Hamburgische Staatsoper: Robert Schumanns Szenen aus Goethes "Faust"

Premiere am Sonntag 28.10.2018, 18.00 Uhr, Großes Haus

Während die Goethesche Klassik das Ganze meinte, das einem höheren Plan folgend sich aus Partikeln zusammensetzt, wo das erkennende Licht der Herzensvernunft spricht, wo Faust sucht, was „die Welt im Innersten zusammenhält“, pflegt die Romantik den Sinn für überraschende, alogische Wendungen, sie schwärmt für dunkle, mystische Sphären, irrt gerne durch poetische Landschaften. Das Romantische sei das Kranke, sagte Goethe.
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Schumann hatte keinen dramaturgischen Gesamtplan in Bezug auf den Faust. Er fragt sogar: „Wozu Musik zu solch vollendeter Poesie?“ und meint zunächst nur den apotheotischen Schluss von Faust II, von dem er zunächst ausgeht. Erst danach fügt er weitere „Szenen aus Goethes Faust“ hinzu, doch der Zusammenhang bleibt lose und sprunghaft. Erst in den Lücken, in den Zwischenräumen rundet sich die Geschichte.

In deutscher Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Musikalische Leitung: Kent Nagano
Inszenierung, Bühne, Kostüm- und Lichtkonzept: Achim Freyer
Kostüme: Amanda Freyer
Dramaturgie: Klaus-Peter Kehr
Chor: Eberhard Friedrich
Video: Jakob Klaffs/Hugo Reis
Licht: Sebastian Alphons
Mitarbeit Regie: Eike Mann
Mitarbeit Bühnenbild: Moritz Nitsche
Mitarbeit Kostüme: Petra Weikert

Mit: Marthe/Jüngerer Engel/Büßerin/Magna Peccatrix Narea Son, Gretchen/Büßerin/Una Poenitentium Christina Gansch, Mangel/Jüngerer Engel/Büßerin/Maria Aegyptiaca/Mater Gloriosa Katja Pieweck, Ariel/Pater Ecstaticus/Vollendeter/Engel/Jüngerer Engel Norbert Ernst (Hamburg-Debut), Faust/Pater Seraphicus/Dr. Marianus Christian Gerhaher (Hamburg-Debut), Vollendeterer Engel/Jüngerer Engel Alexander Roslavets, Mephisto/Pater profundo/Böser Geist/Bass-Soli Liang Li

Einführung um 17.20 Uhr
Weitere Vorstellungen am 31. Oktober (18.00 Uhr), 3., 6., 9., 14. und 17. November jeweils um 19.30 Uhr

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Ein vielfältiges Rahmenprogramm begleitet die Neuproduktion Szenen aus Goethes Faust an der Staatsoper Hamburg

Das Rahmenprogramm zu Szenen aus Goethes Faust im Detail:

„Stets gefunden, nie gesucht“ - Ausstellung Achim Freyers anlässlich der Premiere Szenen aus Goethes Faust in der Staatsoper Hamburg
Achim Freyer wird anlässlich seiner Neuinszenierung des Szenen aus Goethes Faust von Robert Schumann an der Staatsoper Hamburg vom 18. Oktober bis zum 17. November 2018 eine Ausstellung in der Galerie Renate Kammer, Architektur und Kunst, Münzplatz 11, 20097 Hamburg, zeigen. Es erscheint ein Katalog zu seinen Werken, aber auch seine bisher unveröffentlichten
18. Oktober bis 17. November 2018, Galerie Renate Kammer, Münzplatz 11, 20097 Hamburg. Der Eintritt ist frei!

Einführungsmatinée

In Gesprächen und musikalischen Beiträgen werden Details von der Konzeption der szenischen Umsetzung über die musikalische Interpretation bis hin zum Probenprozess gegeben.
21. Oktober 2018, 11.00 Uhr, Probebühne 1, Eintritt € 7,-

OpernReport: „Von Fäusten und des Pudels Kern“

Vortrag und Lesung von Dr. Alexander Meier-Dörzenbach
Der Wunderheiler und Schwarzkünstler Johann Faust verschrieb sich um die Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert angeblich dem Teufel... Auch wenn es zahlreiche Auseinandersetzungen mit diesem historischen Stoff gibt, so sind es die über 12.000 Verse Goethes, die Faust neben Mozarts Giovanni und Shakespeares Hamlet als mythische Figur in der modernen Sinnsuche verewigt haben. Zwischen Gretchentragödie und Gelehrtentragödie hat das bekannteste Werk der deutschen Literatur auch Maler und Komponisten, Fotografen und Filmemacher inspiriert und ist so in allen Künsten sinnlich aufzuspüren. Robert Schumann hat sich über viele Jahre mit dem Werk auseinandergesetzt und in den erst 1862 posthum aufgeführten Szenen aus Goethes „Faust“ zum Klingen gebracht. Sein drittes Werk ohne Opuszahl ist keine Oper, sondern ein dreiteiliges Amalgam aus literarischer Kantate um die Gretchengeschichte, säkularem Oratorium mit Faust im Zentrum und erlösungs-allegorischer Chorsymphonie, von dem Schumann selbst erwartete, dass seine Gesamtaufführung „höchstens mal als Kuriosität geschehen dürfe“. Während Gounods Faust-Oper sich seit Erscheinen 1859 weltweit größter Beliebtheit auf den Bühnen erfreut, fristete Schumanns Werk lange ein Schattendasein, dabei ist er der erste Komponist, der den zweiten Teil der Dichtung vertonte und sich so der Erlösungsfrage klanglich nähert.

Der Musiktheaterdramaturg, Kunsthistoriker und Literaturwissenschaftler Dr. Alexander Meier-Dörzenbach wird das Werk zwischen Wort, Bild und Ton kontextualisieren, während der besonders aus Film und Fernsehen bekannte Schauspieler und Synchronsprecher Wolfgang Häntsch ausgewählte Passagen zum Leben erwecken.

Donnerstag 1. November 2018, 19.30 - 21.30 Uhr, opera stabile. Eintritt € 7,-

OpernForum „Szenen aus Goethes Faust“
Diese Partnerschaft zwischen der Universität Hamburg und der Staatsoper Hamburg will interessante und überraschende Zusammenhänge und Bezüge zwischen Oper und Wissenschaft erforschen. Die Kultur des Wissens und die Kultur der Darstellung treten miteinander in den Dialog. Zu ausgewählten Stücken diskutieren Wissenschaftler über Themen, mit denen die eine oder andere Oper nachdrücklich mit unserer Zeit in Beziehung tritt.
Samstag 17. November 2018, 22.45 - 23.30 Uhr, Parkett-Foyer, Eintritt frei

Bild: Robert Schumann

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