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LESSINGTAGE 2015 im Thalia Theater Hamburg

vom 24.Januar bis 8.Februar 2015. -----

Ob bei den Bürgerbewegungen in Hongkong, den Protesten auf dem Taksim-Platz in Istanbul oder dem Maidan in der Ukraine - die Welt ist in Aufruhr. Deswegen hat das Thalia Theater den berühmten Soziologen Richard Sennett („Verfall und Ende des öffentlichen Lebens“, „Der flexible Mensch“) eingeladen, in der Eröffnungsrede zu den Lessingtagen 2015 über den Begriff Aufruhr als Zustand unserer Gegenwart und zentralen Begriff des Festivals zu sprechen, das dieses Jahr vom 24.1.-8.2. stattfindet.

 

Einige der insgesamt 13 eingeladenen Produktionen dürften aus den vergangenen vier Lessingtagen bereits bekannt sein: Ein besonderes Highlight ist die Produktion Bernstein des chinesischen Starregisseurs Meng Jinghui, der letztes Jahr mit seiner Inszenierung von „Leben!“ das Publikum jenseits aller kulturellen Grenzen tief berührt hat. Aber auch neue Künstler wie das dänische Regie-Duo Fix&Foxy, der Schweizer Performancekünstler Christophe Meierhans oder die Autorin Natal’ya Vorozhbit und der Regisseur Andriy May, die ihre Erlebnisse bei den Protesten in der Ukraine in den Maidan Tagbüchern verarbeitet haben, sind dieses Jahr zu sehen.

 

Zwei dem Thalia eng verbundene Regisseure werden bei den Lessingtagen gezeigt: Johan Simons, dessen „Deutschstunde“ gerade Premiere gefeiert hat, wird mit Elfriede Jelineks Das schweigende Mädchen die Lessingtage eröffnen, der leitende Regisseur Luk Perceval mit einer Macbeth-Inszenierung aus St. Petersburg das Festival schließen. Ferner werden zwei Thalia-Premieren während der Lessingtage stattfinden: Eine mikroökonomische Weltgeschichte, getanzt von Pascal Rambert und Éric Méchoulan sowie die Premiere unseres Ring-Projekts NIBELUNGEN! Der ganze Ring in der Regie des neuen Hausregisseurs Antú Romero Nunes.

 

Das Theater kann die politischen Zustände nicht erklären, aber es kann vom Menschen erzählen und Menschen zusammenbringen. Wir freuen uns, Sie bei den Lessingtagen begrüßen zu dürfen.

 

Das Programm:

 

Thalia Theater

 

Aufruhr, Eröffnungsrede von Richard Sennett, in englischer Sprache mit deutscher Übersetzung

Am 25. Januar um 11 Uhr im Thalia Theater.

Die Lessingtage werden in jedem Jahr von bedeutenden Persönlichkeiten der interkulturellen Gesellschaft eröffnet. So waren in den letzten Jahren Ilija Trojanow, Navid Kermani, Liao Yiwu und Auma Obama im Thalia Theater zu Gast. In diesem Jahr wird der amerikanische Soziologe Richard Sennett das Festival mit einer programmatischen Rede zum Begriff des Aufruhrs als Phänomen unserer Zeit eröffnen. Richard Sennett, in Chicago geboren, lehrt Soziologie und Geschichte in New York und London. Seine hochaktuellen Gesellschaftsanalysen sind international viel beachtet und werden weit über die Grenzen der Soziologie hinaus rezipiert. In seinen zugänglichen Schriften hat er sich in den letzten Jahren vor allem den modernen Lebenssituationen des Menschen und ihren Auswirkungen auf dessen emotionalen Zustand gewidmet. Die urbane Großstadt und die in ihr regierenden Gesetze der Arbeitswelt, die zunehmend von neuen Dimensionen des Kapitalismus geprägt ist, erscheint hier als Biotop der Isolation, Ohnmacht und Orientierungslosigkeit des Einzelnen. Im Thalia Theater wird der 71-jährige Kultursoziologe, Philosoph und Autor zum ersten Mal über den Zustand des Aufruhrs als

gesellschaftliches Phänomen sprechen und ihn abgeleitet von Nietzsches Theorien bis heute

weiterdenken.

Eintritt frei, Zählkarten erforderlich (erhältlich ab 1. Dezember an der Tageskasse des Thalia Theaters)

 

Gastspiel Münchner Kammerspiele:

"Das schweigende Mädchen" von Elfriede Jelinek

Am 24. Januar um 20 Uhr und am 25. Januar um 19 Uhr im Thalia Theater

Weil nicht mehr geleugnet werden kann, dass die rechtsextreme Terrorzelle„Nationalsozialistischer

Untergrund“ über 13 Jahre im Geheimen gemordet hat, läuft seit Mai 2013 der sogenannte NSU-Prozess

in München. Die Provokation der Hauptangeklagten Beate Zschäpe, sich mit keinem Wort zu den

Vorfällen zu äußern, nimmt die österreichische Autorin Elfriede Jelinek an und setzt dem Schweigen mit

bekannter gedanklicher Schärfe, wortreich verspielt und anspielungsreich ein ausuferndes Textkonvolut

entgegen, das Regisseur Johan Simons mit Schauspielern der Münchner Kammerspiele in einen beeindruckend dichten und fesselnden Abend verwandelt hat. Simons zeigt einen Gerichtssaal, der zum

Jüngsten Gericht wird, die Geschichte der Zwickauer Zelle wird zur Antithese der biblischen

Heilsgeschichte. Jelinek seziert Facetten der Schuldfrage und wagt – zwischen Prozessprotokollen,

Medienberichten und literarischen Referenzen – tiefe Blicke ins Unbewusste der deutschen Seele.

Johan Simons, der am Thalia Theater vor Kurzem „Deutschstunde“ von Siegfried Lenz inszeniert hat,

zeigt in seiner Münchner Inszenierung die neuen Ausmaße des Rechtsextremismus in Deutschland auf

und bildet damit den Auftakt zu den Lessingtagen 2015.

Im Anschluss an die Vorstellung am 25. Januar findet ein Gespräch mit Johan Simons, Alexander

Hoffmann (Rechtsanwalt und Nebenklagevertreter im NSU-Prozess) und dem Ensemble statt.

Moderation: Ruth Heynen.

Regie Johan Simons Bühne Muriel Gerstner Kostüme Klaus Bruns Musik Sachiko Hara, Gertrud

Schilde, Salewski Ensemble Benny Claessens, Steffan Hunstein, Steven Scharf, Hans Kremer, Risto

Kübar, Wiebke Paulmann, Thomas Schmauser

 

Thalia Theater

Premiere: "Eine (mikro)ökonomische Weltgeschichte", getanzt von Pascal Rambert und Éric Méchoulan

Am 26. Januar um 20 Uhr im Thalia Theater

Das Ende der Krise wird nicht kommen – aber das verschweigen Wirtschaftsexperten gern, wenn es

darum geht, Laien zu erklären, wann es mit der Wirtschaft wieder bergauf geht. Denn die Krise wirkt als

innerste Triebfeder der kapitalistischen Ökonomie. Um zu erforschen, wie sehr wirtschaftliches Denken

unseren Alltag bestimmt, waren drei Jahre lang Einwohner der Pariser Vorstadt zu Schreibworkshops

eingeladen. Aus persönlichen Texten über die Angst vor der Krise entwickelte der französische

Theaterkünstler Pascal Rambert mit dem Wirtschaftsphilosophen Éric Méchoulan einen Theaterabend, an dem die Bürger ihre Texte vortragen und Einblicke in unterschiedlichste ökonomische Systeme geben. Rambert inszenierte das Stück bereits an verschiedenen Theatern in Frankreich und Japan. Nun lädt er 40 HamburgerInnen ein, Koautoren zu werden: Beamte, Künstler, Arbeitslose und Wissenschaftler bilden für einen Abend eine Gruppe von Gleichen und fordern einen anderen Umgang mit den Wirtschaftssystemen und deren Krisen. Pascal Rambert, einer der innovativsten Theaterkünstler Frankreichs, arbeitet als Autor, Regisseur und Choreograf mittlerweile auf der ganzen Welt.

