Peter Turrini, "Endlich Schluß", Theater in der Josefstadt Wien

Premiere 3. Mai 2012, 19.30 Uhr. ----- Der Mann: Ich habe alle Todesarten überlegt und wieder verworfen. Der Sprung aus dem Fenster schien mir zu unsicher, ich könnte ihn überleben und zum Invaliden werden. Der Gastod fällt aus, seit die Stadtwerke das Gas entgiftet haben. Tabletten habe ich schon genommen, erfolglos.
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Eine Zeitlang überlegte ich,mit demAuto gegen eineWand zu rasen, aber das würde nur die Unfallstatistik erhöhen und meinemTod das Besondere nehmen. Erhängen finde ich auch zu üblich. Eine Selbstverbrennung ist mir zu pathetisch, außerdem schreit man noch minutenlang vor sich hin. Ein Schuß in den Kopf ist das Vernünftigste. Ein großer Knall, und dann ist es still. 1,2,3...Ich zähle jetzt bis tausend und bringe mich um. 40,41, 42...Wenn ich die Zahl tausend erreicht habe, werde ich mich erschießen.

Ein Mann, der alle beruflichen und privaten Höhen erklommen hat, zieht sich immer mehr von der

Außenwelt zurück. Er verbarrikadiert sich im letzten Zimmer seinerWohnung und verhängt die Fenster

mit schwarzen Tüchern. Er hat alle Uhren verbannt, Computer und Telefone entfernt und vermeidet das

Geräusch seiner Schritte. Um dem Pizzaboten zu entgehen, ernährt er sich von Astronautennahrung. Um´von Post undWerbung verschont zu bleiben, besticht er den Briefträger. Alles Geschriebene, Gedruckte wird systematisch vernichtet, die Geburtsurkunde zerrissen. Der gesamte Lebensmüll türmt sich auf einem wachsenden Berg imVorzimmer, welches er nicht mehr betritt. Er hat den Schlüssel abgezogen und unter der Tür durchgeschoben. Die Pistole an der Schläfe, zählt er bis tausend.

Regie Herbert Föttinger

Bühnenbild und Kostüm Rolf Langenfass

Der Mann Alexander Pschill

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