich soll das European Balcony Project eine große, europaweite emanzipatorische Bewegung in Gang bringen, die eine europäische Demokratie auf dem allgemeinen politischen Gleichheitsgrundsatz für alle europäischen Bürgerinnen und Bürger fordert.

Das European Balcony Project ist ein Projekt des European Democracy Lab e.V., das durch Spenden von BürgerInnen im Rahmen einer Crowdfunding-Aktion ermöglicht wurde. Das von Ulrike Guérot und Robert Menasse ins Leben gerufene Projekt umfasst dezentral organisierte Veranstaltungen, Podiums- diskussionen und künstlerische Interventionen zur Zukunft der Europäischen Demokratie, die vom 9.-11. November 2018 in zahlreichen europäischen Städten stattfinden.

Manifest

Am 10. November 2018 um 16 Uhr, 100 Jahre nach Ende des I WK, der auf Jahrzehnte die europäische Zivilisation zerstört hatte, gedenken wir nicht nur der Geschichte, sondern nehmen unsere Zukunft selbst in die Hand.

Es ist Zeit, das Versprechen Europas zu verwirklichen und sich an die Gründungsidee des europäischen Einigungsprojekts zu erinnern. Wir erklären alle, die sich in diesem Augenblick in Europa befinden, zu Bürgerinnen und Bürger der europäischen Republik. Wir nehmen unsere Verantwortung für das universale Erbe der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte an, und geloben, sie endlich zu verwirklichen.

Wir sind uns bewusst, dass der Reichtum Europas auf Jahrhunderten der Ausbeutung anderer Kontinente und der Unterdrückung anderer Kulturen beruht. Wir teilen deshalb unseren Boden mit jenen, die wir von ihrem vertrieben haben. Europäer ist, wer es sein will. Die Europäische Republik ist der erste Schritt auf dem Weg zur globalen Demokratie.

Das Europa der Nationalstaaten ist gescheitert.

Die Idee des europäischen Einigungsprojekts wurde verraten.Der Binnenmarkt und der Euro konnten ohne politisches Dach zur leichten Beute einer neoliberalen Agenda werden, die der Idee der sozialen Gerechtigkeit widerspricht.

Daher muss die Macht in den europäischen Institutionen erobert werden, um den gemeinsamen Markt und die gemeinsame Währung in einer gemeinsamen europäischen Demokratie zu gestalten. Denn Europa heißt: Menschen zu einen und nicht Staaten zu integrieren.

An die Stelle der Souveränität der Staaten tritt hiermit die Souveränität der Bürgerinnen und Bürger. Wir begründen die Europäische Republik auf dem Grundsatz der allgemeinen politischen Gleichheit jenseits von Nationalität und Herkunft. Die konstitutionellen Träger der europäischen Republik sind die Städte und Regionen.

Der Tag ist gekommen, dass sich die kulturelle Vielfalt Europas endlich in politischer Einheit entfaltet. Der europäische Rat ist abgesetzt. Das europäische Parlament hat gesetzgeberische Gewalt. Es wählt eine europäische Regierung, die dem Wohle aller europäischen Bürgerinnen und Bürger gleichermaßen verpflichtet ist. Es lebe die Europäische Republik!

Ulrike Guérot und Robert Menasse

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