Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm im Kino

Kinostart: 13. September 2018

Nach dem Welterfolg von Die Dreigroschenoper will das Kino den gefeierten Autor des Stücks für sich gewinnen. Doch Bertolt Brecht (Lars Eidinger) ist nicht bereit, nach den Regeln der Filmindustrie zu spielen. Seine Vorstellung vom Dreigroschenfilm ist radikal, kompromisslos, politisch, pointiert. Er will eine völlig neue Art von Film machen und weiß, dass die Produktionsfirma sich niemals darauf einlassen wird. Ihr geht es nur um den Erfolg an der Kasse.
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Während vor den Augen des Autors in seiner Filmversion der Dreigroschenoper der Kampf des Londoner Gangsters Macheath (Tobias Moretti) mit dem Kopf der Bettelmafia Peachum (Joachim Król) Form anzunehmen beginnt, sucht Brecht die öffentliche Auseinandersetzung. Er bringt die Produktionsfirma vor Gericht, um zu beweisen, dass die Geldinteressen sich gegen sein Recht als Autor durchsetzen … Ein Dichter inszeniert die Wirklichkeit – das hat es noch nie gegeben!

Die choreographischen Proben für Mackie Messer fanden, ganz unspektakulär, in der Theaterhaus-Probebühne am Löwentor in Stuttgart statt. Umso eindrucksvoller fielen die Locations für die Tanzszenen aus. Gedreht wurde im März und April 2017, unter anderem in den Schlössern von Ludwigsburg und Rastatt sowie in Antwerpen und, besonders atmosphärisch, am Ufer der verwunschenen Kanäle von Gent.

Inspiriert von den Querelen und dem Prozess um die historisch erste Filmversion von Brechts Erfolgsstück – Georg Wilhelm Pabsts Die Dreigroschenoper von 1931 –, erzählt Joachim Lang eine alternative Geschichte auf zwei Ebenen. Die eine spielt im Berlin der Roaring Twenties. Der radikale Autor Bertolt Brecht zieht gegen die Filmproduktionsfirma vor Gericht, um zu beweisen: Auch in der Kunst kommt erst das Fressen, dann kommt die Moral. Die zweite Ebene ist der „Film im Film“, der auf einem tatsächlich existierenden Exposé von Brecht für einen nie realisierten Film beruht – eine neue, noch kompromisslosere Dreigroschenoper.

Eric Gauthier entwarf die „Bewegt-Bilder“ für diese Dreigroschenoper-Ebene, die im London des frühen 20. Jahrhunderts angesiedelt ist, darunter die große Eröffnungssequenz im Film auf der Straße, die Szenen in Peachums Bettler-Fabrik und im Bordell oder die Hochzeit von Polly und Macheath. Seine Tänzerinnen und Tänzer agieren nahtlos neben und mit dem Schauspiel-Ensemble.

In einem filmischen Kraftakt lässt Joachim Lang Realität und Fiktion verschmelzen, wechselt fließend zwischen Brechts Kampf gegen die Filmindustrie und dessen Verfilmung der Dreigroschenoper, wie es sie niemals gab und sie hier vor den Augen des Publikums dennoch entsteht. Dabei lässt Lang den Dichter in seinen Worten sprechen: Alles, was Brecht im Film sagt, beruht auf Zitaten aus Werk und Leben des Autors. Und die Dreigroschen-Handlung führt nun bis in die Gegenwart, die Gangster werden am Ende Bankiers, moderne Beherrscher des Geldmarkts. Filmunterhaltung auf höchstem Niveau – ein Stoff und eine Form, deren Radikalität und Aktualität ihresgleichen suchen.

Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm ist hochkarätig besetzt mit Lars Eidinger als Brecht, Tobias Moretti als Macheath, Hannah Herzsprung als Carola Neher und Polly, Joachim Król als Peachum, Claudia Michelsen als Frau Peachum, Robert Stadlober als Kurt Weill, Peri Baumeister als Elisabeth Hauptmann, Britta Hammelstein als Lotte Lenja und Seeräuber-Jenny, Meike Droste als Helene Weigel, Christian Redl als Tiger Brown und Max Raabe als Moritatensänger. Für die Bildgestaltung zeichnet David Slama (Unsere Mütter, unsere Väter) verantwortlich. Die Musik wurde eingespielt von Musikern des SWR Symphonieorchesters, der SWR Big Band und dem SWR Vokalensemble unter der Leitung des Dirigenten HK Gruber. Die Choreographien stammen von Eric Gauthier (Gauthier Dance//Dance Company Theaterhaus Stuttgart). Die verantwortliche Redakteurin und Dramaturgin im SWR ist Sandra Maria Dujmovic.

Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm ist eine Kinokoproduktion von Zeitsprung Pictures (Michael Souvignier, Till Derenbach) mit dem SWR (Sandra Maria Dujmovic) und der belgischen Produktionsfirma Velvet Films (Sebastian Schelenz, André Sommerlatte) in Zusammenarbeit mit ARTE (Andreas Schreitmüller). Mit der freundlichen Unterstützung der MFG Baden-Württemberg und des DFFF, Tax Shelter Belgien und Screen Flanders.

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