Regie Pascal Rambert Ausstattung Pascal Rambert Choreografie Pascal Rambert Chorleitung Karin

Pawolka Dramaturgie Susanne Meister Ensemble Franziska Hartmann, Johanna Link, Marie Löcker,

Daniel Lommatzsch, Maria Magdalena Wardzinska sowie 40 Hamburger Bürger und ein Chor

 

Thalia Theater

"Nathan der Weise" von Gotthold Ephraim Lessing

Mit dem Sekundärdrama „Abraumhalde“ von Elfriede Jelinek

Am 27. Januar um 20 Uhr zum letzten Mal im Thalia Theater

Nathan überlebt ein Feuer, in dem seine Frau und die gemeinsamen Kinder sterben. Er nimmt sich einer

Ziehtochter an; Recha, eine Christin, die er wie ein eigenes Kind aufzieht, obwohl es Christen waren, die sein Haus niederbrannten. Er kann überwinden, dass die Geschichte stets wiederkehrt, dass Gleiches sich stets mit Gleichem vergilt.

In Nicolas Stemanns Inszenierung prallt die Koryphäe der Aufklärung auf ein enfant terrible der Gegenwart – die Utopie der Versöhnung im Lessingschen Original wird mit dem Text „Abraumhalde“

von Elfriede Jelinek gebrochen und stellt die Hoffnung, die Idee der Toleranz könne stärker sein als Gier

und Eitelkeit, auf beklemmende Weise in Frage. Lessings mittlerweile über 230 Jahre alter Text wird

dadurch neu zum Klingen gebracht und bekommt durch Jelineks „Abraumhalde“ ein Gegengewicht –

denn es herrschen Zweifel an der Utopie: Gibt es sie, die Selbstüberwindung des Menschen? Kann es sie geben, in Zeiten immer wieder überkochender Ausbrüche von Gewalt zwischen den Religionen?

Regie Nicolas Stemann Bühne Katrin Nottrodt Kostüme Marysol del Castillo Musik Thomas Kürstner und Sebastian Vogel Video Claudia Lehmann Dramaturgie Benjamin von Blomberg Ensemble Christoph Bantzer, Philipp Hochmair, Felix Knopp, Barbara Nüsse, Sebastian Rudolph, Birte Schnöink, Cathérine Seifert, Patrycia Ziolkowska

 

Thalia Theater

Uraufführung:

"Die Schutzbefohlenen" von Elfriede Jelinek, Mit englischen Übertiteln

Am 28. Januar um 20 Uhr im Thalia Theater

Seit mehr als 20 Jahren waren nicht mehr so viele Menschen auf der Flucht nach Europa, vor Kriegen,

Elend und Not. Schließlich hat die italienische Regierung veranlasst, dass Kriegsschiffe zu Rettungsbooten wurden. Schnellboote und Schiffe, die ursprünglich Fremde und Feinde von den Küsten

Europas fernhalten sollten, nahmen nun Menschen auf, die versuchten, nach Europa zu gelangen. Bis

August 2014 hat die „Marina militare“ fast 80.000 afrikanische Flüchtlinge aufgenommen. Aufgaben, die

diese Flüchtlingsströme mit sich bringen, sind ungelöst. Weder europäische Regierungen noch die

Bevölkerung sind bereit, den Status der Komfortzone aufzugeben. Lampedusa Hamburg und Berlin sind

Gruppen afrikanischer Flüchtlinge, die in Italien strandeten und von den dortigen Behörden in den Norden geschickt wurden. Doch sie wollen sich mit dem Status bloßer Duldung nicht abfinden und sind

Aktivisten geworden, die sich in Demonstrationen, Pressekonferenzen, Kirchenbesetzungen und anderen Aktionen artikulieren. Elfriede Jelinek hat ihren Text jenen gewidmet, die an Europa scheitern. Nicolas Stemanns Inszenierung aktiviert alle unlösbaren Fragen, die ein stellvertretendes Sprechen für Flüchtlinge durch europäische Schauspieler aufwirft.

Im Anschluss findet ein Gespräch mit Wolfgang Bauer (Redakteur Die Zeit, angefragt), Katharina Fegebank (Landesvorsitzende Die Grünen Hamburg), Dietrich Wersich (Fraktionsvorsitzender CDU Hamburg), Andreas Dressel (Hamburgische Bürgerschaft, SPD) statt.

Regie Nicolas Stemann Bühne Nicolas Stemann Kostüme Katrin Wolfermann Musik Daniel Regenberg,

Nicolas Stemann Live-Musik Daniel Regenberg Video Claudia Lehmann Dramaturgie Stefanie Carp

Ensemble Thelma Buabeng, Ernest Allan Hausmann, Felix Knopp, Isaac Lokolong, Daniel Lommatzsch,

Barbara Nüsse, Dennis Roberts, Sebastian Rudolph und ein Flüchtlingschor

 

Gastspiel Beijing Young Dramatists Association

Europapremiere "Bernstein" von Liao Yimei, Chinesisch mit deutschen Übertiteln

Am 29. und 30. Januar um 20 Uhr im Thalia Theater (Einführung um 19.30 Uhr)

Der chinesische Regisseur Meng Jinghui ist in seiner Heimat ein Star und besonders vom jüngeren Publikum sehr geliebt. Seine Arbeiten sind durch ihre gesellschaftlichen Auseinandersetzungen mit seiner Kultur weit über Chinas Landesgrenzen hinaus bekannt. In „Bernstein“ zeigt er anhand einer merkwürdig skurrilen und durchaus romantischen Liebesgeschichte, wie soziale Medien falsche Idole erschaffen und auch wieder zerstören können. Die Geschichte eines dekadenten Schurken, der sich für den größten Verführer aller Zeiten hält, verselbständigt sich, als ihm ein fremdes Herz implantiert wird. Kurz darauf wird er von einer Frau aufgesucht, die noch einmal das Herz ihres verstorbenen Verlobten hören will. Es ist ihr Glaube an die Liebe, der sie die zynische kalte Seite dieses Mannes ertragen und sie nicht aufgeben lässt, an die Liebesfähigkeit seines neuen Herzens zu glauben. Als multimediales Spektakel, das zwischen Melodram, Komödie, realistischen Szenen wie poetischen Bildern, Tanz, Musik und Videoräumen wechselt, schafft Meng Jinghui einen berührenden wie satirischen Kommentar auf die moderne chinesische Gesellschaft und setzt so die Zusammenarbeit mit dem Thalia Theater nach seinem beeindruckenden Gastspiel „Leben!“ des letzten Jahres fort. Im Anschluss an die Vorstellung am 30. Januar findet ein Gespräch mit Meng Jinghui und dem Ensemble statt. Moderation: Stefan Christ.

Regie Meng Jinghui Bühne Zhang Wu Kostüme Yu Lei und Jnby und Croquis Multimedia Feng

Jiangzhou Ensemble Zhang Gongchang, Luo Huan, Lv Jing, Zhang Jue, Liu Shuang, Lin Tianyuan, Liu

Wen, Kong Yan, Zhang Yicheng, Sun Yucheng, Li Zhihao, Yang Zuofu

Gefördert von Referat Internationaler Kulturaustausch der Kulturbehörde Hamburg und dem

Kulturministerium der VR China.

 

Thalia Theater

Premiere "Nibelungen! Der ganze Ring" nach Richard Wagner, Friedrich Hebbel und Altvätern

Am 31. Januar um 15 Uhr im Thalia Theater (Einführung um 14:30)

Edda/Rheingold/Walküre/Siegfried/Götterdämmerung/ Kriemhilds Rache: Die Nibelungensage reicht bis

in das Mittelalter zurück und dient noch heute dem amerikanischen Fernsehen und Kino, anhand von

mythologischen Figuren wie Drachen, Zwergen und Riesen, Themen von Gier und Macht zu verhandeln.

Ebenso inspiriert vom Reichtum der Geschichten waren auch Richard Wagner und Friedrich Hebbel, als

sie im 19. Jahrhundert Adaptionen für die Opern- und Schauspielbühne schrieben. Antú Romero Nunes,

Hausregisseur am Thalia Theater, greift nun sämtliche Vorlagen des Stoffs auf und spannt einen Bogen von den Anfängen der Zivilisation bis zu ihrem Untergang. Von der Götterwelt spinnen sich die Geschichten fort bis zu den immer komplexeren Geschehnissen am Burgunderhof. In dieser Welt, die von Mord, Verrat und Betrug regiert ist, muss leiden, wer liebt. Nun ist die komplette Sage um Göttervater Wotan, dessen Tochter Brünnhilde, den Zwerg Alberich, Drachentöter Siegfried, Hagen von Tronje, König Gunther, dessen Schwester Kriemhild und all die anderen zum ersten Mal im Ganzen zu erleben, und zeigt, wie der Schmerz der Demütigung Rachelust und Weltkriege entstehen lässt. In jeder Pause gibt es Rheingold-Suppe, warme Speisen, Snacks oder Überlebenstüte (Energieriegel,

Sandwich, Getränk). In der großen Pause im Theaterrestaurant Weltbühne: Rheingoldmenü (Hauptgang und Dessert). Nur mit Reservierung unter 040.30 39 32 50 oder reservierung@weltbühne.net.

