Internationales Festival „Um alles in der Welt – Lessingtage 2014“ in Hamburg vom 25. Januar bis 9. Februar 2014

Das interkulturelle Festival wird auf sämtlichen Bühnen des Thalia Theaters und an weiteren Orten in der Stadt mit internationalen Gastspielen, Thalia-Eigenproduktionen und soziokulturellen Projekten ein abwechslungsreiches Programm bieten. Thematischer Schwerpunkt in diesem Jahr ist die Verbindung zwischen den Kontinenten Afrika und Europa. Durch die europäische Kolonialgeschichte sind beide Erdteile auf vielfältige Weise miteinander verbunden, in der aktuellen Migrationsdebatte zeigen sich die Nachwirkungen dieser Zeit. Die Ankunft der Gruppe Lampedusa in St. Pauli erinnert an unsere Verantwortung als Europäer gegenüber den libyschen Flüchtlingen. Sie zeigt deutlich, dass Hamburg und HamburgerInnen eine Haltung zu Problematiken und Streitigkeiten im Zusammenhang mit

Flüchtlingsströmen aus Afrika einnehmen müssen. Die Grenze zu Afrika ist durch das Schengener

Abkommen ganz nah an Deutschland gerückt.

Das Festival eröffnet die kenianische Soziologin Auma Obama, die Schwester von Barack Obama, am 26. Januar mit einer Rede, die den Titel „You are your Future“ trägt. Am gleichen Wochenende wird Frank Castorfs Inszenierung „Reise ans Ende der Nacht“ von Louis-Ferdinand Céline zu sehen sein, die die Odyssee des Protagonisten von Europa in den Kongo bis Amerika beschreibt. Am Schluss des Festivals steht ein Abend über und hoffentlich mit der Gruppe Lampedusa in St. Pauli, der die Zusammenarbeit des Thalias mit der Gruppe fortsetzt.

Programm

LESSINGTAGE 2014 im Thalia Theater

Gastspiel Residenztheater München

Reise ans Ende der Nacht nach Louis-Ferdinand Céline

Am 25. Januar um 19 Uhr und am 26. Januar um 18 Uhr (Einführung um 17.30 Uhr)

Eine afrikanische Slum-Siedlung im Kongo. Der Erste Weltkrieg hat seine Spuren hinterlassen. Hierher, in die alte Kolonie Europas, ist Ferdinand Bardamu geflüchtet, nachdem er sich im Krieg freiwillig als

Soldat gemeldet hat und davon traumatisiert erkennen muss, dass dieser apokalyptische Kreuzzug nur

dazu geführt hat, die Armen zu vernichten. Auf der Suche nach einer besseren Welt begibt sich der

Auswanderer nun ins Reich der Kolonialherren, um an Geld zu kommen, hinein in die afrikanische Welt,

den Urwald und die Coltanminen, die später einmal essentiell für die Welt und ihre Mobiltelefone sein

werden. Doch auch hier trifft er auf heftige Klassenkonflikte, die die Menschen zu habgierigen Bestien

machen. Célines Roman ist eine düstere Abrechnung mit dem sozialen Elend dieser Welt, mit Europa,

Afrika und Amerika. Regisseur Frank Castorf, seit Jahren Intendant der Volksbühne Berlin, und sein

Bühnenbildner Aleksandar Denić sind bekannt für bildgewaltige Inszenierungen im Zwischenbereich von Theater und Film. In Bayreuth haben sie unlängst einen bahnbrechenden „Ring“ auf die Bühne gebracht. Erstmals seit 13 Jahren wird wieder eine Inszenierung von Frank Castorf in Hamburg zu sehen sein und die Lessingtage 2014 eröffnen.

Regie Frank Castorf

Bühne Aleksandar Denić

Kostüme Adriana Braga Peretzki

Licht Gerrit Jurda

Dramaturgie Angela Obst

Video Stefan Muhle

Ensemble Götz Argus, Bibiana Beglau, Fatima Dramé, Britta Hammelstein, Aurel Manthei, Franz

Pätzold, Katharina Pichler, Michaela Steiger, Jürgen Stössinger, Live-Kamera Marius Winterstein und

Jaromir Zezula sowie Giuseppe Fiore, Victoria Link, Lukas Neumeier

Eröffnungsvortrag zu den Lessingtagen

You are your Future von Auma Obama, in deutscher Sprache

Am 26. Januar um 11 Uhr im Thalia Theater

2014 setzt das Thalia Theater die Tradition fort, mit einer Gastrednerin aus der interkulturellen

Gesellschaft das Festival zu eröffnen. In den letzten Jahren waren Ilija Trojanow, Navid Kermani und

Liao Yiwu zu Gast. In diesem Jahr sind wir stolz, die kenianische Autorin und Soziologin Auma Obama

im Thalia Theater begrüßen zu dürfen. Auma Obama ist in Kenia geboren und kam, verführt durch die

Literatur Heinrich Bölls und Wolfgang Borcherts, Anfang der 80er nach Deutschland, zur Zeit der

Frauenbewegung. Sie studierte in Heidelberg Soziologie und Germanistik, bevor sie in Bayreuth

promovierte. Nach 16 Jahren in Deutschland und einem Zwischenstopp in England ging sie zurück nach

Kenia, um Verantwortung für die Entwicklung ihrer Heimat zu übernehmen. Obamas Arbeit steht für den

Aufbau einer zukünftigen Gleichberechtigung. Sie unterstützt benachteiligte Kinder und Jugendliche, die

einmal selbstbestimmt und eigenverantwortlich ihr Leben führen sollen. Vor zwei Jahren gründete sie die „Sauti Kuu Foundation“, die von München aus weltweit tätig ist. Ihre eigene Geschichte ist eine

Emanzipationsgeschichte, die nicht geschlechtsspezifisch, sondern kulturspezifisch zu verstehen ist. 2010 veröffentlichte sie ihre Autobiografie „Das Leben kommt immer dazwischen. Stationen einer Reise“. Außerdem ist sie weltweit als Gastdozentin für ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit aktiv. Auma Obama ist die Schwester des US-Präsidenten Barack Obama. Zur Eröffnung der Lessingtage wird sie über das Verhältnis von Afrika und Europa sprechen, und was beide voneinander lernen können.

Eintritt frei, Zählkarten erforderlich, Karten 040. 32 81 44 44 / www.thalia-theater.de

Moby Dick

nach dem Roman von Herman Melville in der Übersetzung von Matthias Jendis

Am 27. Januar um 19 Uhr im Thalia Theater

Männer suchen einen Wal. Ein unaussprechlicher Schmerz zieht sie hinaus aufs Meer. Sie hoffen, auf den Weiten des Ozeans ihrer eigenen Bedeutungslosigkeit zu entrinnen und als Walfänger Geschichte zu

schreiben. „Isolatos“ nennt Melville diese Männer in seinem Roman und meint damit jene, die aus allen

Ecken dieser Welt zusammen gekommen sind, Ausgestoßene, Isolierte. Getrieben von rasender Wut und Verzweiflung über die eigene menschliche Verletzbarkeit, jagen sie den Weißen Wal, Moby Dick, der

ihnen als Ursache für all ihr Leiden erscheint. Auf der Reise durch die Fanggründe der ewigen See beginnen sie, an das eigene Dasein Fragen zu stellen. Melvilles „Moby Dick“ ist neben vielem anderen

auch ein Plädoyer für den nicht-weißen Mann, der auf den Walfängern durchaus in der Mehrzahl war und seine Muskelkraft beisteuerte, während Weiße vor allem als Offiziere vertreten waren. Regisseur Antú Romero Nunes stellt sich zuletzt auch dieser Tatsache und komponiert einen bilderreichen

Theaterabend, in dem Melvilles philosophische Exkurse ebenso ihren Platz finden wie das Abenteuer auf

See.

