Maxim Gorki Theater: Festival WAR OR PEACE - CROSSROADS OF HISTORY 1918 / 2018 - Open-Air-Eröffnung vor dem Brandenburger Tor

vom 3. - 27. Oktober 2018

Im Oktober beleuchtet das Maxim Gorki Theater mit dem Geschichtsfestival War or Peace – Crossroads of History 1918 / 2018 das Erbe des Ersten Weltkriegs. 100 Jahre nach dem offiziellen Ende dieses historischen Konflikts lädt das Gorki internationale Künstler*innen nach Berlin, um die Umwälzungen, die von diesem Krieg ausgingen und bis heute nachwirken, künstlerisch zu ergründen. Aus einer Vielzahl von oft marginalisierten Perspektiven blicken diese auf die Auswirkungen von 1918 und legen offen, dass dem Krieg Konflikte folgten, die bis heute nicht zu lösen sind.
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Mit Theater, Performances, Filmen und in Gesprächen erforschen Theatermacher*innen und Künstler*innen aus Deutschland, Georgien, Singapur, Tansania, Kroatien, Frankreich, Slowenien, Argentinien, Türkei, Bulgarien, Griechenland, Schweiz, Israel, Ukraine, Iran und Kurdistan in radikal persönlichen Erzählungen die Spuren der Vergangenheit in den heutigen Wirren der Gewalt.

Mit: Lola Arias (Buenos Aires), Sivan Ben Yishai (Tel Aviv/Berlin), Julie Bertin und Jade Herbulot/Le Birgit Ensemble (Paris), Kathleen Bomani (Daressalam), Ferdi Çetin (Istanbul), Ebru Nihan Celkan (Istanbul), Gergana Dimitrova (Sofia), Regine Dura und Hans-Werner Kroesinger (Berlin), Oliver Frljić/Mladinsko Theatre (Ljubljana), Zdrava Kamenova (Sofia), Daniel Kok (Singapur), Anastasiia Kosodii (Saporischschja), Marta Górnicka (Warschau), Mehdi Moradpour (Berlin), Yeşim Özsoy (Istanbul), Data Tavadze (Tiflis), Prodomos Tsinikoris (Athen), Yiorgos Valais (Athen), Natascha von Steiger (Zürich), Jeremy F. Walton (Göttingen)

Das Festival findet parallel zum Campus statt, für den die Bundeszentrale für politische Bildung 400 Jugendliche aus der ganzen Welt nach Berlin eingeladen hat, um in Workshops zu den Folgen des Jahres 1918 gemeinsam zu arbeiten und so ein globales Erinnerungs- und Utopieforum zu entwerfen. Der Campus ist ein Projekt der Bundeszentrale für politische Bildung mit Unterstützung des Maxim Gorki Theaters, gefördert vom Auswärtigen Amt

Das künstlerische Programm ist eine Kooperation des Maxim Gorki Theaters und der Kulturstiftung des Bundes, unterstützt von der Bundeszentrale für politische Bildung und dem Auswärtigen Amt. Weitere Förderer und Partner: Literarisches Colloquium Berlin, Robert Bosch Stiftung

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Open-Air-Eröffnung vor dem Brandenburger Tor mit GRUNDGESETZ von Marta Górnicka am 3. Oktober

50 Berliner*innen stehen auf der Bühne, wenn die große Open-Air Produktion GRUNDGESETZ das Festival am 3. Oktober eröffnet. Auf dem Podium vor dem Brandenburger Tor unterziehen sie im Rahmen des Tages der Deutschen Einheit 2018 das Grundgesetz einem chorischen Stresstest. Regie führt die polnische Regisseurin Marta Górnicka, die international für ihr neuartiges Chor-Konzept gefeiert wird. Mit 50 professionellen und nichtprofessionellen Schauspieler*innen aus den unterschiedlichen Spektren der Zivilgesellschaft dirigiert sie eine Gruppe der Individuen und zeigt, dass die Verfassung nicht das Projekt einer ethnisch homogenen Gruppe sein kann.

Premiere 3.Oktober 15.00 Uhr, Brandenburger Tor, Eintritt frei.
Im Rahmen des Bürgerfestes zum Tages der Deutschen Einheit 2018.

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Grundgesetz wird gefördert von der Senatsverwaltung für Kultur und Europa Berlin, der Bundeszentrale für politische Bildung und der Kulturstiftung des Bundes. In Zusammenarbeit mit der Kulturprojekte Berlin GmbH und dem Ramba Zamba Theater

Produktionen aus Paris, Ljubljana und Buenos Aires zu Gast auf der Gorki Bühne

Das französische Ensemble Le Birgit gastiert mit einem historischen Epos in Berlin, das seine Premiere 2017 beim berühmten Festival d'Avignon feierte: MEMORIES OF SARAJEVO (16.10., 20.00 Uhr Bühne) befasst sich mit der Belagerung von Sarajevo 1992 und der nahezu zeitgleich stattfindenden Gründung der Europäischen Union. Auf einer zweigeteilten Bühne legt das Stück die Verbindung zwischen diesen historischen Zäsuren offen und verfolgt die Wurzeln des Krieges im ehemaligen Jugoslawien zurück bis zum Ersten Weltkrieg.

