schauspielfrankfurt: "Stifters Dinge"

Eine performative Installation von Heiner Goebbels Frankfurt-Premiere: 28. Oktober, 20.00 Uhr, Bockenheimer Depot Stifters Dinge ist ein Klavierstück ohne Pianisten, ein Theaterstück ohne Schauspieler, eine Performance ohne Performer- aber vor allem eine Einladung an die Zuschauer in einen faszinierenden Raum zum Hören und Sehen.

Im Zentrum steht die Aufmerksamkeit den Dingen gegenüber, die im Theater als Dekor oder Requisit oft eine illustrative Rolle spielen, hier aber zu Protagonisten werden: das Licht, die Bilder, Geräusche, Töne, Stimmen, Wind und Nebel, Wasser und Eis.

Inspirationsquelle sind die Erzählungen Adalbert Stifters, in denen die Handlung zugunsten von Naturbeschreibungen zurücktritt - aus Respekt gegenüber der Natur und den Dingen. Diese Entschleunigung hat ihm den Ruf eines langweiligen biedermeierlichen Autors eingebracht, obwohl seine Ordnungen, seine ritualisierten Wiederholungen zeitgemäße Angebote an den Leser machen.

Daran knüpft diese performative Installation an ohne seine Texte inszenieren zu wollen: als Herausforderung für eine Begegnung mit dem Fremden, mit den Kräften, derer wir nicht ‚Herr sind’, um andere als unsere eigenen Kriterien und Urteile als Instanz zuzulassen - sowohl in der Begegnung mit uns unbekannten kulturellen Ordnungen als auch gegenüber ökologischen Katastrophen, die Stifter immer wieder ausführlich schildert.

Nach Max Black, ...meme soir.-, Hashirigaki, Landschaft mit entfernten Verwandten und Eraritjaritjaka ist Stifters Dinge erneut eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Regisseur und Komponisten Heiner Goebbels und dem Bühnenbildner und Lichtdesigner Klaus Grünberg, mit Willi Bopp (Sounddesign) und Hubert Machnik (musikalische Mitarbeit und Programmierung).

„Das Rauschen, welches wir früher in den Lüften gehört hatten, war uns jetzt bekannt; es war nicht in den Lüften, jetzt war es bei uns. In der ganzen Tiefe des Waldes herrschte es ununterbrochen fort, und entstand, wie die Äste und Zweige krachten und zur Erde fielen. Es war um so fürchterlicher, da alles Andere unbeweglich stand. Von dem ganzen Geglizzer und Geglänze rührte sich kein Zweig und keine Nadel, außer wenn nach einem Eisfalle irgend ein Ast empor schlug. Dann war es wieder ruhig. Wir harreten, und schauten hin, ich weiß nicht, war es Bewunderung oder Furcht, in das Ding hinein zu fahren.“

Adalbert Stifter, aus: Die Mappe meines Urgroßvaters

Idee und Konzept: Heiner Goebbels / Bühne: Klaus Grünberg / Video: Klaus Grünberg / Licht: Klaus Grünberg

Sound-Design: Willi Bopp; Musikalische Mitarbeit und Programmierung: Hubert Machnik

Produktion: Théâtre Vidy-Lausanne E.T.E. Koproduzenten: spielzeit"europa /

Berliner Festspiele, Grand Théâtre de la Ville de Luxembourg, schauspielfrankfurt, T&M-Théâtre de Gennevilliers / CDN, Migros-Kulturprozent und Teatro Stabile di Torino; Korealisation: Artangel London. Mit Unterstützung der Pro Helvetia

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