Regie Antú Romero Nunes Ausstattung Matthias Koch Musik Johannes Hofmann Dramaturgie Sandra

Küpper Ensemble Rheingold Walküre Marina Galic, Lisa Hagmeister, Peter Jordan, Daniel Lommatzsch, Thomas Niehaus, Bärbel Schwarz, Cathérine Seifert, Alexander Simon, André Szymanski

Ensemble Siegfried/Götterdämmerung Marina Galic, Philipp Hochmair, Thomas Niehaus, Barbara

Nüsse, Cathérine Seifert, Alexander Simon, Rafael Stachowiak, André Szymanski

 

Lesung/Gespräch

Lange Nacht der Weltreligionen – Religion und Gewalt

Kooperation mit der Akademie der Weltreligionen der Universität Hamburg

Am 1. Februar um 18 Uhr im Thalia Theater

Religion und Gewalt. Ein Begriffspaar sorgt für mediale Aufmerksamkeit, sei es im Zusammenhang

aktueller Konflikte wie beispielsweise in Nahost oder religiös motivierter Radikalisierung Jugendlicher

hierzulande. Religion und Gewalt. Stereotype Verknüpfungen wie Christentum und Kreuzzüge, Islam und Djihad, Judentum und militanter Zionismus werden für die abrahamischen Religionen bemüht. Ebenso stereotyp werden Buddhismus oder Hinduismus als friedliche, gewaltentsagende Religionen dargestellt. Was steht dahinter? Die Erklärungen sind kontrovers: Keine Religion ruft von sich aus auf zur Gewalt, sagen die einen. Den abrahamischen Religionen ist Gewalt immanent, meinen die anderen. Religionen werden in Konflikten instrumentalisiert, jede Gewalthandlung birgt eine Botschaft oder das Verhältnis zwischen Gewalt und Religion ist zu komplex, um eine Deutung gelten zu lassen, lauten weitere Positionen. Was steht eigentlich in den Schriften der Religionen; wie können die Texte heute gedeutet werden; welche Gegenentwürfe bieten sie an? Die Lange Nacht der Weltreligionen stellt Texte aus den unterschiedlichen Religionen vor.

 

Die Schulprojekte der Weltreligionen präsentieren sich in einer Videoinstallation im Eingangsfoyer ab

17.30 Uhr.

Konzept und Dramaturgie Dorothea Grießbach, Beate Heine Szenische Lesung Julia Jost Ausstattung Ute Radler Moderation Joachim Lux, Prof. Dr. Wolfram Weiße. Mit SchauspielerInnen des Thalia-

Ensembles sowie Mitwirkenden aus Wissenschaft und Religion u.a. Prof. Dr. Ulrich Dehn, Bernhard

Effertz, Prof. Dr. Hans G. Kippenberg, Prof. Dr. Fedor Kozyrev, Imamin Halima Krausen, Prof. Dr.

Elisabeth Naurath, Oliver Petersen, Prof. Dr. Rolf Verleger, Vivian Wendt, Dr. Mustafa Yoldas Musik Sven Kacirek, Miki Yui u.a.

 

Gastspiel Proton Theatre, Budapest

"Dementia" von Kornél Mundruczó und Kata Wéber, Ungarisch mit deutschen Übertiteln

Am 3. Februar um 20 Uhr im Thalia Theater

Im Theater wie im Kino greift der ungarische Regisseur Kornél Mundruczó die Ungereimtheiten politischer Machenschaften seiner Heimat offensiv an. In Cannes ist er für seinen neuesten Film „White

God“ gleich preisgekrönt worden. Und auch im Theater bleibt er nicht stumm: „Wir entfliehen dem Kerker des Bewusstseins und betreten das Universum der Leere“, wird in „Dementia“ pointiert die

gegenwärtige Situation Ungarns mit dem Zustand von Demenzpatienten verglichen. Mundruczó ist damit

nach einigen erfolgreichen Theaterarbeiten im Ausland wieder in seine Heimat Budapest zurückgekehrt.

Als Teil einer Trilogie, die sich dem Thema Selbstmord sowie dem Genre der Operette verpflichtet, liegt

„Dementia“ eine wahre Begebenheit zugrunde: Von heute auf morgen wird eine Klinik von einem

Investor aufgekauft. Arzt, Krankenschwester und Patienten sollen gehen. Aber wohin? In beeindruckenden, humorvollen bis zynischen, hyperrealistischen Bildern zeigt Mundruczó gemeinsam mit seinem grandiosen Ensemble, wie eine kleine Gemeinschaft der Übriggebliebenen dem drohenden

Vergessen einer ignoranten Gesellschaft trotzt. Mit diesem Gastspiel ist Kornél Mundruczó, der bereits

zweimal am Thalia Theater inszeniert hat, erneut in Hamburg zu sehen. Im Anschluss findet ein Gespräch mit Kornél Mundruczó, Attila Mong (Journalist und Aktivist der ungarischen Pressefreiheit) und dem Ensemble statt.

Regie Kornél Mundruczó Bühne und Kostüme Márton Ágh Ensemble Gergo Bánki, László Katona,

Annamária Láng, Lili Monori, Ervin Nagy, Roland Rába, Balázs Temesvári, Orsi Tóth, Kata Wéber

Eine Koproduktion mit HAU Berlin, Théâtre National de Bordeaux, HELLERAU European Center for

the Arts, Trafó House of Contemporary Art, Festival De Keuze/Rotterdamse Schouwburg, Noorderzon

Performing Arts Festival, SPIELART München, Festival Automne en Normandie, Maria Matos Teatro

Municipal, Künstlerhaus Mousonturm, Kunstenfestivaldesarts.

 

Gastspiel Compagnie La Baraka, Lyon

Deutschlandpremiere "El Djoudour (Roots)" von Abou Lagraa

Am 5. und 6. Februar um 20 Uhr im Thalia Theater

Bereits im letzten Jahr war Abou Lagraa mit seiner Arbeit „Nya“ während der Lessingtage zu Gast. Mit

Breakdancern, die seiner neu gegründeten Tanzcompagnie aus Algerien angehören, schenkte er Hamburg damit einen fesselnden Tanzabend. Abou Lagraa, Kind algerischer und ägyptischer Eltern, ist in Frankreich geboren, wo er begonnen hat, als Tänzer und Choreograf zu arbeiten. Inzwischen sucht er in seinen Arbeiten immer häufiger nach Brücken zwischen der europäischen und der afrikanischen Kultur. In „El Djoudour“, seiner jüngsten Arbeit, die übersetzt „Wurzeln“ bedeutet, untersucht er zusammen mit 14 algerischen und französischen Tänzern die Rolle des menschlichen Körpers in der muslimischen Kultur. In einer Mischung aus Zartheit, Bescheidenheit und Respekt vor der Privatheit des Körpers einerseits und einer Frustration über die Trennung der männlichen und weiblichen Körper im öffentlichen Raum andererseits, erzählt Lagraa einen ungeheuren Bogen der menschlichen Beziehungen. Entstanden ist ein poetischer Abend, der mal zart und mal kraftvoll die Körper sprechen lässt. „El Djoudour“ ist während der Lessingtage zum ersten Mal in Deutschland zu sehen. Im Anschluss an die Vorstellung am 6. Februar findet ein Gespräch mit Abou Lagraa und dem Ensemble statt.

