"Nordlicht", Dreiteiliger Ballettabend von Katarzyna Kozielska, Marco Goecke und Alexander Ekman - Städtische Theater Chemnitz

Premiere: 12. Oktober 2018, 19.00 Uhr im Opernhaus Chemnitz

Drei Choreografen – drei Handschriften – „Nordlicht“ Sie stammen aus Polen, Deutschland und Schweden. Katarzyna Kozielskas Stern geht gerade am Choreografen-Himmel auf. Marco Goecke und Alexander Ekman sind Stars der internationalen Ballettszene. Die Drei aus dem mittleren und nördlichen Europa lassen die Tänzerinnen und Tänzer des Balletts Chemnitz in bestem Licht – in einem Nordlicht – erscheinen. Sie geben mit ihren unverwechselbaren eigenen Handschriften Kommentare zu zwischenmenschlichen Beziehungen, Gesellschaft, dem Alltag und der Welt des Tanzes. Die Konzentration liegt dabei auf dem Elementaren, dem Ursprünglichen – auf Körpern, deren Innenleben Impulse zur Bewegung initiieren. Jede Muskelfaser des Tänzers wird in Aktion versetzt – sogar die der Stimmbänder. Präzise und voller Athletik, mit ekstatischer Energie, beklemmender Intensität und selbstironischem Humor fangen diese drei Choreografen ein Stimmungsbild unserer Zeit ein.

Unleash (Uraufführung)
Die aus Polen stammende Katarzyna Kozielska, seit der Spielzeit 2000/2001 Mitglied des Stuttgarter Balletts, ist seit 2011 auch als Choreografin erfolgreich. Die von der Fachzeitschrift tanz als „Bemerkenswerteste Nachwuchs-Choreografin“ genannte Künstlerin hat eigens für das Ballett Chemnitz die Uraufführung „Unleash“ entwickelt. Jeder von uns kennt die Fesseln, die unser Verhalten, unser Fühlen, unsere Ohnmacht und unsere Träume begrenzen und bestimmen. In diesem Ballett wird diese innere Unfreiheit in ein visuelles Gespinst übertragen, in dem sich die Protagonisten verfangen und aus dem sie sich aus eigener Kraft lösen können. Dabei stellt sich die Frage, wie frei oder unfrei sind wir? Wie können wir uns aus den Fesseln, die uns Herkunft, Erziehung, Beruf, Beziehung, Familie, Gesellschaft zum Teil auferlegen, befreien? Wie gehen wir mit dieser Freiheit um? Diesen Gedanken und Emotionen will „Unleash“ mit der kraftvollen Musik von David T. Little, Todd Reynolds und Bobby Krlic nachspüren.

Suite Suite Suite
Der gebürtige Wuppertaler Marco Goecke sorgt von Leipzig bis New York, von Oslo bis Monte Carlo sowie bei renommierten Tanzfestivals mit seinen Uraufführungen für Aufsehen. Sein avantgardistischer Tanzstil fordert die Tänzer technisch heraus und berührt. Sein Stück „Suite Suite Suite“ entstand 2008 für das Leipziger Ballett. Inspiriert von kuriosen, mehr oder weniger bekannten Anekdoten aus dem Leben Johann Sebastian Bachs hat Marco Goecke zu dessen Orchestersuite Nr. 4 D-Dur (BWV 1069) eine unverwechselbare, sehr persönliche Bewegungssprache entwickelt. Jedes Zucken und Flattern, jedes Sohlengetrappel und Husten ist präzise ausgearbeitet und bis in die kleinste Bewegung festgelegt. Auch wenn der Tanz die Musik zu dominieren scheint, gehen beide Künste eine faszinierende Symbiose ein.

Episode 31
Alexander Ekman zählt zu den international gefragtesten Choreografen. 2011 konzipierte er „Episode 31” für die Absolventenklasse der renommierten Juilliard School in New York City, an der er in jenem Jahr lehrte. Das große Ensemble-Stück besteht aus vielen atemberaubenden Szenen, die die Tänzer kreieren. Bei der Stückentwicklung war das Experimentieren mit Tanz im öffentlichen Leben der Stadt wichtiger Teil der Arbeit. Plötzlich tauchen 20 athletische Tänzer auf und beginnen zu tanzen, auf Straßen und Plätzen genauso wie in öffentlichen Verkehrsmitteln und Parks. Nachdem die Tänzer des Balletts Chemnitz diesen Teil der Choreografie im September 2018 bereits in die Stadt Chemnitz getragen haben, ist das ganze energiegeladene Stück zu ausdrucksstarker Musik von Mikael Karlsson, Eric Satie und Ane Brun im Opernhaus zu erleben.

