Schweizer Erstaufführung: "Der Steppenwolf" im Stadttheater Bern

Von Hermann Hesse, eingerichtet von Joachim Lux. Premiere am Donnerstag, 22. März 2007, 19.30 Uhr. Hermann Hesses „Steppenwolf“ ist eines der meistgelesenen deutschsprachigen Bücher. Joachim Lux, Dramaturg am Wiener Burgtheater, hat den Roman für die Bühne bearbeitet. Er hält sich eng an die Vorlage, passt den Dialog behutsam der gesprochenen Rede an.

Der autobiografische Charakter des Buches erlaubt es, verwandte Werke – den Gedichtzyklus  „Krisis“, der im Umfeld des „Steppenwolf“ entstanden ist – hinzu zu ziehen. Das Stadttheater Bern bringt diese Bearbeitung als Schweizer Erstaufführung auf die Bühne.

Der pietistisch erzogene schwäbische Missionarssohn Hermann Hesse wohnte bereits als Kind mit seinen Eltern zum Teil in der Schweiz. 1912 verliess er Deutschland endgültig, lebte einige Zeit in Bern und wurde schliesslich Schweizer Bürger. Nach dem Tod seines Vaters und einer psychischen Erkrankung seiner ersten Frau begab sich Hesse in psychoanalytische Behandlung zu J. B. Lang, einem Schüler C. G. Jungs. Seine Positionierung als Kriegsgegner trug ihm in Deutschland trotz schriftstellerischen Erfolges Beschimpfungen als Vaterlandsverräter ein.

 
Der Steppenwolf Harry Haller – nicht nur die Namensähnlichkeit weist daraufhin – hat viel mit seinem Erfinder Hermann Hesse zu tun. Hesse steht bei der Niederschrift wie der Steppenwolf kurz vor seinem 50. Geburtstag. Beide stecken in der Midlife Crisis, das Familienleben ist gescheitert, sie werden öffentlich angegriffen, sie pflegen einen Aussenseiter-Status und sie kämpfen mit der anerzogenen Moral des Pflicht-Bewusstseins. Hesse wie Haller sind hin und her gerissen zwischen der Sehnsucht nach einer bürgerlichen Heimat und dem entschiedenen Widerspruch zur Gesellschaft. Der Titel verweist auf die unterdrückte Seite im zivilisierten Bürger Haller, das wilde Raubtier. Bei der Überwindung des Zwiespalts zwischen Mensch und Wolf spielt Hesses Psychoanalyse eine grosse Rolle. Haller soll statt dieser Polarität alle Facetten seines Ichs zulassen. Der Roman vereint diese Reise ins eigene Ich mit einer Auseinandersetzung mit der Gesellschaft.

 
Die Bekenntnisse des Steppenwolfs sind eine Projektionsfläche nicht nur für Pubertierende aller Generationen, für die 68er Revolutionäre bis zur amerikanischen Band „Steppenwolf“ mit ihrem berühmten Lied „Born to be wild“. Dabei wurde der Roman zum festen Inventar des Bürgertums, das er so stark kritisiert. Hesse ahnte das und schrieb im Traktat vom Steppenwolf: „In der Tat beruht die vitale Kraft des Bürgertums keineswegs auf den Eigenschaften seiner normalen Mitglieder, sondern auf denen der ausserordentlich zahlreichen Outsiders, die es infolge der Verschwommenheit und Dehnbarkeit seiner Ideale mit zu umschliessen vermag.“

Inszenierung                                                                David Mouchtar-Samorai

Bühne                                                                         Heinz Hauser

Kostüme                                                                     Urte Eicker

Musik                                                                         Michael Frei

Video                                                                          Bettina Disler

Dramaturgie                                                                Rainer Hofmann

________________________________________________________________________

Harry Haller                                                                Michael Günther
Vermieter/ Hessischer Goethe                                      Uwe Schönbeck

Pablo / Mozart                                                             Stefan Suske

Hermine                                                                      Julia Wieninger

Maria                                                                          Silvia-Maria Jung 
Fremder                                                                      Thomas Mathys

Professor / Goethe                                                       Matthias Brambeer

Sänger / Unsterblicher / Raubtier u.a.                            Andreas Bittl

Musiker                                                                      Michael Frei

Weitere Rollen                                                             Ensemble


Weitere Artikel