Regie und Bühne Abou Lagraa Ensemble Ali Brainis, Sarah Cerneaux, Nassim Feddal, Jocelyn Laurent,

Oussama Kouadria, Bilel Madaci, Marion Renoux, Fanny Sage, Féroz Sahoulamide, Tanné Uddén,

Angela Vanoni, Bernard Wayack Pambe, Zoubir Yahiaoui

 

Gastspiel Baltic House Festival Theatre, St. Petersburg

"Macbeth" von William Shakespeare Russisch mit deutschen Übertiteln

Am 7. Februar um 20 Uhr im Thalia Theater

Im Frühjahr 2014 spitzen sich in Kiew die Proteste gegen Präsident Janukowitsch zu. Währenddessen

probt Thalia- Regisseur Luk Perceval mit seinem Ensemble aus russischen und ukrainischen Schauspielern in St. Petersburg „Macbeth“. Rund um die Premiere Ende Mai eskalieren in der Ukraine die Gefechte zwischen prorussischen Separatisten und ukrainischen Soldaten. In einer Revolte gegen den König, die der schottische Feldherr Macbeth blutig niedergeschlagen hat, war zwischen Freund und Feind kaum mehr zu unterscheiden. So mischen sich in die Euphorie des Sieges dunkle Gedanken, die ihn in ein Spiel des Wahnsinns treiben: Verführerische Hexen erscheinen ihm und begrüßen ihn als künftigen König. Angetrieben von seiner Frau geht er bis zum Äußersten und räumt seine Konkurrenten aus dem Weg. So findet das Morden kein Ende. In der Petersburger Inszenierung spielt der ukrainische Schauspieler Leonid Alimov den Macbeth nicht als skrupellosen Machtpolitiker, vielmehr quält diesen Macbeth die Erinnerung an seine Taten, so dass zunehmend Angst und Selbstzweifel sein Handeln bestimmen. In eindringlichen Bildern, inspiriert von den barocken Gemälden der Eremitage, zeigt Perceval die Sinnlosigkeit der Gewaltspirale. Annette Kurz erhielt für ihr Bühnenbild den „Golden Sofit“-Preis. Um 19.15 Uhr findet ein Gespräch mit Luk Perceval und Marina Koreneva statt. Gefördert von Referat Internationaler Kulturaustausch der Kulturbehörde Hamburg.

Regie Luk Perceval Musik Pavel Mikheev Bühne Anette Kurz Kostüme Irina Rjabow Ensemble Leonid

Alimov, Anna Budanova, Evgenia Chetvertkova, Anatolii Dubanov, Yurii Elagin, Dmitrii Girev, Yulia

Gorbatenko, Elena Karpova, Natalia Kolesnichenko, Alexander Muravitskii, Yulia Rudina, Maria Shulga,

Natalia Zhestovskaya, 3 Kinder

 

Datscha-Projekt Abschlussparty

Am 7. Februar ab 22 Uhr im Thalia Theater (Bühne)

Zum großen Festivalfinale auf der Bühne des Thalia Theaters – im Anschluss an die Vorstellung von „Macbeth“ aus St. Petersburg. Das Datscha-Projekt, bestehend aus DJ’s mit Visuals, bietet mit osteuropäischer Tanzmusik von Ska und Polka hin zu Ethno-Punk zum gemeinsamen Finale alles auf.

Eintritt frei

 

*****

 

LESSINGTAGE 2015 im Thalia in der Gaußstraße

 

Gastspiel Schauspiel Köln

"Die Lücke" von Nuran David Calis

Am 25. Januar um 19 Uhr und am 26. Januar um 20 Uhr im Thalia in der Gaußstraße

Vor 10 Jahren wurden in der türkisch geprägten Kölner Keupstraße 18 Menschen Ziel eines feigen

Anschlages durch eine Nagelbombe – sie wurden zum Teil schwer verletzt, zahlreiche ihrer Geschäfte

zerstört. Verübt wurde der Anschlag vom rechtsterroristischen Nationalsozialistischen Untergrund (NSU), doch Polizei und Politik schlossen sieben Jahre lang einen fremdenfeindlichen Hintergrund der Tat aus. Stattdessen rückten die Anwohner selbst ins Zentrum der Ermittlungen und die eigentlichen Opfer wurden als Täter verdächtigt. Tiefer hätte man eine Gemeinschaft nicht erschüttern können. Auch Hamburg hat Taten des NSU zu beklagen; Süleyman Tas, köprü wurde 2001 im Laden seines Vaters mit drei Schüssen ermordet. Er war 31 und Vater einer dreijährigen Tochter.

Autor, Regisseur und Filmemacher Nuran David Calis hat sich ein Jahr lang in der Kölner Keupstraße

immer wieder mit Anwohnern und Geschäftsleuten unterhalten. Entstanden ist ein Bild der Keupstraße

aus der Sicht derer, die dort leben – erzählt von ihnen selbst. Denn die Gesprächspartner aus der

Keupstraße stehen gemeinsam mit Schauspielern auf der Bühne. In hintersinnigen Passagen entsteht ein Stück, das aus verschiedenen Perspektiven vom Fremdsein und vom schwierigen Ankommen in der

Mehrheitsgesellschaft erzählt. In der Kölner Inszenierung werden die Zuschauer durch die Keupstraße

geführt.

15 Minuten vor Vorstellungsbeginn wird im Ballsaal ein einführender Film zur Keupstraße präsentiert.

Im Anschluss an die Vorstellung am 26. Januar findet ein Gespräch mit Nuran David Calis, Gül Pinar

(Nebenklagevertreterin im NSU Prozess) und dem Ensemble statt. Moderation: Ruth Heynen.

Regie Nuran David Calis Bühne Anne Ehrlich Kostüme Amelie von Bülow Musik Vivan Bhatti Video

Sterntaler Film Ensemble Simon Kirsch, Thomas Müller, Annika Schilling, Ismet Büyük, Ayfer Sentürk

Demir, Kutlu Yurtseven

 

Thalia Theater

"Die lächerliche Finsternis" von Wolfram Lotz

Am 27. Januar um 20 Uhr im Thalia in der Gaußstraße

„Nach Francis Ford Conrads ‚Herz der Apokalypse’“ überschreibt der 33-jährige Wolfram Lotz sein

jüngstes Stück „Die lächerliche Finsternis“ und macht deutlich, dass er seine Vorbilder kennt: 1899 schuf Joseph Conrad unter Einfluss des britischen Kolonialismus die Erzählung „Herz der Finsternis“, die

Vorlage für den Vietnam-Kriegsfilm von Francis Ford Coppola wurde: „Apocalypse Now“. Auch bei Lotz reisen zwei Bundeswehrsoldaten in die Tiefen des Dschungels. Sie gelangen dabei u.a. in ein Blauhelmlager, in dessen Schutz sich Eingeborene vor den Übergriffen der Taliban befinden und Rohstoffe für die weltweite Handyproduktion abbauen. Doch ohne Internet und Fernsehen geht der Krieg an ihnen vorbei. Orientierungslos sitzen sie mitten im Krisengebiet. Vom Chaos globaler Konflikte

überschattet, führt die Reise ins eigene Unbewusste, in die eigene Finsternis, in Schlund und Anus der

Globalisierung. Lotz, Nachwuchsautor des Jahres 2011, kreiert eine Sprache, die die Grenzen zwischen

realer Wahrnehmung und Fiktion aufhebt und so die Simultaneität unserer heutigen Welt greifbar macht.

Regie Christopher Rüping Bühne Jonathan Mertz Kostüme Lene Schwind Musik Camill Jammal

Dramaturgie Andreas Langkamp Ensemble Julian Greis, Pascal Houdus, Camill Jammal, Peter

Maertens, Nicki von Tempelhoff

 

Gastspiel Theater Bremen Junge Akteure

"Kinder | Soldaten" von Gernot Grünewald

Am 27., 28. und am 29. Januar jeweils um 19 Uhr im Thalia in der Gaußstraße (Garage)

Wie entsteht Gewalt? Und was hat das Thema Kindersoldaten mit uns zu tun? Ausgehend von Interviews

mit nach Deutschland geflüchteten Kindersoldaten hat Regisseur Gernot Grünewald einen Abend entwickelt, der unter die Haut geht. In mehrmonatiger Probenzeit hat er sich mit einer Gruppe Bremer

Kinder und Jugendlicher mit der fernen Lebensrealität afrikanischer Jugendlicher vertraut gemacht, die in unterschiedlichsten Kriegen als Kindersoldaten missbraucht wurden. In der beeindruckenden Aufführung stehen nun Bremer Kinder als Stellvertreter Gleichaltriger aus Afrika auf der Bühne und lassen den Zuschauer miterleben, wie Kinder zu Opfern werden, indem man sie zu Tätern macht. Aufwühlende Einzelschicksale bekommen durch die jungen Darsteller, die sie hier in Deutschland verkörpern, ein konkretes Gesicht, einen konkreten Namen, eine konkrete Stimme. Gernot Grünewald lotet in seinem Theaterabend die Ähnlichkeiten der Jugendlichen hier und in Afrika ebenso aus wie die gravierenden Unterschiede, denn möglicherweise hören die deutschen und afrikanischen Jugendlichen sogar dieselbe Musik, doch ihre Lebenserfahrungen sind völlig andere. Gernot Grünewald ist Preisträger des Körber Studios Junge Regie 2011. Im Anschluss an die Vorstellung am 27. Januar findet ein Gespräch mit Gernot Grünewald und dem Ensemble statt. Moderation: Ruth Heynen.

