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Städtische Bühnen Münster: FUNDAMENT von Jan Neumann

Premiere: Mittwoch, 30. März 2011, 19.30 h, Kleines Haus. ---

 

Ein Sprengstoffanschlag auf den Hauptbahnhof einer mittelgroßen Stadt verbindet die Geschichten von fünf Menschen und unterteilt ihr Leben in Vorher und Nachher:

 

Der brillant geschliffene Tagesablauf des Inhabers einer Werbeagentur – zwischen idealem ehelichem Sex, dem Leben mit seiner Frau und ihren gemeinsamen Kindern und karitativer Mitarbeit bei der Frühstückstafel – endet jäh. Ein Feuerball zerfetzt den attraktiven erfolgsverwöhnten Gutmenschen. Marianne Krüger-Kaufmann wird nie ihren Begleiter für den Besuch der Oper „Lohengrin“ kennenlernen. Denn sie findet sich plötzlich mit verdrehtem Kopf und gerissenem Trommelfell auf dem Bahnhofsboden neben einem körperlosen Kopf mit Fliege um den Hals. Abgeschnitten von ihren Gefühlen versinkt Marianne in der Erinnerung an einen blutigen Igel, den sie als Kind an der Friedhofsmauer begrub.

 

Aus der Bahn gerät trotz seiner Erfahrungen mit unterschiedlichsten Religionen auch das Leben des Frührentners Wolfgang Röhrig, denn er hat nach einer Zugreise zufällig den Anschlag überlebt. Die Angestellte Bettina Lauterbach findet für ihre Verzweiflung zwischen Familie und Job auch in einem Malworkshop keine Lösung. Doch im Bahnhof reißt ihr die Explosion hinterrücks das Handy aus der Hand und beendet so mehr als ein Telefonat mit ihrer Tochter. Den Studenten Benjamin Ulrich bedrohen nicht nur die komplexe Weltlage und sein Bestreben, durch das Engagement für die Hungerbauchkinder in Burundi seinem Leben eine Struktur zu geben. Denn seine Freundin Uta treibt es politisch gleichgültig mit Mitbewohner Ole, und das WG-Leben ist ebenso durcheinander wie die komplexe Weltlage. „Auch zu Hause hängt in einer globalisierten Welt alles mit allem zusammen.“

Von den verschiedenen Leben bleiben Erinnerungen und eine hilflose Suche nach Erklärungen im Internet. Denn in einer globalisierten Welt hängt nichts miteinander zusammen oder „alles mit allem“.

 

FUNDAMENT beleuchtet unterschiedliche Wege der oft verzweifelten Sinnsuche in unserer Zeit. Das Stück entstand in der Spielzeit 2009/10 als Stückentwicklung am Staatstheater Stuttgart aus Improvisationen und biographischen Erkundungen in Zusammenarbeit zwischen dem Autor und Regisseur Jan Neumann und seinem Schauspielensemble. Die Schauspieler zeichnen als Erzähler und Erfinder ihrer eigenen Figuren mit elementaren Mitteln des Theaters über detailgenaue Erzählung, Monologe und Dialoge aus scheinbar nebensächlichen Alltagsbeobachtungen immer drastischer den Schrecken eines Terroranschlags.

 

Jan Neumann

Geboren 1975 in München, ist Jan Neumann ursprünglich Schauspieler. Von 1998 bis 2001 war er Ensemblemitglied am Bayerischen Staatsschauspiel in München und von 2001 bis 2006 am Schauspiel Frankfurt, wo er in der Spielzeit 2004/2005 bei seinem eigenen Stück „Goldfischen“ sowie bei „Herr Kolpert“ von David Gieselmann zum ersten Mal Regie führte. Sein zweites eigenes Stück „Liebesruh“ wurde 2005 im Thalia Theater Hamburg uraufgeführt.

 

Seit 2004 entwickelt Jan Neumann auch Stücke für eigene Inszenierungen. Sie setzen den Menschen und seinen Alltag in den Kontext politischer Brennpunkte. Die erste Stückentwicklung „Die Nacht dazwischen“ entstand 2006 im Theater Aalen. Für das lettische New Riga Theatre unter der Leitung von Alvis Hermanis schrieb und inszenierte Neumann 2007 das Stück „Dunkelheld“, gefolgt von „Herzschritt“, das am Düsseldorfer Schauspielhaus uraufgeführt wurde. 2008 entstand „Kredit“ am Schauspiel Frankfurt, in der Spielzeit 2009/10 neben „Fundament“ auch „Gott allein“ am Staatsschauspiel Dresden. Neumanns jüngste Stückentwicklung, „Hochstapeln“, entstand Ende 2010 am Bochumer Schauspielhaus. Zuletzt inszenierte Jan Neumann „Amazonas“ von Alfred Döblin am Maxim Gorki Theater in Berlin.

 

Regie: Eva Lange

Bühne/ Kostüme: Daniela-Maria Decker

Dramaturgie: Justus Wenke

 

Regine Andratschke (Marianna Krüger-Kaufmann, Erzähler 2, Ute / Dascha Golubeva / Universitätsprofessorin)

Christiane Hagedorn (Bettina Lauterbach, Erzähler 1, Petra, Jaqueline Kremm, TV Journalistin)

Frank-Peter Dettmann (Wolfgang Röhrig, Erzähler 4, Afrikanischer Stammeshäuptling, Arzt / Lukas Kremm / Psychologe)

Anton Pleva (Benjamin Ullrich, Erzähler 5, Junger Mann / Pfleger / Johann Kremm / Rabintranat, Nachrichtensprecher)

Marek Sarnowski (Dr. Friedrich Kremm, Erzähler 3, Zugchef / Ole, Günther, Sterbender Vater / Politiker)

 

05.04.

19.30 Uhr

 

09.04.

19.30 Uhr

 

15.04.

19.30 Uhr

 

16.04.

19.30 Uhr

 

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