Regie Antú Romero Nunes

Ausstattung Matthias Koch

Musik und Sound-Design Johannes Hofmann,

Rewert Lindeburg Dramaturgie Sandra Küpper

Ensemble Julian Greis, Mirco Kreibich, Daniel Lommatzsch, Thomas Niehaus, Jörg Pohl, Rafael

Stachowiak, André Szymanski, Sebastian Zimmler

Gastspiel Compagnie La Baraka

Koproduktion mit Agence Algérienne pour le Rayonnement Culturel und Communauté de communes du

bassin d‘AnnonayNYA

Eine Choreografie von Abou Lagraa

Am 28. Januar um 20 Uhr im Thalia Theater

Der in Frankreich geborene Choreograf Abou Lagraa baut mit seinen Arbeiten Brücken, Brücken zwischen Tanzstilen, und damit zwischen Menschen und Kulturen. Mit „NYA“, was im Arabischen „Vertrauen zum Leben“ bedeutet, hat Lagraa zum ersten Mal in Algerien, dem Heimatland seines Vaters, gearbeitet. Als „Mediterranean Cultural Bridge“ hat Lagraa zusammen mit der algerischen Kulturministerin ein auf drei Jahre angelegtes Projekt ins Leben gerufen: das Ballet Contemporain d’Alger. Da es bis heute in Algerien keine feste Tanzsparte und keine zeitgenössischen Tänzer gibt, hat Lagraa Breakdancer zum Casting gebeten und 13 von 400 ausgewählt. Ihre Tanzformen des Capoeira, Hip-Hop und Breakdance stoßen im ersten Teil auf Maurice Ravels Boléro, dem französischen Musikklassiker schlechthin, bevor sie im zweiten Teil den sakralen Gesängen Afrikas begegnen. Es ist der Blick einer schon lange Grenzen überwindenden Subkultur auf Kulturen Europas und Afrikas, die nicht zuletzt durch ihre Kolonialgeschichte tief miteinander verbunden sind. Agraa formt die Energien der jungen Straßentänzer in ein berauschendes Ensemble und wurde dafür bereits auf zahlreichen internationalen Festivals gefeiert. Während der Lessingtage 2014 ist „NYA“ zum ersten Mal in Deutschland zu sehen. Im Anschluss an die Vorstellung findet ein Gespräch mit Abou Lagraa und Nawal Ait Benalla-Lagraa statt.

Choreografie Abou Lagraa

Mitarbeit Choreografie Nawal Ait Benalla-Lagraa

Kostüme Michelle Amet

Licht Gérard Garchey

Tänzer Abderraouf Bouab, Abdelghani Meslem, Ali Brainis, Bilel Madaci, Mokhtar Boussouf, Nassim

Feddal, Oussama Kouadria, Bernard Wayack Pambe, Zoubir Yahiaoui

Koproduktion Thalia Theater und Happy New Ears

DIE + WIR = EUROPA, Eine theatralisch-musikalische Begegnung

Deutsch und Estnisch mit deutschen Übertiteln

Am 29. Januar um 20 Uhr im Thalia Theater

Zwei Schauspieler: der eine aus Deutschland, der andere aus Estland. Der deutsche, der die Erfahrung,

kolonisiert und fremdbestimmt zu werden, nicht kennt, der estnische, dessen Land stets kolonisiert wurde: lange von den deutschen Gutsherren, später von den Nationalsozialisten, bald darauf von den Russen. Sie erzählen von ihrer Lebensgeschichte in Gesellschaften, die unterschiedlicher kaum sein können: von Ost und West. Es ist ein Abend, wie es ihn so noch nie gegeben hat: Künstler aus zwei Kulturkreisen – Musiker, Komponisten, Schauspieler – fragen sich, ob da mehr ist als Unterschiedlichkeit. Eine Frage, die umso berechtigter ist, da etliche osteuropäische Länder in der EU, der NATO und im EURORaum mittlerweile unsere Partner sind: Gibt es also weit in der Tiefe einen gemeinsamen europäischen Kulturraum, vielleicht durch die Hanse, nach deren Stadtrecht Tallinn einst gegründet wurde, oder entsteht die neue Gemeinsamkeit aus der World-Musik, aus Jazz und Pop? Zwei bekannte Schauspieler, großartige Musiker und Kompositionen aus beiden Ländern begegnen sich.

Mit den Schauspielern Sebastian Rudolph (Thalia Theater) und Juhan Ulfsack (Von Krahl Theater Tallinn) Mit Werken von Arvo Pärt, Reinhard D. Flender, Wolfgang Rihm, Erkki-Sven Tüür, Jüri Reinvere, Jazz und Pop. Mit Musikern aus Hamburg und Tallin ElbtonalPercussion, XYUS Quartett Tallinn, Nathan Quartett Hamburg, BART Vocalensemble, Antje Steen (Akkordeon), Gabriel Coburger

(Saxophon), Aurélie Namont (Piano)

Rainald Grebe: Volksmusik

Ein musikalischer Abend von und mit Rainald Grebe

Am 30. Januar um 20 Uhr im Thalia Theater

Die Deutschen haben keine Volkslieder, oder? Wenn Deutsche am Lagerfeuer singen wollen, gibt es 1.000 Liedanfänge und vielleicht klappt noch der Refrain. Aber wer kennt schon alle Strophen eines Liedes? Genau diese Situation interessiert den Musiker, Theatermacher und Künstler Rainald Grebe. Hierzulande scheint die Volksliedtradition gebrochen, was sicher mit der Geschichte und den Jahren 1933-45 zu tun hat. Weder „Der Mond ist aufgegangen“, noch das „Ännchen von Tharau“ sind Lieder, die noch im kollektiven Gedächtnis verankert sind. Grebe befragt Menschen aller Altersklassen in Hamburg, um festzustellen, was es noch an alten Weisen gibt, und bringt den „Hamburger Bürgerchor“ auf die Bühne, eine international besetzte Gruppe von Menschen, die einen Blick auf Volksmusik wirft: auf die deutsche und die ihrer unterschiedlichen Herkunftsländer. Gemeinsam mit ihnen und dem „Orchester der Versöhnung“ forscht Grebe nach Situationen, in denen heute gemeinsam gesungen wird. Die Reise führt in Fußballstadien, nach Mallorca bis hin zu Sehnsuchtsorten auf dem Land und ergibt einen Musiktheater-Abend, der Popkonzert, Singakademie und Liedertafel vereint und fröhlich Abhilfe gegen die Liedleere schafft, mit gewohntem Grebe-Humor und einer Prise Melancholie auf der Suche nach musikalischer Heimat.

Regie und Komposition Rainald Grebe

Bühne Jürgen Lier

Kostüme Kristina Böcher

Dramaturgie Beate Heine, Natalie Lazar

Chorleitung Jens-Karsten Stoll

Musiker Marcus Baumgart, Martin Brauer, Jens-Karsten Stoll

Unter Mitwirkung von Hamburger Bürgerchor, Sophie Altmann, Georgianna Avramidis, Buri Batmaz, Uwe Behrmann, Majana Cory, Vanessa Derkum , Minou Djalili, María Fernández Rodríguez, Katerina Hibbe, Besnik Isufi, Julia Kossmann, Joss Loner , Annelen Middendorf, Franziska Schwidom, Alexandr Solomonov, Lene Strindberg sowie Schreichor (per Einspielung) Sandra Flubacher, Julian Greis, Franziska Hartmann, Thomas Niehaus, Gabriela Maria Schmeide, Tilo Werner und Fußball-Vorsänger (per Einspielung) Johannes Liebnau

Gastspiel Theater Freiburg

Koproduktion mit dem Theater Oberhausen und dem Goethe-Institut

Uraufführung: Gottes kleiner Krieger, Bollywood-Musical nach Kiran Nagarkar

Am 31. Januar um 19 Uhr im Thalia Theater (Einführung um 18.30 Uhr)

Kiran Nagarkar, einer der wichtigsten zeitgenössischen Autoren Indiens, hat eine Geschichte über Extremismus und religiösen Fanatismus geschrieben, die von zwei ungleichen Brüdern erzählt. Amanat, ein selbstzerstörerischer Zweifler, hat stets Verständnis für die Fehlerhaftigkeit und Unbeständigkeit des Menschen. Zia hingegen, schon als Kind ein mathematisches Genie, hält sich für auserwählt, die islamische Welt zu vereinigen. Er entwickelt sich zu einem hochmodernen extremistischen Charakter, der mit seinen Aktienspekulationen radikale religiöse Organisationen finanziert. Nach dem Versuch, Salman Rushdie zu töten, wird Zia zum Mudschaheddin, später konvertiert er zum christlich-fundamentalistischen Abtreibungsgegner und Trappistenmönch. Sein Weg führt über die Kontinente von Indien nach England, in die USA, nach Kashmir und Afghanistan, wobei er mehrfach die Religionen wechselt. Die Regisseure Jarg Pataki und Viola Hasselberg haben Nagarkas Roman als Bollywood-Musical inszeniert und damit das berühmte indische Kinoformat auf die deutsche Stadttheaterbühne geholt. In einem ereignisreichen Spektakel erzählen sie vom Terrorismus als gemeinsamem Problem einer Welt, in der das Religiöse eine unheilvolle Zuspitzung durchläuft.

