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Schauspiel Leipzig: PENTHESILEA Von Heinrich von Kleist

PREMIERE: 27.10.2011, 19.30 Uhr, Centraltheater. -----

Ein romantischer Albtraum ist dieses Stück. Bildgewaltig und gewalttätig wuchern darin die Gefühle, so monströs, dass man sich fragt, wie Heinrich von Kleist sie in Form halten konnte, wo doch alles darin außer sich gerät.

Am Ende ist der mythenumwobene Kriegsschauplatz vor den Mauern von Troja ein unkontrollierbares Schlachtfeld der Liebe geworden. Liebe, die allen politischen Widerständen zum Trotz ihre Blicke quer durch die Schlachtreihen sendet. Liebe, die die Liebenden schließlich selbst überfordert. Denn der griechische Kriegsheld Achill und die Amazonenkönigin Penthesilea entpuppen sich als blutige Anfänger des Gefühls. Schon als das Amazonenheer überraschend vor Troja auftaucht, sind Trojaner und Griechen hochgradig verwirrt: Die waffenbewehrten Frauen interessieren sich weder für das eine noch das andere Kriegslager; bis die griechischen Söldner begreifen, dass sie die Kriegsbeute der Amazonen sind – zeugungsfähige Männer, die den Fortbestand des Frauenstaates gewährleisten sollen.

 

Als dann in rasendem Kampf die Liebe zwischen Penthesilea und Achill ausbricht, alle Staatsdoktrinen der Amazonen wie der Griechen durchbricht und die beiden Liebenden aus ihren feindlichen Formationen heraustreten, um ihren privaten Anspruch auf Glück geltend zu machen, da wächst der politische Druck aus den eigenen Lagern so sehr, dass die beiden, die gerade begonnen hatten, „ich“ zu sagen, gar nicht mehr wissen, was sie fühlen: Denn den anderen ganz „sein“ zu nennen, hieße in der Logik dieses Krieges, ihn zu besiegen, zu vernichten. Und so werden zwei Menschen, die das Schicksal ihres Volkes gegen das eigene tauschen wollen, zum Schicksal des anderen.

Anja Nioduschewski

 

mit Friederike Bernhardt, Elsa Gregoire, charlotte Hacker, Günther Harder, Marek Harloff, Leonard Hugger, Ekaterina Kaufmann, Andreas Keller, Katharina Knap, Taryn Knerr, Guido Lambrecht, Lenja Raschke, Laura Sundermann, Sarah Therry, Birgit Unterweger

 

Regie: Robert Borgmann

Bühne: Robert Borgmann

Mitarbeit Bühne: Peter Schickart

Kostüme: Janina Brinkmann

Musikalische Leitung: Friederike Bernhardt

Dramaturgie: Anja Nioduschewski

 

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