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Festival Internationale Neue Dramatik F.I.N.D. 2014, Schaubühne am Lehniner Platz Berlin

Vom 3.–13. April 2014. -----

Das diesjährige F.I.N.D. findet vom 3. bis 13. April statt und beschäftigt sich mit der Schnittstelle von Privatem, Kunst und politischer Verantwortung.

 

Programm

 

240 Stunden Performance-Installation (Schweden)

MEAT von Thomas Bo Nilsson

Im Juni 2012 wurde der kanadische Pornodarsteller und mutmaßliche Kannibale und Mörder Luka Rocco Magnotta nach einer internationalen Fahndung in einem Internetcafé in Neukölln verhaftet. Es wird vermutet, dass er hinter dem elfminütigen Video »1 Lunatic, 1 Ice Pick« steht, das den Mord und die Verstümmelung eines jungen Mannes zeigt. Ausgehend von Luka Magnotta und seinen zahlreichen Online-Identitäten taucht »MEAT« in seine Lebenswelt ein. Thomas Bo Nilsson und sein Team haben im Studio der Schaubühne eine Installation aufgebaut, die für 240 Stunden Tag und Nacht begehbar sein wird. Die Installation beherbergt 60 Performer, die in einer fragmentierten Lebens- und Konsumwelt spielen. Teile der Installation werden im Internet live übertragen.

Erster Einlass (Slot) am 3.4. um 17 Uhr, ab dann Einlass alle vier Stunden.

Letzter Einlass am 13.4. um 13 Uhr

Auf Englisch und Deutsch

 

Am 3., 6. und 7. April 2014:

Premiere

2666 von Roberto Bolaño

Regie: Àlex Rigola

Im mexikanischen Santa Teresa verschwinden Tag für Tag Frauen. Sie werden ermordet, gefoltert und vergewaltigt. Polizei und Regierende sehen tatenlos zu. Hierhin verirren sich vier Literaturwissenschaftler auf der Spur des geheimnisumwitterten deutschen Romanciers Benno von Archimboldi. Auf ihrer Suche finden sie aber nur ihre eigenen heimlichen Passionen und Abgründe. In Mexiko stoßen sie auf den melancholischen Philosophieprofessor Amalfitano, der alleine mit seiner Tochter Rosa lebt. Immer wieder kreuzt das Phantom Archimboldis die Wege all dieser Figuren, bis er uns schließlich selbst begegnet. Der katalanische Regisseur Àlex Rigola bringt Bolaños Kultroman auf die Bühne.

Mit: Robert Beyer, Jule Böwe, Christoph Gawenda, Franz Hartwig, Ingo Hülsmann, Urs Jucker, Eva Meckbach, Sebastian Schwarz, Regine Zimmermann

Premiere am 3.4. um 19 Uhr

Weitere Vorstellungen am 6.4. um 17 Uhr und am 7.4. um 19 Uhr

Auf Deutsch mit englischen Übertiteln

 

Am 4. April 2014 um 23 Uhr:

Wengenroths Autorenklub: Ausgabe Drei – Roberto Bolaño

von und mit Patrick Wengenroth

Musik: Matze Kloppe

In regelmäßiger Unregelmäßigkeit stellt Patrick Wengenroth in seinem Salon-Format die Autoren der aktuellen Inszenierungen der Schaubühne vor – ihr Denken und Fühlen, ihr Leben und Lügen, die Dichtung und vielleicht zufällig und ganz aus Versehen auch mal die Wahrheit. Die dritte Ausgabe widmet sich dem 2003 verstorbenen, chilenischen Schriftsteller Roberto Bolaño – ein Abend über Heimat im Allgemeinen und das Morden im Speziellen, über Mezcal und Patti Smith, sowie über die Frage, ob man viel zu dicke Bücher trotzdem auf die Bühne bringen sollte.

Mit: Eva Meckbach, Felix Römer, Kay Bartholomäus Schulze und Patrick Wengenroth

Auf Deutsch

 

Am 4. und 5. April 2014:

Gastspiel aus dem Libanon

33 RPM and a few Seconds von Rabih Mroué und Lina Saneh

»33 RPM and a few Seconds« ist eine Auseinandersetzung mit den Auswirkungen der jüngsten arabischen Revolution im Libanon: Ein junger Libanese begeht Selbstmord und erklärt in einem Abschiedsbrief, seine Gründe seien rein persönlich – nicht politisch. Über seinen Tod entsteht eine Diskussion, bei der die ideologischen Gräben, politisch-sozialen Spaltungen und Hoffnungen einer ganzen Gesellschaft deutlich werden.

