Maxim Gorki Theater Berlin: 3. Berliner Herbstsalon

11–26/November/2017. ..... Organisiert von Shermin Langhoff mit Aljoscha Begrich, Çağla İlk, Erden Kosova, Tunçay Kulaoğlu, Elena Sinanina. Der 3. Berliner Herbstsalon wird eine öffentliche Probe für das Aufbegehren gegen Zuschreibungen, Verallgemeinerungen und Vereinfachungen sein. DESINTEGRIERT EUCH! ist die Überschrift über einem Parcours, der rund 100 bildende und darstellende Künstler*innen zu einer Probe in Widerständigkeit gegen vermeintliche Übersichtlichkeit zusammenbringt.
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Öffnungszeiten

Mo - Fr: 16:00 - 23:00

Sa + So: 13:00 - 23:00

EINTRITT FREI! (Außer bei Vorstellungen)

Täglich Führungen durch die Ausstellung im Kronprinzenpalais und Palais am Festungsgraben | Mo–Fr 16:00, Sa+So 13:00

Mit Arbeiten von: Ayham Majid Agha, Lola Arias, Anestis Azas/Prodromos Tsinikoris, Nora Al-Badri/Nikolai Nelles, Nidaa Badwan, bankleer, Sebastian Baumgarten, Mehtap Baydu, Norbert Bisky, Mirko Borscht/Volkan T., Luchezar Boyadjiev, Banu Cennetoğlu, Collektive Temporaire, Danica Dakić, Chto Delat, Die Anti-Humboldt Box, András Dömötör, Ender/Kolosko, Cevdet Erek, Azin Feizabadi, Nina Fischer/ Maroan el Sani und Bertold Stallmach, Forensic Architecture, *foundationClass Weißensee Kunsthochschule, Aimée García Marrero, Marta Górnicka, Suna Gürler, Natascha Sadr Haghighian, Manaf Halbouni, Alfredo Jaar, Sven Johne, Junger Rat des Gorki Forum, Miro Kaygalak, Grada Kilomba, Hans-Werner Kroesinger, Delaine Le Bas/Damian Le Bas, Teresa Margolles, MFA-Public Art and New Artistic Strategies Bauhaus Universität Weimar, Ersan Mondtag/Max Andrzejewski, Henrike Naumann, Bert Neumann, LSD//Leonore Blievernicht/Leonard Neumann, Sebastian Nübling, Kınay Olcaytu, Dan Perjovschi, Johannes Paul Raether, Oliver Ressler, Angela Richter, Julian Röder, Yael Ronen, Elske Rosenfeld, Aykan Safoğlu, Hakan Savaş Mican, Diemut Schilling, Johannes Maria Schmit/Mareike Beykirch, Lara Schnitger, Henrik Schrat, Heike Schuppelius/ Alina Schmuch, Isabella Sedlak, Mikaël Serre, Selma Selman, Santiago Sierra, León Siewert-Langhoff, Spot_The_Silence/Christian Obermüller/Rixxa Wendland, Fiete Stolte, Youssef Tabti, Hale Tenger, Red Thread, Tribunal ‚NSU-Komplex Auflösen‘, Nasan Tur, Viron Erol Vert, Birgit Auf der Lauer / Caspar Pauli / Aufbruch Neukölln e.V., Wermke/Leinkauf, White on White, Tobias Zielony, sowie ein Sonderprojekt des Zentrum für Politische Schönheit im Rahmen des 3. Berliner Herbstsalon

Eröffnung am Samstag, 11. November 2017

16.30 Uhr Eröffnung am Monument von Manaf Halbouni am Brandenburger Tor

Anschl. Suffragette City, Feministische Parade von Lara Schnitger

ab 17.00 Uhr Performances im und ums Gorki:

N.E.S.W. von LSD/Leonore Blievernicht, Leonard Neumann

Romani Embassy von Delaine Le Bas, You Have No Idea von Selma Selman

18.00 Uhr Improvisation von Cevdet Erek (Gorki Bühne)

19.00 Uhr Hymne an die Liebe von Marta Górnicka (Gorki Bühne)

Ab 19.00 Uhr Ausstellung im Palais am Festungsgraben und Kronprinzenpalais

21.00 Uhr Hymne an die Liebe von Marta Górnicka (Gorki Bühne)

Anschl. Party

Kunst | Performance | Diskurs

11.- 26. November 2017

im Maxim Gorki Theater, Kronprinzenpalais, Palais am Festungsgraben, Stadtraum

Eintritt frei (außer bei Theatervorstellungen) Organisiert von Shermin Langhoff mit Aljoscha Begrich, Cağla İlk, Erden Kosova, Tunçay Kulaoğlu, Elena Sinanina Ausstellung täglich geöffnet: Mo-Fr: 16:00 - 23:00 | Sa+So: 13:00 - 23:00