Regie/Dramaturgie Jarg Pataki, Viola Hasselberg

Choreografie Aakash Odedra, Subash Gorania

Bühne Simeon Meier

Kostüme Sabina Moncys

Licht Markus Bönzli

Komposition und Musikalische Leitung Ravi Srinivasan, Thomas Seher Ton Klaus Fritz, Jonas Gottschall Video Katarina Eckolt

Ensemble André Benndorff, Marie Bonnet, Johanna Eiworth, Hendrik Heutmann, Ben Daniel Jöhnk, Holger Kunkel, Melanie Lüninghöner, Martin Weigel Tänzer Subash Gorania, Aakash Odedra Musiker Sebastian Flaig, Henrike Ross, Thomas Seher, Ravi Srinivasan, Ralf Tonding, Gilbert Trefzger Sängerin Lini Gong sowie ein Bewegungschor

Lesung und Gespräch

Kooperation mit der Akademie der Weltreligionen der Universität Hamburg

Lange Nacht der Weltreligionen – Sehnsucht & Stachel der Mystik

Am 1. Februar um 18 Uhr im Thalia Theater

Mystik ist Erfahrung, die die Grenzen des Rationalen, des Alltags und der hiesigen Welt überschreitet. Der Weg, den die nach Weisheit und Transzendenz Suchenden gehen, ist in vielen Religionen mit Askese und Meditation verbunden. Mystische Texte erzählen von irdischer und himmlischer Liebe, Licht und Dunkel, Ekstase und Gelassenheit, Wissen und Nicht-Wissen, Verschmelzung von Subjekt und Objekt, aber auch von Widerstand oder Rebellion gegen die Welt, wie sie ist. Widersprüche und Paradoxien sind Begleiter der Mystik. Mystik als das Geheimnisvolle hat in einer rational begründeten Welt vermeintlich keinen Raum. Aber das Thema Mystik boomt – in Religion, Gesellschaft, Wissenschaft, Philosophie. Worin liegt die Faszination der Mystik in unserer heutigen Zeit, in der nicht Ich-Entsagung, sondern Subjekt und Eigeninteressen herrschende Paradigmen sind? Die 5. Lange Nacht der Weltreligionen zeigt ein Prisma mystischer Texte aus den Traditionen des Alevitentum, Buddhismus, Christentum, Daoismus, Hinduismus, Islam und Judentum und greift aus unterschiedlicher religiöser und wissenschaftlicher Perspektive aktuelle Diskussionen auf. Bereits zum dritten Mal führt das Thalia Theater in der Zusammenarbeit mit der Akademie der Weltreligionen Schulprojekte durch. Eine Präsentation der beteiligten Gruppen findet ab 17.30 Uhr zur Langen Nacht statt.

Leitung Dorothea Grießbach, Beate Heine

Szenische Einrichtung Julia Jost

Moderation Joachim Lux, Prof. Dr. Wolfram Weiße

Mitwirkende aus Religionen und Wissenschaft, u.a. Prof. Dr. Ursula Günther, Prof. Dr. Ephraim Meir, Prof. Dr. Abdulkarim Soroush, Prof. Dr. Annette Wilke sowie SchauspielerInnen des Thalia Ensembles

Gastspiel Nationaltheater China (NTC)

Leben! nach dem Roman von Yu Hua, Chinesisch mit deutschen Übertiteln

Am 3. und 4. Februar um 20 Uhr im Thalia Theater (Einführungen jeweils um 19.30 Uhr) China. Ein Land, über das wir täglich in den Zeitungen lesen und dessen Kultur für uns Europäer bis heute oft unverständlich ist. Ob sich das nach einem Theaterabend ändern wird? Auf jeden Fall ist es interessant, wie angriffslustig bis zynisch und humorvoll Yu Hua, einer der bedeutendsten chinesischen Dichter der Gegenwart, sein eigenes Volk beschreibt. Wenn Fu Gui, dessen Name übersetzt „Der Glückliche“ bedeutet, erst im Spiel und dann im Leben sein Glück verliert. Wenn er Hof und Äcker verspielt, zum Tagelöhner wird und schließlich beim Kampf gegen die Rote Armee in Kriegsgefangenschaft gerät. Dann wird der Blick frei auf ein fremdes China und das unermessliche Leid einer Millionenbevölkerung in den Jahren des Bürgerkriegs, der kommunistischen Machtergreifung, der Kulturrevolution, und bietet uns einen sehr persönlichen Einblick in die jüngere chinesische Nationalgeschichte. Die Lessingtage setzen mit diesem Gastspiel ihren kulturellen Austausch mit China fort. Meng Jinghui entstammt Chinas jüngerer Regiegeneration und hat mit seinem 24-köpfigen Ensemble einen bilderreichen Abend inszeniert. Er leitet das Beijing Beehive Theater und das Beijing Fringe Festival, bei dem das Thalia Theater unlängst mit „Tschick“ zu Gast war. Nach der Vorstellung am 4. Februar findet ein Gespräch mit Meng Jinghui und dem Ensemble statt.

Regie Meng Jinghui

Bühne Zhang Wu

Ensemble Huang Bo (als Fu Gui), Yuan Quan (als Jia Zhen)

Lesung mit Musik und Fotografien

Ilija Trojanow: Wo Orpheus begraben liegt

Am 5. Februar um 20 Uhr im Thalia Theater (Mittelrangfoyer)

Dem Thalia Theater ist Ilija Trojanow, Autor des „Weltensammlers“, seit längerem verbunden. Mit „Die

Welt ist groß und Rettung lauert überall“ hat es 2008 in der Gaußstraße eröffnet, und seine „Rede zu

einer Kosmopolitischen Kultur“ stand am Anfang der ersten Lessingtage 2010.

Jetzt, 2014, entführt uns Trojanow mit Texten und Bildern aus seinem neuesten Buch „Wo Orpheus

begraben liegt“ ins Land seiner Kindheit, nach Bulgarien. Dabei folgt er der Spur des Orpheus, der im

alten Thrakien lebte, und seiner Mutter, der Muse Kalliope, bis in die Gegenwart. Jahrelang reisten

Trojanow und Fotograf Christian Muhrbeck in diese fremde Welt am Rande Europas zwischen archaischer Kultur und postsozialistischem Alltag. „Kein Land nimmt man so genau unter die Lupe wie

die verlorene Heimat“, so Trojanow. Entstanden ist eine ganz besondere Reisebeschreibung, eine

poetische Reportage, den Menschen abgelauscht, denen der Autor im heutigen Bulgarien begegnet ist.

Im Anschluss an die Lesung findet ein Gespräch mit Ilija Trojanow und Joachim Lux statt.