Vorstellungen am 4.4. um 19.30 Uhr (auf Französisch mit deutschen Übertiteln)

und um 21.30 Uhr (auf Englisch mit deutschen Übertiteln, anschließend Publikumsgespräch),

am 5.4. um 16 Uhr (auf Arabisch mit deutschen Übertiteln)

 

Am 4. und 5. April 2014:

Gastspiel der Compagnie Rodrigo García (Spanien) und der Bonlieu scène nationale Annecy (Frankreich)

Daisy von Rodrigo García

Rodrigo García schickt zwei Protagonisten in den Kampf mit der Banalität des Alltags, dem Leerlauf westlicher Hochzivilisation, der Lachhaftigkeit des Daseins. Ihnen zur Seite: zwei Hündchen, eine Schildkröte, hunderte Kakerlaken und Weinbergschnecken, ein Streichquartett, das Beethoven spielt und der Philosoph Leibniz, der als Hundecoach auftritt.

Vorstellungen am 4. und 5.4. um 20 Uhr

Auf Spanisch mit deutschen und englischen Übertiteln

 

Am 5. April 2014:

Weitermachen: Im Gedenken an Juliano Mer-Khamis

Filmvorführung: ART/VIOLENCE

Gespräch mit Thomas Ostermeier und Udi Aloni

Konzert und Party mit DAM

Juliano Mer-Khamis, Friedensaktivist, Regisseur und Schauspieler, leitete seit 2006 das Freedom Theatre im Flüchtlingslager von Jenin. Dessen Ziel war es, gewaltfreien Widerstand zu proklamieren und Kindern das Theaterspielen zu ermöglichen. Mer-Khamis wurde am 4. April 2011 vor seinem Theater erschossen. Bis heute wurde der Mord nicht aufgeklärt.

 

Film: ART/VIOLENCE

Regie: Batoul Taleb, Mariam Abu Khaled, Udi Aloni

ART/VIOLENCE dokumentiert die Zeit nach der Ermordung Juliano Mer-Khamis’. Der Film zeigt, wie zwei junge palästinensische Schauspielerinnen, Absolventinnen des Freedom Theatres, mit der israelischen Besatzung und der Unterdrückung der Frauen in Palästina umgehen und wie sie versuchen, ihre Trauer und die sie umgebende Gewalt auf der Bühne und im Leben zu verarbeiten. ART/VIOLENCE gewann den Cinema Fairbindet Preis auf der Berlinale 2013.

Am 5.4. um 19.00 Uhr

Arabisch, Englisch und Hebräisch mit englischen Übertiteln

 

Gespräch

Thomas Ostermeier, der mit Juliano Mer-Khamis befreundet war, diskutiert mit Udi Aloni, einem der Regisseure des Films.

Im Anschluss an die Filmvorführung

Auf Englisch

Ab 22.30 Uhr: Konzert und Party

Mit der palästinensischen Hip Hop-Band DAM (Tamer Nafar, Mahmoud Jreri, Maysa Daw), die den Soundtrack für ART/VIOLENCE geschrieben hat. Im Anschluss an das Konzert legen DJ Aral und DJ Phil Stumpf auf.

Eintritt zu Konzert und Party frei mit einer Karte für die Filmvorführung oder mit einem Theaterticket desselben Tages, sonst 5 Euro (nur Abendkasse).

 

Am 6. und 13. April 2014:

Premiere/Werkstattinszenierung (Serbien/Deutschland)

Dieses Grab ist mir zu klein von Biljana Srbljanović

Regie: Mina Salehpour

Die serbischen Jugendlichen Gavrilo, Nedeljko und Danilo verüben teils aus Langeweile, teils aus politischer Begeisterung das Attentat auf Franz Ferdinand in Sarajevo und bringen so den Ersten Weltkrieg ins Rollen. Regisseurin Mina Salehpour ist Faust-Preisträgerin für die beste Regie im Kinder- und Jugendtheater.

Mit: Bernardo Arias Porras, Ulrich Hoppe, Konstantin Shklyar, Tilman Strauß, Luise Wolfram

Vorstellungen am 6.4. um 21.30 Uhr und am 13.+16.4. um 20 Uhr

Auf Deutsch mit englischen Übertiteln

 

Am 8. und 9. April 2014:

Gastspiel aus Mexiko

Derretiré con un cerillo la nieve de un volcán

Ich schmelze mit einem Streichholz den Schnee eines Vulkans

von Lagartijas tiradas al sol

1910 rufen Rebellen um Villa und Zapata zum Sturm auf die Regierung: Der Beginn der mexikanischen Revolution. Nach den Wirren der ersten Phase bündeln sich 1928 die revolutionären Kräfte zur Einheitspartei Partido de la Revolución Institucional (PRI): Die Revolution ist zur Institution geworden. Über 71 Jahre errichtet die PRI ein wirtschaftlich erfolgreiches, aber auch autoritäres und korruptes Regime, das Mexiko kulturell und politisch bis heute prägt. Die Mitglieder des Kollektivs Lagartijas tiradas al sol wurden 2000 volljährig, dem Jahr der Demokratisierung, in dem die PRI erstmals die Präsidentschaftswahl verlor. Als 2012 die Wiederwahl der PRI bevorsteht, stellt sich die Gruppe die Frage, warum das mexikanische Volk zu diesem Regime zurückkehren will und was Demokratie eigentlich bedeutet. Durch Interviews mit drei Generationen einer Familie versuchen sie, die mexikanische Gegenwart vor dem Hintergrund der politischen Geschichte ihres Landes und der PRI zu verstehen.

