Schauspiel Leipzig: FAUST von Johann Wolfgang Goethe

Premiere Sa, 29.09.2018, 18:00, Faust I + II, Große Bühne

Am Ende seines Lebens blickte Goethe auf über fünfzig Jahre der Beschäftigung mit dem Faust-Stoff zurück: Von den 1770er Jahren bis kurz vor seinem Tod 1832 arbeitete er an dem Stoff, dem er in seiner Jugend als Puppenspiel erstmals begegnete und der dann sein schriftstellerisches Leben dominierte. Zwei Dramen schuf Goethe aus dem Stoff: den Faust I, erschienen 1806, und den Faust II, kurz vor dem Tod beendet, aber erst für die Nachwelt veröffentlicht. Das Schauspiel Leipzig wird sich, in Weiterführung der inszenatorischen Doppelbefragungen der vergangenen Spielzeiten, den beiden Teilen des „Faust“ verschieden nähern — und sie unterschiedlich präsentieren:
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„Faust I“ wird als Inszenierung auf der Großen Bühne stattfinden und zudem die Leipziger Arbeit mit Chören fortsetzen.

Für den II. Teil verlassen wir das Schauspielhaus und die klassische Theatersituation — und splitten den Theaterabend auf in drei parallele Themen-Touren hinein in die Stadt Leipzig, angeleitet vom Interesse, welche Themen aus dem „Faust II“ uns nach wie vor beschäftigen und welche Verbindungen sich aus dem Stoff ins Heute ziehen lassen.

Die Touren starten am Schauspielhaus und finden parallel statt; pro Aufführung kann nur an je einer Tour teilgenommen werden. Den Schluss des „Faust II“ erleben dann alle drei Touren wieder gemeinsam im Schauspielhaus.

An acht Spieltagen sind Faust I & Faust II nacheinander zu erleben, ebenso an acht Tagen allein der Faust I, ohne den Teil II und ohne die Touren. Weitere Informationen zur Inszenierung und den beiden Teilen des FAUST im Folgenden.

Faust I
Bereits den „Faust I“ prägten jahrzehntelange Arbeitsphasen, von den frühen Entwürfen aus der Zeit des Sturm und Drang bis hin zur Druckversion des Dramas 1808. Aber eine Szene gibt es, die die Jahrzehnte unverändert überstand. Goethe übernahm sie so in den „Faust I“, wie sie schon im sogenannten Urfaust 1776/77 überliefert ist — es ist die Szene „Am Brunnen“.

Darin trifft Margarethe auf Lieschen, die von Aufmerksamkeit und Liebe träumt und sich nach Ausbruch sehnt. Gleichzeitig jedoch brandmarkt Lieschen das eine Mädchen, Bärbelchen, das diese Sehnsüchte gelebt hat und ein voreheliches Verhältnis eingegangen ist, und droht ihr dafür die soziale Ächtung durch die Gemeinschaft mit aller Härte an. Margarethe steht mit ihrem Mitgefühl allein – und ahnt, was sie selbst erleben wird... Eine Schlüsselszene, die den Blick der Leipziger Neuinszenierung auf den Text leiten wird: das spannungsgeladene Verhältnis von gesellschaftlicher Norm und individueller Entfaltung.

Ein solches Spannungsverhältnis prägt auch die Titelfigur. In Faust steht sich eine Doppel-Struktur widerstrebender, ja, widersprechender Impulse gegenüber: Akzeptiertes und Verbotenes, Unterdrücktes und sozial Erwünschtes, Norm und Individuum findet sich hier in einer Figur zusammengespannt. Zwei Seelen wohnen, ach, in seiner Brust. Mindestens zwei.

Und während die eine im deutlich begrenzten Horizont der Gesellschaft und ihrer Erwartungen zu leben versucht, ist die andere auf die größtmögliche Fülle des Lebens aus, in radikal-egozentrischem Erlebenswillen. Mit ungeheurer Sprengkraft entzündet sich diese zweite Seele am eigenen und äußeren Druck: Eine zweite Existenz bricht sich Bahn, die eines um jeden Preis vermeiden will — das Innehalten. So lange, bis die aufgelaufene Summe der verdrängten Folgen Faust schlussendlich einholt und als Sorge, Mangel, Not und Schuld am Lebensende gegenübersteht.

Faust II / Die Themen-Touren
Schon früh als Zweiteiler angedacht, umfasste die Fertigstellung des „Faust II“ noch Goethes gesamtes restliches schriftstellerisches Leben. Jahrzehnte, in denen sich das Material verändert und entwickelt hat, in denen Goethe neue Schwerpunkte und Blickrichtungen gesetzt hat. „Faust II“ dehnt sich dabei weit über den Teil I hinaus, als eine in vielfacher Hinsicht genre- und theatersprengende Stoffsammlung: thematisch, zeitlich, formal. Ein anspielungsvolles Groß-Essay, das weit in Vergangenheit und Zukunft blickt.