Gastspiel Akram Khan Company

DESH von und mit Akram Khan, Englisch mit deutschen Übertiteln

Am 7. und 8. Februar um 20 Uhr im Thalia Theater

Akram Khan ist ein Grenzgänger zwischen den Künsten und Kulturen. In einem umwerfenden Solo

erzählt der in London aufgewachsene Choreograf, Tänzer und Performer vom Land seiner bengalischen

Vorfahren, das er selbst erst als Erwachsener kennengelernt hat. Das Wort „Desh“ entstammt dem

Sanskrit und bedeutet Land, Nation, Heimat. An diesem Abend aus persönlichen Erinnerungen, Träumen

und überlieferten Mythen, wechselt Khan unzählige Male die Rollen und erzählt in einer Ansammlung

von Begegnungen, was ihm, der selbst von der asiatischen wie europäischen Kultur geprägt ist,

Bangladesch heute bedeutet. In den aufwendigen Bühnenräumen des Künstlers Tim Yip (Oscar für die

Ausstattung von „Crouching Tiger, Hidden Dragon“) performt sich Khan durch ein Land, das einerseits

durch seinen technologischen Fortschritt, andererseits durch seine weit verbreitete Armut geprägt ist.

Akram Khan hat früh den nordindischen Tanzstil des Kathak erlernt und in der Vermischung mit

zeitgenössischem europäischem Tanz seinen unverwechselbaren Stil gefunden. Er arbeitet häufig mit

namhaften Künstlern zusammen und hat u.a. in Peter Brooks „Mahabharata“ mitgespielt, im Duett mit

Juliette Binoche getanzt und die Eröffnung der Olympischen Sommerspiele in London 2012 choreografiert.

Regie, Choreografie und Darstellung Akram Khan

Bühne Tim Yip Musikkomposition Jocelyn Pook

Licht Michael Hulls

Nach einer Idee von Karthika Nair and Akram Khan

Autor Karthika Nair, PolarBear and Akram Khan Dramaturgie Ruth Little

Sound Design Nicolas Faure Video Sander Loonen

Preisverleihung

Eine Veranstaltung der Kulturbehörde Hamburg in Zusammenarbeit mit dem Thalia Theater

Lessing-Preis 2013

Am 9. Februar um11 Uhr im Thalia Theater

Der Lessingpreis ist einer der ältesten und renommiertesten deutschen Kulturpreise. 1929 wurde er zum ersten Mal zum 200. Geburtstag von Gotthold Ephraim Lessing vom Senat der Freien und Hansestadt Hamburg verliehen. Seitdem geht er alle vier Jahre an bedeutende publizierende Persönlichkeiten. Zu den bisherigen Preisträgern gehören u. a. Hans Henny Jahnn, Walter Jens, Hannah Arendt, Max Horkheimer und Jan Philipp Reemtsma. 2009 erhielt zuletzt Klaus Harpprecht den mit 10.000 Euro dotierten Preis. Außerdem vergibt die Stadt das mit 5.000 Euro dotierte Stipendium des Lessing-Preises an herausragende Nachwuchsautoren. Die beiden Preisträger 2013 stehen noch nicht fest. Die Jury, diesmal zusammengesetzt aus Alexander Fest (Verleger), Ulrich Greiner (deutscher Journalist und Literaturkritiker), Ulla Hahn (Schriftstellerin), Joachim Lux (Intendant Thalia Theater) und Birgit Recki (Professorin für Philosophie an der Universität Hamburg), wird die diesjährigen Preisträger auswählen. Kultursenatorin Prof. Barbara Kisseler wird die Preise am 9. Februar 2014 zum zweiten Mal während der Lessingtage im Thalia Theater verleihen. Das musikalische Rahmenprogramm wird von der Hamburger Komponistin Gloria Bruni gestaltet. Die Hamburger Symphoniker werden Auszüge aus ihrer Symphonie spielen, welche Lessings ,„Ringparabel“ zur Grundlage hat.

Eintritt frei. Zählkarten erforderlich. Karten 040. 32 81 44 44 / www.thalia-theater.de

LESSINGTAGE 2014 im Thalia in der Gaußstraße

Gastspiel Maxim Gorki Theater Berlin

Uraufführung: Der Russe ist einer, der Birken liebtm von Olga Grjasnowa

Am 26. Januar um 19 Uhr und am 27. Januar um 20 Uhr im Thalia in der Gaußstraße

Mascha Kogan ist Deutsche, Jüdin, Aserbaidschanerin, wenn nötig auch Russin oder Türkin, sie beherrscht fünf Sprachen fließend und spricht ein paar weitere. Mascha lebt mit ihrem Freund Elias in

einer deutschen Großstadt und hat viele Freunde, die wie sie aus anderen Ländern nach Deutschland

gekommen sind. Ihre Geschichte erzählt, wie es ist, Einwanderer in Deutschland zu sein, und davon,

warum eine Familie Mitte der 90er aus dem aserbaidschanischen Baku nach Deutschland ausgewandert

ist. Sie erzählt, was passiert, wenn man sich heute auf die Suche nach der eigenen (inter-)kulturellen

Identität begibt, welche Traumatisierungen hinter einer solchen Biografie verborgen liegen können. Die israelische Regisseurin Yael Ronen hat schon einige Male im deutschsprachigen Raum inszeniert und

sich mit religiösen wie kulturellen Identitäten beschäftigt. Bereits 2010 war sie mit „Dritte Generation“ zu den Lessingtagen eingeladen. Derzeit arbeitet sie am Maxim Gorki Theater, dem ersten deutschen

Stadttheater, das sich ausschließlich mit dem Zusammenleben der vielfältigen Kulturen beschäftigt. Im Anschluss an die Vorstellung am 27. Januar findet ein Gespräch mit Yael Ronen und dem Ensemble

statt.

Regie Yael Ronen

Bühne Magda Willi

Kostüme Esther Krapiwnikow Video Benjamin Krieg

Dramaturgie Irina Szodruch

Ensemble Mehmet AteSÇĐ, Knut Berger, Anastasia Gubareva, Oritnahmias, Tim Porath, Dimitrij Schaad, Thomas Wodianka

Klassenzimmerstück

Uraufführung: Spiel Zigeunistan von Christine Richers, ab 14 Jahren

Uraufführung am 27. Januar um 19 Uhr und am 29. Januar um 11 und 19 Uhr im Thalia in der

Gaußstraße (Garage)

Das Klassenzimmer ist besetzt – von einem jungen Mann, der seine Zuschauer einlädt auf einen Trip in

seine Welt. Er spielt Gitarre, erzählt von seinem Leben, nimmt den Raum für sich ein. Vor allem aber

konfrontiert er die Zuschauer mit dem Blick auf sich, auf den scheinbar „Fremden“; denn er ist ein Sinto

aus Hamburg. Er will mit seinen Zuschauern ins Gespräch kommen: über Klischees, Vorurteile, und vor

allem über seine eigene Identität. Er will seine Geschichte erzählen, von seiner Kultur und seiner Heimat – und davon, was es mit dem Begriff „Zigeuner“ auf sich hat. Das biografisch-fiktive Theaterstück, basiert auf Gesprächen mit Angehörigen der Familie Weiss und fragt nach, was hinter den Vorurteilen gegenüber Sinti und Roma steckt. Was hat es auf sich mit den Vorstellungen vom wilden und freien Leben oder den negativen Klischees, die sie an den Rand der Gesellschaft drängen? Wie fühlt sich ein junger Sinto im heutigen Hamburg, was macht seine eigene Identität tatsächlich aus? Als Klassenzimmerstück für Hamburger Schulen inszeniert, hat „Spiel Zigeunistan“ während der Lessingtage in der Gaußstraße Premiere.

Im Anschluss an die Abendvorstellung am 29. Januar findet ein Publikumsgespräch statt.