Die Choreografen

Katarzyna Kozielska,
geboren im polnischen Zabrze, besuchte zunächst die Staatliche Ballettschule in Beuthen, bevor sie ihre professionelle Ballettausbildung an der John Cranko Schule absolvierte und diese dort im Jahr 2000 abschloss. In der Spielzeit 2000/2001 tanzte sie als Elevin beim Stuttgarter Ballett und wurde ein Jahr später ins Corps de ballet von Reid Anderson übernommen. 2006 wurde sie zur Halbsolistin befördert. Seitdem tanzte sie ein breites Repertoire klassischer, neoklassischer und zeitgenössischer Stücke, u. a. von George Balanchine, John Cranko, Glen Tetley, John Neumeier und Marco Goecke. Ihre ersten eigenen Choreografien schuf Katarzyna Kozielska 2011 im Rahmen der „Jungen Choreografen“ der Noverre-Gesellschaft und 2012 für das Stuttgarter Ballett. Im selben Jahr wurde sie als „Bemerkenswerte Nachwuchs-Choreografin“ in der Fachzeitschrift „tanz“ genannt. Seitdem folgten mehrere Auftragswerke für das Stuttgarter Ballett sowie Choreografien für die New Yorker Compagnie Ballet Next an der renommierten Brooklyn Academy of Music, die John Cranko Schule, das Ballett Augsburg, die Eröffnung des Porsche Tennis Grand Prix im April 2016 und verschiedene Galas in Europa und Mexiko. Im Juni 2018 wurde ihre Choreografie „Aspects“ vom Tschechischen Nationalballett in Prag uraufgeführt.

Marco Goecke
absolvierte seine Ballettausbildung ab 1988 an der Ballettakademie der Heinz-Bosl-Stiftung München sowie am Königlichen Konservatorium Den Haag, wo er 1995 sein Diplom erhielt. Es folgten Engagements an der Staatsoper Berlin und am Theater Hagen, an dem er im Jahr 2000 seine erste Choreografie schuf. Es folgten mehrere Choreografien für die Noverre-Gesellschaft und eine Einladung an das New York Choreographic Institute. Im Juli 2003 gewann Goecke den „Prix Dom Pérignon“ in Hamburg. In den Jahren danach erhielt er zahlreiche Aufträge für internationale Compagnien wie zum Beispiel Les Ballets de Monte Carlo, Den Norske Ballet in Oslo, das Pacific Northwest Ballet Seattle oder das Staatsballett Berlin. Marco Goecke war Hauschoreograf des Stuttgarter Balletts (2005–2018) und des Scapino Ballet Rotterdam (2006–2012). Ab der Spielzeit 2013/2014 wurde er Associate Choreographer beim Nederlands Dans Theater. Von seinen über 60 Werken werden viele auch von Compagnien einstudiert, für die sie nicht ursprünglich geschaffen wurden, z. B. in Tel Aviv, Sao Paulo, Montréal, Helsinki, Moskau, Zürich, Düsseldorf und Wien. Mehrere internationale Preise zeichnen sein Schaffen aus. Ab der Spielzeit 2019/2020 wird er die Ballettdirektion in Hannover übernehmen.

Alexander Ekman
entwickelt als international agierender Choreograf und Regisseur Stücke für Opernhäuser, Theater und Museen und führt drüber hinaus Regie bei Filmen, Musikvideos und Live Performances in Pop-Up-Locations. Nach Beendigung seiner Karriere als Tänzer des Kungliga Balletten in Stockholm, des Nederlands Dans Theater 2 und des Cullberg Ballet widmet sich Alexander Ekman seit 2006 der Entwicklung von Stücken, die sowohl unterhaltsam sind als auch Fragen an den Zuschauer richten. Sein Ziel ist es, die Atmosphäre im Zuschauerraum zu verändern und das Publikum zu überraschen. Über 50 Tanzkompanien haben seine Choreografien weltweit aufgeführt, darunter das Kungliga Balletten, das Cullberg Ballet, die Göteborgs Operans Danskompani, die Iceland Dance Company, das Berner Ballett, das Cedar Lake Contemporary Ballet in New York, das Ballet de l’Opéra du Rhin, Den Norske Ballett in Oslo, das Boston Ballet, das Royal Ballet Flanders, die Sydney Dance Company, Den Kongelige Ballet in Kopenhagen und das Wiener Staatsballett. Für sein Stück „Cow“ am Dresdner Semperoper Ballett wurde er 2016 mit dem deutschen Theaterpreis „Der Faust“ ausgezeichnet.

Unleash (Uraufführung)
Ballett für 10 Tänzer von Katarzyna Kozielska
Musik von David T. Little, Todd Reynolds und Bobby Krlic
Choreografie und Inszenierung: Katarzyna Kozielska
Bühne und Kostüme: Ines Alda

Suite Suite Suite
Ballett für 9 Tänzer von Marco Goecke
Musik von Johann Sebastian Bach
Choreografie, Bühne und Kostüme: Marco Goecke
Einstudierung: Nicole Kohlmann

Episode 31
Ballett für großes Ensemble von Alexander Ekman
Musik von Mikael Karlsson, Eric Satie und Ane Brun
Konzept und Choreografie: Alexander Ekman
Kostüme: Luke Simcock
Lichtdesign: Nicole Pearce
Einstudierung: Fernando Troya
Es tanzt das Ballett Chemnitz.

Die nächsten Vorstellungen sind am 27. Oktober, 9. und 17. November 2018, jeweils 19.00 Uhr im Opernhaus Chemnitz.

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