"General Assembly" von Milo Rau im Nachtasyl des Thalia Theaters Hamburg

3. bis 5. November 2017, Live-Übertragung aus der Berliner Schaubühne ins Nachtasyl des Thalia Theaters: Milo Rau / IIPM – International Institute of Political Murder General Assembly | Generalversammlung | Assemblée générale
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Im Juli dieses Jahres hat sich der G20-Gipfel in Hamburg mit den wichtigen internationalen Fragen auseinandergesetzt. Diesen Fragen stellt sich jetzt das Weltparlament von Milo Rau. Dabei sprechen aber diejenigen, die in der globalen Realität von Politik und Ökonomie nicht repräsentiert werden, die keine Stimme haben: Arbeitsmigranten, deren Kinder und Nachgeborene, Kriegsopfer, Textil- und Minenarbeiter, die Kleinbauern, die Wirtschafts- und Klimaflüchtlinge, die Opfern des sich anbahnenden Ökozids, die Weltmeeren, die Atmosphäre, die Nutztiere und Bäume.

Vom 3. bis 5. November versammeln sich 60 Abgeordnete aus der ganzen Welt in der Bundeshauptstadt, begleitet von einer Gruppe hochkarätiger internationaler politischer Beobachter. In fünf Plenarsitzungen fragen die Abgeordneten der General Assembly, wo wir als Weltgemeinschaft stehen und was zu tun ist – sozial, ökologisch, technologisch, politisch. Wie verhalten sich die Interessen der Weltbevölkerung zu den demokratischen Prinzipien der Nationalstaaten? Wessen Forderungen nach Unabhängigkeit, Würde und Glück können zu den Forderungen der ganzen Menschheit werden? Das erste Weltparlament der Geschichte gipfelt in der Verabschiedung der „Charta für das 21. Jahrhundert“.

Mit „General Assembly“ vollenden Milo Rau und das International Institute of Political Murder ihre Arbeit über die Frage der politischen und künstlerischen Bedingungen eines globalen Realismus. Ein auf Augenhöhe der globalisierten Wirtschaft agierendes Kunstprojekt, bei dem nicht zuletzt die Zukunft der Demokratie verhandelt wird.

Die General Assembly wird von der Berliner Schaubühne aus in das Nachtasyl des Thalia Theaters erweitert! Dort kann man, je nach Interessenlage, alle Plenarsitzungen live verfolgen. Auch im Nachtasyl werden Experten, wie der DIE ZEIT-Journalist Christoph Twickel, Leyla Yenirce (freie Journalistin) und die Hamburger Journalistin und Aktivistin Shorouk El Hariry oder die Journalistin (u.a.), die Ergebnisse kommentieren und mit dem Publikum in die Debatte gehen. Für Essen und Trinken während der live-Übertragung sorgt unsere Gastronomie im Nachtasyl.

Die Live-Übertragung im Nachtasyl kann jederzeit besucht werden!

Eintritt 5€ pro Veranstaltungstag (Einlass jederzeit möglich!)

Ablauf:

Freitag, 3. November 2017

General Assembly: Konstituierende Sitzung

19:00 bis 21:00 Uhr

Die General Assembly wird mit einem feierlichen Akt eröffnet: mit Statements und Reden zur historischen Dimension und politischen Notwendigkeit eines Weltparlaments. In der konstituierenden Sitzung wird von den versammelten Abgeordneten zudem der Vorsitz gewählt, der aus Präsident/in und zwei Vizepräsident/innen besteht, die die Sitzungen eröffnen, leiten und schließen. Nach seiner Vereidigung präsentiert der Vorsitz die Sitzungsordnung für die fdarauffolgenden Tage. In der ersten öffentlichen Ansprache des Vorsitzes werden die

Mitglieder des deutschen Bundestags aufgefordert, sich der neu konstituierten Versammlung des globalen Dritten Standes anzuschließen.

Samstag, 4. November 2017

1. Plenarsitzung: Diplomatische Beziehungen, Sanktionen und Kriege

10:00 bis 13:00 Uhr

Seit der Gründung der Vereinten Nationen und der Ratifizierung der Charta für die Sicherung des Weltfriedens, die Einhaltung des Völkerrechts und den Schutz der Menschenrechte ist umstritten, ob und wann militärische Interventionen oder wirtschaftliche Sanktionen notwendig, diplomatischen Beziehungen zu autoritären Regierungen oder Terrorregimes aufrecht zu erhalten sind, ob Waffenlieferungen in Krisengebiete erlaubt und wann Verurteilte an andere Länder auszuliefern sind. In der „General Assembly“ debattieren und

entscheiden über diese transnationalen Fragen die Betroffenen selbst: Kriegsopfer, die Anhänger von in diplomatischer Kritik stehender Regierungen und ihre Gegner, die Opfer von Verbrechen gegen die Menschlichkeit und die Verurteilten.