Regie Anton Krause

Gastspiel Cia. Vértice de Theatero

Produziert mit Unterstützung von Programa Cultural Petrobrás, Brasilien

JULIA nach Fräulein Julie von August Strindberg, Portugiesisch mit deutschen Übertiteln

Am 30. und 31. Januar um 20 Uhr im Thalia in der Gaußstraße

Julia, jung, weiß, reich, verwöhnt und schön, verführt den schwarzen ebenfalls jungen Chauffeur ihres

Vaters, bis die Anziehung zum Verhängnis wird. Christiane Jatahy, eine der innovativsten Theaterschaffenden Brasiliens, schafft an diesem Theaterabend einen unglaublichen Ritt durch die

dunklen Zeiten gescheiterter Interkulturalität. Jatahy adaptiert „Fräulein Julie“ von August Strindberg für die Gegenwart und verortet die Story in einem reichen Vorort von Rio de Janeiro. In Brasilien, das bis 1888 eine Drehscheibe des Sklavenhandels war, ist ein latenter Rassismus in den Hierarchien zwischen Schwarzen und Weißen bis heute spürbar. Der Zuschauer, der dicht vor der Bühne sitzt, die hier ein Filmset ist, wird unmittelbar Zeuge dieser bedrückenden Liebesgeschichte, die paparazzigleich von einem Mann mit seiner Kamera festgehalten und auf große Leinwände projiziert wird. In berührenden wie heftigen Bildern wird hier an die noch immer nicht aufgearbeiteten Folgen des Kolonialismus erinnert. Bei Shakespeare kann die Liebe – wenn auch im Tod endend – die Standesgrenzen besiegen, nicht jedoch bei Strindberg, und auch nicht bei Jatahy. „JULIA“ war u.a. zu den Wiener Festwochen und zum Kunstenfestivaldesarts in Brüssel eingeladen.

Regie Christiane Jatahy

Bühne Marcelo Lipiani, Christiane Jatahy

Licht Renato Machado, David Pacheco

Kostüme Angele Fróes

Musik Rodrigo Marçal

Fotografie David Pacheco

Live Kamera Paulo Camacho

Ensemble Julia Bernat, Rodrigo dos Santos Ensemble Film Tatiana Tiburcio

Im Anschluss an die Vorstellung am 31. Januar findet ein Gespräch mit Christiane Jatahy und dem

Ensemble statt.

Gastspiel Blind Summit Theatre

THE TABLE von Blind Summit Theater

Am 1. Februar um 15.30 Uhr und 20.30 Uhr im Thalia in der Gaußstraße (Garage)

Am 2. Februar um 19 Uhr im Thalia in der Gaußstraße (Garage)

Am 3. Februar um 20 Uhr im Thalia in der Gaußstraße (Garage)

Mit „The Table “ zeigen die Revolutionäre des Puppentheaters vom Londoner „Blind Summit Theatre“

endlich eine ihrer Arbeiten am Thalia Theater. Und was für eine! Drei Schauspieler erwecken eine kleine

Handpuppe aus Karton und Stoff zum Leben: Verzweifelt, immer nur auf Kindergeburtstagen Märchen

erzählen zu müssen, erscheint ihr der Auftrag einer jüdischen Gesellschaft, die letzten zwölf Stunden des biblischen Moses in Echtzeit nachzuspielen, wie die letzte Rettung. Endlich darf sich der arme Spieler, der seit über 40 Jahren seine Existenz fristen muss, zum wahren Künstler entpuppen. Die kleine Puppe aus Karton und Stoff liefert eine One-Man-Show, die es an Komik, Aberwitz und Artistik in sich hat und uns auf eine Reise durch die Wüste und die fünf Bücher Mose führt. Das „Blind Summit Theatre“, bekannt geworden durch die Zusammenarbeit mit Simon McBurney, stützt sich auf die Form des japanischen Bunraku, einem Figurentheater, das 2005 auf die UNESCO-Liste der Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit aufgenommen wurde. „The Table stellt die Frage, wie und von wem wir uns steuern lassen, und zwar nicht erst dann, wenn Moses fragt: I am just a puppet. What the hell do I know?“ Im Anschluss an die Vorstellung am 2. Februar findet ein Publikumsgespräch mit den Künstlern statt.

Regie Mark Down

Konzept Blind Summit

Mitarbeit Nick Barnes, Sarah Calver, Mark Down, Sean Garratt, Mabel Jones, Irena Stratieva, Ivan Thorley Musik Lemez and Friedel Licht Richard Howell

Künstlerische Beratung Andrew Dawson

Produzent Stephanie Hay

Ensemble Mark Down, Sean Garratt, Irena Stratieva Puppe Nick Barnes

Symposium XVI In Zusammenarbeit mit der Universität Hamburg

Reihe „Theater und Universität im Gespräch“ Lessings Erbe?

Am 2. Februar von 9.30 Uhr bis ca. 17.30 Uhr im Thalia in der Gaußstraße

Lessings „Hamburgische Dramaturgie“ ist ein ambitionierter Versuch, dem Publikum Formen des

europäischen Theaters zu erklären und Kriterien der Beurteilung von Stücken und Inszenierungen an die Hand zu geben. Auch wenn Lessings Vermittlungsversuchen nur mäßiger Erfolg beschieden war, erlebt die von ihm intendierte diskursive Kultur des Theaters in unseren Tagen eine Blütezeit.

Vor diesem Hintergrund geht es bei Theaterfestivals nicht allein um die Präsentation herausragender Inszenierungen, sondern auch um die Überprüfung des gesellschaftlichen Stellenwerts des Theaters. Prominente Experten erörtern, wie es im Sinne eines „immateriellen Weltkulturerbes“ in dieser lebendigen Form erhalten und in seiner Vielfalt weiterentwickelt werden kann.

Ausführliches Programm unter: www.thalia-theater.de/lessingtage2014/symposium

Mit Prof. Dr. Bernhard Jahn ( Universität Hamburg), Dr. Thomas Oberender (Intendant Berline Festspiele), Prof. Barbara Kisseler (Kultursenatorin Hamburg), Prof. Dr. Hans-Thies Lehmann (em. Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt a.M.), Prof. Klaus Zehelein (Präsident des Deutschen

Bühnenvereins; Präsident der Bayerischen Theaterakademie August Everding), Prof. Dr. Ortrud Gutjahr

(Universität Hamburg), Joachim Lux (Intendant Thalia Theater), Beate Heine (Geschäftsführende

Dramaturgin Thalia Theater)

Gastspiel KIAVE UG

Zusammenarbeit mit dem Zehnter Mai e.V. und Büro Achter April

Yossel Rakovers Vendung tsu Got von Zvi Kolitz, In jiddischer Sprache

Am 4. und 5. Februar um 20 Uhr im Thalia in der Gaußstraße (Garage)

Yossel Rakover sitzt auf seiner Bettkante und wendet sich mit letzter Kraft an seinen jüdischen Gott. Er

berichtet aus dem Inneren des Warschauer Ghettos, spricht aus dem Inneren der Seele eines Verfolgten, eines Eingesperrten und Gedemütigten, eines Menschen, der den „Abgrund berührt hat“, der seine kleinen Kinder im Ghetto verloren hat, dessen Kameraden gefallen sind. Es ist der 28. April 1943, die Zeit der endgültigen Niederschlagung des Widerstandes im Warschauer Ghetto, kurz vor Yossel Rakovers Tod. Thalia-Schauspieler Tilo Werner spricht und spielt Yossel Rakover in jiddischer Sprache und erinnert an das Verschwundene. 80 Jahre nach der Bücherverbrennung von vorrangig jüdischer Literatur, wird mit dieser literarischen Fiktion Zeugnis abgelegt von Erlebnissen, für die es (fast) keine Zeugen (mehr) geben kann. Einmalig im Jüdischen Museum in Berlin aufgeführt, wird dieser Monolog für die Lessingtage in der Gaußstraße neu aufgenommen. Im Anschluss an die Vorstellung am 5. Februar findet ein Gespräch mit Arie Zinger, Tilo Werner und Dorothea Greve (Salomo-Birnbaum-Gesellschaft) statt.

Regie Arie Zinger

Videobühnenbild Michael Fragstein, Büro Achter April

Livebild Thomas Nathan, Büro Achter April

Animation Tobias Mahl, Büro Achter April

Kostüm Barbara Naujok Klang FM

Einheit Sprachcoaching Jossif Gofesberg, Dorothea Greve Dramaturgie Daniela Dibelius

Wissenschaftliche Beratung Tobias Korenke, Anna Krewani

Ensemble Tilo Werner

Gastspiel Iaquinandi, S.L.