Täglich kostenlose Führungen Mo-Fr 16:00 | Sa+So 13:00

im Kronprinzenpalais und Palais am Festungsgraben

In seiner dritten Ausgabe ist der Berliner Herbstsalon, organisiert von Shermin Langhoff, eine öffentliche Probe des Aufbegehrens gegen Zuschreibungen, Verallgemeinerung und Vereinfachungen. Unter der Überschrift Desintegriert Euch! versammelt der 3. Berliner Herbstsalon Arbeiten von rund 100 bildenden und darstellenden Künstler*innen, die sich kritisch mit Konstruktionen von Identität und Einheit auseinandersetzen. Wiederkehrende Leitkultur-Vorstellungen und eine Zementierung einer national-identitären Gefühlsgrenze zwischen einer Mehrheitsgesellschaft und Minderheiten im heutigen Europa basieren auf einer rückständigen Vorstellung von Homogenität. Diese führt zu einer Markierung der „Anderen“, der Nicht-Zugehörigen. Im politischen Reizreaktionsschema heutzutage folgt schnell eine pauschalisierende Aufforderung an diese zur Integration. Fragt sich: Integration in was eigentlich? Der 3. Berliner Herbstsalon lädt ein breites Publikum ein, sich mit Kunst, Performances und zahlreichen Diskursveranstaltungen aus vorgegebenen Denkschemata zu desintegrieren und das Konzept einer Gesellschaft in radikaler Diversität zu denken.

Kunst vom Brandenburger Tor bis zum Kronprinzenpalais Unter den Linden. Der Eintritt ist frei.

Bei freiem Eintritt können die Besucher*innen die Ausstellung des Berliner Herbstsalons an historisch bedeutungsvollen Orten besuchen. Neben dem Maxim Gorki Theater sind auch das Kronprinzenpalais, das Palais am Festungsgraben und der Stadtraum eingebunden, wo Lara Schnitger (u. a. Hammer Museum L.A.) am Eröffnungstag mit Suffragette City eine feministische Parade entlang des Bouldevards Unter den Linden inszeniert. Im Stadtraum verteilt findet sich die Arbeit von Banu Cennetoğlu (u.a. documenta 14), die ihre international beachtete Arbeit The List fortführt, indem sie die Namen von über 30 000 Asylsuchenden, Migrant*innen und Flüchtenden, die innerhalb oder an den Grenzen der Festung Europa umgekommen sind, im öffentlichen Raum plakatiert und in Zusammenarbeit mit dem Tagesspiegel eine Zeitungsbeilage für eine große Leserschaft produziert. Eine Verbindung zwischen den aktuellen Kriegen in der unmittelbaren Nachbarschaft Europas und der Berliner Historie schlägt Manaf Halbounis (Edinburgh Art Festival) eindrucksvolle Skulptur Monument, die für die Dauer des Festivals auf dem Platz des 18. März vor dem Brandenburger Tor aufgestellt wird. Die drei aufrecht stehenden Busse erinnern an Straßenbarrikaden, die Zivilisten 2015 in Aleppo zum Schutz vor Scharfschützen aufgerichtet hatten.

Als zentraler Ausstellungsort ist erstmals das Kronprinzenpalais Unter den Linden Teil des Herbstsalons, das mit seiner wechselvollen Geschichte einen idealen Ort für diese künstlerische Auseinandersetzung darstellt. 1919 eröffnete hier das weltweit erste Museum für zeitgenössische Kunst, nur wenige Jahre später vernichteten die Nationalsozialisten im Keller des Hauses Teile der Kunstwerke als „nutzlos“. Später diente das repräsentative Gebäude als Kulisse für die Unterzeichnung des Einigungsvertrags.

