"Josef und Maria" von Peter Turrini im Theater Heidelberg

Premiere 21.11.2018, 20.30 Uhr, Galeria Kaufhof am Bismarckplatz

Josef und Maria treffen sich am Weihnachtsabend. Die Geschichte spielt allerdings nicht im Stall in Bethlehem sondern in einem Kaufhaus, statt dem Jesuskind hat einer eine Schnapsflasche im Arm. Fabian Appelshäuser inszeniert Peter Turrinis „Josef und Maria“ in der ehemaligen Unterführung am Bismarckplatz
25348

In Peter Turrinis „Josef und Maria“ treten nicht die biblischen Gestalten auf, sondern Josef Pribil, Nachtwächter in besagtem Kaufhaus, sowie Maria Patzak, Reinigungskraft. Maria, die von ihrem Sohn vom Weihnachtsessen ausgeladen wurde, und Josef, der Letzte der Genossen, der von seinen Parteifreunden zum Zeitungsverkauf abgeschoben worden ist, wollten eigentlich nur eines: der organisierten weihnachtlichen Nächstenliebe aus dem Weg gehen. Doch auf ihrer Flucht vor dem besinnlichen Beisammensein treffen die beiden aufeinander.

Abgesehen davon, dass beide in Rente sind und sich mit den Gelegenheitsjobs ihren Lebensunterhalt aufbessern, haben sie nicht viel gemeinsam. Während Maria völlig unpolitisch ist, in ihrer Jugend von einer Karriere als Tänzerin träumte und Hitlers Ideen nicht abgeneigt war, hat Josef sich als überzeugter Kommunist die Weltrevolution erhofft. Und doch gibt es Gemeinsamkeiten im Privatleben der beiden. Maria und Josef konnten ihre Jugendträume nicht verwirklichen. Beide haben niemanden, mit dem sie den Weihnachtsabend verbringen wollen. Zuerst noch zögerlich, doch dann - mit der Hilfe einer Flasche Weinbrand - werden sie immer ausgelassener und feiern ihr eigenes Fest. Am 24.12 feiern sie eine Party auf das Leben, auf das Altsein und auch auf die Einsamkeit.

Der Spielort für dieses Stück von Peter Turini ist in Heidelberg mehr als ungewöhnlich. Die Wände der ehemaligen Unterführung am Bismarckplatz sprechen ihre eigene Sprache. Einiges muss da bereits stattgefunden haben. Neben Symbolen und politischen Statements finden sich Liebesbekundungen und sinnlose Wandschmierereien. Der Tunnel wurde 1968 eröffnet und sollte eigentlich einen verkehrsfreien Verbindungsweg zwischen den Kaufhäusern Horten und Woolworth, später auch zur Hauptstraße, bilden. Doch stadtpolitische Verwerfungen und allgemeine Verwahrlosung ließen ihn zu einem „Angstraum“ (Bernd Fuchs, langjähriger Polizeichef Heidelbergs) werden. Alle diese Kriterien führten zur Schließung des Tunnels 1986. 

Nun hat nach jahrzehnter langer Pause das Publikum die Möglichkeit, diese Unterführung - als Theaterspielort genutzt - zu erleben. Sie widersprüchlich wie die Geschichten, die sich dort offenbar abgespielt haben, so widersprüchlich sind auch die beiden Figuren mit ihren Schicksalen, gespielt von Christina Rubruck und Olaf Weißenberg, die dort aufeinandertreffen und sich dann doch annähern.

Peter Turrini ist ein österreichischer Schriftsteller. Er ist bekannt für seine gesellschaftskritischen und, vor allem in seinen frühen Werken, provokanten Volksstücke. Er wurde 1944 in Sankt Margarethen (Österreich) geboren. Er verfasste u. a. Theater - und Volksstücke, Drehbücher, TV-Filme, Libretti, Aufsätze u. v. m. Bekannt wurde er u. a. durch die „Minderleister“, „Alpensaga“, „Rozznjagd“, „Sauschlachten“ … Auch erhielt er zahlreiche Auszeichnungen für seine Arbeiten.   

Regie Fabian Appelshäuser
    Ausstattung Julia Tyrakowska
    Dramaturgie Antonia Leitgeb

Maria Patzak Christina Rubruck
Josef Pribil Olaf Weißenberg

 Einlass ab 20.00 Uhr, Galeria Kaufhof Bismarckplatz Eingang links | Ecke Sophienstr.

Eine Kooperation zwischen dem Theater und Orchester Heidelberg, dem Galeria Kaufhof am Bismarkplatz sowie der DINEA Café & Restaurant am Bismarckplatz
 

Weitere Artikel