Regie Gernot Grünewald Bühne und Kostüme Michael Köpke Dramaturgie Sabrina Bohl Ensemble

Cosi Beez, Luis Nowotny, Lilly Rose Barshy, Noah Jonatan Kappe, Carla Anna Njine, Thorge Just, Edin

Imeri, Fanny Hilken, Jeanne Catherine Köster, Matti Faust, Paul Bünger, Hannah Aulepp, Rene Rönitz,

Rieke Klaßen, Ben Klee, Paris Phillip Deuter, Jamie Lee Barban

 

Gastspiel NTGent

"Afrika" von Peter Verhelst, Flämisch mit deutschen Übertiteln

Am 28. und 29. Januar um 20 Uhr im Thalia in der Gaußstraße

Oscar van Rompay hat zwei Leben: Zusätzlich zu seinem Leben als Schauspieler in Belgien betreibt er

eine kleine Baumplantage in Kenia, d.h. in der einen Hälfte des Jahres lebt er in Europa, in der anderen in Afrika. Als Schauspieler hat er bisher Terroristen, Kinder, Farmer oder Mörder gespielt, in dem

autobiografischen Monolog „Afrika“ spielt er nun seine bisher wohl schwierigste Rolle: sich selbst. Als Unternehmer aus dem Westen, der in Kenia versucht, seinen Platz zu finden, erzählt er gleichzeitig die universelle Geschichte eines Menschen, der auf der Suche nach einem Platz ist, in einer Gesellschaft, die ihm fremd ist. Es ist eine Geschichte der Sehnsucht, Projektionen und Ängste. Regisseur und Autor

Peter Verhelst führt das Publikum hinein in die Illusion, um sie vor dessen Augen zerplatzen zu lassen –

denn Afrika wie die Theaterbühne sind Orte projizierter Sehnsüchte, die sich nicht erfüllen. Den Monolog

„Afrika“ schrieb Verhelst, einer der wichtigsten Vertreter der flämischen Literatur, basierend auf Gesprächen mit Oscar van Rompay über dessen Leben in Kenia. Der Schauspieler Oscar van Rompay ist am Thalia übrigens kein Unbekannter: Er ist hier regelmäßig in der deutschbelgischen Koproduktion

„Front – Im Westen nichts Neues“ in der Inszenierung des belgischen Regisseurs Luk Perceval zu sehen.

Im Anschluss an die Vorstellung am 29. Januar findet ein Gespräch mit Oscar van Rompay und Luk

Perceval (Leitender Regisseur am Thalia Theater) statt.

Regie Peter Verhelst Bühne Peter Verhelst, Luc Goedertier Kostüme An De Mol Ensemble Oscar Van

Rompay

 

Thalia Theater

"Hanumans Reise nach Lolland" von Andrej Iwanow

Am 30. Januar um 20 Uhr im Thalia in der Gaußstraße

Was klingt wie ein Märchen, ist brutale Realität für viele Flüchtlinge, die in Europa eine neue Heimat

finden müssen. Andrej Iwanow, einer der interessantesten jüngeren russischsprachigen Autoren der

Gegenwart, lebt ohne Pass in Tallinn, da er jede Staatsangehörigkeit verweigert. Nach Aufenthalten in

dänischen Flüchtlingsheimen schreibt er einen angriffslustigen Roman zur Flüchtlingssituation in Europa:

Hanuman und Sid sind zu Fuß bis Farsetrup gelaufen, einer kleinen Provinzstadt in Dänemark. Der eine

ist Inder und hat tausend Ideen, wie er als Asylsuchender gegen die eigene finanzielle Not angehen will.

Der andere, Russe, hat Angst vor der Polizei. Zusammen mit anderen Asylsuchenden versuchen sie, das alltägliche Warten auf Asylbescheide möglichst angenehm zu gestalten und träumen von der

Auswanderung nach Amerika – oder zumindest nach Lolland, das für sie wie das dänische Ibiza klingt.

Die estnischen Regisseure Tiit Ojasoo und Ene-Liis Semper waren 2011 das erste Mal mit „Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt“ während der Lessingtage zu Gast und arbeiten seitdem regelmäßig am Thalia Theater. Im Anschluss an die Vorstellung findet ein Gespräch mit dem Ensemble statt.

Regie Tiit Ojasoo, Ene-Liis Semper Ausstattung Tiit Ojasoo, Ene-Liis Semper Musik Lars Wittershagen

Dramaturgie Sandra Küpper Ensemble Achim Buch, Sebastian Rudolph, Sven Schelker, Birte Schnöink, Rafael Stachowiak

 

Gastspiel Maxim Gorki Theater, Berlin

"Common Ground" von Yael Ronen & Ensemble, Mit englischen Übertiteln

Am 31. Januar um 20 Uhr und am 1. Februar um 19 Uhr im Thalia in der Gaußstraße

Die Bürgerkriege der 90er Jahre im ehemaligen Jugoslawien haben viele Menschen aus ihrer Heimat in

andere europäische Länder getrieben. Manche von ihnen leben heute in Berlin, so auch fünf der insgesamt sieben Schauspieler, die von der israelischen Regisseurin Yael Ronen für ihr Theaterprojekt

zusammengeführt wurden, um herauszufinden, was heute noch ein gemeinsamer common ground ist.

Zusammen mit einer Deutschen und einer Israelin begeben sie sich auf eine theatrale Reise durch Bosnien auf der Suche nach gemeinsamen Erinnerungen an ihre verlorene Heimat. Entstanden ist ein ehrlicher, nachfragender wie pointierter Abend, der durchaus humorvoll über die Sehnsüchte und Schicksale sieben junger Menschen erzählt, die aus sehr unterschiedlichen kulturellen Erfahrungen kommen und heute alle in Berlin leben. Durch ihr Interesse und die Offenheit, gemeinsam über ihre Identitäten nachzudenken, haben sie sich während der Proben einen neuen common ground geschaffen, einen des Austauschs. Yael Ronen ist mit dieser berührenden Arbeit bereits zum dritten Mal während der Lessingtage im Thalia Theater zu Gast. Im Anschluss an die Vorstellung vom 1. Februar findet ein Gespräch mit Yael Ronen und dem Ensemble

statt.

Regie Yael Ronen Bühne Magda Willi Kostüme Lina Jakelski Ensemble Vernesa Berbo, Niels

Bormann, Dejan Bucin, Mateja Meded, Jasmina Music, Orit Nahmias, Aleksandar Radenkovic

 

Thalia Theater

"Die Wilde 13. Vom Sitzen auf angestammten Plätzen" von Olivia Wenzel nach K. Schaefer und M. A. Reyes

Am 2. Februar um 20 Uhr im Thalia in der Gaußstraße (Garage)

Wilhelmsburg – die Insel im Hamburger Süden verändert sich rasant und stellt sich den Herausforderungen des vielfältigen Miteinanders ihrer Einwohner. Plastisch wird das Leben auf der Insel

in „Die Wilde 13“ anhand der Geschichten von Walter, Feysal und Grace, die sich dort begegnen, wo

Stadtplanung und wildgewachsene Strukturen sich reiben: im Bus Nummer 13, der sich von der Veddel

nach Kirchdorf Süd schlängelt. Als plötzlich die krude I. Zielinsky auftaucht, gerät alles aus den Fugen,

und die Idee einer gemeinsamen, konkreten Utopie nimmt Form an. Die Kulturanthropologen Kerstin Schaefer und Marco Antonio Reyes Loredo haben sich als Beobachter in den Metrobus Nummer 13 begeben, und so entstanden das Buch und der Dokumentarfilm „Die Wilde 13“. Darauf basierend hat die Autorin Olivia Wenzel ein Theaterstück über die Isolation einer Insel und die gemeinsame Identifikation des Abgeschieden-Seins geschrieben.

Regie Jan Gehler Bühne Sabrina Rox Kostüme Katja Strohschneider Dramaturgie Anne Rietschel

Ensemble Jasper Diedrichsen, Marie Löcker, Björn Meyer, Günter Schaupp, Marina Wandruszka

 

Gastspiel Blitz Theatre Group, Athen

"Late Night" von Blitz Theatre Group, Griechisch mit deutschen Übertiteln

Am 3. und 4. Februar um 20 Uhr im Thalia in der Gaußstraße

Tanzen ist das einzige, was hilft – von Zeit zu Zeit jedenfalls. Und so tanzen diese sechs Menschen,

sobald der Walzer erklingt. Sie tanzen auf den Trümmern des Krieges. Es sind Tänze der Sprachlosigkeit wie der Erinnerung. Erinnerungen an das brennende Kreuzberg, die Soldaten in Berlin, die vielen Flüchtlinge in Ljubljana, die Zerstörung von Paris, ein brennendes Telekom-Hochhaus In Amsterdam. Erinnerungen an ihre große Liebe, die sie dem Krieg geopfert haben, Erinnerungen an ein zukünftiges Europa. Das Theaterkollektiv Blitz erzählt in poetisch-traurigen und humorvollen Bildern von den Auswirkungen der wirtschaftlichen Situation Griechenlands auf ganz Europa. Die drei Regisseure sind prägende Charaktere der Kino- wie Theaterszene in Griechenland, wo sie als Regisseure und Schauspieler in wechselnden Rollen und mit wechselnden Konzepten auftreten. Im Thalia Theater sind sie erneut zu Gast: Zum ersten Mal waren sie 2013 mit ihrer Theaterinstallation „Don Quichotte“ bei den Lessingtagen eingeladen. Als das Thalia Theater dann mit Nicolas Stemanns Inszenierung zu „Die Kontrakte des Kaufmanns“ nach Athen gereist ist, haben sie spontan Gastauftritte darin übernommen. Im Anschluss an die Vorstellung am 4. Februar findet ein Gespräch mit den Regisseuren und dem Ensemble statt.