2. Plenarsitzung: Die Regulierungen der globalen Wirtschaft

13:30 bis 16:30 Uhr

Der durch unzählige Freihandelsabkommen beförderte globale Waren-, Dienstleistungs- und Kapitalverkehr hat nach 50 Jahren neoliberaler Hegemonie ein dichtes Netzwerk von über die Grenzen der Nationalstaaten hinweg wirksamen, aber ungenügend regulierten Wechselbeziehungen und eine ganze Reihe von problematischen Gesamtentwicklungen hervorgebracht: Menschenrechtsverletzungen von multinationalen Unternehmen werden selten verfolgt, billiger Konsum wird durch Ausbeutung und Landgrabbing möglich gemacht, die Versuche zur Regulierung des Weltmarkts gehen einher mit Protektionismus und Korruption. In der „General Assembly“ debattieren und entscheiden über die damit verbundenen politischen Fragen u. a. vertriebene Bergbauern/bäuerinnen, durch westliche Regulierungsmaßnahmen benachteiligte lokale Unternehmer/innen und Regierungsvertreter/innen, ausgebeutete Textilarbeiter/innen sowie Opfer von Folter und Gewalt.

3. Plenarsitzung: Migration und Grenzregime

17:00 bis 20:00 Uhr

Während die Grenzen für europäische Unternehmen immer mehr geöffnet, die Barrieren für den internationalen Handel mit Waren oder Staatsschulden abgebaut werden und die Personenfreizügigkeit eine perfekte Allokation von Arbeitskräften ermöglichen soll, führen Sicherheitsbedenken zur Befestigung von neuen Grenzen. Welche Institutionen aber sind zuständig für die Sicherheit der mobilen Menschen, wenn der Schutz durch den Nationalstaat nicht mehr gewährleistet wird? Wie lässt sich das Prinzip der Rechte für jeden Menschen und das damit zusammenhänge Konzept des „Weltbürgers“ konkret umreißen und verankern? In

der „General Assembly“ debattieren und entscheiden über diese Fragen die Arbeitsmigrant/innen und sogenannten Wirtschaftsflüchtlinge, die entrechteten Grenzgänger/innen und die überforderten Grenzschützer/innen.

Sonntag, 5. November 2017

4. Plenarsitzung: Cultural Global Commons

10:00 bis 13:00 Uhr

Die technologischen Revolutionen der letzten zwanzig Jahre haben vielen Menschen weltweit den Zugang zu Informationen und Kulturgütern ermöglicht, die vorher exklusiv oder regional waren. Diese Entwicklungen verschärfen eine Reihe von transnationalen kulturellen Konflikten, die um die Widersprüche zwischen Forderungen nach universellen Kulturgütern und kulturellen Werten und regionalen oder nationalen Traditionen und Praktiken kreisen. Dabei werden Vertreter/innen von universellen Werten oft hegemoniale Interessen unterstellt, Vertreter/innen lokaler Traditionen geraten in den Verdacht des Extremismus. In der „General Assembly“ verhandeln über kulturelle Grundsätze, Freiheiten und Erinnerungspolitik die Zerstörer/innen und Kurator/innen von Kulturgütern, die Künstler/innen und die provozierten religiösen Vertreter/innen, die Nachkommen der Kolonialherren und ihrer Archive sowie die vergessenen Toten.

5. Plenarsitzung: Natural Global Commons

13:30 bis 16:30 Uhr

Seit Jahrzehnten sind sich die Expert/innen einig, dass die demographischen Entwicklungen und der Massenkonsum unkontrollierbare ökologische Dynamiken mit zerstörerischen Konsequenzen für zahlreiche Völker und andere Lebewesen auslösen. Die notwendigen Maßnahmen dagegen stehen aber im Widerspruch zu den wirtschaftlichen Interessen der Industrienationen und der Schwellenländer sowie zu den legitimen Forderungen nach wirtschaftlicher Entwicklung in der Dritten Welt. In der „General Assembly“ werden die weltweiten Konflikte um natürliche Ressourcen und die Rechte auf Leben und körperliche

Unversehrtheit von den Vertreter/innen von Menschen, Tieren und Pflanzen ausgetragen,

deren aktuelle und zukünftige Lebensräume zerstört werden.

Schlusssitzung

17:00 bis 19:00 Uhr

In der Schlusssitzung fassen die politischen Beobachter/innen die wesentlichen politischen Forderungen und beschlossenen Richtlinien zusammen, die aus den Debatten der Abgeordneten in den fünf Plenarsitzungen hervorgehen, und skizzieren die „Charta für das 21. Jahrhundert“.

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