Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
Molière, DER GEIZIGE, Mainfranken Theater WürzburgMolière, DER GEIZIGE, Mainfranken Theater WürzburgMolière, DER GEIZIGE,...

Molière, DER GEIZIGE, Mainfranken Theater Würzburg

Premiere: 12. Oktober 2013 | 19.30 Uhr, Großes Haus. -----

 

Die Spielzeit 2013/2014 steht unter dem Motto VON GELD UND GÖTZEN. Auch in Molières Komödie Der Geizige steht das Spiel um Mammon und Eros im Mittelpunkt: Der ebenso reiche wie geizige Harpagon hat panische Angst, man könnte ihn ausrauben, bestehlen, betrügen oder sonst wie um sein Geld bringen.

Zusätzliche Missstimmung erregt er bei seinen Kindern Cléante und Elise durch seine Heiratspolitik, die – wie alles in seinem Leben – allein finanziellen Erwägungen unterworfen ist. Bei soviel angestautem Unmut lässt eine Revolte der Jungen gegen die Alten nicht lange auf sich warten …

 

Obwohl Der Geizige neben Tartuffe zu Molières meistgespielten Stücken gehört, fand das Werk zu Molières Zeiten nur wenig Anklang. Dabei ist die Komödie reich an grotesken Missverständnissen und brilliert mit überraschender Situationskomik, die den Geiz der Titelfigur karikiert. Daraus schöpft sie ihren Witz, ihre humorvolle Kraft.

 

Vor jeder Vorstellung von Der Geizige präsentiert das Mainfranken Theater Würzburg den theatralen Prolog Die Religion des Kapitals von Paul Lafargue. In seiner 1890 erschienenen Schrift erklärt der französische Sozialist den Kapitalismus als ein religiöses System. Lafargue parodiert nicht zuletzt durch die liturgische Form seines Pamphlets die völlige Unterwerfung vor der Macht des Kapitals. Durch christliche Praktiken wie Anbetung und Bekenntnis wird das Geld über seinen Fetischgehalt hinaus transzendental aufgeladen. Einzig das Ritual und der blinde Glaube an seine Göttlichkeit verheißen dem Kapitalisten Erlösung.

 

Regisseur Stephan Suschke war nach seinem Studium Dramaturg und Regisseur am Theater Greifswald. Anschließend war er bis zu Heiner Müllers Tod 1995 dessen engster Regiemitarbeiter. Stephan Suschke arbeitete mit ihm unter anderem am Deutschen Theater in Berlin, am Berliner Ensemble sowie bei den Bayreuther Festspielen. Ab 1994 inszenierte er auch selbst am Berliner Ensemble, an dem er von 1995 bis 1999 – dabei von 1997 bis 1999 als Künstlerischer Leiter – zur Theaterleitung gehörte. Seit 1999 arbeitete Suschke als freier Regisseur unter anderem am Théâtre National in Brüssel, in Cordobá (Argentinien), Neu Delhi (Indien) und Melbourne (Australien). 2003 veröffentlichte er unter dem Titel Müller Macht Theater eine umfangreiche Dokumentation über Heiner Müllers Theaterarbeit.

 

Am Mainfranken Theater Würzburg stellte sich Stephan Suschke in der Saison 2005/2006 mit den auch überregional sehr erfolgreichen Produktionen von Ödipus, Tyrann von Sophokles und der Oper Das Herz von Hans Pfitzner dem hiesigen Publikum vor. Ferner inszenierte er hier u. a . Friedrich Schillers Maria Stuart, Bertolt Brechts und Kurt Weills Die Dreigroschenoper und die Uraufführung der Oper Die andere Seite von Michael Obst. In der letzten Spielzeit waren Giuseppe Verdis Macbeth und William Shakespeares König Lear von ihm zu sehen. Seit der Spielzeit 2013/2014 ist Stephan Suschke Schauspieldirektor am Mainfranken Theater Würzburg.

 

Inszenierung Stephan Suschke

Bühne Momme Röhrbein

Kostüme Angelika Rieck

Dramaturgie Roland Marzinowski

 

MIT:

Harpagon, Cléantes und Elises Vater, verliebt in Mariane Kai Christian Moritz

Cléante, Harpagons Sohn, Geliebter der Mariane Robin Bohn

Elise, Harpagons Tochter, Geliebte Valères Marianne Kittel

Valère, Anselmes Sohn, Geliebter der Elise Sven Mattke

Mariane, Cléantes Geliebte, von Harpagon geliebt Theresa Palfi

Anselme, Valères und Marianes Vater Timo Ben Schöfer

Frosine, Heiratsvermittlerin Petra Hartung

Meister Simon, Geldvermittler / Meister Jacques, Koch und Kutscher Harpagons Georg Zeies

La Flèche, Diener Cléantes / Ein Kommissar Boris Wagner a. G.

 

Fassung von Stephan Suschke nach der Übersetzung von Wolf Heinrich Graf von Baudissin

 

Theatraler Prolog von Paul Lafargue mit dem Bürgerchor Würzburg jeweils 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn | Foyer-Café

 

 

 

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 18 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

Liebesbande

Hinter tropischen Blumen befindet sich ein luxuriöses Anwesen mit Stahlträgern in offener Bauweise im Stil von Mies van der Rohes Barcelona Pavillon. Die Einrichtung ist im angesagten Midcentury…

Von: Dagmar Kurtz

Ein Hauch von Sehnsucht

Raimund Hoghes letztes Stück „Lettere amoroso“ handelte von Flucht und den sehnsuchtsvollen Briefen, die die Geflohenen schrieben. So weckt das Wort „Vietnam“ im Titel des neuen Stückes "Postcards…

Von: Dagmar Kurtz

Liebe in Zeiten des Krieges

In Großbritannien findet ein Bürgerkrieg statt: die Puritaner unter Oliver Cromwell kämpfen gegen die katholischen Royalisten. Das private Glück ist in Gefahr.  

Von: Dagmar Kurtz

Der Überfall

Gerade ist man noch fröhlich herumgehopst, da, eine heftige Attacke, und schon streckt es einen nieder. Ein Virus oder ein Bakterium hat seinen Weg in den Körper gefunden. Nun werden alle Kräfte…

Wir müssen‘s wohl leiden

Wie die ursprünglichen revolutionären Ansprüche nach Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, die die Abschaffung der Sklaverei, die Gleichberechtigung der Frauen, die Entmachtung des Adels beinhaltet,…

Von: Dagmar Kurtz

Alle Kritiken anzeigen

Folgen Sie uns auf:

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