Koproduktion mit den Wiener Festwochen, Festival d‘Avignon, Odéon-Téâtre de l‘Europe, Festival

d‘Automne à Paris, deSingel Internatioinale Kunstcampus, Le-Parvis Scène Nationale Tarbes Pyrénées

Der ganze Himmel über der Erde (Das Wendy-Syndrom) von Angélica Lidell, Musik Cho Young Wuk

Auf Spanisch, Norwegisch, Mandarin mit deutschen Übertiteln

Am 6. und 7. Februar um 20 Uhr im Thalia in der Gaußstraße

Angélica Liddell, auf internationalen Festivals längst ein fester Gast, ist eine spanische Radikalperformerin, die sich und ihrem Publikum nichts schenkt. Das „Wendy- Syndrom“ verweist auf jene Frauen, die Beziehungen mit Männern führen, die nicht erwachsen werden wollen. Zu Wendy gehört Peter Pan, der Junge aus dem gleichnamigen Märchen. In Liddells Interpretation befindet sich Wendy nicht nur in Peter Pans Neverland, sondern auch auf der norwegischen Insel Utøya,auf der Anders Behring Breivik im Sommer 2011 69 Jugendliche ermordet hat. In einer radikalen Auseinandersetzung mit diesen beiden Welten thematisiert Liddell die Ablehnung jeglicher kultureller Vielfalt und die Entstehung von Gewalt durch den Schmerz, die eigene Jugend verloren zu haben.

Gemeinsam mit fünf Schauspielern, einem koreanischen Komponisten, Straßenwalzertänzern aus

Shanghai und dem Musik-Ensemble Phace aus Wien performt Liddell sich durch einen musikalisch wie sprachlich wuchtigen Abend und schafft ein radikales Gegenprogramm zu Lessings Toleranzidee.

Regie, Text, Ausstattung, Kostüme Angélica Liddell

Musik Cho Young Wuk Übersetzung

Chinesisch/Spanisch Saite Ye

Licht Carlos Marquerie

Ton Antonio Navarro

Technische Leitung Marc Bartoló

Produktion und Logistik Mamen Adeva Executive Produktion Gumersindo Puche Production Iaquinandi,

Ensemble Fabián Augusto Gómez Bohórquez, Xie Guinü, Lola Jiménez, Jenny Kaatz, Angélica Liddell, Sindo Puche, Zhang Qiwen, Saite Ye Musik Ensemble PHACE Chinesische Pipa Xue Ying Dong Wu

Gastspiel Schauspielhaus Bochum

[fi'lo:tas] nach Gotthold Ephraim Lessing

Am 8. Februar um 20 Uhr im Thalia in der Gaußstraße

Auf dem Boden ein quadratischer Teppich aus Staub. Ein junger Mann kniet darauf, kratzt mit den

Fingern Runen in den Staub, in diese merkwürdige Gefühlswüste im Format eines Kinderzimmers. Es ist

die Geschichte von John Walker Lindh, dessen Biografie zunächst im amerikanischen Sinne gewöhnlich

verlief. Er ging auf die Highschool, aufs College. Doch dann der Bruch: Er konvertiert zum Islam, geht

nach Pakistan und findet endlich seine Aufgabe: Er will fürs Vaterland sterben. John Walker Lindh ist

jener Amerikaner, der während des Afghanistan-Krieges für Schlagzeilen sorgte, weil er auf der Seite der Taliban kämpfte. Ein amerikanischer Terrorist. Roger Vontobel, der inzwischen an vielen großen

deutschen und internationalen Häusern arbeitet und zuletzt „Die Nibelungen“ in einer beeindruckenden 5-stündigen Fassung am Schauspielhaus Bochum auf die Bühne brachte, hat mit „[fi‘lo:tas]“ vor zwölf

Jahren sein Regiedebüt am Schauspielhaus Hamburg inszeniert.Die Schauspielerin Jana Schulz, mit der er zahlreiche weitere Inszenierungen erarbeitet hat, war schon damals seine Solodarstellerin. Für die Lessingtage 2014 nehmen sie ihre Interpretation von Lessings Drama, die heute wie damals aktuell ist, zahlreiche Auszeichnungen und Festivaleinladungen erhielt und für beide ihren Durchbruch bedeutete, erneut auf.

Regie Roger Vontobel

Darsteller Jana Schulz

Die vollständige Besetzung folgt.

Im Anschluss Gespräch mit Roger Vontobel und Jana Schulz

Ein gemeinsames Projekt des Thalia Theaters in Kooperation mit der St. Pauli Kirche und der Gruppe

Lampedusa in St. Pauli: Die Gruppe Lampedusa in St. Pauli

Am 9. Februar um 19 Uhr im Thalia in der Gaußstraße

Lampedusa. Der Name einer kleinen Insel im Mittelmeer zwischen Afrika und Europa ist zum geflügelten Wort geworden für Flüchtlingsscharen, die der Not und den Bürgerkriegen in Afrika entfliehen wollen und auf kleinen, völlig überfüllten Booten ihre Odyssee in das rettende Europa wagen. Lampedusa ist zu einer neuen Zerreißprobe für Europa geworden, als im Oktober 2013 erneut hunderte Flüchtlinge bei der Flucht im Mittelmeer starben. Auch in Hamburg halten sich seit Juni 2013 ca. 300 gestrandete Lampedusa-Flüchtlinge auf. 80 von ihnen konnte die St. Pauli Kirche eine Herberge anbieten. Im vergangenen September hat das Ensemble des Thalia Theaters gemeinsam mit den Flüchtlingen Elfriede Jelineks Text „Die Schutzbefohlenen“ in einer Urlesung präsentiert und unterstützt sie seither mit Winterkleidung und sammelt Spenden.

Während der Lessingtage räumt das Thalia Theater den betroffenen Menschen und ihren persönlichen

Geschichten ein Forum ein. Entstehen wird ein Abend der Begegnung zwischen Künstlern des Thalia

Theaters, den Flüchtlingen und dem Publikum. Mit Texten, Musik und afrikanischem Essen. Zudem soll

die aktuelle politische Situation diskutiert werden: Wie kann sich Europa im Dilemma zwischen

Selbstabgrenzung und humanitärem Anspruch verhalten? Die Details zur Veranstaltung entnehmen Sie

bitte der Tagespresse, wir werden auf die aktuelle Situation der Flüchtlinge eingehen.

Im Anschluss findet ein Gespräch mit den Beteiligten statt.

Eintritt frei, Karten 040. 32 81 44 44 / www.thalia-theater.de

LESSINGTAGE 2014 in der Stadt

Deutschlandpremiere

Gastspiel Théâtre Nanterre-Amandiers in Koproduktion mit Traces Théâtre und Napoli Teatro Festival

Eine Nacht im Präsidentenpalast von Jean-Louis Martinelli, ausgehend von der Improvisationsarbeit der Künstlergruppe unter Mitwirkung von Aminata Traoré

Französisch mit deutschen Übertiteln

Am 25. Januar um 20 Uhr und am 26. Januar um 19 Uhr auf [K1], Kampnagel

Der französische Regisseur und Intendant des Théâtre Nanterre-Amandiers in Paris, Jean-Louis Martinelli, ist zum ersten Mal in Hamburg zu Gast. Er beschäftigt sich in seinen Arbeiten regelmäßig mit

dem Kontinent Afrika. Zuletzt hat er in Burkina Faso mit einer Gruppe von Schauspielern gearbeitet, um

anhand von Sissakos Film „Bamako“ einen Theaterabend über die ökonomische Realität Afrikas zu

entwickeln. Entstanden ist ein Blick hinter die Kulissen der Macht: Ein Präsident und die First Lady laden

einen ausländischen Investor in ihre Residenz. Zu dieser Gelegenheit engagieren sie eine Gruppe von

jungen Musikern, um dem Abend mit ihren Liedern Glanz zu geben, der jedoch schnell aus der

vorgesehenen Bahn gerät. Mit den Mitteln der polit-ökonomischen Farce beschreibt Martinelli

Entgleisungen und Exzesse: Schulden, Korruption, Prostitution, strukturelle Anpassung, kulturelle Scheinprojekte, die Schwierigkeiten eines postkolonialen Kontinents. Lachen wir also zusammen, um

besser verstehen und uns auflehnen zu können. Im Anschluss an die Vorstellung am 26. Januar findet ein Gespräch mit Jean-Louis Martinelli und dem Ensemble statt.