Vorstellungen am 8. und 9.4. um 20.30 Uhr

Auf Spanisch mit deutschen und englischen Übertiteln

 

Am 9. und 10. April 2014:

Gastspiel des Atra Bilis Teatro (Spanien)

Todo el cielo sobre la tierra (El síndrome de Wendy)

Der ganze Himmel über der Erde (Das Wendy-Syndrom) von Angélica Liddell

In »Peter Pan« nimmt der Junge, der niemals erwachsen werden will, das Mädchen Wendy und ihre Brüder mit auf seine Insel Nimmerland. In »Der ganze Himmel über der Erde (Das Wendy- Syndrom)« fährt Peter Pan mit der erwachsenen »Wendy« Angélica Liddell auf die norwegische Insel Utøya, wo Anders Breivik 69 junge Menschen zwischen 16 und 26 Jahren erschossen hat.

Der Gedanke, verlassen zu werden quält Wendy, doch sie ist immer allein, ganz gleich, ob sie nach Utøya reist oder durch Shanghai wandert. Peter Pan, das ewige, elternlose Kind, und Wendy haben eine Gemeinsamkeit: sie verabscheuen Mütter. Liddell macht die Bühne zur Insel und bevölkert sie mit Indianern, Krokodilen, Musikern, Kindern, die niemals alt werden wollen, und alten Menschen, die niemals aufhören wollen zu tanzen. Sie alle haben eines gemeinsam: die Angst vor dem Verlust von Jugend und Schönheit.

Vorstellungen am 9. und 10.4. um 20 Uhr

Auf Spanisch, Mandarin und Norwegisch mit deutschen und englischen Übertiteln (9.4.) bzw. mit deutschen und polnischen Übertiteln (10.4.)

 

Am 11. und 12. April 2014:

Gastspiel  des  Gogol Center (Russland)

Idioten von Lars von Trier

Regie: Kirill Serebrennikov

Serebrennikovs freie Version von Lars von Triers Film »Idioten« verlagert die Handlung nach Moskau und zeigt, wie sich eine Gruppe von Außenseitern zusammentut, um gegen die Zwänge der russischen Gesellschaft zu protestieren. Wer sind im heutigen Russland eigentlich die wahren Idioten?

Vorstellungen am 11. und 12.4. um 19.30 Uhr

Auf Russisch mit deutschen und englischen Übertiteln

 

Am 11. und 12. April 2014:

Gastspiel aus Chile von La Re-sentida

Tratando de hacer una obra que cambie el mundo

Der Versuch ein Stück zu machen, das die Welt verändert

Regie: Marco Layera

Die junge chilenische Theatergruppe La Re-sentida erzählt die Geschichte einer Gruppe von Schauspielern, die aus Protest gegen die Regierung in den Untergrund gegangen sind. Seit vier Jahren hat sich die Gruppe in einem Keller eingeschlossen, hat keinerlei Kontakt mit der Außenwelt und versucht, das große politische Theaterstück zu entwickeln, das die Welt grundlegend verändern wird. Doch eines Tages kommt eine Nachricht von draußen: Eine neue Regierung ist an die Macht gekommen und hat Armut und soziale Ungerechtigkeit abgeschafft ... »Der Versuch ein Stück zu machen, das die Welt verändert« erforscht mit viel Humor und Selbstironie die Beziehung zwischen Utopie, Revolution, Politik und Kunst.

Vorstellungen am 11.4. um 22.30 Uhr und am 12.4. um 18 Uhr

Auf Spanisch mit deutschen und englischen Übertiteln

 

Am 12. April 2014:

Werkstattgespräch Milo Rau

Moderation: Florian Borchmeyer

Der Schweizer Theatermacher Milo Rau spricht über dokumentarisches Theater am Beispiel seiner Probenarbeit bei »The Civil Wars«. Die Inszenierung, die im Mai in Brüssel Premiere haben und beim F.I.N.D. 2015 zu sehen sein wird, entwickelt aus einer halbjährigen Recherche im Salafisten- und Rechtsradikalenmilieu Westeuropas eine Lecture Performance – und stellt sich eine simple Frage: Steht der ›Niedergang des Abendlandes‹ und mit ihm das Ende der Europäischen Union bevor?

Am 12.4. um 16 Uhr

 

F.I.N.D. Festival Blog

In diesem Jahr gibt es erstmals einen englischsprachigen Blog zum Festival. Der kanadische Autor, Historiker und Berlin-Experte Dr. Joseph Pearson (www.needleberlin.com) wird zu jedem Stück einen Blogeintrag verfassen – mit Interviews, Portraits der Regisseure und Autoren und Hintergrundinformationen zu den Inszenierungen. www.find-blog.de

 

Tickets: www.schaubuehne.de / 030.890023

 

 

 

 

 

 

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