Mit den Themen-Touren in die Stadt Leipzig greifen wir drei der Themen Goethes aus dem Faust II auf, die bis in die jüngste Gegenwart relevant sind: „Die Erfindung des Reichtums“; „Schöpfungsträume“ sowie „Die Umsiedler“. Auf diesen drei Touren wird Ihnen nicht unser Schauspielensemble begegnen und weniger der Text des Goethe-Dramas als vielmehr eben seine spezifischen Themen — basierend auf unseren Recherchen in der Stadt, aus dem Heute und der Vergangenheit, basierend auf Expertinnen und Experten der jeweiligen Themenfelder.

Jede der Touren führt zu besonderen, nicht alltäglichen und zum Teil auch nicht alltäglich zugänglichen Orten der Stadt: Die Tour 1 „Die Erfindung des Reichtums“ führt ins historische (Macht- und Handels-)Zentrum Leipzigs: in die Alte Handelsbörse und in den Festsaal des Alten Rathauses. Tour 2 „Schöpfungsträume“ führt in ein Theater anderen Charakters — in den alten Hörsaal der Anatomie, das historische theatrum anatomicum des Leipziger Universitätsklinikums. Die Tour 3 „Die Umsiedler“ führt Sie in die Katakomben des Völkerschlachtdenkmals.

Regie: Enrico Lübbe
Bühne: Etienne Pluss
Kostüme: Sabine Blickenstorfer
Video: fettFilm
Musik: Peer Baierlein
Chorleitung: Franziska Kuba
Choreographie: Stefan Haufe
Dramaturgie: Torsten Buß
Produktionsleitung Themen-Touren: Maximilian Grafe
Licht: Ralf Riechert

Wenzel Banneyer als Faust
Thomas Braungardt, Alina-Katharin Heipe, Denis Petković, Bettina Schmidt als Sorge / Mangel / Not / Schuld
Julia Preuß als Margarethe
Tilo Krügel als Wagner
Andreas Dyszewski als Valentin
Tilo Krügel als Johann Gottfried Eckermann
Bettina Schmidt, Denis Petković als Johann Wolfgang Goethe 1
Julia Preuß, Thomas Braungardt als Johann Wolfgang Goethe 2
Alina-Katharin Heipe, Andreas Dyszewski als Johann Wolfgang Goethe 3
Wenzel Banneyer als Julia von Göchhausen
Nicole Widera, Nina Wolf, , Ron Helbig, Julian Kluge, Philipp Staschull, Friedrich Steinlein, Paul Trempnau als Schüler, Lieschen, Marthe, Chor

Nächste TErmine
Fr, 05.10. 18:00
Faust I + II
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Sa, 06.10. 18:00
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Fr, 02.11. 19:30
Faust I
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Sa, 01.12. 19:30
mit Simultanübersetzung ENG, Faust I
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Fr, 21.12. 19:30
Faust I
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Do, 24.01. 19:30
mit Simultanübersetzung ENG, Faust I
Große Bühne

Sa, 02.02. 19:30
mit Audiodeskription, Faust I
Große Bühne

Sa, 09.03. 19:30
mit Audiodeskription, Faust I
Große Bühne

So, 31.03. 16:00
mit Simultanübersetzung ENG, mit Kinderbetreuung, Faust I
Große Bühne

Mo, 22.04. 16:00
mit Simultanübersetzung ENG, mit Kinderbetreuung, Faust I
Große Bühne

An den Terminen „Faust I“ wird nur die Variante der Inszenierung angeboten, die im Schauspielhaus stattfindet. Die Außen-Touren werden zu diesen Terminen nicht angeboten.

Faust I + II (mit Themen-Touren)
Bei einem Kartenkauf für Faust I + II direkt an unserer Theaterkasse (persönlich zu den Öffnungszeiten, telefonisch unter 0341 / 12 68 168 oder per Mail an besucherservice@schauspiel-leipzig.de) haben Sie die Möglichkeit, vorab eine Tour Ihrer Wahl zu buchen. Bitte beachten Sie, dass bei Online-Kartenkauf (Webshop, ticketdirect etc.) keine Tour-Buchung vorab erfolgen kann. Jede Tour hat eine begrenzte Platzkapazität. Die restlichen Touren-Plätze werden eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn vergeben. Wir empfehlen rechtzeitiges Erscheinen.

Zu allen Fragen: Bitte setzen Sie sich mit dem Besucherservice in Verbindung.
Barrierefreiheit
Tour 1 ist als fußläufige Tour gestaltet. Der Transport auf den Touren 2 und 3 erfolgt per Shuttle.
Die Touren 1 und 3 sind barrierefrei für Blinde und Sehbeeinträchtigte. Für die Teilnahme ist unbedingt eine persönliche Begleitperson erforderlich, da nur das Bühnengeschehen im Schauspielhaus per Audiodeskription beschrieben werden kann. Weitere Informationen erhalten Sie beim Kartenkauf.

Bild: Jophann Wolfgang Goethe

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