Die Folgen des Bürgerkriegs in Jugoslawien, das in eine Handvoll verwundeter Nationalstaaten zerhackt wurde, beschäftigen Regisseur Oliver Frljić, der mit seiner Arbeit am slowenischen Mladinsko Theater am Gorki zu sehen ist: In DAMNED BE THE TRAITOR OF HIS HOMELAND! (25. / 26. 10., 19.30 Uhr) führt Frljić einen explizit humanistischen Diskurs über Liebe und Hass für das Theater und präsentiert ein Manifest, dass hochmusikalisch private und historische Dramen miteinander verwebt.

Mit TEATRO DE GUERRA / THEATRE OF WAR kommt die argentinische Regisseurin Lola Arias erneut ans Gorki, und zeigt ihren preisgekrönten Film, der 2018 auch bei der Berlinale ausgezeichnet wurde. Für dieses künstlerische Film- und Theaterprojekt hat sie Veteranen des Falklandkrieges eingeladen, sich 35 Jahre nach Kriegsende zu erinnern: eine Arbeit über Verblendung, Manipulation und die verstörende Frage, wofür würden wir unsere Kinder in den Krieg schicken? (18.10., 20.00 Uhr Filmscreening und Künstler*innengespräch)

Performances: Künstlerische Tiefenbohrungen von Dokumentartheater bis zur Simulation eines Militärseminars

In einer Multimedia Lecture setzt die tansanische Künstlerin Kathleen Bomani der eurozentristischen Sicht auf den 1. Weltkrieg eine andere Perspektive entgegen, in dem sie in WHAT HAPPENED HERE (16.10., 18.00 Uhr) die Geschichte und fortdauernden Auswirkungen des deutschen Kolonialismus und des ersten Weltkriegs in Afrika untersucht.

Der georgische Regisseur und Autor Data Tavadze (16.10., 21.00 Uhr) wird international als Nachwuchsstar gefeiert. Für die Performance AFTER PARTY / AFTER LIFE hat er Interviews mit georgischen Kriegsveteranen geführt und daraus eine Erzählung über einen Kriegsheimkehrer und seinen Sohn destilliert: über zwei Männer, für die das Leben nach dem Krieg keinen Platz mehr bereithält.

Das Reenactment eines kulturell denkwürdigen Ereignisses inszenieren die Dokumentartheater-macher*innen Hans-Werner Kroesinger und Regine Dura mit KULTUR VERTEIDIGEN (16.10, 18.00 Uhr): 1935 versammelten sich in Paris die berühmtesten Schriftsteller*innen zu einem Kongress, um ein antifaschistisches Bündnis gegen Gewalt, Krieg und Ausbeutung zu bilden. Kroesinger und Dura befragen deren Originalreden vor ihrem historischen und dem heutigen Resonanzraum.

Choreograf und Performer Daniel Kok aus Singapur führt in RULES OF ENGAGEMENT (25.10., 18.00 Uhr) ein spekulatives Militärseminar mit dem Publikum durch, um den „Sektor Nietzsche“ mit allen Mitteln zu schützen und die Truppe für einen letzten Showdown in den Schützengräben einer niemals enden wollenden Blutschlacht vorzubereiten.

2012 entstand im Norden Syriens die Demokratische Föderation Rojava. Nicht die Gründung eines kurdischen Staates in Syrien war das Hauptziel, sondern eine Gesellschaft, die auf Geschlechtergerechtigkeit, Schutz der Natur und Basisdemokratie basiert. Dieser utopische Versuch wurde von Anfang an durch das künstlerische Medium des Films begleitet. Der Programmpunkt ROJAVA umfasst drei Filmscreenings und Gespräche mit den Künstler*innen.

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Neue Stücke von internationalen Dramatiker*innen

Das internationale Theaternetzwerk Unternational Affairs hat bulgarische, griechische und türkische Theaterkünstler*innen eingeladen, gemeinsam eine multilokale Koproduktion zu entwickeln. An drei Orten haben diese zum sogenannten "Bevölkerungsaustausch" gearbeitet, den Vertreibungswellen, die zwischen 1913 und 1923 in ihren Regionen stattfanden. In HAUNTED HOUSES sind die drei Stücke zu diesem Thema im Studio Я zu sehen.Neue Theatertexte sind auch im internationalen Dramatiker*innenlabor entstanden. Unter dem Titel KRIEG IM FRIEDEN präsentiert das Studio Я die Arbeiten der vier Autor*innen Nihan Celkan (Istanbul), Sivan Ben Yishai (Tel Aviv/ Berlin), Anastasiia Kosodii (Saporischschja) und Mehdi Moradpour (Berlin) in szenischen Lesungen.  

Das weitere Programm und die Diskursformate finden Sie unter
gorki.de/de/war-or-peace-crossroads-of-history

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