Regie Jean-Louis Martinelli

Musik Ray Léma

Musiker Bil Aka Kora

Ensemble Malou Christiane Bambara, Jeanette Gomis, K. Urbain Guiguemde, Nongodo Ouedraogo, Nicolas Pirson, Odile Sankara, Moussa Sanou, Blandine Yameogo

Eintritt 26 Euro / ermäßigt 12 Euro

Kooperation mit der Hamburger Kunsthalle, Szenische Lesung im Rahmen der Ausstellungen

Eva Hesse. One More than One Gego. Line as Object Eva Hesse / Gego: Lebenslinien

Am 28. Januar und 4. Februar um 20 Uhr im Hubertus-Wald-Forum, Hamburger Kunsthalle

Gemeinsam haben die beiden Künstlerinnen Eva Hesse (1936 – 1970) und Gertrud Goldschmidt (1912 –

1994), genannt Gego die gemeinsame Heimatstadt Hamburg, in der sie zur Zeit des Nationalsozialismus

aufwachsen. Von Hamburg führen die biografischen Linien der jüdischen Frauen nach New York und

Caracas, Venezuela. Das Werk beider Künstlerinnen ist geprägt von einem neuen Verständnis von Skulptur, von der Verwendung unkonventioneller Materialien und Formen. Hesse wie Gego beschäftigten sich mit der Abweichung, dem Chaospotential in den Strukturen von Ordnung und Wiederholung. Inwiefern beider jüdische Herkunft und der Verlust der Heimat Spuren im Werk hinterlassen haben, lässt sich nur vermuten. Die szenische Lesung zeichnet, basierend auf biografischem Material wie Tagebüchern, Briefen und Interviews, Lebenslinien und künstlerische Ansätze von Eva Hesse und Gego nach.

Leitung Christine Ratka

Ensemble Franziska Hartmann, Karin Neuhäuser

LESSINGTAGE 2014 im Nachtasyl

Konzert: Ada

Am 25. Januar um 23 Uhr in der Theaterbar Nachtasyl

Ja, es geschehen noch Musikmärchen. Eine unwiderstehliche Süße von Pop, Sentimentalität und

Schwermut mischen sich in den Songs von Ada, die weit mehr als nur Ausdruck eines Gefühls ist. Das

ist es, was sich über die Jahre zum Sound gewordenen Markenzeichen der Sängerin und Produzentin

entwickelt hat, das Identität stiftet und ihrem Schaffen den Zusammenhalt gibt. Dabei bilden Songwriting und elektronische Tanzmusik die Pole ihres Klangspektrums, in dem auch natürliche Instrumente nicht um ihre Existenzberechtigung kämpfen müssen. Dies verleiht ihren Songs eine neuartige Fülle und Wärme, gerade darin liegt ihr besonderer Reiz.

Konzert: Phia

Am 30. Januar um 22 Uhr in der Theaterbar Nachtasyl

Phia singt mit eindringlich schöner Stimme und spielt Kalimba, ein traditionelles, afrikanisches

Instrument. Die eigenwillig kurzen Klänge verdichtet sie dank Loop Recorder zu einem vielschichtigen

Klangkosmos. Ursprünglich aus Australien, zog sie 2011 nach Berlin und tauchte in die DIY/Folk/Electronic-Musikszene ein. Mit ihrer neuen Heimat als Basis, spielte sie in den vergangenen zwei Jahren über 100 Konzerte, darunter auch auf großen Festivals, wie dem diesjährigen Fusion Festival.

Wir sind gespannt auf die Perfektion, mit der sie das Kalimba spielt, loopt und sampelt und so aus ihrer

Stimme und diesem kleinen Instrument eine ganze Band erklingen lässt.

Lesung und Gespräch

Ermöglicht durch die Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte und die Initiative „Künstler für

Menschenrechte“ - Ein Abend über mutige Frauen: Rosa Yassin Hassan

Am 2. Februar um 20 Uhr in der Theaterbar Nachtasyl

Ein Aufbruch sollte es werden, ein Regimewechsel, aus der Diktatur sollte eine Demokratie entstehen –

das waren die Träume einer jungen Generation in den arabischen Ländern, auch in Syrien. Aus der

Massenbewegung gegen das syrische Assad-Regime ist stattdessen ein blutiger Bürgerkrieg geworden.

Rosa Yassin Hassan, eine der wichtigsten syrischen Schriftstellerinnen und Frauenaktivistinnen, wurde mit ihrem Blog „Tagebuch der syrischen Revolution“ (auszugsweise veröffentlicht in der FAZ) zu einer

schonungslosen Chronistin des Assad-Systems und zunehmend auch der bewaffneten Opposition. Wegen ihres Engagements für Menschenrechte und die Demokratiebewegung wurde sie vom syrischen

Geheimdienst bedroht und musste ihr Land verlassen. An diesem Abend liest sie auf Arabisch aus ihrem

jüngsten Roman „Wächter der Lüfte“, der von Menschen und deren Familien erzählt, die durch politische

Haft gebrochen werden. Thalia-Schauspielerin Alicia Aumüller wird die deutsche Übersetzung lesen.

Im Anschluss an die Lesung spricht die Autorin u.a. über die aktuelle Situation in Syrien sowie über ihre

Aktivitäten gegen ein totalitäres Regime, das seit den Aufständen des Arabischen Frühlings 2011 eine

neue Dimension erreicht hat. Rosa Yassin Hassan und ihre Familie stehen unter dem Schutz der

Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte.

Konzert

Me Succeeds

Am 6. Februar um 21 Uhr in der Theaterbar Nachtasyl

Genregrenzen brauchen „Me Succeeds“ nicht mehr niederzureißen, das haben sie schon längst getan. Mit der bezaubernd klaren Stimme vom Mona Steinwidder und allerlei analogem Instrumentarium, verbinden sie Gitarren und Synthesizer, verschlungene Melodien und kleinteilige Loops zu dem, was die Idee von Jugend verspricht: Euphorie und Rückhaltlosigkeit, doch ebenso den Mut zu Zweifel und Melancholie. In ihren dahingehauchten musikalischen Zeichnungen verbreiten sie eine Atmosphäre von dezenter Sportlichkeit. In den Texten steckt die Enge der Vorstadt und die Unüberschaubarkeit Hamburgs, in der Musik das Spiel zwischen der warmen, weiblichen Stimme Monas und kühlem Techno.

Konzert: Clarence + Napoleon

Am 8. Februar um 22 Uhr in der Theaterbar Nachtasyl

Clarence + Napoleon sind Anna Bauer und Arne Straube. Ihre gemeinsamen internationalen Wurzeln und Einflüsse haben sie in ihrem Studium an der Hamburger Popakademie nach jahrelangem Sound-Gefrickel perfektioniert. Mit Synthesizer, Orgel, Streicher und Drum-Computer haben sie einen Sound geschaffen, der Wünsche und Sehnsüchte erfüllt, die man vorher gar nicht kannte. Mit wenigen Worten und zuckersüßer Stimme sorgen sie für vielschichtigen Pop, der in letzter Konsequenz von Swen Meyer (Tim Bendzko, Kettcar und Tomte) in kühlem Dancefloor-Sound und warmen Songs mit Folk-Einflüssen

produziert wurde. Wir freuen uns auf eine der talentiertesten Hamburger Newcomer-Bands!