Regie Blitz theatre Group Bühne Efi Birba Kostüme Vasilia Rozana Ensemble Maria Filini, Sophia

Kokkali, Angeliki Papoulia, Christos Passalis, Fidel Talaboukas und Giorgos Valaïs

 

Gastspiel Hiros, Brüssel

Koproduktion mit Kaaitheater, Workspace Brussels, Vooruit Arts Centre, Teatro Maria Matos, BIT

Teatergarasjen, Kunstenfestivaldesarts

"Some Use for Your Broken Clay Pots" von und mit Christophe Meierhans

Am 5. Februar um 19 Uhr und am 6. Februar um 20 Uhr im Thalia in der Gaußstraße (Garage)

Der Schweizer Performer Christophe Meierhans entführt seine Zuschauer in eine beachtenswerte

politikwissenschaftliche Fiktion: Ausgehend vom Scherbengericht, wie es in der Antike einst praktiziert

wurde, fordert Meierhans eine neue Form der Demokratie für heute. Bis ins Kleinste hat er recherchiert

und sich vorbereitet und ist sich sicher: Es gibt eine bessere Alternative zu unserer jetzigen Verfassung.

Anhand eines völlig neu gedachten politischen Systems zeigt er auf, was er damit meint: Was, wenn wir

umdenken müssten und unser häufig gelobtes System nicht mehr unhinterfragt bleibt? Was, wenn wir

zukünftig unsere Politiker nicht mehr wählen, sondern abwählen würden, dann, wenn sie unserem

Gedanken nicht mehr entsprechen? Was, wenn plötzlich jeder seinen eigenen politischen Status in einem an „facebook“ angelehnten „statebook“ verwalten und überprüfen könnte? In 350 verfassten Artikeln entwirft Meierhans ein politisches System, das auf Teilhabe und politischer Verantwortung jedes

Einzelnen aufbaut. „Some Use for Your Broken Clay Pots“ nennt er es. An diesem Abend stellt er es in

seiner eigenwilligen Performance den Zuschauern vor und lässt mögliche Fragen zu, um präzise

Antworten zu finden.

Konzept, Regie und Schauspiel Christophe Meierhans Dramaturgie Bart Capelle Bühne Sofie Durnez

 

Gastspiel Fix&Foxy, Kopenhagen

"Triumph of the Will" nach Leni Riefenstahl, In englischer Sprache

Am 5. Februar um 20 Uhr (Voraufführung) und am 6. Februar um 17 Uhr und 21 Uhr im Thalia in

der Gaußstraße

Das Flugzeug wirft seinen Schatten voraus, der gleitet über Wolken. Zoom in Der Schatten fällt auf die

Dächer eines kleinen, beschaulichen deutschen Städtchens. Extreme Close-Up Nürnberg, Parteitag, 1934. Hitler ist im Anflug. 1935 veröffentlichte die Regisseurin Leni Riefenstahl mit „Triumph des Willens“ ihren einflussreichsten NS-Propagandafilm, der mit Kamerabewegungen, Teleobjektiven und

Luftaufnahmen eine neuartige Bildsprache einsetzte. Das dänische Regie-Duo Fix&Foxy nähert sich per

Live- Nachdreh diesem umstrittenen cineastischen Meisterwerk. Heute ist der Film, der Teil einer Trilogie ist, in Deutschland zensiert und zumindest nicht unkommentiert aufführbar. Mit Leinwand, Live-Cam und simplen, originalgetreuen Modellen führt Schauspieler Anders Mossling durch den Theaterabend und untersucht provokant das Verhältnis von Kunst, Politik und Manipulation, während parallel zu Dokumentation und Performance ein neuer Film entsteht. Im Anschluss an die 21- Uhr Vorstellung am 6. Februar findet ein Gespräch mit den Regisseuren, Prof. Dr. Elke Grittmann (Kommunikationswissenschaftlerin, Leuphana Universität Lüneburg) und dem Ensemble statt.

Regie Tue Biering, Jeppe Kristensen Bühne und Kostüme Sille Dons Heltoft Darsteller Anders

Mossling

 

Theater Ukraine/Russland

"Maidan Tagebücher" von Natal’ya Vorozhbit, Deutsch, Russisch und Ukrainisch mit deutschen Übertiteln

Am 7. Februar um 20 Uhr und am 8. Februar um 19 Uhr im Thalia in der Gaußstraße

Auf dem Maidan, Kiews Platz der Unabhängigkeit, haben sich bis Februar 2014 Protestierende versammelt, um ihren Unmut gegen den ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch und seine Allianz

mit dem russischen Präsidenten Vladimir Putin zum Ausdruck zu bringen. Zwei Millionen unbewaffnete

Menschen zogen für ihre Freiheit auf den Maidan, als die Regierung, die immer mehr unter Zugzwang

geraten war, sich nicht anders als mit Gewalt zu helfen wusste. Auch die Autorin Natal’ya Vorozhbit und der Regisseur Andriy May waren unter den Protestierenden und fragten während des Aufruhrs viele Menschen, was sie bewegt, warum sie hier sind, auf dem Maidan. Sie sprachen mit Männern, Frauen, Studenten, Doktoren, Freiwilligen, Kosaken und vielen anderen und haben ihre Stimmen in ihrem Theaterprojekt „Maidan Tagebücher“ vereint, das im Dezember 2014 in Kiew Premiere hat. Den Abschluss der Lessingtage 2015 widmen wir den Ereignissen in der Ukraine mit zusätzlichem Programm: Dem Phänomen des öffentlichen Widerstandes geht auch der Regisseur Georg Genoux in seinem Film „Angst.Ukraine“ nach und fragt, wie das Leben nach einer Revolution weitergeht. Nach der Vorstellung diskutieren die Beteiligten mit Friedrich von Borries die Konfliktsituation und ihre

Folgen.

 

Am 8. Februar ab 15 Uhr findet die interaktive Filminstallation Angst.Ukraine von Georg Genoux in der

Garage statt (Eintritt frei).

Regie Andriy May

 

****

 

LESSINGTAGE 2015 – Festivalzentrum und mehr

Auch in diesem Jahr wird es im Mittelrangfoyer des Thalia ein Festivalzentrum geben. Gestaltet von den

Bühnenbildnerinnen Ute Radler und Kathrine Altaparmakov wird hier „Aufruhr“ zum künstlerischen

Konzept: Der Ort wird Ausstellungsfläche, Installation und gemütliche Lounge, in der man Künstlern wie

Zuschauern begegnen kann, in Publikumsgesprächen die Gedanken zu den Aufführungen teilen oder beim Gespräch mit Freunden den Abend ausklingen lassen kann. Einführungen und Filmpräsentationen,

themenfokussierte Late Nights u.v.m. Immer eine Stunde vor Vorstellungsbeginn geöffnet.

DJ Ipek Ipekçioglu – Eklektik Berlinistan

Eröffnungsparty

Sounds of Turkey, OrAsia, Balkan and Elektro

Am 24. Januar ab 22 Uhr im Festivalzentrum

Die in Berlin und Istanbul lebende DJ, Herausgeberin, Produzentin Ipek Ipekçioglu beinflusste als

Pionierin für Orient & Asian Music die vielschichtige Berliner Clubszene bereits in den 90ern. Sie ist mit

ihren „Eklektik BerlinIstan“ auf Festivals und in Clubs überall auf dem Globus zu finden. Mit ihrem

hybriden und eklektischen Soundmix von Middle Eastern, OrAsian Balkan FolkElektroFusion, Anatolian

& Oriental DubInElektro, Minimals, Gypsy Funk, Break Beats, Pop und Minimal nimmt DJ Ipek ihr

Publikum mit auf eine Audio-Reise durch die Kulturen und Musikstile der Türkei, Nordafrikas, Israels,

Persiens, des Balkans, Griechenlands und Bollywoods. Gemeinsam mit Hogir und Visuals von VJ

Karajan eröffnet sie mit einer furiosen Party und ihren Fusion Sounds die Lessingtage 2015.