Viele der ausgestellten Arbeiten stellen vielschichtige Bezüge zur historischen Mitte Berlins her, wo sie zu sehen sind. Etwa, wenn der Maler Norbert Bisky im Kronprinzenpalais mit seinem Werk Untitled (Franz Marc) auf die Geschichte des weltberühmten Gemäldes Der Turm der blauen Pferde von Franz Marc Bezug nimmt, das bis 1936 im Kronprinzenpalais ausgestellt war, bevor es im Nationalsozialismus verschwand. Auch die Berliner Künstlerin Henrike Naumann (4. Ghetto Biennale, Port au Prince) reflektiert in einer ortsspezifischen Installation das historische Umfeld, wenn sie sich mit Reichsbürgern beschäftigt, die die Existenz der Bundesrepublik Deutschland anzweifeln, unter anderem aufgrund des Einigungsvertrags. In unmittelbarer Nähe zur Baustelle des Berliner Stadtschlosses setzt Santiago Sierra mit seinem Conceptual Monument eine utopische Freiheit in Kontrast zu dem Bedürfnis eines deutschen Einheitsdenkmals und löst nationale Symbole wie die Europahymne in Kakophonie auf. Auch der renommierte Künstler Alfredo Jaar fordert mit einer neuen Arbeit eine Perspektivverschiebung, um einer Vielstimmigkeit Raum zu geben und so eine Utopie von Gemeinschaft zu entwickeln. Und die interdisziplinäre Künstlerin Grada Kilomba (documenta 14) erzählt mit ihrer Videoarbeit in Sichtweite zur Humboldt-Box von postkolonialem Wissen und der Forderung, eine eigene, individuelle Stimme hörbar zu machen.

Eine autonome, widerständige Haltung zu entwickeln – künstlerisch, aber auch im Prozess der deutsch-deutschen Geschichte – dafür steht das OST-Schild von Bert Neumann, das er ursprünglich als eine Zigaretten-Anti-Reklame für ein Theaterstück der Volksbühne am Rosa-Luxemburg Platz entwickelt hat. Mit ihrem autonomen Kollektiv LSD werden Lenore Blievernicht und Leonard Neumann mit einem mobilen Tattoo-Studio vor Ort sein und ihre Werkreihe N.E.S.W. vorstellen. Regisseur Sebastian Baumgarten entwickelt eine Performance über Einar Schleefs Mutter Gertrud, um der Abwesenheit von Müttern nachzugehen, während Ersan Mondtag sich in einer Konzert-Performance mit den Amish beschäftigt. Ein weiterer Bereich im 3. Berliner Herbstsalon ist Aktivismus und Aktionen gewidmet: etwa wenn die Gruppe Chto Delat (documenta 14) mit Клуб Активистки / Klub der Aktivistin dem vielfältigen Engagement und Kampf von einzelnen Gruppen eine Plattform gibt oder das Aktionsbündnis Tribunal NSU-Komplex auflösen ihre Arbeit dokumentiert. Die Aktionskünstler*innen vom Zentrum für Politische Schönheit haben im Rahmen des Herbstsalons ein Sonderprojekt geplant, das zeitnah bekanntgegeben wird (mehr dazu dann auf www.politicalbeauty.de).

Auf der Bühne: Erzählungen aus ganz Europa über den Widerstand gegen nationalistische und faschistische Tendenzen

Im Mittelpunkt der Bühnenvorstellungen während des 3. Berliner Herbstsalons stehen drei Produktionen, die für kurze Zeit in Berlin zu sehen sind. Die polnische Regisseurin Marta Górnicka, ausgezeichnet für ihre eindrucksvollen Chorarbeiten, arbeitet mit einem diversen Ensemble aus Laien und Schauspieler*innen aus Poznan. Mit Hymne an die Liebe / Hymn do miłości / Hymn to Love (11.+12. Nov.) hat sie ein eindrucksvolles und fürchterliches „Nationalgesangsbuch“ komponiert, ein präzis rhythmisiertes Kunstwerk, das die brutale Sprache der heutigen Politik enthüllt: von Hate Speech, Politikeraussagen, terroristischen Manifesten bis zu Popsongs und patriotischen Liedern. Aus Athen ist das international gefeierte Stück Clean City (21.+22. Nov.) von Anestis Azas und Prodromos Tsinikoris zu Gast: Protagonistinnen sind sechs Putzfrauen aus Athen, die von Sauberkeit und Reinheit, Faschismus und Immigration vor dem Hintergrund von Neonazi-Ausschreitungen der goldenen Morgenröte erzählen. Das preisgekrönte Stück Stolpersteine Staatstheater (25. Nov.) ist hingegen eine Suchbewegung in die Vergangenheit: in diesem Dokumentartheater zeichnet Regisseur Hans-Werner Kroesinger detailliert nach, wie antisemitische Diskriminierung und Entlassung von Theaterkünstler*innen am Staatstheater Karlsruhe 1933 stattfand. Ergänzend finden im 3. Berliner Herbstsalon täglich Künstler*innengespräche statt, darüber hinaus wird es ein Bürgerforum zum Monument von Manaf Halbouni geben.

Das vollständige Programm finden Sie hier: www.gorki.de

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