LESSINGTAGE 2014 – Die Thalia Pfadfinder

Die vierte Generation - Thalia Pfadfinder, ein Programm im Rahmen von Thalia International

Das Programm läuft vom 5. November bis zum 14. Januar

Der Festivalblog „Lessingtagebuch“ wird während der Lessingtage vom 25. Januar bis 9. Februar

auf der Thalia-Homepage entstehen und ist unter www.thalia-theater.de zu lesen Thalia Pfadfinder ist ein 2010 gegründetes Projekt, das diese Spielzeit zum vierten Mal 18- bis 30jährige HamburgerInnen mit Zuwanderungsgeschichte einlädt, ihre eigene und damit längst die multikulturelle Realität der Stadt mit hinter die Kulissen des Thalia Theaters zu bringen. Von November bis Januar sehen und erleben die jungen Menschen zeitgenössisches Theater, auch in diesem Jahr in der Auseinandersetzung mit einem „Klassiker“ des europäischen Theaterkanons: „Der Jedermann“. In sieben Sessions erarbeiten die Pfadfinder in intensiven Workshops mit ausgewählten Theaterfachleuten die Geschichte um den Jedermann, das mittelalterliche Mysterienspiel und seine Entstehung – in der Literatur, auf der europäischen Theaterbühne und in seiner aktuellen Salzburgisch- Hamburgischen Umsetzung als „Konzert-Performance“ in der Inszenierung von Bastian Kraft. Debatten mit Regisseuren, Dramaturgen, Darstellern und vielen mehr macht die Thalia Pfadfinder 4G zu Theaterexperten – über alle Kulturen hinweg! Die Pfadfinder werden zu Autoren – und verarbeiten ihre Eindrücke im Lessingtageblog: Die Thalia-Website www.thalia-theater.de/lessingtagebuch wird zur Plattform einer interkulturellen Generation in der Auseinandersetzung mit Theater – und der Vielfalt der modernen deutschen Gesellschaft. Das Projekt wird von der Rudolf Augstein Stiftung gefördert. Das Programm richtet sich an Menschen mit Migrationsgeschichte zwischen 18 und 30 Jahren, die Interesse am Theater und Schreiben mitbringen.

LESSINGTAGE 2014 – Stadtführungen

Die Rundgänge werden durchgeführt von dem Stadtführer Michael Grill.

Stadtführung 1: Lessing und das Nationaltheater zwischen gestern und heute

Am 26. Januar um 11 Uhr, am 2. Februar um 15 Uhr sowie am 9. Februar um 11 Uhr

Treffpunkt: Vor dem Thalia Theater

Auf dem Weg zum Gänsemarkt erfahren Sie von Hamburgs Theatergeschichte, Hamburger Zeiten der

Aufklärung, Lessings Freundeskreis und vom Theaterexperiment „Nationaltheater“.

Stadtführung 2: Lessing und die Aufklärung in Altona

Am 29. Januar und 2. Februar um 11 Uhr sowie am 9. Februar um 15 Uhr

Treffpunkt: Apotheke an der Ecke Holstenstraße/Königstraße

Altona erblickte schon früh das Licht der Aufklärung – nicht ganz unbeteiligt daran: Lessing und sein

Freund Johann Friedrich Struensee. Dank ihm und seinem Arztfreund Hartog Gerson wurde auch die

arme und jüdische Bevölkerung mit medizinischer Hilfe versorgt. Die gelegentlichen Treffen der drei und ihr fruchtbarer Austausch entwickelten ein neues Denken. Wir erinnern auch an Altonas reiches

Theaterleben.

Stadtführung 3: Mit Lessing durch die Speicherstadt

Am 26. Januar um 15 Uhr sowie am 5. Februar um 11 Uhr, Treffpunkt: Katharinenkirche (Turmportal)

Vor dem Bau der Speicherstadt lebten auf Brook und Wandrahmen über 20.000 Menschen – einer von

ihnen war Gotthold Ephraim Lessing. Auch Johann Melchior Goeze lebte hier, der streitbarer Hauptpastor

der Katharinenkirche, der sich mit Lessing und mit anderen Hamburger Literaten überwarf. Was führte

eigentlich zu dem Zerwürfnis?

Karten nur im Vorverkauf an der Thalia Tageskasse

LESSINGTAGE 2014 – Thalia Treffpunkt/Thalia und Schule

Inszenierungen, Performances, Präsentationen

Kunstinstallation

Transit – Einwandern. Auswandern. Wer? Wohin? Von wo? Und warum? Eine Kunstaktion von und mit Hamburger Schülergruppen, Ausstellungseröffnung am 25. Januar um 18 Uhr

Ausstellung vom 25. Januar bis 9. Februar im Mittelrangfoyer des Thalia Theaters

Kinder und Jugendliche recherchieren in ihren eigenen Familien Ein- oder Auswanderungsgeschichten

und gestalten dazu mit Texten, Skizzen, Collagen und Fotos eine große, gemeinsame Kunst-Installation.

Konzept Ute Radler; Herbert Enge, Anne Katrin Klinge, Eintritt frei

Outdoor-Performance: Parcours der Wünsche

Eine Stadt-Performance zwischen Thalia Theater und Lessing-Denkmal am Gänsemarkt

Am 27. Januar um 16.30 Uhr, Treffpunkt vor dem Thalia Theater

Hamburger Schüler werden Wunsch-Postkarten an Gotthold Ephraim Lessing schreiben. Es sind ihre

Wünsche an das Zusammenleben der verschiedenen Kulturen in unserer Stadt. Bei der Performance geben die Jugendlichen ihre Wünsche dann Satz für Satz von einem zum anderen weiter, bis sie – angekommen auf dem Gänsemarkt – das Lessing-Denkmal schmücken.

Konzept Herbert Enge

Eintritt frei

Schulprojekt der Weltreligionen

Videos und Performances

Am 1. Februar um 17.30 Uhr an verschiedenen Orten im Thalia Theater

Bereits zum dritten Mal führt das Thalia Theater in Zusammenarbeit mit der Akademie der

Weltreligionen Schulprojekte durch. Diesmal beschäftigen sich die Schülerinnen und Schüler

unterschiedlicher Altersklassen und kultureller sowie religiöser Herkunft mit dem Thema „Mystik“. Die

Präsentation der Ergebnisse findet im Rahmen der „Langen Nacht“

Leitung Mia Panther

Klassenzimmerstück

Chica Chica von Maarten Bakker

Ab Klasse 7

Schülervorstellungen am 3. Februar um 10 und 12 Uhr sowie um 19 Uhr im Thalia in der

Gaußstraße (Garage)

Tess und Imra, beide 15, kommen neu in die Klasse. Tess ist Deutsche, hat ein loses Mundwerk und einen Freund. Imra ist Türkin, trägt ein Kopftuch und hat eine eigene Meinung. Schnell geraten sie in Streit: über die Kopftuchfrage, über Jungs, über Ausgrenzung, über Glauben und über den ersten Sex. Dabei kommen sich die beiden trotz aller Unterschiede immer näher...

Nach den Vorstellungen finden Nachgespräche statt.

Regie Susanne Schwarz

Ensemble Nisan Arikan und Alena Oellerich

Präsentation: Ein Projekt des Thalia Treffpunkts und des Jugendmigrationsdienstes des CJD

Gott und die Welt und ich

Am 7. Februar um 19 Uhr im Thalia in der Gaußstraße (Garage)

Jugendliche Zugewanderte entwickeln gemeinsam einen neuen Blick auf „Gott und die Welt“, auf die

Vielfalt der Großstadt Hamburg und auf sich selbst darin. Sie lassen sich von Fragen nach ihrem

kulturellen „Vorher“ und ihrem „Jetzt“ bewegen und versuchen dabei, sich ihrer religiösen Identität zu

nähern. Bei den Jugendlichen handelt es sich um Schülerinnen und Schüler ab 15 Jahre. Sie kommen aus Afghanistan, Südamerika und Afrika.

Leitung Kirsten Sass

Regie Altamasch Noor

Projektberatung Herbert Enge, Anton Krause

Für alle Veranstaltungen

Karten 040. 32 81 44 44 / www.thalia-theater.de

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