Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
HAUPTSACHE ARBEIT! von Sibylle Berg im Stadttheater Giessen HAUPTSACHE ARBEIT! von Sibylle Berg im Stadttheater Giessen HAUPTSACHE ARBEIT! von...

HAUPTSACHE ARBEIT! von Sibylle Berg im Stadttheater Giessen

Premiere am 16. April 2011 | 19.30 Uhr | Großes Haus, -----

 

Eine Seefahrt kann ziemlich ungemütlich sein. Zum Beispiel dann, wenn Chef und Belegschaft gemeinsam an Bord gehen. Was als heiterer Betriebsausflug beginnt, entwickelt sich schon nach wenigen Meilen zu einem Mordspektakel.

 

Schuld daran sind nicht zuletzt die Schiffsratten, die den Angestellten übel mitspielen. Eine von ihnen entpuppt sich im Laufe der Veranstaltung als der berüchtigte Coach und Bestsellerautor Frank Schäfer, dessen aktueller Erfolgstitel „Überleben!“ alle Auflagenrekorde bricht. Die Damen und Herren an Bord sind begeistert. Noch ahnen sie nicht, was ihnen bevorsteht und genießen die Abwechslung, die der gemeinsame Ausflug bietet. Für ein paar Stunden raus aus dem Arbeitsalltag. Bei einer Zigarette auf dem Raucherdeck kommt man ins Plaudern. Nach ein paar Gläsern kommt man sich näher.

 

Es sind kleine, alltägliche Geschichten, die Sibylle Berg ihre Figuren erzählen lässt. Geschichten von Trennungen und Therapien, Meriten und Marotten. Im Vorbeigehen hat man sie schon tausendfach gehört. Hier bleibt man endlich einmal stehen: befremdet und berührt zugleich. Da ist viel vom Alleinsein die Rede, von der Müdigkeit eines Paares, von Grillfesten und dem Warten auf die Rente. Doch für ein oder zwei Jahrzehnte gilt es sich noch fit zu halten für die Firma. Was lassen diese Menschen alles mit sich machen? Was verbergen sie vor sich selbst und vor anderen?

 

Wer in diesem Betrieb arbeitet, hat keine Wahl. Oder er wird abgewählt. Genau das passiert zu vorgerückter Stunde, wenn Schäfer, der Erfolgsguru, einen perfiden Wettbewerb eröffnet. Wer seinen Job behalten will, muss sich vor den anderen präsentieren: möglichst ehrlich, möglichst offenherzig, möglichst authentisch. Klar, dass keiner dieser Anforderung gewachsen ist. Die Selbstdarstellung wird zur Selbstentblößung – und am Ende triumphieren die Ratten.

 

Hermann Schein zeigt die Ratten als nimmermüde Animateure einer Theater-Wirklichkeit, die unsere Realität ad absurdum führen. Seine Inszenierung am Gießener Stadttheater legt er als Groteske an; in Stefan Heynes Bühnenbild bewegen sich die Figuren wie in einem Hamsterrad, aus dem es kein Entkommen gibt.

 

 

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 11 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

Wie absurd ist das denn?

Die Volksbühne in Berlin kommt mit einer Uraufführung namens „SMAK! SuperMacho AntiKristo“ heraus, einer „hyperhybriden Hommage an den französischen Symbolisten Alfred Jarry“ und allerlei Anderes.  

Von: Stephan Knies

Zwei Außenseiter - "I am a problem" in der Deutschen Oper am Rhein: "Carmen“ "von Roland Petit und "Baal" von Aszure Barton

Der Kontrast könnte stilistisch nicht größer sein zwischen den beiden Choreografien, die an der Deutschen Oper am Rhein in „I am problem“ zu sehen sind. Und doch haben sie etwas gemeinsam, sie zeigen…

Von: Dagmar Kurtz

Ich hoffe, es wird recht lebendig

Die Zeit spricht eigentlich für eine neue Premiere der „Hedda Gabler“: In den nunmehr bald zwei Jahren der Beschränkungen haben so viele von uns die eigenen Lebensentwürfe grundsätzlich in Frage…

Von: Stephan Knies

Ich will was bewegen! Das Stadttheater Fürth zeigt mit dem Dreifach-Monolog „Niemand wartet auf dich“ von Lot Vekemans, dass Theater relevant und nahbar ist.

Einer Schauspielerin mal in die Seele und über den Schminktisch schauen – wäre das nicht schön? Auch das ist ja eine Möglichkeit, die im Fachsprech „vierte Wand“ genannte Distanz zwischen Bühnenrampe…

Von: Stephan Knies

Gescheiterte Utopie - "La Clemenza di Tito" von Wolfgang Amadeus Mozart in der Deutschen Oper am Rhein

Lässt sich ein Staat nur mit Milde und Gnade regieren? Das klingt reichlich utopisch, und in der Inszenierung von "La Clemenza di Tito" in der Deutschen Oper am Rhein stellt Michael Schulz das auch in…

Von: Dagmar Kurtz

Alle Kritiken anzeigen

folgen Sie uns auf

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