Eintritt frei

 

Einige Highlights im Festivalzentrum

Navid Kermanis Festrede vor dem Bundestag

Ab dem 25. Januar als Audioloop im Festivalzentrum

Die Rede, die der iranisch-stämmige Schriftsteller und habilitierte Orientalist Navid Kermani zur Feierstunde des Bundestages aus Anlass des 65. Jahrestages der Verkündung des Grundgesetzes hielt.

The Second Battle of Kiev

Am 30. Januar um 18 Uhr Filmvorführung mit Andrea Cozzi, ab dem 31. Januar als Loop im

Festivalzentrum. Ein Filmessay von Andrea Cozzi und Stefano Cozzi, der zeigt, wie sich historische Ereignisse und Realitäten merkwürdig überlappen können: Parallel zu den Protesten auf dem Maidan hat eine Gruppe von Menschen ein Reenactment der historischen Ereignisse der Zweiten Kiewer Schlacht von 1941 dargestellt. Am 30.1. um 18 Uhr stellt Filmemacher Andrea Cozzi seinen Film persönlich vor.

 

Late Nights

Im Anschluss an ausgewählte Vorstellungen

Gespräch mit Gästen & Experten

Friedrich von Borries, Professor für Designtheorie an der HfBK in Hamburg, agiert in den

Grenzbereichen von Stadtentwicklung, Architektur, Design und Kunst. Er wird das Thema „Aufruhr“ in

anregenden Gesprächen reflektieren und weiterspinnen.

 

Wirtschaftlicher Aufruhr

Am 26. Januar

Im Anschluss an die Premiere von „Eine (mikro)ökonomische Weltgeschichte, getanzt“ diskutieren von

Borries und der französische Theaterkünstler Pascal Rambert Möglichkeiten des Aufruhrs in unserer

ökonomisch geprägten Lebenswelt.

 

Digitaler Aufruhr

Am 27. Januar

Zu Gast ist Constanze Kurz vom ChaosComputerClub (angefragt) und spricht über digitalen Boykott,

Überwachung und andere virtuelle Unruhen.

 

Politischer Aufruhr

Am 8. Februar

Friedrich von Borries lädt die Beteiligten der Produktionen „Maidan Tagebücher“, „Macbeth“ und der

Filminstallation „Angst.Ukraine“ zum Gespräch über Phänomene des Protests ein. Eintritt frei

 

LESSINGTAGE 2015 im Nachtasyl

Lesung und Gespräch

They would rock. 59 Tage Iran von Helena Henneken

 

Am 25. Januar um 19.30 Uhr in der Theaterbar Nachtasyl

„If my people lived in another country, they would rock!“, sagt eine 16-jährige Iranerin, der Helena

Henneken auf ihrer 59-tägigen Reise durch den Iran begegnet. Mit dem Rucksack reist sie quer durch ein Land und trifft Hauptstädter und kurdische Dorfbewohner, Mullahs und anarchistische Studenten,

Polizisten, Künstler und illegale Boyfriends. Menschen, die den Austausch mit der Welt suchen, obwohl

sie selbst oft hinter dem Image ihres Landes verschwinden. Die Hamburger Autorin Helena Henneken und die aus dem Iran stammende Schauspielerin Neda Rahmanian nehmen ihre Zuhörer in einer Mischung aus Lesung und Erzählung, anhand von Fotos, Zeichnungen und anderen Fundstücken mit auf eine Reise voller überraschender Erlebnisse durch den Iran. Ein bunter Einblick in die Welt hinter dem Schleier!

 

Konzert

SALT

Am 29. Januar um 22 Uhr in der Theaterbar Nachtasyl

Die aus Paris stammende Sängerin Myra Maud mit Wurzeln in Martinique und Madagaskar sowie

Keyboarder, Komponist und Arrangeur Lutz „Hammond“ Krajenski, der dem aufmerksamen Thalia-

Gänger bereits aus Luk Percevals Inszenierungen „Der nackte Wahnsinn“ und „Der Kirschgarten“

bekannt ist, erschaffen als „SALT“ eine wundervoll ausbalancierte Mischung aus pulsierendem Jazz, afrokubanischem Temperament und Musik des indischen Ozeans – gesungen auf Französisch, Creole und Englisch. Ein Konzert zwischen Jazz-Club und Strand, voller Songs, die auf unverwechselbarer Weise den Zauber karibischer Musik einfangen und mit Elementen aus Jazz, Pop und Soul veredeln.

 

Konzert

LIV

Am 30. Januar um 22 Uhr in der Theaterbar Nachtasyl

Liv Solveig Wagner nennt sich selbst kurz: Liv . Zweisprachig, als Tochter einer Norwegerin und eines

Deutschen aufgewachsen, fing mit der Klassik alles für sie an: Sie studierte Geige in Karlsruhe, danach

Jazz-Gesang in New York. In ihren Songs beherrscht sie die Kunst, Klassik und Jazz mit folkloristischen

Elementen und skandinavischen Einflüssen zu etwas Zartem, zu etwas Wunderschönem und träumerisch Eigenem zu verbinden: „Build my own world“ heißt deshalb auch ihr erstes CD-Release. Mit ihrem Konzert bei den Lessingtagen wird LIV ihre Deutschland- Tour beginnen.

 

Lesung und Gespräch

Bagdad Malboro

von Najem Wali

Am 4. Februar um 20.30 Uhr in der Theaterbar Nachtasyl

Seit Jahrzehnten herrscht Krieg im Irak. Chaos und Willkür bestimmen in dieser ewig umkämpften

Region den Alltag der Menschen. In seinem furiosen Antikriegsroman „Bagdad Marlboro“ erzählt der

irakische Autor Najem Wali die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft zwischen einem irakischen Dichter und einem amerikanischen Leutnant der US-Armee. Beide verbindet die Liebe zur

Poesie; beide werden zu Mördern. Auf äußerst komplexe Art und Weise verknüpft Wali das Schicksal der Menschen im Irak mit dem Schicksal der amerikanischen Soldaten, die im zweiten und dritten Golfkrieg im Irak gekämpft haben. Der Wahnsinn des Krieges und die unausgesprochenen Traumata, die daraus resultieren, unabhängig von Herkunft und Religion, sind das alles bestimmende Thema dieses eindringlichen Romans. Najem Wali ist Anfang der 80er Jahre aus dem Irak geflohen und lebt seit 1990 in Deutschland. Thalia-Schauspieler Sven Schelker wird Auszüge aus „Bagdad Marlboro“ lesen. Im Anschluss an die Lesung findet ein Gespräch zwischen Najem Wali und der Literaturkritikerin Gabriele von Arnim statt.

Gefördert von der Initiative „Künstler für die Menschenrechte“

 

Konzert

Felice Sound Orchestra

Am 5. Februar um 22 Uhr in der Theaterbar Nachtasyl

Felix „Felice“ Behrendt lädt als Komponist, Arrangeur und Produzent auf einen musikalischen Trip

zwischen 60er Filmmusik,Jazz, Easy Listening und Bigbeat. Mit dabei hat er seine Band, die vom Blue-

Note-gemäßen Jazzsound über Anklänge an die Filmsoundtracks der 60er und 70er Jahre, hin zu Synthie Sounds aus der Club- und Dance-Szene den Bogen aus Vergangenheit in die Gegenwart spannt. In diesem opulenten Klangabenteuer mischen sich Sounds von Big Bands und Unterhaltungsorchestern und werden anschließend durch den Elektrofleischwolf gedreht. Die Verbindung der Stile meistern Felice & Band virtuos – immer wieder mit einem musikalischen Augenzwinkern.

