Heinrich von Kleist, DIE HERMANNSSCHLACHT, mit Zwischenspielen von Lothar Trolle, Mainfranken Theater Würzburg

Premiere: 5. Mai 2012 | 19:30 Uhr | Großes Haus. ----- Im Mittelpunkt der „Hermannsschlacht“ steht Hermann, germanischer Feldherr der Cherusker, der sich in doppelter Bedrängnis befindet: Von Westen bedrohen ihn die Römer unter dem Feldherrn Varus, im Südosten steht Suebenfürst Marbod mit seinen Truppen.
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Nach einem verheerenden Einfall der Römer in germanisches Gebiet schürt Hermann den Hass der Germanen auf die römischen Besatzer und es gelingt ihm, die germanischen Stämme hinter sich zu vereinen und die Römer unter Varus zu besiegen.

Heinrich von Kleists Drama „Die Hermannsschlacht“ wurde am 18. Oktober 1860 – 50 Jahre nach seiner Entstehung – in Breslau uraufgeführt. Nachdem das Stück zu Lebzeiten Kleists wenig Beachtung fand, benutzten es die Nationalsozialisten, um Hermann als nationale Identifikationsfigur zu feiern. Deshalb verschwand das Stück 1945 zunächst gänzlich von den deutschen Bühnen, bis es Anfang der achtziger Jahre eine Renaissance erfuhr. Die politischen Veränderungen der letzten 50 Jahre lassen Kleists Stück in neuem Licht erscheinen.

Die Würzburger Aufführung begreift Kleists „Hermannsschlacht“ als Stück über 2000 Jahre Politik, Gewalt und Manipulation. Hermann ist ein begnadeter Politiker, dem jedes Mittel recht ist, um die Interessen der um ihre Befreiung kämpfenden Germanen durchzusetzen. Dass diese Mittel auch dem ursprünglichen Zweck konträr gegenüberstehen, begreift er als lässlichen Kolateralschaden. Dass dabei die Opfer zu Tätern werden, die den eigentlichen Besatzern in Nichts nachstehen, verweist nicht zufällig auf die revolutionären Veränderungen im 20. Jahrhundert, aber auch auf die aktuellen Befreiungsbemühungen etwa in Libyen.

Um dies zu verdeutlichen, verlegen Stephan Suschke und Momme Röhrbein die Handlung vom Teutoburger Wald in ein verfallenes Schlachthaus. Das Stück wird komplettiert durch Lothar Trolles Zwischenspiel „Germanien lodert“, dass für die Würzburger Aufführung geschrieben wurde und individuelle Geschichten im Krieg aufscheinen läßt, die auch in Würzburg spielen.

Inszenierung: Stephan Suschke

Bühne und Kostüme: Momme Röhrbein

Licht: Roger Vanoni

Dramaturgie: Mona Becker

Die Germanen:

Hermann, Fürst der Cherusker: Bernhard Stengele

Thusnelda, seine Gemahlin: Anne Diemer

Rinold und Adelhart, seine Kinder: Mitglieder der Kinderkomparserie des Mainfranken Theaters Würzburg: Paul Breunig, Camillo Fandrich, Julian Popp, Anton Höfler

Eginhardt, sein Rat: Max De Nil

Luitgar und Astolf, dessen Söhne: Philipp Reinheimer

Marbod, Fürst der Sueven, Verbündeter des Hermann: Klaus Müller-Beck

Attarin, sein Rat: Rainer Appel

Komar, suevischer Hauptmann: Robin Bohn

Greis, ein Augenzeuge: Rainer Appel

Teuthold, ein Waffenschmied: Georg Zeies

Hally, dessen Tochter: Carolin Kipka a. G.

Eine Alraune: Issaka Zoungrana

Aristan, Fürst der Ubier, Verbündeter des Varus: Carolin Kipka a. G.

Fust, Fürst der Cimbern, Verbündeter des Varus: Robin Bohn

Chor der germanischen Fürsten / Chor Volk: Georg Zeies, Max De Nil, Rainer Appel, Robin Bohn, Carolin Kipka a. G., Klaus Müller-Beck, Philipp Reinheimer, Issaka Zoungrana und Mitglieder des Bürgerchores des Mainfranken Theaters Würzburg: Michael Apel, Hans-Martin Blank, Franz-Peter Genser, Siegfried Gressel, Felix Hemberger, Volker Kauszok, Johannes Kufner, Christoph Mansky, Reinhold Stauder, Lothar Wolz

Germanische Hauptleute & Volk: Rainer Appel, Robin Bohn, Max De Nil,

Philipp Reinheimer, Georg Zeies

Die Römer:

Quintilius Varus, römischer Feldherr: Maria Brendel

Ventidius, Legat von Rom: Kai Christian Moritz

Septimius, römischer Anführer: Georg Zeies

Römische Feldherren und Soldaten: Rainer Appel, Robin Bohn, Klaus Müller-

Beck, Philipp Reinheimer, Georg Zeies

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