 

LESSINGTAGE 2015 – Die Thalia Pfadfinder

Die fünfte Generation - Thalia Pfadfinder, ein Programm im Rahmen von Thalia International

Thalia Pfadfinder ist ein 2010 gegründetes Projekt, das diese Spielzeit zum vierten Mal 18- bis 30jährige

HamburgerInnen mit Zuwanderungsgeschichte einlädt, ihre eigene und damit längst die multikulturelle

Realität der Stadt mit hinter die Kulissen des Thalia Theaters zu bringen. Von November bis Januar sehen und erleben die jungen Menschen zeitgenössisches Theater, auch in diesem Jahr in der Auseinandersetzung mit einem „Klassiker“ des europäischen Theaterkanons: „Der Jedermann“. In sieben Sessions erarbeiten die Pfadfinder in intensiven Workshops mit ausgewählten Theaterfachleuten die Geschichte um den Jedermann, das mittelalterliche Mysterienspiel und seine Entstehung – in der Literatur, auf der europäischen Theaterbühne und in seiner aktuellen Salzburgisch-Hamburgischen Umsetzung als „Konzert-Performance“ in der Inszenierung von Bastian Kraft. Debatten mit Regisseuren, Dramaturgen, Darstellern und vielen mehr macht die Thalia Pfadfinder 4G zu Theaterexperten – über alle Kulturen hinweg! Die Pfadfinder werden zu Autoren – und verarbeiten ihre Eindrücke im Lessingtageblog: Die Thalia- Website www.thalia-theater.de/lessingtagebuch wird zur Plattform einer interkulturellen Generation in der Auseinandersetzung mit Theater – und der Vielfalt der modernen deutschen Gesellschaft. Das Projekt wird von der Rudolf Augstein Stiftung gefördert. Das Programm richtet sich an Menschen mit Migrationsgeschichte zwischen 18 und 30 Jahren, die

Interesse am Theater und Schreiben mitbringen.

 

Der Festivalblog „Lessingtagebuch“ wird während der Lessingtage vom 24. Januar bis 8. Februar

auf der Thalia-Homepage entstehen und ist unter www.thalia-theater.de zu lesen

Gefördert von der Rudolf Augstein-Stiftung

 

***

 

LESSINGTAGE 2015 – Stadtführungen

Die Rundgänge werden durchgeführt von dem Stadtführer Michael Grill.

Stadtführung 1: Lessing, das Nationaltheater und die Theaterwelt Hamburgs vom Barock bis heute

Am 25. Januar um 11 Uhr und am 1. Februar um 14 Uhr

Treffpunkt: Thalia Kassenhalle

Eine Wanderung mit Lessing im Gepäck zwischen Theatern, Dichtern, Schauspielern, Regisseuren, ihrem Publikum und den Genres der Vergangenheit und Gegenwart.

 

Stadtführung 2: Hamburg zu Lessings Zeiten: Die Stadt zwischen Großem Nordischen Krieg und

Französischer Revolution

Am 28. Januar und 8. Februar um 11 Uhr

Treffpunkt: Thalia Kassenhalle

Wie sah die politische, religiöse und gesellschaftliche Verfassung der Stadt aus, als Hamburg Freie

Reichsstadt wurde?

 

Stadtführung 3: Hamburg und die Einwanderung

Am 1. und 4. Februar um 11 Uhr

Treffpunkt: U-Bahn Landungsbrücken (Ausgang: Hafentor/Eichholz)

Auf einem Spaziergang durch die Neustadt, Lessing mitdenkend, beschäftigen uns die Menschen, die

jahrhundertelang diese Stadt mitgestalteten: Bewohner aus aller Welt. Und wir blicken auf heute, den

Umgang mit den Lampedusa-Flüchtlingen.

 

***

 

LESSINGTAGE 2015 – Thalia Treffpunkt/Thalia und Schule

Inszenierungen, Performances, Präsentationen

Im Dialog – Die Lessingtage 2015

In Kooperation mit der Volkshochschule Hamburg

Am 15. und am 22. Januar von 17.30 bis 19.30 Uhr und an den Vorstellungstagen der

jeweiligen Gastspiele. Jeweils 1½ Stunden vor der Vorstellung.

Während des Festivals beschäftigen wir uns thematisch mit dreien der Gastspiele aus verschiedenen

Ländern, mit deren Theaterästhetik und Themenfeldern. 5 Treffen und Vorstellungsbesuche.

Leitung Nehle Mallasch, Kulturmanagerin und Redakteurin

Anmeldung unter Telefon 040.32 81 41 39

 

Kunstinstallation

Protest – Wofür setzt ihr euch ein?

Vom 23. Januar bis zum 8. Februar im Thalia Theater und an anderen Orten in Hamburgs Innenstadt

Wofür sollte man sich einsetzen? Was unbedingt verhindern, wogegen protestieren? Hamburger

Schülerinnen und Schüler (Klasse 3 – 13) beziehen Stellung zu Themen, die ihnen wichtig sind. Als

Ausdrucksmittel zur Gestaltung dient die eigene Hand. Hunderte von Abbildungen sowie individuelle

Statements der Kinder und Jugendlichen werden in einer Kunst-Installation am Thalia Theater

zusammengeführt.

Konzept Ute Radler in Zusammenarbeit mit Herbert Enge und Anne Katrin Klinge

Eintritt frei

 

Welten sammeln – Stadtperformance

Eine Kooperation von Thalia Treffpunkt und Hamburger Volkshochschule

Am 24. und 31. Januar um 18 Uhr ab dem Thalia Theater unterwegs durch die Innenstadt

Welche Herkunft und Zukunft haben Menschen und Dinge ganz in unserer Nähe? In kurzen

Performances, als Musik- Act oder als Straßenpredigt arrangieren wir Begegnungen und lassen

verschiedene Wege und Weltsichten aufeinandertreffen.

Projektleitung Katja Meier Beratung Herbert Enge

 

Stadtperformance

Eisenhans überflutet Altona

Am 29. Januar um 17 Uhr Ikea, Große Bergstraße; 17.30 Uhr vor Mercado, Ottensener

Hauptstraße; 18 Uhr Alma-Wartenberg-Platz

„Die größte Deutlichkeit war mir immer auch die größte Schönheit“, sagte Lessing. Wir lassen in aller

Deutlichkeit unsere Sehnsüchte nach einem gemeinsamen Leben der Kulturen als Echo durch Altona

schallen.

Projektleitung Sophie Arlt, Dennis Dringelburg, Dorothee de Place, Christina Fritsch Beratung Herbert

Enge Von und mit 50 behinderten und nichtbehinderten Jugendlichen und Erwachsenen

Karten 040. 32 81 44 44 / www.thalia-theater.de

 

Stadtperformance

Im Draußen in Freiheit!

Am 30. Januar um 18 Uhr und am 4. Februar um 18 Uhr ab dem Thalia Theater unterwegs durch

die Innenstadt

Uns begleiten Themen rund um die individuellen und die „gemeinsamen“ Freiheiten. Wie kann man die

vielen täglichen Geschehnisse im öffentlichen Raum neu und anders erfinden und hinterfragen? Wie ist

die Kritik bestehender Ordnungen im „weltoffenen“ Hamburg versteh- und aufzeigbar? Jugendliche des

Thalia Treffpunkt haben in der Auseinandersetzung mit Lessings „Nathan der Weise“ eigene Texte und

neue Spielarten entwickelt, die sie unterwegs in der Stadt als Performance vorstellen.

Projektleitung Alina Gregor Beratung Herbert Enge

 

Gott und die Welt und ich

Ein Projekt des Thalia Treffpunkts und des Jugendmigrationsdienstes des CJD

Am 31. Januar um 19 Uhr im Thalia in der Gaußstraße (Garage)

Wie sieht meine Freiheit aus – in einer Stadt wie Hamburg, und wie sah sie in meinem Heimatland aus?

Welche Bedeutung spielt hierbei mein Glaube? 20 junge Leute aus aller Welt, viele Flüchtlinge zwischen

16 und 28, sind erst seit kurzer Zeit in Deutschland. Vor dem Hintergrund der eigenen Biografien erzählen sie in den entwickelten Stücken von persönlichen Erlebnissen und inneren Konflikten. Das vom

Bundesamt für Migration und Flüchtlinge geförderte Kooperationsprojekt von Thalia Treffpunkt und CJD

Hamburg+Eutin wurde 2014 mit dem Arnold-Dannenmann-Preis ausgezeichnet.

Leitung Kirsten Sass Regie Altamasch Noor (CJD Hamburg+Eutin) Projektberatung Herbert Enge

 

Video-Präsentation zur „Langen Nacht der Weltreligionen“

Schul-Projekte der Weltreligionen, In Zusammenarbeit mit der Akademie der Weltreligionen

Am 1. Februar um 17.30 Uhr im Thalia Theater (Eingangsfoyer)

Ausgehend von ihren religiösen und ethischen Hintergründen haben Hamburger Schüler szenisch,

literarisch und künstlerisch-forschend Aspekte zum Thema „Religion und Gewalt/Gewaltfreiheit“ erkundet.

Leitung Mia Panther

Eintritt frei

 

Für alle Veranstaltungen

Karten 040. 32 81 44 44 / www.thalia-theater.de

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